Somatischer Zellkerntransfer: Abstoßung im Blick

21. November 2014
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Kleine genetische Unterschiede mit großer Bedeutung: Auch embryonale Stammzellen, die mithilfe eines speziellen gentechnischen Verfahrens aus Körperzellen gewonnen wurden, können Abstoßungsreaktionen auslösen. Der Grund sind Erbgutbestandteile der Empfängerzelle.

Die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hatten die Methode, somatischer Zellkerntransfer (SCNT) genannt, bei Zellen im Labor angewendet und in der Folge Abstoßungsreaktionen festgestellt. „Bisher kann man nur spekulieren, welche Auswirkungen dieses Phänomen auf Transplantationen beim Menschen haben wird“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Sonja Schrepfer, Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UKE, Universitäres Herzzentrum Hamburg (UHZ). Angesichts der aktuellen Ergebnisse sollte man die SCNT-Technologie jedoch kritischer betrachten und vorsichtiger mit ihr umgehen. „Unsere Veröffentlichung ist als Warnung zu verstehen. Dennoch ist der SCNT wahrscheinlich immer noch ein vielversprechender Weg zu neuen Therapien.“

SCNT: Somatischer Zellkerntransfer

Im vergangenen Jahr war es erstmals gelungen, mit dem somatischen Zellkerntransfer aus den adulten Körperzellen (Somazellen oder somatische Zellen) eines Menschen embryonale Stammzellen herzustellen. Derartige Stammzell-basierte Zelltherapien könnten zum Beispiel eines Tages helfen, durch einen Infarkt geschädigtes Herzmuskelgewebe mit „neuen“ Herzmuskelzellen des Patienten zu ersetzen. Die durch SCNT gewonnenen embryonalen Stammzellen unterscheiden sich in ihrem Zellkern genetisch nicht von den Spenderzellen, aus denen der Zellkern stammt. Wie bei allen Zellen höherer Organismen befinden sich jedoch auch Gene in den Mitochondrien. Sie stammen in diesem Fall aus der Empfängerzelle, der Eizelle, in die der Zellkern eingesetzt wurde.

Mitochondrien-DNA beim Menschen sehr variabel

„Insgesamt ist in den Mitochondrien nur ein kleiner Teil des gesamten Erbguts vorhanden“, erklärt der Erstautor der Studie, Prof. Dr. Tobias Deuse aus der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UHZ. Deshalb sei bisher nicht bedacht worden, ob Unterschiede der mitochondrialen DNA zu einer immunologischen Abstoßungsreaktion nach Transplantation dieser Zellen führen können. „Da aber die mitochondriale DNA beim Menschen eine deutlich höhere Variabilität als bei anderen Organismen hat, sind beim Menschen auch Immunreaktionen zu erwarten.“

Originalpublikation:

SCNT-derived ESCs with mismatched mitochondria trigger an immune response in allogeneic hosts
Tobias Deuse et al.; Cell Stem Cell, doi: 10.1016/j.stem.2014.11.003; 2014

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