Zweitstudium: Doppelt-gemoppelt hält besser

14. März 2012
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Viele Studenten nehmen neben dem stressigen und zeitaufwändigen Medizinstudium ein Zweitstudium auf. Aber ist dies wirklich sinnvoll und bringt einen tatsächlich weiter oder ist es unnötig? Wir haben einige Studenten mit Zweitstudium zu diesem Thema befragt.

Manche Studenten ziehen es in Betracht, neben dem Medizinstudium noch ein Zweitstudium anzustreben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einige nennen persönliches Interesse, andere möchten ein bestimmtes Fachgebiet vertiefen und andere Studenten sehen es wiederum als sinnvolle Ergänzung für ihre spätere Ausbildung zum Facharzt. Wir haben einige Studenten befragt, die ein Zweitstudium aufgenommen haben.

Physik

Tim wollte schon immer Medizin studieren. Seit einigen Semestern schon studiert er nun sein Wunschfach und ist damit vollkommen zufrieden. Nach dem Physikum aber verspürte er den Wunsch, noch mehr aus seinem Studium zu machen und fing ein weiteres Studium der Physik an. „Mein persönlicher Wunsch ist es, später einmal in der Labormedizin zu arbeiten. Und daher finde ich, dass ein Studium der Physik eine sinnvolle Ergänzung ist, um gewissenhaft arbeiten zu können.“ Der zusätzliche Stress mache sich aber vor allem in den Klausurphasen bemerkbar. „Es ist schon ein Unterschied, nur die Klausuren in der Medizin zu schreiben oder noch zusätzlich Klausuren und Hausarbeiten für Physik zu absolvieren. Aber es macht Spaß und es ist manchmal eine gelungene Abwechslung, einfach mal was rechnen zu können, anstatt nur dazusitzen und stur die Theorie pauken zu müssen.“
→ Der Studiengang “Physik” ist an den deutschen Unis weitverbreitet – erste Grundlagen werden auch bereits im Medizinstudium gelegt

Biochemie

Karin sieht das genauso. Sie studiert seit dem ersten Staatsexamen neben der Medizin zusätzlich noch das Fach Biochemie. „Ich fand Biochemie schon immer sehr interessant. Vor allem die verschiedenen biochemischen Vorgänge und wie man darin eingreifen kann.“ Sie findet das Studium eine sinnvolle Ergänzung zum Medizinstudium. „Ich persönlich denke es ist sehr wichtig, darüber genau Bescheid zu wissen. Im Medizinstudium wird die ganze Materie so nebenbei abgehandelt. Und das ist meiner Meinung nach einfach viel zu wenig.“ Sie kam durch ein Biochemie-Repetitorium während den Vorbereitungen auf das Physikum auf diese Idee. „Der Dozent war so engagiert und er zeigte uns auch, wie wichtig Biochemie ist. Und wie man mit ein bisschen mehr Wissen auf dem Gebiet sehr viel erreichen kann, vor allem im Bezug auf die Behandlung bestimmter Krankheiten.“ Stressig ist es aber dennoch für Karin. Durch die zusätzliche Belastung hat sie bereits schon einige Semester in der Medizin verloren, um Klausuren zu wiederholen oder um sich gezielt auf die Klausuren in der Biochemie vorbereiten zu können. Doch trotz allem möchte Karin das Zweitstudium nicht vorzeitig abbrechen. „Es macht sehr viel Spaß und ich möchte es definitiv nicht missen. Auch wenn es dadurch länger dauert, ich möchte das durchziehen, da es mein großer Traum ist.“
→ Der Studiengang “Biochemie” wird an vielen Unis in Deutschland angeboten, z.B. in Berlin, Bochum oder Würzburg

BWL

Auch Jonas hat sich für ein Zweitstudium entschieden. „Mein zweites Studienfach ist eher ungewöhnlich: Ich studiere neben Medizin auch noch Betriebswirtschaftslehre”, erzählt er. „Ich bin durch einen guten Bekannten auf diese Idee gekommen, denn er studierte neben Medizin ebenso BWL und nun rennen ihm die Patienten die Bude ein.“ Außerdem sei es für ihn sehr wichtig, auf dem Gebiet gut Bescheid zu wissen, weil die Bürokratie in der Medizin immer mehr zu nehme. „Da die Ärzte später viel Papierkram erledigen und sich nach allen Seiten hin absichern müssen, ist es wichtig, darüber Bescheid zu wissen und auch ein paar Gesetze dazu zu kennen.“ Aber dieses weitere Studium bedeutet auch für ihn enormen Stress und einige zeitliche Entbehrungen. „Müsste ich noch während dem Studium arbeiten, könnte ich gar kein zweites Fach studieren. Aber so kann ich mir für beides angemessen viel Zeit nehmen und mich auf das Lernen konzentrieren. Dadurch fallen aber auch einige Freizeitaktivitäten für mich flach wie feiern gehen oder Freunde treffen. Ein normales Studentenleben ist so gar nicht möglich“.
→ An der Fernuni Hagen kann man per Fernstudium neben Medizin zum Beispiel BWL bzw. Wirtschaftswissenschaft studieren

Medizinethik

Marie studiert seit einigen Semestern neben der Medizin das Fach Medizinethik. „Im Medizinstudium selbst ist mir das Fach einfach zu kurz gekommen. Ich finde die ethischen Aspekte sehr wichtig, vor allem im Umgang mit Menschen. Da kann man so viel falsch machen.“ Nach dem ersten Staatsexamen und nachdem sie den Schein für Medizinethik absolviert hatte, informierte sich über ein zusätzliches Studium. „Zum Glück habe ich im Internet so ein Angebot gefunden und mich direkt beworben. Ich wollte unbedingt mehr darüber erfahren und mich weiterbilden.“ Marie ist dennoch der Meinung, dass ein zweites Studium neben der Medizin definitiv mehr Stress, finanzielle und zeitliche Entbehrungen bedeuten. „Man sollte so etwas nur in Angriff nehmen, wenn man es wirklich möchte und es ein Fach ist, das einen wirklich interessiert. Und natürlich, wenn man die finanziellen Mittel dazu hat.“
→ Die Universitätsmedizin Mainz bietet u.a. für Medizinstudenten den Masterstudiengang “Medizinethik” an

Ist es überhaupt sinnvoll?

Ein weiteres Studium neben dem Medizinstudium sollte immer gut durchdacht sein. Es ist wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, ob es für den späteren Beruf überhaupt notwendig ist und inwiefern es den späteren Berufswunsch sinnvoll ergänzt. Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, was so ein Zweitstudium für den Einzelnen bedeuten könnte. Es entstehen mehr Kosten, man hat weniger Zeit zur Verfügung und in manchen Fällen gehen dem Studenten noch einige Semester verloren. Daher ist es wichtig, die Vor- und Nachteile zu überdenken.

Aller guten Dinge sind zwei? Wie ist Eure Meinung zu einem zweiten Studium neben Medizin?

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3 Kommentare:

Student der Humanmedizin

HOCHACHTUNGSVOLL FÚR DIE KOMMILITONEN NOCH FÜR EIN ZWEITSTUDIUM NEBEN HUMANMEDIZIN ENTSCHIEDEN HABEN, SIE SOLLEN NUR BETRACHTEN, WAS ES SINNVOLL IST.

#3 |
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Martin Hagedorn
Martin Hagedorn

boah einfach nur krank diese leute, wenn sie dabei aber ihre erfüllung finden hab ich echt respekt davor.

#2 |
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Student der Humanmedizin

Ich finde es gut, dass diese Medizinstudenten sich einen Wunsch erfüllen. Sie haben nach einer weiteren Möglichkeit gesucht um Ihr Wissen zu vertiefen und nicht um unbedingt ein zweites Fach studiert zu haben. Das dies in verschiedener Hinsicht belastet ist klar und man darf andere Studenten nicht vergessen die sich wie hier auf Doc Check, beim StuRaMed, bei ihrem Sportverein oder anderen privaten und sozialen Einrichtungen angagieren.
Ich finde, wenn ein Zweitstudium dann immer eines was wirklich ergänzend zur Medizin ist. Die oben genannten erscheinen mir sinnvoll.

Als Kritikpunkt für ein Zweitstudium sehe ich, dass einem die Zeit zur Promotion nach dem Physikum fehlt. Ein Thema für das man eigene Forchungsergebnisse verwendet wird gar nicht möglich sein.
Auch sehe ich es kritisch, dass der Notbenbereich in dem man seine jeweiligen Fächer abschliesst bestimmt nicht der optimale sein wird.

Vielen Dank für diesen Artikel, denn er zeigt wiedereinmal wievielfältig man mit einem Medizinstudium umgehen kann und man nicht einfach nur nach “Stundenplan” lebt.

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