Männer: Kortisolspiegel beeinflusst Denkleistung

25. November 2014
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Eine gestörte dynamische Regulierung des Kortisolspiegels mit einem veränderten Verhältnis der morgendlichen und abendlichen Werte des Stresshormons ist bei Männern – jedoch nicht bei Frauen – mit einer verminderten Denkleistung assoziiert.

Trotz kontroverser Diskussion wird bereits seit längerem ein Zusammenhang zwischen Kortisolspiegeln und kognitiver Leistung vermutet. Ein verändertes hormonelles Gleichgewicht, insbesondere die Dysregulation der zirkadianen Kortisolausschüttung, scheint ein zugrundeliegender Mechanismus für eine verminderte Denkleistung im Alter zu sein.

Veränderte Kortisolausschüttung korreliert mit verminderter Denkleistung bei Männern

„Eine chronische Zufuhr von Glukokortikoiden (menschliches Kortisol) wirkt neurotoxisch. Mit zunehmendem Alter kann das veränderte hormonelle Gleichgewicht bestimmte Hirnregionen, wie den Hippocampus, beeinflussen und so Gedächtnis und Denkleistung mindern“, erklärt Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig, Leiter der Arbeitsgruppe Mental Health am Institut für Epidemiologie II (EPI II) am Helmholtz Zentrums München (HMGU). „Unsere Daten zeigen, dass eine veränderte Kortisolausschüttung mit niedrigeren Werten am Morgen und höheren Werten am Abend deutlich mit einer verminderten Denkleistung bei Männern korreliert.“

Die Wissenschaftler werteten die Daten von 733 Teilnehmern der KORA-Age-Studie aus, die den Gesundheitszustand von Personen im Alter von 65 Jahren oder älter im Raum Augsburg untersucht. Die Kortisolspiegel wurden mittels Speichelproben bestimmt, die direkt bzw. 30 Minuten nach dem Erwachen und am späten Abend entnommen wurden. Der kognitive Status wurde anhand standardisierter Befragungen (TICS-m, telephone interview for cognitive status-modified) ermittelt.

Geschlechtsspezifischer Zusammenhang erstmalig gezeigt

„Der geschlechtsspezifische Zusammenhang zwischen Kortisollevel und Denkleistung wurde von uns erstmalig gezeigt“, sagt die Doktorandin und Erstautorin Hamimatunnisa Johar. „Männer schnitten außerdem in den Gedächtnis-Tests deutlich schlechter ab als Frauen, was für den beobachteten Zusammenhang ebenfalls eine Rolle spielen könnte.“

Die Studie beweist den Zusammenhang zwischen kognitiver Funktion und verringerter Kortisolwirkung mit zunehmendem Alter. Entscheidend für eine eingeschränkte Kognition scheint die veränderte zirkadiane Rhythmik der Hormonausschüttung zu sein. Dies näher zu erforschen und so Demenz-gefährdete Individuen zu identifizieren, sei die Grundlage, um neue Interventionsstrategien gegen den Abbau kognitiver Fähigkeiten zu entwickeln, so die Wissenschaftler.

Originalpublikation:

Lower morning to evening cortisol ratio is associated with cognitive impairment in men but not women: an analysis of 733 older subjects of the cross-sectional KORA-Age study
Hamimatunnisa Johar et al.; Psychoneuroendocrinology, doi: 10.1210/jc.2013; 2014

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Medizin, Neurologie

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1 Kommentar:

Die zirkadiane Rhythmik ist lange bekannt – aber mit einem logischen Zusammenhang. Nachts wird Cortisol produziert, aber nicht verbraucht. Deshalb ist ein Blut-Wert (!) um 16 Uhr von besonderer Bedeutung. Wenn der morgentliche Wert schon unter 10 mcg/dl liegt, könnte ein schlechter Schlaf zum Cortiso-Verbrauch geführt haben. Die Hirnversorgung mit Glucose ist gestört und führt bei jahrelangem Zustand zur Alsheimer Krankheit. Das Gleichgewicht von Glucosylierung und Phosphorylierung ist gestört. Bei einer solchen Studie vermisse ich also die Angaben über das Schlaf-Verhalten. (Zudem neigen ältere Menschen schnell zum Cortisol-Mangel, da sich ein Produktions-Defizit mit den Jahren einstellt.) (beschrieben in “Der Phallus-Komplex”)

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