Rotwein: Resveratrol hemmt Entzündungen

19. November 2014
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Der in Rotwein vorkommende Naturstoff Resveratrol hemmt die Bildung von Entzündungsfaktoren, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. Da diese Erkrankungen durch Entzündungsprozesse stark vorangetrieben werden, besitzt Resveratrol ein hohes therapeutisches Potential.

Trotz fettreichem Essen findet sich in Frankreich eine geringere Herzerkrankungsrate als in Deutschland. Das sogenannte „French paradox“ wird dem Rotweingenuss der Franzosen zugeschrieben. Dieses Phänomen gab in der Vergangenheit Anlass zu verschiedenen Studien.

In diversen Forschungsprojekten ließ sich bereits zeigen, dass der in Rotwein enthaltene Naturstoff Resveratrol eine schützende Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat. Doch wie genau sind die Wirkzusammenhänge? Zumindest ein Teil der schützenden Wirkung ist durch die Hemmung der Bildung von Entzündungsfaktoren durch Resveratrol zu erklären. Dieser Nachweis gelang nun einem Forscherteam um Juniorprofessorin Andrea Pautz und Professor Hartmut Kleinert, beide vom Institut für Pharmakologie der Universitätsmedizin Mainz, in einer gemeinsamen Forschungsarbeit mit Professor Oliver Werz von der Universität Jena und Professorin Verena Dirsch von der Universität Wien. Konkret fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Naturstoff an das Regulatorprotein KSRP bindet und es dabei aktiviert. KSRP verringert die Stabilität der mRNA für eine Vielzahl von entzündlichen Mediatoren und hemmt so deren Bildung.

„Wir wissen jetzt genauer, wie Resveratrol die Bildung von Entzündungsfaktoren hemmt, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. Das ist eine wichtige Entdeckung vor dem Hintergrund, dass neuere Forschungen belegen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen sehr stark durch Entzündungsprozesse im Körper vorangetrieben werden“, sagt Juniorprofessorin Dr. Andrea Pautz. Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall treten so gehäuft bei chronisch entzündlichen Erkrankungen (wie dem Rheuma) auf. Der Naturstoff Resveratrol hat also insbesondere bei entzündlichen Erkrankungen, die mit einer starken Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems einhergehen, ein großes therapeutisches Potential.

Originalpublikation:

Resveratrol post-transcriptionally regulates pro-inflammatory gene expression via regulation of KSRP RNA binding activity
Andrea Pautz et al. ; Nucleic Acids Research, doi: 10.1093/nar/gku1033, 2014

48 Wertungen (4.56 ø)
Forschung, Medizin

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8 Kommentare:

PD Dr. rer.nat. Gernot Zissel
PD Dr. rer.nat. Gernot Zissel

Resveratrol ist in Wasser nur schwer löslich, man wird daher nur wenig Resveratrol aus den roten Traubenschalen aufnehmen. Das gleiche gilt auch für die Aufnahme aus Nahrungsergänzungsmittel. Der Alkohol im Rotwein ist sicher ein Problem, aber es geht auch nicht darum sich zu betrinken. Zudem seien die Mediziner daran erinnert, dass sie auch eine Reihe von alkoholischen Extrakten verschreiben. Man braucht eben den Alkohol zum extrahieren.
Zu den Versuchen: ja sicher, das wird mit isolierten Reagenzien gemacht und nicht mit Rotwein. Auch die Konzentrationen in diesen Experimenten sind sicher so hoch, wie man sie natürlicherweise kaum aufnehmen kann. Auf der anderen Seite möchte man die Effekte auch noch in einer überschaubaren Zeit beobachten können und nicht Wochen oder Monate auf einen Effekt warten. Resveratrol beeinflusst aber vor allem chronische Erkrankungen, bzw. deren Entstehung. Da kann man sich gut vorstellen, dass da auch geringe Mengen über die Zeit einen Unterschied machen.

#8 |
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@#1 Sehr gute Bemerkung :) …. Ich versuche seid Jahren meinen Patienten zu verklickern , das der hohe Alkoholgehalt des Rotweines die Wirkung der geringen gesundheitsfördernden Anteile darin faktisch zu Nichte macht ! Das Fazit müsste heißen : nicht Rotwein trinken , sondern Resveratol und andere Polyphenole als Supplement einnehmen …. zumindest , wenn es um die Gesundheit geht !

#7 |
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Evi Wimberger
Evi Wimberger

Es ist immer das gleiche Problem, man nimmt einen einzelnen Stoff und macht daraus eine Beweiskette: Warum gibt/gab es im Mittelmeerraum weniger KHK? Doch nicht nur wegen dem Rotwein, ist es nicht vielmehr die sogenannte Mediterrane Kost, Lebensart? Die Natur, der Mensch ist ein komplexeres System, als dass ein einzelner Stoff Wunder vollbringen könnte.

#6 |
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Dipl.-Päd. Karl-Heinz Krieger
Dipl.-Päd. Karl-Heinz Krieger

Diese Aussagen kommen meiner Neigung zu gutem Rotwein sehr entgegen. Kling plausibel und sehr positiv! Prost!

#5 |
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Alexander Hassmüller
Alexander Hassmüller

Über die Wirkung von Resveratol in Bezug auf das Kardio- Vaskuläre System bietet die National Library of Medicine 1006 Studien an. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=resveratrol+cardiovascular
Es handelt sich nur um einen von tausenden Pflanzenstoffen. Eine vegetarische oder vegane Ernährung ist geboten. Tierisches Eiweiß ist “der” Auslöser für inflamatorische Prozesse. Traubenkernmehl hat den unglaublich hohen ORAC Wert von 100.000. Die antioxdative Power von Pflanzen ist was wir brauchen. Alle ernsthaft um die Volksgesundheit bemühten Institutionen versammelten sich um die Aktion fünf am Tag.

#4 |
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Resveratrol ist ein Polyphenol, das vor allem in der Haut der Traube vorkommt. Es soll in der Vorbeugung von Arteriosklerose helfen, hohe antioxidative Wirksamkeit besitzen, die Verklumpung von Blutplättchen hemmen und die Bluttfette regulieren (Senkung von LDL-Cholesterin). Ich bin eher dafür, statt Rotwein zu trinken, die roten Trauben zu essen, weil ich den Verdacht habe, dass der Hauptanteil des Resveratols im Trester landet und zu Grappa etc. gebrannt wird.

#3 |
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Naturwissenschaftler

siehe hierzu auch
http://news.doccheck.com/de/65608/forschung-wenn-die-studien-nelken-welken/?cat=7138&context=category

“Virginia Hughes, Bloggerin beim National Geographic Magazine, hat sich die Mühe gemacht, aus dem Archiv der New York Times der letzten zehn Jahre Artikel mit den Neuigkeiten zu Resveratrol herauszusuchen, dem angeblich lebensverlängernden Stoff im Rotwein. Regelmäßig berichtete das Blatt über sensationelle Neuigkeiten aus der dazugehörigen Forschung: 2003 über den Gewinn an Lebenszeit bei Rotweintrinkern, den Zweifeln daran im Jahr 2011, möglichen Schwindeleien bei den Experimenten im Jahr 2012, die die ganze Geschichte in Frage stellten, 2013, dass doch etwas Wahres daran sei. Vor einigen Monaten erschien dann die Meldung, dass Resveratrol im Wein keinerlei gesundheitsfördernde Wirkung habe. Soll man solche Berichte dann überhaupt noch ernst nehmen, auch wenn sie von den Wissenschafts-Profis einer renommierten, amerikanischen Zeitung stammen?”

#2 |
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Stefan Kelter
Stefan Kelter

Lt. der WDR Sendung Quarks & Co muss man sich schon in Koma saufen, um über Rotwein-Konsum genug Resveratrol aufzunehmen. Die Untersuchungen seien alle mit extrahierten Resveratrol gemacht worden.

#1 |
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