Missbrauch: Eine schrecklich nette Familie

15. Dezember 2014
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Sexueller Missbrauch in der Familie ist ein Tabu und heute weit verbreitet, wie aktuelle Studien belegen. Die Opfer verschweigen, dass sie als Kinder oder Jugendliche von einem Familienmitglied missbraucht wurden. Viele Betroffene sind von erneuter Viktimisierung betroffen.

„Mein Körper gehört mir!“ und „Nein!“ sollen Kinder sagen, wenn sie einem Missbrauchstäter über den Weg laufen. Aufklärungskampagnen finden sich allerorts. Doch immer noch wird häufig das Bild entworfen, der Täter käme von außen und sei eindeutig böse. Seltsam geschwiegen wird zu der Tatsache, dass sexueller Missbrauch auch in der Familie stattfindet, dass sich die Grenzen zwischen Gut und Böse hier auflösen und dass das „Nein“ den Kindern weder in die Gedanken noch über die Lippen kommen kann. Sexueller Missbrauch in der Familie ist immer noch ein Tabu.

Wie verschwommen das Thema „Inzest“ ist, zeigen allein die Zahlen zur Prävalenz: Sie schwanken zwischen 5 % und 62 %, da sie abhängig von der jeweiligen Kultur bzw. der geografischen Lage sind. „Sexueller Missbrauch beschreibt die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in sexuelle Aktivitäten, die sie nicht vollständig erfassen können und bei denen sie entwicklungsbedingt außerstande sind, als gleichberechtigt agierende Person einzuwilligen“, schreiben Bernd Herrmann (Klinikum Kassel) und Kollegen in einem Fortbildungsartikel des Deutschen Ärzteblattes.

Nein-Sagen ist oft nicht möglich

Wer nicht einwilligen kann, der kann auch nicht „Nein“ sagen. Die betroffenen Kinder sind seltsam im Geschehen gefangen. Der sexuelle Missbrauch ist kein eindeutiges Geschehen. Er kann von zarten Liebkosungen bis hin zur Vergewaltigung reichen. Manche Formen des sexuellen Missbrauchs sind für die Kinder also noch nicht einmal unangenehm. Erst später erwachen sie mit Schrecken und Trauer darüber, dass der Vater, der Bruder, die Schwester oder die Mutter sie dazu benutzt haben, ihre eigene sexuelle Erregung auszuleben.

Auch der Begriff „sexuelle Gewalt“ aus Informationsblättern kann hier problematisch sein, denn die betroffenen Kinder empfinden das, was sie erleben häufig weder als „Missbrauch“ noch als „Gewalt“. Wenn sie später diese Begriffe lesen, fragen sie sich umso mehr, ob mit ihnen etwas nicht stimmt, oder ob sie früher etwas hätten merken sollen. Die Scham ist so groß, dass viele Opfer nie über das Erlebte sprechen. Oft kommen die Worte erst, wenn der missbrauchende Vater oder Bruder, die missbrauchende Schwester oder Mutter verstorben sind. Doch bis dahin leben viele in einem Klima der „Verschwörung“. Die Familienmitglieder wissen irgendwie Bescheid, aber keiner sagt oder tut etwas, um die Situation zu verändern – weil die Situation von innen heraus nur schwer erfasst und verstanden werden kann. Dies mag auch erklären, warum sich der Missbrauch oft jahrelang hinzieht.

Missbrauch erstreckt sich häufig über viele Jahre

Bethany Brand et al. (Towson University, Maryland, USA, 2003) befragten 101 Frauen, die Opfer von sexuellem Missbrauch in der Familie waren. Die meisten Studienteilnehmerinnen waren zwischen 29 und 48 Jahre alt. Sie hatten moderaten bis schweren Inzest erlebt. In rund 74 % der Fälle war der Vater bzw. der Stiefvater der Missbrauchende, gefolgt von Brüdern, Großvätern und Müttern. Im Mittel begann der Inzest im Alter von 6,8 Jahren und fand bis zum Alter von 16 Jahren statt. Der Missbrauch erstreckte sich durchschnittlich über sechs Jahre und fand 2,5-mal pro Woche statt.

Rund 67 % der Frauen berichteten über oralen, vaginalen und/oder analen Verkehr. Die Penetration mit den Fingern erlebten 7,9 % der Frauen und über erotische Liebkosungen berichteten 22,8 % der Frauen. Zum Inzest körperlich genötigt wurden rund 35 % der Frauen, während knapp 40 % der Frauen davon berichteten, nicht genötigt oder bedroht worden zu sein. Die Aufforderung, nichts zu erzählen, erhielten knapp 13 % der Frauen.

Als Spätfolgen zeigten sich erhöhte Stresslevel im Erwachsenenalter sowie Depressionen. Besonders schlecht ging es den Frauen, die früher versuchten, das Geschehen herunterzuspielen und die es vermieden, über das Problem nachzudenken. Allerdings berichteten die meisten Frauen darüber, dass sie mit dieser Coping-Strategie während des Inzests am besten zurechtkamen. Der Inzest wurde dann als weniger schlimm erlebt, wenn er geschah.

Kinderärzte machtlos

Das Klima der Verschwörung löst sich auch bei den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt nicht auf. Unzähligen betroffenen Kindern können die Kinderärzte nichts anmerken. Alpträume und Schulversagen kommen zwar häufig bei Missbrauch vor, doch sind sie hierfür nicht spezifisch. Selbst bei Inzest mit Penetration lässt sich ein Missbrauch oft schwer erkennen, denn die Anogenitalregion heilt bei Verletzungen rasch. Allerdings können Unterbrechungen des Hymenalsaums zwischen 4 und 8 Uhr auf einen sexuellen Missbrauch hinweisen. Dennoch: „Die Verwendung des Begriffes ‚Virgo intacta‘ ist im Kontext des sexuellen Missbrauchs obsolet“, schreiben Herrmann et al. Während bei akzidentellen Verletzungen der Anogenitalregion rasch medizinische Hilfe in Anspruch genommen wird, wird der Arzt nach Inzesthandlungen mit Verletzungen – wenn überhaupt – meistens erst dann aufgesucht, wenn einige Zeit verstrichen ist.

Hinzu kommt, dass auch Ärzte nur Menschen mit ihrer eigenen Geschichte sind. Kenneth C. Finkel et al. (McMaster University, Hamilton, Ontario, Kanada) führten 1985 auf einem Familienarzt-Kongress einen Survey mit 123 Ärzten durch. Dabei stellte sich heraus, dass 5 von 61 Ärzten und 16 von 52 Ärztinnen selbst Opfer sexuellen Missbrauchs waren.

Alle Schichten betroffen

Sexueller Missbrauch und Inzest findet in allen sozialen Schichten statt. Dennoch zeigten Ali Yildirim und Kollegen in ihrer Studie, dass Inzest besonders häufig in Familien mit niedrigem Bildungsgrad auf dem Lande vorkommt. Eine Alkoholabhängigkeit des Vaters erhöht das Risiko (Yldirim et al., 2014). Häufig ist zudem das Mutter-Tochter-Verhältnis gestört und die Tochter erhält generell wenig Unterstützung von der Mutter.

Zudem wurden die Mütter sexuell missbrauchter Kinder häufig selbst missbraucht. Sie sind daher in vielerlei Hinsicht gelähmt: Erinnerungen an die eigene Geschichte kommen hoch und wollen verdrängt werden. Die Mütter wollen nicht wahrhaben, dass sie sich in einem ähnlichen Familienklima wiederfinden, in dem sie selbst groß geworden sind. So versuchen sie, auch den Missbrauch des eigenen Kindes zu verdrängen. Sie leiden selbst häufig noch unter den Folgen des eigenen Missbrauchs, der sich unter anderem in einem geringen Selbstwertgefühl und in erneuter Viktimisierung äußert.

Die Pubertät als Zeit der Verunsicherung

Auch wenn das Leben eines Kindes in einer Familie viele Jahre „normal“ verlief: Wenn die Zeit der Pubertät anbricht, können neue Verunsicherungen auftreten. Durch die körperlichen Veränderungen der Tochter sind viele Väter verwirrt und verunsichert. Da inzestuöse Gedanken ein gesellschaftliches Tabu sind, fällt es ihnen schwer, eigene sexuelle Erregungen wahrzunehmen und mit ihnen angemessen umzugehen. Häufig kommt es dann vor, dass der Vater die eigene Verunsicherung umleitet und zum Beispiel abfällige Bemerkungen über die Brüste der Tochter macht. So wird die Scham des Vaters zur Scham der Tochter.

Geht das Begehren über das “Normale” hinaus, gibt es heute bereits Hilfsangebote. Für Männer, die bemerken, dass sie sich sexuell stark zu Kindern und Jugendlichen hingezogen fühlen, hat das Universitätsklinikum Berlin Charité die Initiative „kein täter werden“ ins Leben gerufen.

Doch Verunsicherungen kommen auch bei Müttern vor: Spüren sie Erregung, während sie das Baby stillen, fragen sie sich, ob sie „normal“ sind. Und auch Kinder können erregt und mit kindlichen Inzestphantasien beschäftigt sein. Die massiven Schuldgefühle von Inzest-Opfern kommen unter anderem dadurch zustande, dass sie sich daran erinnern, dass sie selbst als Kinder sexuelle Erregung empfunden haben. Zum anderen haben sie die Schuldgefühle übernommen, die eigentlich der Täter hätte fühlen müssen.

Scham- und Schuldgefühle sowie Verwirrung sind bei den Inzest-Opfern so groß, dass es ihnen häufig schwerfällt, selbst befriedigende Beziehungen einzugehen. In einer Psychotherapie können die Betroffenen das Gefühls-Chaos sortieren.

Psychotherapie hilft bei der Bewältigung

Häufig besteht die psychotherapeutische Arbeit unter anderem darin, den Betroffenen wieder einen Zugang zu eigenen Wünschen nach Zärtlichkeit und Nähe zu eröffnen. Wer Opfer von Inzest wurde und sich selbst die Schuld zuschreibt, der verdrängt eigene Gefühle allzu gerne, damit „sowas“ nie wieder passiert. Dadurch schränken sich die Betroffenen sehr ein.

Inzestopfer leiden als Erwachsene häufig an Depressionen und zeigen Zeichen der Posttraumatischen Belastungsstörung. Auch schwere Beziehungsstörungen wie zum Beispiel die Borderline-Störung können die Folge sein.

Der Psychoanalytiker Otto Kernberg beschreibt ein Therapieziel, das Hoffnung gibt, aber oft viele Jahre psychoanalytischer Therapie erforderlich macht: „Die Wiederherstellung normaler Objektbeziehungen und der Fähigkeit zur Synthese von Liebe und Erotik ist das wichtigste Behandlungsziel bei der Arbeit mit Borderline-Patienten, und es ist auch ein realistisches Ziel bei der Behandlung von Perversionen.“

Aufklärungsarbeit ist in der Vergangenheit vielleicht manchmal über ihr Ziel hinausgeschossen, indem der moralisierende Zeigefinger so hoch erhoben war, dass manche Menschen sich nicht mehr trauten, über ihre „verbotenen“ Gefühle zu sprechen. Heute informieren Beratungsstellen auch über innerpsychische Vorgänge, wie zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Kinderschutz und Schweigepflicht

Wie Ärzte vorgehen können, die familiären sexuellen Missbrauch bei einem Patienten vermuten, erklärt die Bundesärztekammer in ihrem Beitrag Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern: Früherkennung und Prävention als ärztliche Aufgabe. Im Zweifel steht der Schutz des Kindes über der Schweigepflicht. „Der Schutz des Kindes und die Wahrung seiner Rechte auf eine gesunde Entwicklung sowie auf körperliche und seelische Unversehrtheit sind in der UN-Kinderrechtskonvention niedergelegt und sind ein höheres Rechtsgut als die ärztliche Verschwiegenheitspflicht und die Zustimmung der Sorgeberechtigten zur Informationsweitergabe“, so die AWMF-Leitlinie zu Kindesmisshandlung und Vernachlässigung.

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Medizin, Pädiatrie, Psychiatrie

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29 Kommentare:

Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Gast,

mein letzter Beitrag war nicht auf eine bestimmte Person gemünzt. Erst recht nicht auf Sie. Ich habe darin etwas beschrieben, was ich als allgemein gültig ansehe.

“Mein” Täter war kein Familienangehöriger, sondern ein Bekannter meiner Eltern. Eine Person, die mir zwar nicht unbedingt sehr vertraut war, aber mir damals unverdächtig erschien. Er saß wie so viele Missbraucher buchstäblich zuhause bei meiner Familie mit am Kaffeetisch.

Danke, dass Sie den Fokus Ihres Beitrages noch konkretisiert haben.

“Ich stelle mir vor, daß Kinder eher Chancen haben, solch einer Situation zu entkommen, wenn sie darin bestätigt wurden, auf ihr Einschätzungsvermögen zu vertrauen und wenn sie die Erfahrung gemacht haben, daß Erwachsene sie dabei unterstützen, ihre Selbstabgrenzung durchzusetzen.”

Im Artikel oben wurde ja beschrieben, warum gerade Opfer von Missbrauch in der Familie oder dem familiären Umfeld kaum Chancen haben, den Übergriffen zu entkommen, so lange keine Intervention von außen geschieht.

Gerade darum sind ja niederschwellige Unterstützungsangebote und eine eindeutige, auf das Wohl der Kinder ausgerichtete Rechtssprechung so wichtig. In Deutschland steht leider immer noch der Schutz der Familie über dem Kindeswohl.

Und ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass eine Familie, in der Kinder sexuell ausgebeutet werden, gar keine ist.

Denn da wo Erwachsene die Rechte, Bedürfnisse und Grenzen von Kindern wahrnehmen, respektieren und schützen, gibt es auch keinen sexuellen Missbrauch. Beides schließt sich aus. Kernkennzeichen des Missbrauchs ist ja gerade, dass Erwachsene Kinder benutzen, um ihre destruktiven Impulse auszuleben. Und niemand sie davon abhält.

Häufig ist es so, dass die kindlichen Opfer sich Gleichaltrigen anvertrauen und sie sich gemeinsam auf die Suche nach Hilfe machen. Was für die Kinder schwierig genug ist. Meistens erhalten die Betroffenen erst Unterstützung und ausreichenden Schutz, wenn der Täter, die Täterin aus ihrem Umfeld entfernt wurde. Da die Rechtssprechung und auch Teile der Therapie und Beratung auf den Schutz der Familie und das elterliche Umgangsrecht pochen, ist es für die kindlichen Opfer und ihre Helfer sehr schwer, Missbrauchern Grenzen zu setzen.

Etliche Hilfeeinrichtungen betreiben sogar Täterarbeit. In der Annahme, dies könne dazu führen, dass MissbraucherInnen “Einsicht” zeigen. Ich halte das für naiv. Wer sich charakterlich oder krankheitsbedingt so reduziert hat, dass er oder sie Kinder missbraucht, ist eigentlich ein hoffnungsloser Fall.

Wer mit so einer Person eine Beziehung eingeht auch. Insofern wäre es eigentlich das Beste, kindliche Opfer ganz aus solchen missratenen, zutiefst zerstörerischen Bezügen zu entfernen. Bevor sie so davon geprägt sind, dass sie die ganze Destruktion verinnerlichen und selbst weitergeben.

#29 |
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Gast
Gast

Es geht mir ganz sicher nicht um Schuldverlagerung oder Mitverantwortung. Ich finde es auch unangebracht, mich in diese Ecke zu stellen. Wenn es bei Ihnen, was selten vorkommt, kein Täter aus dem nahen Umfeld war, sondern tatsächlich der “böse fremde Mann”, ist das etwas anderes, als der typische, wiederholte Mißbrauch innerhalb familiärer o.ä Strukturen. Nur darauf beziehe ich mich aber. Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte.

#28 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Gast,

die Vorstellung, dass Kinder sich durch bestimmte Verhaltensweisen oder Eigenschaften selbst vor Missbrauch schützen könnten ist sehr attraktiv. Für die Erwachsenen. Weil die die Verantwortung für den Schutz der Kinder tragen. Und das “Kinder-stärken” sie ein Stück weit entlastet.

Andreas Huckele, der Mann, der die organisierte Missbrauchskriminalität an der Odenwaldschule an die Öffentlichkeit gebracht hat, spricht davon, dass niemand wirklich und nachhaltig den Schutz von Kindern vor Missbrauch gewährleisten kann.

Ich gebe ihm Recht. Denn Missbraucher nutzen die ganz normalen sozialen Beziehungen, um Kinder zu erbeuten. Zwar gibt es für TäterInnen gute und schlechte Tatorte. Aber die “schlechten” können auch die attraktiveren sein…

Was “meinen” Täter angeht: nein es hätte für mich damals kein Entkommen. Dieser Mann war ein typischer Pädokrimineller. Er identifizierte einen geeigneten Tatort, spähte die Bedingungen dort aus und schlug dann zu. Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort.

Unweit des Tatortes lag ein See. Hätte ich nur irgendwie gemuckt, hätte mich der Mann darin ertränkt. Da bin ich mir sicher. Er war schwer an TBC erkrankt und missbrauchte in einem Trancezustand. Letzteres geschieht häufig. Fragen Sie einfach mal Opfer oder lesen Sie die Berichte aufmerksam.

Ich war ein vollkommen normales vierjähriges Kind. An mir war nichts Defizitäres, was mich zum Opfer “prädestiniert” hätte. Ich war weder besonders schwach, noch dumm, noch distanzlos. An meiner Umgebung war auch nichts Besonderes. Ganz normale, wie üblich aufgeschlossene, offene Leute.

Das Einzige, was die verantwortlichen Erwachsenen damals hätten besser machen können, wäre gewesen, den Täter zu stellen und zu verurteilen. Er suchte sich noch weitere Opfer. Und ich war sicher nicht das erste Kind, was er missbraucht hat.

Aber damals waren andere Zeiten als heute. Missbrauchsopfer galten als mitschuldig und die darauf folgende soziale Ausgrenzung hätte mir bestimmt nicht gut getan.

#27 |
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Gast
Gast

Was mich interessiert, sind die Empfindungen, die Selbstwahrnehmung, die Sie als Kind hatten.

Ich stelle mir vor, daß Kinder eher Chancen haben, solch einer Situation zu entkommen, wenn sie darin bestätigt wurden, auf ihr Einschätzungsvermögen zu vertrauen und wenn sie die Erfahrung gemacht haben, daß Erwachsene sie dabei unterstützen, ihre Selbstabgrenzung durchzusetzen.

Aber ich will niemanden triggern, die Frage ist vermutlich zu persönlich.

#26 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Annika Diederichs,

dann noch einmal anders formuliert, vielleicht wird es dann deutlicher:

ich war in meiner Kindheit auch von Menschen umgeben, die sich überhaupt nicht für die Bedürfnisse oder Empfindungen von Anderen interessiert haben. Ein “Nein” oder ein “Ja” war für sie eher bedeutungslos. Dies war kein Zeichen etwaiger besonderer Fürsorgebemühungen, sondern ihrer aus traumatischen Kindheitserfahrungen resultierenden Charakterschwäche.

Solche Erwachsenen finden Sie in Missbrauchskontexten häufiger. Unter Anderem sind sie meistens unfähig, vertrauensvolle und tragfähige Beziehungen zu ihren Kindern herzustellen. Um so wichtiger, dass hier die Gesellschaft einspringt und den betroffenen Kindern Halt gibt.

#25 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Vielen Dank für die Antwort, auch wenn sie an meiner Frage etwas vorbei ging.

#24 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

Entschuldigung!

Mein letzter Kommentar war an die Adresse von Frau Diederichs gerichtet.

#23 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Arzt,

ich selbst wurde als Kind von Menschen erzogen, die zwei ziemlich gegensätzliche Auffassungen von “Erziehung” vertraten. Eine würden wir heute als angemessen fürsorglich-wertschätzend-anleitend bewerten, die andere als impulsiv-aggressiv-vernachlässigend.

Ich habe darauf reagiert, indem ich Abgrenzungsfähigkeit, Selbstständigkeit, Disziplin und Durchhaltevermögen entwickelt habe. Das entsprach meinen persönlichen Ressourcen. Andere Kinder hätten sich gemäß den ihrigen verhalten. Vielleicht auch indem sie weggelaufen wären oder versucht hätten andere Hilfeappelle zu senden.

Insofern kann ich heute gut zwischen Fürsorge als eine auf das Kind ausgerichtete Haltung und Übergriffigkeit als etwas, was nur den Bedürfnissen des Erwachsenen dient unterscheiden.

#22 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@Agelika Oetken
Eines würde mich interessieren. Wenn die Frage zu persönlich ist, ziehe ich sie zurück.

Hatten Sie als Kind den Eindruck, daß ein “Nein” von Ihnen im Regelfall von Ihrer Umgebung ausreichend ernst genommen und berücksichtigt wurde?

Ich meine insbesondere Situationen außerhalb des Mißbrauchs, also jede Form von Selbstabgrenzung. Der Übergang von Fürsorge zu übergriffigem Verhalten ist nicht nur fließend, das überschneidet sich zwangsläufig, darum interessiert mich Ihr persönliches Erleben und Empfinden.

#21 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Arzt,

wenn Kinder von zuhause weglaufen oder von Misshandlung und/oder Übergriffen berichten, ist das immer ein Alarmzeichen.

Elternwerden ist erstmal ein rein biologischer Vorgang. Eltern-Sein ist nicht immer leicht, muss erlernt werden und nicht alle Erwachsenen sind dieser Herausforderung gewachsen.

Ich hatte lediglich dafür plädiert, grundsätzlich professionelle Helfer einzuschalten, wenn derartige familiäre Konflikte auftreten.

#20 |
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Arzt
Arzt

Nun, Frau Oetken, was Sie schlicht konsequent komplett ausblenden, ist der Faktor Kind selbst! Es wird immer “Generationenkonflikte” geben und gerne laufen auch mal Kinder von zuhause weg, aus denen dann durchaus auch noch was gutes werden kann.
Mit dem Schlagwort Sex ist es aber besonders leicht dabei, die “Hilfe” anderer zu aktivieren und die Eltern dabei völlig schamlos zu belasten. Das zweite Zauberwort ist die Suizid-Drohung. Damit wird “Hilfe” zum Gegenteil, wenn man Eltern ausschaltet!
Da landet man dann auch schnell in der geschlossenen Abteilung und ist damit meist auch selbst stigmatisiert. Hat man “unlösbare” Probleme, auch mit der Polizei, ist das immer eine bewährte Zuflucht. Ich habe es auch erlebt, dass das Jugendamt trotz Hilferuf sich z.B. bei einer überforderten alleinerziehenden Mutter weigert einzugreifen. Familien mit Vater und Mutter sind meist erfolgreicher.
Ein Kind wird nicht als Engel geboren und man muss schon im Kleinkindalter z.B. unterbinden, dass es andere, auch die Mutter beißt, gar nicht so selten.
Natürlich kann man auch darüber lachen und das toll finden.
Der Einfluss der nicht elterlichen Umwelt ist dabei zweifellos dominierend, das fängt im Kindergarten an, in der Regel eher positiv, auch wenn die dann plötzlich mit schlimmen Schimpfworten aufwarten können.
Bei der Schule wird es schon problematischer, hier beginnt Drogenkontakt etc.
Von Medien aller Art ganz abgesehen.
Will sagen der Familieneinfluss ist durchaus begrenzt. Und die bei Erziehung nun mal erforderliche Grenzziehung gegenüber Kindern wird durch außerfamiliären Einfluss nicht leichter, sondern schwerer.
Allein schon die schamlose kommerzielle Reklame direkt auf minderjährige Kinder gerichtet ist heute bemerkenswert. Ein Fortschritt?

#19 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Arzt,

ja Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich. Viele als störend empfundenen Verhaltensweisen von Heranwachsenden sind eigentlich Hilferufe. Und man sollte sehr genau untersuchen, was dahinter steckt.
Es gibt Fälle, wo Missbrauchsopfer eine ihnen nahe stehende Person sexueller Übergriffe bezichtigen. Obwohl nicht die, sondern jemand Anderes der Täter war. Missbraucher verstehen es, Kinder in große Konflikte zu bringen.
Deshalb sollte immer jemand hinzugezogen werden, der etwas von Psychotraumatologie versteht.

#18 |
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Arzt
Arzt

Schon wieder die Eltern?

#17 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Arzt,

was Sie schildern, klingt besorgniserregend. Wenn Kinder oder Jugendliche den Wunsch haben, ihre Familie zu verlassen, dann sollte genau untersucht werden warum. Auf jeden Fall ist das ein ganz schlechtes Zeichen und ein starker Hinweis darauf, dass es den Eltern nicht gelungen ist, eine tragfähige Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen.

Man sollte sich auch immer klar machen, dass Missbrauch in den meisten Fällen nicht so abläuft, wie es klischeehaft dargestellt wird. Gerade im familiären Bereich ist er von großer Ambivalenz begleitet. Und die Grenze zwischen Zuwendung und sexueller Ausbeutung schwer auszumachen.

Trotzdem sind die Folgen für die Opfer verheerend. Sie werden wie alle Kinder durch ihre Familien geprägt. Und wenn sie lernen, dass Zuwendung “bezahlt” werden muss, dann kann das in eine grundsätzliche Unfähigkeit münden, stabile Beziehungen zu anderen Menschen aufrecht zu halten.

Nicht umsonst ist der Prozentsatz an Missbrauchsopfern unter den Prostituierten hoch.

#16 |
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Arzt
Arzt

Angelika Oetken, Danke für Ihre “vermittelnden” Beiträge.
Sex ist allerdings wirklich ein Tabuthema in mehrfacher Richtung. Vielleicht auch ein Erbe von Sigmund Freud, der schon den Säugling sexualisiert hat, was ich mit Verlaub einfach idiotisch finde. Und in diesem verklemmten Umfeld wurden tatsächlich von offizieller öffentlicher Seite Empfehlungen herausgegeben, mit “Streicheleinheiten” schon im Kleinkindalter zu beginnen, was imho absolut unzulässig ist. Die Energie, mit der der Staat auch im Schulunterricht sehr (zu) frühzeitig Sexualität zu thematisieren sucht, ist ebenso bemerkenswert. Mit den dabei geäußerten unverzichtbaren “gesundheitlichen” Begleitproblemen in der Schule bin jedenfalls nicht einverstanden. Der deutliche Anstieg der Geschlechtskrankheiten spricht für sich.
Jedenfalls habe ich schon 2mal erlebt, dass ein Mädchen eine Familie brutal zerstört hat, weil sie sexuelle Übergriffe erfunden hat und damit erhebliche Aufmerksamkeit und Hilfe fremder Personen als Belohnung erhalten hat, wie Unterbringung in einer anderen Familie ohne Einverständnis der Eltern etc.
Selbstverständlich müssen sexuelle Übergriffe auf Kinder gesellschaftlich verboten bleiben.
Aber andererseits gibt es ja auch real existierende politische Kräfte, die das “aufweichen” wollen und alle mögliche Abweichung von der normalen geschlechtlichen Veranlagung werden ja mit Klauen und Zähnen als besonders schützenswert verteidigt.
“Normale Famile” erscheint als ein Auslaufmodell.

#15 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Gast,

eine Familie ist ein Ort, an dem die Stärkeren für die Schwächeren sorgen und sie schützen.

Bei Missbrauch ist es aber umgekehrt: die Stärkeren beuten die Schwächeren sexuell aus. Mit-TäterInnen lassen die Kinder im Stich.

Insofern ist eine “Familie”, in der Kinder missbraucht werden gar keine.

Je eher kindliche Opfer Unterstützung darin bekommen, sich von solch einem destruktiven Umfeld zu lösen, desto besser für ihren weiteren Lebensweg. Kinderschutz bedeutet auch, Betroffene darin zu unterstützen, die familiäre Missbrauchstradition nicht fortzusetzen.

#14 |
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Gast
Gast

Sex war immer schon ein Kampfmittel gegen Männer, das wird nicht nur in USA, unser “Vorbild”, ganz gezielt eingesetzt, ekelhaft, siehe WikiLeaks.
Und bei dem “Kinderthema” hab ich das mulmige Gefühl,
dass hier auch ein Stück “Familienabbau” betrieben wird.
In einer zunehmend egoistischen Welt sicher ein Rückschritt.

#13 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Esther Hannes,

ich lese aus Herrn Homes Artikel nicht heraus, dass er er die Schuld männlicher Täter als weniger schwer bemisst. Er hat nur typische Unterschiede zwischen missbrauchenden Müttern und Vätern beschrieben.
Sein Buch ist sehr lesenswert und gut belegt. Genauso wie “Frauen als Täterinnen” von Michele Elliott. Deren Werk kam vor 20 Jahre heraus. Eine deutsche Fachgesellschaft hat sich 2004 intensiv dem Thema gewidmet http://www.dgfpi.de/tl_files/bundesverein/praevention/2004_02.pdf

Es ist also alles Andere als neu.

Trotzdem gilt immer noch: “Opfer sind weiblich, Täter sind männlich”.

#12 |
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Ärztin

@ Alexander Markus Homes
Wer tatsächlich annimmt, dass es nur männliche Täter gibt, der ist reichlich naiv. Aber daraus zu schlussfolgern, dass die Schuld der männlichen Täter weniger schwer wiegt, ist zynisch. Nur weil jemand anderes eine Tat auch begeht, wird sie davon nicht besser.
Wenn ich ehrlich sein soll, hab ich bei Ihrer Argumentation ein sehr mulmiges Gefühl, um es höflich auszudrücken.

#11 |
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Alexander Markus Homes
Alexander Markus Homes

In der Pädophilie-Debatte muss zwingend folgender Tatbestand Berücksichtigung finden: Auch Frauen missbrauchen Kinder! Zum Thema sexueller Missbrauch und weibliche Pädophilie habe ich ein Buch veröffentlicht (Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind). Dort kommen auch Opfer zu Wort. Das vorliegende Buch gibt auf etliche Fragen im Zusammenhang mit Frauen und Müttern, die Kinder sexuell missbrauchen oder misshandeln, umfassend Antworten. Es belegt vor allem, dass eben nicht nur Väter, sondern auch Mütter ihre Kinder sexuell missbrauchen; dass Mütter vorwiegend ihre Söhne missbrauchen und dies offenbar vorwiegend zärtlich tun; dass sie ihre Töchter missbrauchen, sie dabei aber häufig quälen; dass allein erziehende Mütter unter den weiblichen Missbrauchern überproportional vertreten sind; vor allem aber, dass Mütter und überhaupt Frauen als Kindesmissbraucherinnen in der Gesellschaft, in den Medien und in der Forschung kaum wahrgenommen werden.

#10 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

Und insgesamt haben wir schon viel erreicht, wenn wir es schaffen, Pädo”phile” davon abzuhalten, auf die sexuelle Entwicklung und Entfaltung von Heranwachsenden “erzieherisch” Einfluss nehmen zu wollen.

Vor noch nicht all zu langer Zeit wurde so etwas propagiert. Von anerkannten Experten für Pädagogik und Sexualwissenschaft.

Derzeit wird anhand der Debatte um die “Sexuelle Vielfalt” und ob und wenn ja wie man sie Kindern nahe bringen sollte, dieses Thema noch einmal intensiv beleuchtet. Und das ist sehr gut so. Hatten die Leute, die Kindesmissbrauch zur “Kinderliebe” und “Förderung der sexuellen Entwicklung” umdeklarierten, doch ziemlich lange viel zu großen Einfluss.

Ohne sie wäre systematischer Missbrauch, wie u. A. an der Odenwaldschule geschehen undenkbar gewesen. Und auch in der Rechtssprechung, Prophylaxe, Therapie und Beratung wären wir jetzt schon ein ganzes Stück weiter.

#9 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

“Und jetzt fragen Sie sich bitte, was ein Kind eher überstehen kann: Körperliche Demütigungen/Gewalt oder psychische/soziale/emotionale Demütigungen/Gewalt?

Die Antwort darauf sei bemessen an dem Risiko bleibender Schäden in Relation zur Schwere der Gewalt!”

@Annika Diederichs,

welche Auswirkungen schädigende Einflüsse in der Kindheit auf das weitere Leben eines Menschen haben, hängt ja von vielen Faktoren ab. Im Fall von Misshandlungserlebnissen, gerade wenn es sich um sexualisierte handelt, spielen der Kontext, in dem sie geschahen und die Ressourcen, die man dem Opfer zubilligt eine große Rolle.

Es ist deshalb schwierig, von der “Schwere” einer Tat auf den Grad der Schädigung schließen zu wollen.

Vielleicht ist das auch nicht unbedingt notwendig. Denn Prophylaxe soll Übergriffe verhindern helfen und in der Therapie sind solche Gewichtungen eher unüblich.

Nur bei Gerichtsverfahren werden die Tatumstände gewichtet. Um die Strafe für den Täter festzulegen.

#8 |
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Gast
Gast

@Annika Diederichs, off topic
Ihre sehr negative Darstellung von “Erziehung” geht mir entschieden zu weit.
Der Mensch ist bekanntlich “das NICHT festgestellte Tier” (Nietzsche), “weis” also keinesfalls qua Genetik automatisch was er (es) zu tun hat. Das muss er erst lernen als eine “gesellschaftliche Komponente”.
Erziehung heißt also nicht nur zuschauen sondern einwirken. Ein Kind schlägt und beißt auch von selbst, das darf man nicht zulassen.
Und ein Kind denunziert auch ganz unschuldig, weil das Erwachsene gerne hören siehe #5

#7 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Insgsamt schöner Artikel. Nur zwei Kritikpunkte.

1. BPS
Eine psychoanalytische Therapie ist hier sicherlich nicht State of the Art. Das Risiko ist erheblich höher, als der potentielle Nutzen. Andere Therapieformen mit umfassend bestätigtem Nutzen (DBT etc.) sind klar vorzuziehen.

2. Kindereziehung zum “Nein”-Sagen
“Nein”-Sagen in ganz bestimmten, von Erziehern und Eltern definierten Situationen zu fordern, ist völlig unrealistisch. Nur eine insgesamt starke Persönlichkeit schützt Kinder effektiv vor Übergriffen jeglicher Art. Dahin kommt man aber nur, wenn Kinder grundsätzlich mit echtem und ehrlichem Respakt behandelt werden, ihr Recht auf Selbstbestimmung – in altersangemessener Form – immer anerkannt und weitestmöglich berücksichtigt wird. (Das ist kooperativ und hat nichts mit Laissez faire zu tun.)

Stattdessen ist es aber so, daß Kinder permanent grob und abwertend übergangen werden, mit Druck den Vorstellungen Erwachsener angepaßt werden sollen. Dieser Grundsatz zieht sich weitgehend unerkannt durch fast alle Erziehungsstile. Selbst der aktuell so hochgelobte autoritative Stil übt ungesunden Druck aus, indem er subversiv(!) moralisiert, das Leid der anderen als Druckmittel gegen das Kind einsetzt – “Die Mama wird sonst ganz traurig und das wilst Du bestimmt nicht, oder?” Da ersetzen psychische Gewaltmittel die ehemals körperlichen Züchtigungsmittel. An die Stelle von körperlich schmerzhaften Schlägen treten Aussagen wie: “Du bist schlecht!”

Und jetzt fragen Sie sich bitte, was ein Kind eher überstehen kann: Körperliche Demütigungen/Gewalt oder psychische/soziale/emotionale Demütigungen/Gewalt?

Die Antwort darauf sei bemessen an dem Risiko bleibender Schäden in Relation zur Schwere der Gewalt!

(Bezogen auf sexuelen Mißbrauch wäre dann aufzugliedern in den körperlichen und den nicht-körperichen Anteil in der Beantwortung der Frage, auch wenn das für den jeweiligen Betroffenen in seinem Erleben sicherlich untrennbar verbunden sein wird. Aber es geht mir hier mehr um eine Analyse des Problems und Vorbeugungsmaßnehmen. Das Thema der Bewältigung solcher Erlebnisse ist ein anderes und Teil der Psychotraumatologie.)

#6 |
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Gast
Gast

Dann muss man allerdings auch das Problem der falschen Anschuldigungen gerade bei Sexualität thematisieren. Ich kenne mehrere Fälle.
Hier zerstört die falsche Hilfsbereitschaft für das vermeintliche Opfer regelmäßig Familien.

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Prof. Dr. Beate Blättner
Prof. Dr. Beate Blättner

sehr gut, dass Sie auf dieses Thema aufmerksam machen. Bernd Herrmann leistet eine gute Arbeit. Vielleicht wäre es lohnenswert, auch auf die Homepage http://www.befund-gewalt.de aufmerksam zu machen.

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NIna Siebert
NIna Siebert

Glückwunsch zu diesem gelungenen Beitrag. Beiträge wie diese könnten helfen, das durch Tabuisierung noch verstärkte Leid Betroffener zu mildern und eventuell sogar zur Prävention bei potentiellen Tätern führen.

#3 |
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Gabriela Bähre
Gabriela Bähre

Ein sehr guter Artikel. Ich wurde im Alter von 8 Jahren vom besten Freund meines Vaters sexuel mißbraucht, meinem heißgeliebten Onkel S. Meine Eltern lebten in Scheidung, waren mit sich selbst beschäftigt, ich war ein ideales Opfer… zum Glück entkam ich diesem Mann nach der Scheidung meiner Eltern, da meine Mutter weit weg zog..erst Jahre später erzählte ich meiner Mutter davon, weil ich auf einmal Alpträume hatte…es war die Zeit des Sexiualkundeunterrichts , erst da begriff ich wohl, was mir geschehen war… die Reaktion meiner Mutter:” Warum bist Du immer wieder zu ihm hingegangen?” und ” Wir dürfen keinem etwas davon erzählen”…. über 20 Jahre verschloß ich das Erlebte tief in mir drinnen.

Seit ich offen darüber rede , bin ich ein ganz neuer Mensch. Und habe endlich auch ein erfülltes Sexualleben.

Der Mann, der mir das angetan hat wurde von mir geliebt…ich mochte die Doktorspiele mit ihm nicht, aber da er in einer schweren Zeit für mich da war, nahm ich sie hin, ging trotzdem wieder zu ihm…und erzählte keinem , was er mit mir tat

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Angelika Oetken
Angelika Oetken

Danke für Ihre überzeugenden Erläuterungen zu den “Nein-Sagen”-Kampagnen.

“Kinder-Stärken” geht am eigentlichen Problem vorbei. Kinder sind stark genug. Die Erwachsenen sind das Problem, sie verantworten die sexuelle Ausbeutung. “Kein-Raum-für-Missbrauch” ist deshalb als Ansatz sinnvoller.

Zur Täterschaft: sie geht bei Frauen weit über die des Duldens und Ignorierens oder etwaiger Schuldgefühle wegen erotischer Gefühle beim Körperkontakt mit Kindern hinaus. Frauen missbrauchen. Gezielt, sexualisiert, mit ähnlichen Groomingstrategien wie ihre männlichen Gegenstücke. Da dies aber gleichermaßen weder zum traditionellen weiblichen Rollenmodell passt, noch in die Ideologie von der “neuen” und ach so gewaltfreien, “guten Frau” wird weibliche Täterschaft leider immer noch geflissentlich ausgeblendet.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

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