MSV3: Heiße Drähte hinter dem HV-Tisch

28. November 2014
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Seit mehr als einem Jahr steht Apothekern die internetbasierte Schnittstelle MSV3 zur Verfügung, um mit Großhändlern effizient zu kommunizieren. In der Praxis sind entsprechende Änderungen nur teilweise angekommen. Auch reagieren Inhaber mit einer gewissen Skepsis.

In den 1980er-Jahren schlug die Geburtsstunde des sogenannten MSV-Protokolls (Medium Speed Version oder Medium Speed Variant): ein ursprünglich von Siemens entwickeltes Verfahren zur Datenübertragung. Beim späteren Verfahren MSV2 erfolgte die Kommunikation noch über Telefonleitungen. Seit Oktober 2013 sorgt MSV3 durch einheitliche, internetbasierte Protokolle für schnellere Bestellabläufe mit Großhändlern. Je nach Internet-Anbindung gehen Datentransfers zehn bis 1.000 Mal rascher über die Bühne, als es mit dem alten Standard MSV2 möglich war. Jetzt befragte das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) rund 250 Apotheker nach ihren Erfahrungen.

Nur nicht so hektisch

Ihr Resümee: Lediglich bei 30,4 Prozent aller Apothekenleiter läuft MSV-3 bereits. Weitere 24,5 Prozent sagten, das zuständige Software-Haus habe zumindest über anstehende Umstellungen informiert und notwendige Programmierungen erledigt. Jedoch kritisierten 21,4 Prozent, technische Arbeiten stünden trotz Information noch aus. Darüber hinaus beklagen 23,7 Prozent der Befragten, weder vom Software-Hersteller Informationen bekommen zu haben noch selbst auf MSV3 umgestellt zu haben. Wer sich entschloss, das neue technische Protokoll einzuführen, machte sehr positive (28,8 Prozent), eher positive (52,1 Prozent), eher negative (17,8 Prozent) oder sehr negative Erfahrungen (1,4 Prozent).

Der heiße Draht zum Großhandel

Vorteile sahen Apotheker primär in der Schnelligkeit ihrer neuen Schnittstelle (97,3 Prozent Zustimmung), gefolgt von der Stabilität entsprechender Verbindungen (91,8 Prozent) und Bestandsabfragen beim pharmazeutischen Großhandel (86,7 Prozent). Die Benutzerfreundlichkeit bewerteten 85,5 Prozent positiv, und 83,7 Prozent fanden, die Umstellung sei schnell erledigt gewesen. Dabei gaben 83,3 Prozent an, von Softwarehäusern gut unterstützt worden zu sein. Insgesamt protokollierten 75,4 Prozent, die Umstellung auf MSV3 habe problemlos funktioniert. Von einer Arbeitserleichterung sprachen 75,7 Prozent. Dennoch gibt es Wermutstropfen: 62,5 Prozent der Befragten waren skeptisch, ob bei der Übertragung via MSV3 ein ausreichend hoher Datenschutz gewährleistet wird. Ganz sicher waren Telefonleitungen aber ebenfalls nicht. Offensichtlich gibt es noch zahlreiche Defizite bei der Information über den neuen Standard.

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