Depersonalisation: Jugendliche stärker belastet

2. Dezember 2014
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47 Prozent von befragten Schülern in Rheinland-Pfalz sind gelegentlich durch Symptome der Depersonalisation belastet. 12 Prozent sogar stark. Allgemein weisen rund 32 Prozent der Schüler ein erhebliches Ausmaß an psychischer Belastung auf. Nikotin- und Cannabiskonsum fördert diese.

In der Phase der Adoleszenz, sind Symptome von Depersonalisation nicht selten. In einer Befragung (3.809 Schülern im Alter von 12 bis 18 Jahren in Rheinland-Pfalz) gaben insgesamt 47 Prozent der befragten Schüler an, zumindest an einzelnen Tagen in den letzten zwei Wochen durch solche Symptome belastet gewesen zu sein. Dass 12 Prozent der Schüler stark belastende Symptome von Depersonalisation bekundeten, überraschte die Forscher jedoch.

Verstärkt Depersonalisation unter Schülern

Damit wies die Schülergruppe deutlich häufiger starke Symptome von Depersonalisation auf als die Allgemeinbevölkerung, in der dies nur mit einer Häufigkeit von ein bis zwei Prozent vorkommt. Von einer sehr hohen allgemeinen psychischen Belastung berichteten darüber hinaus rund 32 Prozent der 12- bis 18-jährigen Schüler in Rheinland-Pfalz. Das Ausmaß an psychischer Belastung entspricht jener von Jugendlichen, die sich wegen seelischer Erkrankungen in stationärer Behandlung befinden.

Bei genauerer Untersuchung der betroffenen Befragten stellte sich heraus, dass Schüler, die Nikotin und Cannabis konsumierten, häufig unter Depersonalisation litten. Ganz besonders eng, so Dr. Matthias Michal, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, hing starke Depersonalisation mit sozialen Ängsten zusammen, männlichem Geschlecht, geringerer Schulqualifikation, stark verminderter Selbstwirksamkeit und schlechteren Fertigkeiten, Probleme konstruktiv zu lösen.

Es besteht viel Forschungsbedarf

Obgleich Depersonalisation kein neues und kein seltenes Phänomen ist, gibt es wenig Forschung dazu. Angesichts der Häufigkeit klinisch relevanter Depersonalisation sehen die Forscher jedoch noch viel Forschungsbedarf. „Zum einen sind Längsschnittuntersuchungen wichtig, um zu überprüfen, wie sich die Depersonalisation im Verlauf entwickelt. Zum anderen bedarf es auch vermehrt klinischer Studien, um Betroffenen besser helfen zu können“, so Michal.

Originalpublikation:

Prevalence and correlates of depersonalization in students aged 12-18 years in Germany
Matthias Michal et al.; Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, doi: 10.1007/s00127-014-0957-2; 2014

18 Wertungen (4.17 ø)

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5 Kommentare:

Gast
Gast

die politisch correcte Redaktion hat wieder was gelöscht?

#5 |
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Nadine Fege
Nadine Fege

Ich finde, man sollte das nicht verwechseln: “im Flow sein”, konzentriert arbeiten ist etwas ganz anderes als eine Depersonalisation. Im ersten Fall gelingt es den Personen, sich wieder “zu sich zurückzuholen”, wenn sie sich auf sich besinnen (z.B auf eine Körperempfindung). Bei Menschen, die an einer DP leiden, gelingt das zumeist nicht, da Selbstbesinnung und das “sich selbst spüren” als etwas Fremdes und teilweise sehr Angstbesetztes erlebt wird.

#4 |
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Lieber Gast #1!
Was sie beschreiben, würde ich eher als Konzentration bezeichnen, dabei ist die Wahrnehmung auf ein Objekt eingeschränkt und andere Sinneswahrnehmungen, wie z.B. die Körperwahrnehmung, sind ausgeblendet.
Bei einer Depersonalisation würden sie ihren Körper hingegen spüren, aber als etwas fremdes, das nichts mit ihnen zu tun hat. Selbst das wäre aber bei gelegentlichem Auftreten noch etwas recht alltägliches, erst wenn es sie deutlich beeinträchtigt, z.B. ihnen unüberwindliche Angst macht, ist die Bezeichnung als Krankheitssymptom bzw. eigenständige Erkrankung zu diskutieren. Eine Einführung zum Thema finden sie bei Wiki unter “Depersonalisation”.
Arbeiten sie weiter konzentriert, das darf man heute immer noch….

#3 |
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Psychologisch-Technischer Assistent

Nun, die Frage ist: Wie wird eine Depersonalisierung durch den “Probanten” interpretiert? Es gibt Unmengen an psychischen Eigenarten von Menschen – ab wann und bei welchen Symptomen und welchen Umständen spricht man von krankhaft? Ein Patient mit lebenslangen Tinnitus, dessen Existens er als “normal” empfindet, betrachtet sich selber nicht unbedingt als Patient. Eine Depersonalisierung ist zum einen ein Aspekt der Fragestellung und Anderen eben der Interpretation. Daher wird die mentale Zustandsbeschreibung eines Kiffers Ähnlichkeiten mit dem “Rauschzustand” eines hoch Konzentrierten haben…

#2 |
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Gast
Gast

-Depersonalisation- wusste gar nicht, dass das jetzt auch ein Krankheit ist,
hab ich eigentlich immer, wenn ich konzentriert arbeite,
dann nehm ich mich selbst gar nicht mehr wahr.
Würde auch stören.
Kann (darf) man das heute nicht mehr?

#1 |
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