Tamoxifen: Therapeutische Leuchtsignale

5. Dezember 2014
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Ob Tamoxifen bei Patientinnen mit Mammakarzinomen wirkt, hängt nicht nur von ihrer genetischen Ausstattung ab. Der selektive Estrogenrezeptormodulator wird von circadianen Rhythmen stärker beeinflusst als bislang gedacht, berichten Forscher.

Onkologen greifen bei der adjuvanten Therapie und bei der Nachbehandlung von Mammakarzinomen zu Tamoxifen. Das Molekül wird als Prodrug von CYP2D6 in das aktive Endoxifen umgewandelt. Es hemmt Östrogenrezeptoren und stimuliert Progesteronrezeptoren. Häufig bestimmen Ärzte Polymorphismen im relevanten Gen, um Aussagen über den Aktivierungsschritt zu treffen. Neben dem Erbgut beeinflussen Umweltfaktoren das Medikament stärker als bislang vermutet.

Bei Licht betrachtet

Zum Hintergrund: Steven Hill und David Blask, Forscher an der Tulane University in New Orleans, berichten von Experimenten mit Ratten. Seine Arbeitsgruppe transplantierte den Tieren menschliche Mammakarzinome und warf einen Blick auf den Hormonstatus. Unter Östrogeneinfluss vergrößerten sich Tumore wie erwartet. Auch zeigte Tamoxifen den bekannten Effekt. Überraschend: Schliefen die Tiere nachts in einem diffus beleuchteten Käfig, blieb der Effekt des Pharmakons aus. In ihrem Fachbeitrag bewerten Hill und Blask das Phänomen als „totale Tamoxifenresistenz“.

Wieder im Rhythmus

Die beiden Biologen gaben sich damit nicht zufrieden. Vielmehr überprüften sie, welchen Effekt Melatonin in therapeutischen Dosen hat. Und tatsächlich – nach Gabe des bekannten Hormons wirkte Tamoxifen plötzlich wieder. Beide Autoren vermuten, dass die Dauerbeleuchtung bei Versuchstieren zu einem leichten Melatoninmangel geführt hat. Ihr Experiment führten sie mit Lampen durch, deren Lichtstärke sich mit diffuser Strahlung durch eine offene Schlafzimmertür vergleichen lässt.

Keine Kohle

Bereits vor Jahren hatten Forscher versucht, den Effekt von Melatonin zur Brustkrebsprävention zu entschlüsseln. Studien ergaben Hinweise, dass Schichtarbeiterinnen mit erhöhten Brustkrebsrisiken rechnen müssen. Die deutsche GENICA-Studie spricht von einer „nichtsignifikanten“ Risikoerhöhung, sollten Frauen 20 oder mehr Jahre Nachtdienst leisten. Bereits damals wurden circadiane Rhythmen diskutiert, ohne hieb- und stichfeste Beweise zu finden. Das wird sich in Zukunft kaum ändern: Tamoxifen ist mittlerweile als Generikum auf dem Markt, und Melatonin existiert zumindest in den USA als preisgünstiges Nahrungsergänzungsmittel. An aufwändigen Studien haben pharmazeutische Hersteller wenig Interesse.

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