Kontrazeption: Schutz für ‘nen halben Apfel

28. November 2014
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Ein US-Dollar – mehr dürfen Verhütungsspritzen für Frauen in armen Ländern nicht kosten. NGOs und Industrievertreter präsentierten nun ein Präparat. Schwachstellen bleiben aber: Ohne grundlegende Strukturen im Gesundheitssystem der Staaten wird die Strategie kaum aufgehen.

Neue Fakten zu einem alten Thema: Laut UNFPA-Weltbevölkerungsbericht 2014 haben in einigen Ländern nur 12 bis 23 Prozent aller Frauen Zugriff auf moderne Verhütungsmethoden. Rund 200 Millionen Einwohnerinnen fehlt die Möglichkeit, Schwangerschaften zu verhindern. Experten von „State of World Population 2013“ gehen davon aus, dass in Entwicklungsländern Tag für Tag 20.000 Mädchen unter 18 selbst Kinder zur Welt bringen. „Nach wie vor werden die Rechte von jungen Menschen – vor allem von Mädchen – mit Füßen getreten“, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. „Jeden Tag werden 39.000 Mädchen im Kindesalter verheiratet, 57 Millionen Kinder besuchen keine Grundschule.“ Jetzt fordert der United Nations Population Fund (UNFPA) entsprechende Staaten auf, mehr Geld in Bildung und Gesundheit zu investieren.

Bezahlbare Kontrazeption

Ein erster Schritt: Zusammen haben die Bill & Melinda Gates Foundation, die Children’s Investment Fund Foundation und der Pharmakonzern Pfizer Nägel mit Köpfen gemacht. Sie präsentierten Sayana® Press der Öffentlichkeit. Ihr Präparat verhindert den Eisprung und bleibt mindestens 13 Wochen aktiv. Ein in mehreren afrikanischen Ländern angelaufenes Pilotprojekt wird von allen Partnern als Erfolg bewertet. Angestellte im Gesundheitssystem verabreichten etwa 75.000 Einheiten von Sayana® Press. Die Verteilung soll auf 69 arme Länder weltweit ausgeweitet werden. Hilfsorganisationen erhalten das Medikament für einen Dollar und können es kostenfrei oder zu einem bezahlbaren Preis vor Ort an Frauen abgeben.

Sicher ist sicher

Sayana® Press enthält 104 Milligramm Medroxyprogesteronacetat (MPA) in 0,65 Millilitern Lösung. Das Präparat wird subkutan gespritzt. Als Nebenwirkung führt Pfizer vor allem an, dass sich bei manchen Probandinnen die Knochendichte verringert hat. Demgegenüber stehen klare Vorteile: „Wenn Frauen planen können, wann sie ein Kind wollen, haben sie höhere Überlebenschancen während der Schwangerschaft und bei der Geburt, und sie bekommen gesündere Kinder“, so Chris Elias von der Bill & Melinda Gates Foundation. „Save the Children“ erwartet, dass durch Verhütungsspritzen pro Jahr etwa 100.000 Todesfälle von Frauen verhindert werden könnten. Diese optimistischen Einschätzungen teilen nicht alle Ärzte und Apotheker. Ohne grundlegende Strukturen im Gesundheitssystem wird es schwierig, Frauen vor Ort tatsächlich zu erreichen.

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