Bis dass das IMPP euch scheidet

21. März 2012
Teilen

Ein kleiner Flirt unter Kommilitonen kann selbst ein ödes Physik-Praktikum plötzlich spannend machen. Und wenn daraus sogar die große Liebe entsteht, wird der Hörsaal zum Schauplatz einer Seifenoper. Unsere Autorin hat sich über die Liebe unter Kommilitonen mal so ihre Gedanken gemacht.

Physik war eigentlich noch nie ihr Lieblingsfach. Das änderte sich auch nicht, als Lisa im ersten Semester ihres Medizinstudiums mehrmals pro Woche ein physikalisches Laborpraktikum ableisten musste. Schon nach der Einleitung blickte sie alle 5 Minuten zur Uhr und hoffte angespannt, dass sie das nahende Testat überleben würde. An diesen tristen Nachmittagen mitten im grauen November gab es eigentlich nur einen Lichtblick am Ende des Uni-Tunnels. Und das war Timo. Gleich in der Einführungswoche kamen sie über ihre gemeinsame Heimatstadt Wolfsburg ins Gespräch und wurden schließlich im Physikpraktikum in eine Versuchsgruppe gewürfelt. Mit der Zeit entwickelte sich eine starke Vertrautheit zwischen den beiden. Sie aßen zusammen in der Mensa, kopierten sich ihre Vorlesungsunterlagen, redeten über ihre täglichen Prüfungssorgen. Nur wenige Cocktails und eine heitere Uni-Party reichten schließlich aus, damit der Funke – endlich! – übersprang. Timo wagte den ersten Kuss, die beiden wurden ein Paar.

So oder ganz ähnlich werden in den Hörsälen dieser Welt täglich neue Liebesgeschichten geschrieben. Meist brauchen wir nur einen kurzen Moment überlegen, bis uns selbst ein Musterpärchen wie Lisa und Timo in den Sinn kommt. Auf den ersten Blick wirkt das fast kitschig und wir – sofern noch Single – würden wirklich niemals im Leben zugeben, dass wir vielleicht ein klein wenig neidisch sind. Aber andererseits ist der Alltag im Medizinstudium natürlich kein Ponyhof. Und Beziehungen sind das ebenso wenig. Denn beides setzt vor allem zwei recht hohe und anstrengende Dauereinsätze voraus: Disziplin und harte Arbeit.

Und plötzlich scheint die Sonne

Aber um jetzt nicht allen frisch Verliebten einen deprimierenden Dämpfer zu verpassen, starte ich lieber mal mit den positiven Aspekten einer Medizinstudenten-Romanze. Denn davon gibt es besonders in der Anfangsphase der neuen Liebe wirklich eine Menge. Adrenalin vor der ersten gemeinsamen Nacht und Oxitocin am Morgen danach bringen wie viele weitere Botenstoffe unseren Körper gehörig durcheinander. Das Mensaessen schmeckt plötzlich wie im Sterne-Restaurant, trotz tiefsten Winters scheint 24 Stunden am Tag die Sonne. Die Angst vor dem wöchentlichen Anatomie-Testat ist wie weggeblasen und sogar eine verhauene Klausur kann die Verliebten nicht mehr aus den Angeln heben. Zudem sind sie ausdauernd, hyperaktiv und ständig gut gelaunt. Lange aufgeschobene Pläne werden in Angriff genommen. Eine neue Liebe gibt Hoffnung, macht Mut, bringt Optimismus. Im Alltag und im Studium.

Zu Risiken und Nebenwirkungen…

Lernt man einen vielversprechenden Lebensabschnittsgefährten im Hörsaal kennen, kommt es also bestenfalls zu richtigen Doping-Effekten. Ähnlich wie bei dem unter Radlern besonders beliebten EPO kann es bei dauerhafter Überdosierung aber auch zu Risiken und Nebenwirkungen kommen. Kein Wunder! Denn Studium teilt mit dem Wort Stress nicht nur die ersten zwei Buchstaben. Psychische Dauerbelastung, Ängste und Schlafmangel zerren an den Nerven. Wenn dann auch noch der geliebte Kommilitone mit der bestens Freundin flirtet oder ständig bessere Noten absahnt, kann der Kessel schon mal überlaufen. Oder es kommt tatsächlich zu einer Überdosis. Immerhin gibt es – wenn wir ehrlich sind – viele Männer bzw. Menschen, die sich nicht binden wollen und ihre Freiheit, Kumpels und Fußballspiele ganz dringend brauchen. Da kann es nach intensiven Vorlesungswochen zu zweit schon mal zu einem Lagerkoller kommen. Natürlich gehören Konflikte ja immer irgendwie dazu und können eine Beziehung auch festigen und reifen lassen. Anstrengend sind die emotionalen Rangeleien zwischen Famulatur und Klausur trotzdem.

Happy-End

Bevor ich mich jetzt aber ganz auf die Contra-Seite schlage, rufe ich mir doch nochmal schnell mein Lieblingspärchen in Erinnerung. Ich kenne die beiden nur vom Sehen, weiß nicht einmal ihren Namen. Trotzdem haben mich nur wenige Infos vom Hocker gehauen: Sie sind ein Paar, sie studieren beide im gleichen Semester Medizin und sie werden noch dieses Jahr heiraten. Und wenn wir mal ehrlich sind: Stress und Studium hin oder her. Wer hat sich nicht schon mal heimlich nach einem kitschiges Happy-End gesehnt?!

44 Wertungen (2.5 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Frau im Spiegel

#3 |
  0
Student der Humanmedizin

Leute machen sich darüber Gedanken, was der Partner studiert, wie viel Zeit man miteinander verbringt, ob man seine Freiheiten hat, ob man genug Zeit zusammen hat, ob man die gleichen Interessen hat, ob man unterschiedliche Intressen hat, wie die Freunde ihn/sie finden, ob man zusammen toll aussieht, ob man das selbe Fach studieren kann, darf oder muss, usw., usw., usw….Ist doch alles Bullshit. Wo die Liebe hinfällt…

#2 |
  0
Christoph Müller
Christoph Müller

Bin ehrlich gesagt eher froh das meine Freundin kein Medizin studiert. Hätte ansonsten das Gefühl ich könnte nie abschalten.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: