Psychotrauma: Die Wisch-und-Weg-Pille

16. März 2012
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Ob Krieg oder Naturkatastrophen: Opfer und Retter leiden noch lange unter den Ereignissen. Kamen bis dato vor allem psychotherapeutische Verfahren zum Einsatz, gelang es nun Neurowissenschaftlern, das Angstgedächtnis durch Pharmaka zu löschen.

Jeffrey Mitchell, ein Notfallmediziner aus der Nähe von Baltimore, USA, sah sofort, dass jede Hilfe zu spät kam: Beim Zusammenstoß zweier Fahrzeuge hatte ein Metallrohr die Beifahrerin durchbohrt, eine junge Frau, auf dem Rückweg von ihrer eigenen Hochzeit. Besagte Bilder verfolgten Mitchell fortan Tag und Nacht – kein seltener Fall bei Einsatzkräften oder Soldaten: Laut Bundeswehrangaben litten im vorletzten Jahr 729 Kameraden unter posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), in 2011 waren es sogar 922 Patienten. Vor allem gilt die hohe Komorbidität als gefährlich, Betroffene greifen häufig zur Flasche oder konsumieren illegale Drogen, um gegen ständig wiederkehrende Erinnerungen anzukämpfen.

Per Zufall zur Therapie

Nachdem sich Mitchell monatelang quälen musste, plötzlich ein Silberstreif am Horizont: Erzählte er seinem Bruder von dem schrecklichen Geschehen, ging es ihm deutlich besser. Er war quasi durch Zufall über eine leistungsfähige Behandlungsmethode gestolpert – und ließ die Fachwelt umgehend daran teilhaben: Das Critical Incident Stress Management (Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen) war geboren. Mitchells Idee: Um den eigenen „Speicher“ nicht zu verschließen, sollten Menschen nach traumatischen Ereignissen ihre Gefühle artikulieren. Die Technik hat sich mittlerweile etabliert, ist aber mit immensem Aufwand verbunden: Eine typische Sitzung dauert etwa drei Stunden, in denen speziell ausgebildete Therapeuten Opfer anleiten, das traumatische Geschehen möglichst detailliert wiederzugeben. Neurowissenschaftler hingegen bewerten PTBS als molekularen Vorgang – was liegt näher, als pharmakologisch einzugreifen?

Rätselhaftes Angstgedächtnis

Obwohl sich im Gegensatz zu motorischen Fähigkeiten die Gedächtnisleistung nicht auf ein Zentrum beschränkt, weiß man heute, dass emotionale Inhalte, wie sie auch bei erlerntem Angstverhaltene eine Rolle spielen, in der Amygdala zu finden sind. Diese Gehirnregion gilt als Schnittstelle zwischen Thalamus und Hirnstamm, ein Ansatz, um mentale Einflüsse bei der Entstehung physiologischer Reaktionen zu verstehen: Während der Thalamus Reize von den Sinnesorganen bekommt, steuert der Hirnstamm beispielsweise Herzschlag oder Atmung – und damit auch typische Stresssymptome. Aus Sicht der Evolution eine durchaus sinnvolle Antwort auf kurzfristige Gefahren, doch wie entsteht das Angstgedächtnis?

Paradigmenwechsel durch ein Protein

Nach der klassischen Theorie speichert unser Gehirn Daten in neuronalen Netzwerken. Verbindungen zwischen Nervenzellen, sprich Synapsen, sind die entscheidende Größe: Ständig bilden sich neue Verknüpfungen, andere Schnittstellen wiederum gehen mit der Zeit verloren. Modelle zur synaptischen Plastizität reichen aber nicht aus, um das Angstgedächtnis zu erklären.

In den späten 1990er Jahren nahm sich Karim Nader, damals noch Doktorand, heute Professor an der kanadischen McGill-Universität, Montreal, des Themas an. Sein Chef, der berühmte Neurowissenschaftler Joseph LeDoux, Professor am Center for Neural Science an der New York University, ermutigte den jungen Forscher nicht gerade: „Ich sagte Karim, er vergeude nur seine Zeit.“ Davon ließ sich Nader aber nicht bremsen. Im Zuge seiner Experimente lehrte er zunächst Ratten das Fürchten: Ein lautes Geräusch wurde mit einem ungefährlichen, aber dennoch schmerzhaften Stromschlag verknüpft. Seit Iwan Petrowitsch Pawlows Experimenten aus dem Jahr 1905 ist bekannt, dass Tiere nach einiger Zeit schon beim Geräusch zusammenzucken, auch wenn gar keine Elektrizität folgt. Nach der Konditionierung über mehrere Wochen spielte Nader das Geräusch erneut ab, injizierte den Nagern aber einen Hemmstoff der Proteinbiosynthese direkt ins Gehirn. Die Überraschung: Es gab keine Erinnerung mehr, keine Angst, auch nicht bei der späteren Wiederholung des Versuchs. Neue Assoziationen waren weiterhin möglich.

Mit den Versuchsreihen machte sich Karim Nader nicht nur Freunde. Seine These, Angsterinnerungen erforderten eine Proteinsynthese in der Amygdala, galt schließlich als Paradigmenwechsel in den Neurowissenschaften: Nicht die Verschaltungen diverser Neurone sind entscheidend, sondern vielmehr eine de novo-Synthese von Eiweißen. Nader fand auch molekulare „Baupläne“, mRNAs, die sowohl zur Festigung als auch zum Vergessen der Angsterinnerung erforderlich sind. Im Gegensatz zu Grundlagenforschern nahmen Therapeuten die neuen Erkenntnisse mit großem Enthusiasmus auf.

Löschtaste im Gehirn

Hier kommt Jeffrey Mitchells Critical Incident Stress Management wieder zum Tragen: Erleben Patienten ein traumatisches Ereignis, wird es einerseits als neuronales Abbild des realen Geschehens abgelegt, sprich in Form einer mehr oder minder guten Kopie. Andererseits speichert die Amygdala Emotionen, ausgelöst durch negative Gefühle während des Unfalls oder der Katastrophe. Ein faszinierender Ansatz zur Behandlung der PTSD wäre jetzt, Patienten nach Mitchells Techniken wieder die Situation zu versetzen und gleichzeitig einen Hemmstoff der Proteinbiosynthese zu verabreichen.

Genau das versuchte Alain Brunet, Psychiater am Douglas Mental Health University Institute in Kanada. Für eine randomisierte Doppelblindstudie wählte er 19 Patienten aus, die sexuelle Übergriffe, Autounfälle oder Gewaltverbrechen erlebt hatten und seither unter PTBS litten. Sie mussten sich wieder in die schrecklichen Geschehnisse hineinversetzen, gleichzeitig verabreichte Brunet zehn Patienten den Betablocker Propranolol, neun erhielten Placebo. Eine Woche später wurden alle Patienten erneut gebeten, die belastenden Geschehnisse zu schildern. Obwohl sie sich nach wie vor gut erinnern konnten, zeigten sich unter Verum signifikant niedrigere Stressreaktionen. Die Angst war nicht komplett verschwunden, schien allerdings weniger lähmend zu sein. Mittlerweile wird Propranolol off label in der PTBS-Therapie eingesetzt, große Studien hoher Qualität sind in Arbeit. Trotz der optimistischen Daten bleiben viele Patienten dennoch traumatisiert – und Wissenschaftler lassen nicht locker.

Ein Eiweiß namens Zeta

Todd Sacktor vom SUNY Downstate Medical Center, New York, erforscht seit Jahren Lernprozesse. Seine These: Laufen entsprechende Vorgänge tatsächlich über ein Protein, muss sich dieses auch finden und charakterisieren lassen. Nach mehr als zehn Jahren harter Arbeit entdeckte er tatsächlich ein spezielles Enzym und nannte es Proteinkinase M zeta (PKMzeta). Dieses Molekül sorgt für eine Speicherung angenehmer sowie unangenehmer Erinnerungen im Langzeitgedächtnis, indem Funktionalitäten der Synapsen beeinflusst werden – ein ideales Ziel für Arzneimitteltherapien bei PTBS. „Das erwies sich als bemerkenswert einfach“, erzählt Sacktor. „Alles, was wir tun mussten, war, ein passendes Molekül aus dem Katalog zu bestellen und an Tieren zu testen.“ Im Experiment erwies sich der Hemmstoff „ZIP“ als geeignet, ein kurzes Peptid mit 14 Aminosäuren. Mit Erfolg: Ratten, denen man eine Aversion gegen den Süßstoff Saccharin antrainiert hatte, „vergaßen“ nach „ZIP“-Gabe alle schlechten Erfahrungen, und zwar für mehrere Wochen, Sacktor vermutet, eventuell sogar für immer. Doch ganz so einfach scheint der Zusammenhang dann doch nicht zu sein, wie aktuelle Untersuchungen ergeben haben. Experimente mit Hemmstoffen in vitro lassen nur schwer Rückschlüsse auf komplexere Umgebungen wie Zellen im Gehirn zu. Forscher an der University of California, San Diego, USA, vermuten sogar, dass PKMzeta als Vermittler der synaptischen Plastizität doch nicht die Schlüsselrolle einnimmt. Andere Studien bescheinigen diesem Eiweiß aber noch eine Reihe interessanter Eigenschaften.

Gehirndoping Marke Eigenbau

Auf der anderen Seite arbeitete der Forscher mit Nagern, die PKMzeta überexprimierten und sich antrainierte Dinge ewig merkten. Neue Forschungsarbeiten machen dieses Enzym auch für Alzheimer-Patienten interessant: PKMzeta lagert sich in Neurofibrillen ab und steht folglich für Lernprozesse nicht mehr zur Verfügung, was mit einer Verschlechterung synaptischer Übertragungsprozesse einhergeht. Auch deutet viel auf die Beteiligung des Gehirnproteins bei Entzugserscheinungen von Suchtpatienten hin.

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Medizin, Neurologie

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15 Kommentare:

Rettungsassistent

Ich denke, dieser Artikel ist einfach mehr der biologischen Seite des Traumas gewidmet und für diesen Bereich gut geschrieben. Das hier die Vorgehensweisen der psychischen behandlung ausgeklammert werden, bedeutet nicht, dass dies keine Behandlungsoption ist, sondern nur, dass in diesem Artikel nicht darauf eingegangen wird.
Und beides zusammen wird mit Sicherheit am besten helfen.
Was hier allerdings der Glaube an Gott, Götter oder sonst irgend etwas bewirken soll, weiß ich nicht.

#15 |
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Dagmar Reis
Dagmar Reis

Als Betroffene mit PTSB Syndrom befinde mich seit 3 Jahren in psychotherapeutoischer Betreuung. Kognitive Verhatenstherpie bietet mir viele Möglichkeiten. Es kostet aber viel Kraft nicht auf Psychopharmaka welcher Art auch immer zurückzugreifen , wenn die Angst Macht über Deinen Körper und die Seele gewinnt;und as 24 Stunden, und auch Nachts Deine Gedanken kontrolliert. Solche Artikelwie diese lassen wieder Hoffnung wachsen: Gibt es da etwas , was mir hilft?
Aber auch hier bleibt wieder die Frage: reicht eine Pille ? Was kommt danach ? Die zweite Pille ? Wenn man Erfahrungen mit anbgeblich harmlosen freiverkäuflichen Mitteln wie Baldrian paradoxe Reaktionen erlebt und aushalten muss,fällt es mir schwer Vertrauen in ” Wisch und Weg” Pillen zu setzen. Reden ist die bese Medizin gegen Angst. Man läuft Gefahr sich ” zu blamieren ” wenn man Famlilienangehörige und Arbeitskolegen infomiert. Doch auch hier es wie mit einer Angst -Phobie als solche : Die Vorstellung, die Phantsie: ” Was denken die jetzt von mir ?” einer Situation ist dramatischer als die Realität selbst.Ich persönlich habe sehr viel Sympathie, Empathie und Verständins und sehr viel Verständmis erfahren. Wenn man Dinge benennt, werden Gedanken, die Ängst auslösen, in gegenseitiger Wechsekwirkung klarer. Wenn man sich öffnet, nicht auf seinem Therapeuten gegenüber beschränkt; nein insbesondere seinen Mitmenschen gegen,erfährt man sehr viel Solidarität. Man erlebt das Gefühl:” Vielleicht bin ich bin doch normal” , ” Es gibt soviele Menschen mit Ängsten, welche sich körperlich manifestieren, man kann es fast nicht glauben. Angst ist ein Urgefühl, was mit Sicherheit seinen Sinn erfüllt. Glaube , Liebe , Hoffnung. Auch dies sind Elemente , welche in gleicher Weise einem in die Wiege gelegt sind wie die Angst auch. Es ist schwer diese Dysbalance auszuhalten.Auch für meine Familie. Doch Glaube, Liebe Hoffnung finde ich in der Familie. Nicht in der Pille, selten beim Arzt. Hier heißt es: ” Der Nächste bitte!” Mir und meiner Familie bin ich in diesen Falle aber der Nächste.
Ich möchte mit diesem Kommentar Betroffenen Mut machen , das Modell des “Pawlowschen Modells” auch für positive Gedanken und Gefühleunsd angemessenem Verhalten anzutrainieren.Was sind 3-5 Jahre Dauer einer Therapie im Vegleich zum Rest der Lebensdauer ?

#14 |
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Die größte psychotherapeutische Erfindung ist Gott und die Beichte. Man sollte bei der Beichte eben auch traumatische
Erlebnisse beichten und Gottes Segen empfangen.
Dann könnte auch an Psychotherapie im moderneren Sinne gespart werden.

#13 |
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Arzt

Dipl. Päd. Melanie Anlauf schrieb:

“Tranquilizer und Antidepressiva helfen Akuttraumatisierten kurzzeitig,”

Falsch, Benzodiazepine verstärken die Fragmentierung der Traumaerinnerung und behindern somit die Verarbeitung erheblich. Insofern ist der Einsatz von Benzodiazepinen in der Akutphase ein Kunstfehler.

#12 |
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Selbstst. Apotheker

Sehr guter Artikel.Für die betroffenen Menschen einen akute Hilfe zu finden ist sicherlich toll;aberwie sieht es auf Dauer aus?
Wäre es möglich diese Menschen auch wie bei anakastischen
Krankheiten zu behandeln,indem man evtl.diese Ereignisse immer wieder als Gedankenxposition übt.Denn in den letzten
10-20 Jahre bei der Behandlung diese früher als unheilbar
gesehene Krankheiten hat man in Verbindung mit SSRI(höher dosiert als normal)sehr gute Erfahrungen gemacht.Kennt sich jemand damit aus?

Barbaros Orhon
Brunnen Apotheke,Löningen

#11 |
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Geisteswissenschaftler

Was als Ergebnis von medizinischen und klinischen Studien hinsichtlich der Hirnforschung und der traumatisierenden Erfahrungen von im Leben belastenden Ereignissen als abgesicherte Erkenntnis hin gehalten wird und erwiesener Maßen als Einsicht in die Notwendigkeit medizinisch und psychologisch gesehen sinnvoller Intervention auch sicher anwendbar bleibt, bewegt sich in seiner Medizinischen Anwendbarkeit auch innerhalb jenes biologischen Denkweise, die ein Biologisches Denken im Gegensatz zu einem rein organischen geschehen als Grundform des Lebens präjudiziert. Als Wesen aus Leib Seele und Geist, scheint die Überbewertung eines organischen Geschehens zu Lasten des Körpers selbst, der ja auch nicht nur Abfallprodukte produziert, sondern durchaus auch sinnvolle chemisch nachweisbare Substanzen,die den Erhalt der inneren, wie auch der äußeren Balance regeln sollen, sich abseits jedweder medizinisch sinnvollen Forschung bewegen. Forschung an sich, solange sie wertneutral nur dem Gegenstand verpflichtet bleibt, ist, wenn es sich um solche Themen wie der einer klinisch nachweisbaren Post-traumatischen-Belastungs-Störung handelt ein Grund mehr, sich wenn es sich um rein psychologische Erkrankungen handelt, diese auch dementsprechend psychologisch zu behandeln und nicht zu versuchen, aus einem psychologisch begründbaren Problem ein medizinisch fassbaren Sachverhalt
zu schöpfen.

Lutz Mertens

#10 |
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Van den Heuvel schreibt, daß die These, Angsterinnerungen erforderten eine Proteinsynthese in der Amygdala, einen Paradigmenwechsel in den Neurowissenschaften dargestellt hätten: Für Karim Nader seien nicht die Verschaltungen diverser Neurone, sondern vielmehr eine de novo-Synthese von Eiweißen für die Gedächtnisbildung entscheidend gewesen. Von einem Paradigmenwechsel konnte allerdings keine Rede sein, denn die Entstehung von synaptischen Verbindungen basiert auf der Proteinsynthese. Die postsynaptischen Rezeptoren bestehen aus Proteinmolekülen, die bei Stimulierung der beteiligten Nervenzellen gebildet werden, und so der Verbindung Bestand verleihen.

#9 |
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Dr. Wolfgang Zysk
Dr. Wolfgang Zysk

Gut, dass es diese Wissenschaftler gibt und diese Forschung betrieben wird.Ich hoffe, dass ihnen in der Zukunft auch weiterhin die Chance dazu gegeben wird solche tollen Entdeckungen zu machen.
Der Artikel selbst ist gut lesbar geschrieben, der Link zur Literatur-Quelle zum Beispiel auf NCBI funktioniert gut und ich hoffe, dass Herr van den Heuvel uns auch weiterhin über dieses Thema auf dem Laufenden hält.

#8 |
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der psychotherapeutische Ansatz ist doch etwas kurz geschildert mit “nach dem Trauma möglichst viel drüber reden” – wenn ‘s ja mal so einfach wäre… natürlich ist es sicher richtig, dass aussprechen helfen kann, aber die Gefahr der Retraumatisierung bzw. Verankerung des Erlebten durch wiederholte Exposition ist zu beachten! Insofern wird in der Therapie von traumatisierten Menschen inzwischen ja sehr viel mehr Wert auf die Stabilisierungsphase der Therapie gelegt, und erst danach als wesentlich “kleinerer” Teil der Therapie kommt ggf. eine Konfrontation mit dem Trauma an die Reihe… Sehr komplexes Thema, wo es mittlerweile viele gute Techniken gibt (auch EMDR, aber nicht nur! z.B. TRIMB, Aufstellung, Imagination etc.- bin selbst nicht Therapeutin, “nur” interessierte Ärztin).

#7 |
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Psychotherapeutin

Trauma lässt sich nicht allein durch naturwissenschaftliche Methoden vergessen lassen. Erst recht nicht Mutiple. Tranquilizer und Antidepressiva helfen Akuttraumatisierten kurzzeitig, dennoch ist eine EMDR oder für Kinder eine KBT sowie das KIDNET zu empfehlen.
Traumas in der Kindheit benötigen eine langjährige Psychotraumtologische geschulte Behandlung vom Spezialisten.
Hier sollte wie Pharmaprodukt nicht die therapie blockieren bzw. den Therapeuten ersetzen.

#6 |
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“Dieses Molekül sorgt für eine Speicherung angenehmer sowie unangenehmer Erinnerungen im Langzeitgedächtnis, indem Funktionalitäten der Synapsen beeinflusst werden ¿ ein ideales Ziel für Arzneimitteltherapien bei PTBS.” Über diesen Satz bin ich dann doch gestolpert. Es böte sich sicherlich ein Therapieansatz für PTBS, wenn “angenehme” Erinnerung nicht blockiert würden. Gerade das könnte m.E. den Therapieerfolg schälern, bzw. ein Quell starker UAW sein, wie z.B. eine verminderte affektive Resonanz.

#5 |
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Dr. phil. Barbara Engels-Wehr
Dr. phil. Barbara Engels-Wehr

Ein komplexer und abwägender Artikel über Angst, nicht nur PZBS–einmal von einem anderen Blickwinkel aus als Synapsen/Circuits und Logalisation, sondern auch die molekulare Ebene einbeziehend. Sicher muß bei der Erforschung beides berücksichtigt werden und es erscheint sinnvoll, keine der beiden Ansätze zu vernachlässigen. Weitere Berichte über die Wirkung von PKMzeta besonders im Hinblick auf Synapsen/Verschaltungselastizität wären begrüßenswert. Es ist darauf hinzuweisen, dass hirngängige
lipophile Substanzen (kleine Moleküle) seit Jahrtausenden als Angstlöser verwendet werden, mit gutem und schnellen Erfolg (diese wäre für den SpezialfallPTBS noch zu untersuchen), was sich in meiner Praxis sehr gut bestätigt, keinen Nebenwirkungen (ein Hindernis für den Einsatz von Betablockern). Bittte weitere Artikel!

#4 |
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Ärztin

Hoch interessant, aber noch weitere RC-Trials notwendig!

#3 |
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Bei diesen Studien wird vergessen, dass die Nager konditioniert werden. Bei dem Trauma findet – wenn man es überhaupt so bezeichnen kann – ein one trial learning statt. Zudem wird allzu oft übersehen, dass für eine PTSB eine Prädisposition besteht. Die Protagonisten der hier dargestellten Auffassung müssten also belegen, inwieweit bei ihren Versuchstieren eine Prädisposition besteht. Insgesamt kann der Skepsis der Grundlagenforscher zugestimmt werden, zumal es sich bei den dargestellten Studien um sog. Therapie-Analog-Experimente handelt.

#2 |
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Marcus Grosser
Marcus Grosser

sehr interessant und sehr gut geschrieben!

#1 |
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