Zytostatika-Resistenz: Mörder gesucht

28. November 2014
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Bei bakteriellen Infekten gang und gäbe: Resistenztests, die vorhersagen, ob ein Pharmakon anspricht. Nun gelang es, das Prinzip auf Zytostatika-Resistenzen zu übertragen. Davon könnten viele Patienten profitieren, so sie ohne Zeitverzögerung eine optimale Therapie bekommen.

Um für Patienten die bestmögliche Krebstherapie auszuwählen, hatten Onkologen bisher nur wenige Möglichkeiten. Ihnen blieben feingewebliche und molekularbiologische Untersuchungen. Daraus entwickelten sie Therapieprotokolle, oftmals für die Masse zugeschnitten. „Genetische Untersuchungen sind extrem hilfreich, aber in vielen Fällen gewinnen wir aus Mutationen keine Erkenntnis zur therapeutischen Strategie“, sagt Jeffrey Engelman vom Massachusetts General Hospital in Boston. Auch wachsen Tumorzellen, wie sie sich beispielsweise aus Biopsien isolieren lassen, im Labor nur schlecht heran: ein Manko für weitere Tests.

Die Mischung macht’s

Diese Defizite störten Ärzte schon lang. Jetzt schlägt Engelman ein neues Procedere vor. Zuerst optimierte er Verfahren zur In-vitro-Kultur mit Fütterzellen (feeder cells). Zum Einsatz kommen beispielsweise Fibroblasten, die durch Gammastrahlung ihre Fähigkeit zur Zellteilung verloren haben. Sie ernähren schlecht wachsende Krebszellen, die bei höheren Zelldichten oft besser wachsen. Engelman gelang es, aus Biopsien von Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom in jedem zweiten Fall Zellkulturen anzulegen. Seine Patienten hatte der Wissenschaftler sorgsam ausgewählt. Sie litten nach anfänglichen Behandlungsversuchen mit Tyrosinkinase-Inhibitoren an Rezidiven. Engelman exponierte kultivierte Zellen in vitro mit 76 Pharmaka, von denen sich noch 59 in der klinischen Erprobung befanden. Auch Kombinationen waren für ihn denkbar. Mit dem Screening-Verfahren gelang es tatsächlich, wirksame Moleküle zu identifizieren. Beispielsweise führte ein MEK-Inhibitor zusammen mit einem ALK-Inhibitor zum gewünschten Erfolg. In anderen Fällen machten SRC-Inhibitoren die Resistenz von ALK-positiven Tumoren zunichte.

Ab in die Praxis

Engelmans Studie hat trotz aller Euphorie einen Schönheitsfehler: Er übertrug seine Erkenntnisse nicht vom Labor auf den Menschen, was bei zugelassenen Arzneistoffen durchaus möglich gewesen wäre. Ob seine Vorschläge zur Therapieplanung tatsächlich angeschlagen hätten, bleibt unklar. Jetzt sind weitere Studien erforderlich, um Menschen mit Krebs individuell zu behandeln. In absehbarer Zeit werden Krebspatienten kaum von innovativen Screening-Verfahren profitieren.

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