Zungenkrebs durch Zahnersatz?

4. Dezember 2014
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Vor allem bei Nichtrauchern entwickelt sich ein großer Anteil von Kopf-Hals-Tumoren am Rand der Zunge. Australische Forscher vermuten daher, dass schlecht sitzende Zahnprothesen an der Krebsentstehung beteiligt sein könnten.

Als Ursachen für Kopf-Hals-Tumore hat sich im englischsprachigen Raum bereits vor vielen Jahren die sogenannte 5S-Regel etabliert: „Smoking, spirits, syphilis, spices and septic teeth“. Inzwischen weiß man, dass Krebserkrankungen auch durch veränderte Sexualpraktiken und die damit verbundene Übertragung durch humane Papillomviren (HPV) gefördert werden. Doch auch wenn humane Papillomviren die 5S-Liste ergänzen, liefern sie dennoch keine vollständige Erklärung für alle Krebserkrankungen im Kopf-Halsbereich. Unklar bleibt nach wie vor auch, warum die meisten Tumore am Mundboden und im Randbereich der Zunge auftreten.

Tumore am Zungenrand häufiger bei Nichtrauchern

Bei Rauchern lässt sich die Entstehung von Tumoren am Mundboden einfach erklären: In der Speichelansammlung unter der Zunge konzentrieren sich die Kanzerogene aus dem Zigarettenrauch und haben dort genügend Zeit, ihre Schadwirkung auf die Zellen zu entfalten. Bei Karzinomen am Zungenrand liegen die Gründe nicht mehr einfach auf der Hand. Eine retrospektive Studie von Wissenschaftlern des Princess Alexandra Hospitals in Brisbane, Australien, zeigte, dass nur 33 Prozent der Patienten mit einem Tumor am Zungenrand Raucher sind. Da 66 Prozent der Betroffenen Nichtraucher sind, suchten die Forscher nach anderen Ursachen für die Entstehung der Tumore am Zungenrand.

Schlecht sitzende Zahnprothesen schuld?

Eine mögliche Erklärung könnte der Kontakt der Zunge mit den Zähnen und vor allem dem Zahnersatz sein, schlussfolgerten die Wissenschaftler. Denn Krebserkrankungen in der Mundhöhle treten meist erst in fortgeschrittenem Alter auf, wenn die meisten Menschen Brücken oder Gebisse tragen. Schlecht sitzende Zahnprothesen könnten daher an der Entstehung von Zungenkrebs am Zungenrand beteiligt sein. Einen Beweis für ihre Hypothese fanden die Forscher im Zuge ihrer retrospektiven Studie nicht, da zum Zahnstatus der meisten Patienten keinen Informationen vorlagen. Weitere prospektive Untersuchungen werden zeigen, ob diesbezüglich ein Zusammenhang besteht.

Originalpublikation:

Sites of Origin of Oral Cavity Cancer in Nonsmokers vs SmokersPossible Evidence of Dental Trauma Carcinogenesis and Its Importance Compared With Human Papillomavirus
Brendan J. Perry et al., JAMA Otolaryngol Head Neck Surg., doi: 10.1001/jamaoto.2014.2620; 2014

 

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Forschung, Medizin, Zahnmedizin

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1 Kommentar:

Arzt
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vielleicht auch für die Zunge ein Kondom verwenden

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