Cotrimoxazol: Mörderische Moleküle

21. November 2014
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Kanadische Forscher warnen vor Cotrimoxazol: Erhalten Patienten mit Hypertonie zeitgleich Sartane oder ACE-Hemmer, drohen Hyperkaliämien – teils mit tödlichen Folgen. Rechtsmediziner übersehen diese Todesursache noch sehr häufig.

Cotrimoxazol setzt sich aus den beiden pharmakologisch aktiven Molekülen Trimethoprim und Sulfamethoxazol zusammen. Das Problem: Trimethoprim ähnelt strukturell Amilorid, einem kaliumsparenden Diuretikum. Erhalten Patienten Cotrimoxazol, müssen Ärzte mit höheren Kaliumspiegeln rechnen. Das ist an und für sich noch kein Problem.

Hypertoniker aufgepasst

Kritisch wird die Sachlage, falls Hypertoniker das Antibiotikum zusammen mit ACE-Hemmern oder AT1-Rezeptorantagonisten, sprich Sartanen, anwenden. Jetzt hat Michael Fralick, Toronto, neue Resultate veröffentlicht. Fralick fand in Bevölkerungsregistern zwischen 1994 und 2012 etwa 1,6 Millionen Senioren, die ACE-Hemmer oder Sartane einnahmen. Bei ihnen ereigneten sich im Studienzeitraum genau 39.879 plötzliche Todesfälle. Davon verstarben 1.027 Menschen maximal sieben Tage, nachdem Ärzte unterschiedliche Antibiotika verordnet hatten – in erster Linie Amoxicillin, Cotrimoxazol, Ciprofloxacin, Norfloxacin sowie Nitrofurantoin. Weitere 3.733 noch lebende Personen ohne entsprechende Medikation dienten als Kontrolle.

Wer die Wahl hat

Michael Fralick berichtet, in der Gruppe plötzlich Verstorbener seien signifikant mehr Patienten zu finden gewesen, die Cotrimoxazol erhalten hatten. Unter Berücksichtigung weiterer Parameter errechnete der Forscher im Sieben-Tages-Zeitraum ein um 38 Prozent höheres Risiko, verglichen mit Amoxicillin. Nahm er 14 Tage als Maß, waren es sogar 54 Prozent. Norfloxacin und Nitrofurantoin zeigten hinsichtlich der Mortalität keine Besonderheiten. Bei Ciprofloxacin führte die bekannte QT-Zeit-Verlängerung ebenfalls zu erhöhten Sterberaten.

Oft übersehen

Bleibt als Vermutung, dass Hyperkaliämien bei Cotrimoxazol zum Tode führen. ACE-Hemmer sowie Sartane hemmen die Aldosteron-Sekretion, was zur verminderten Ausscheidung von Kalium durch die Nieren führt. Zusammen mit Cotrimoxazol, das ohnehin zu höheren Kaliumspiegeln führt, wird die Sache dann gefährlich. Klinische Beweise stehen aus – viele Ärzte forschen nicht lange nach. Schließlich hatten ihre Patienten bedrohliche Grunderkrankungen. Ein heikles Thema: Rechtsmedizinern gelingt es nur schwer, unnatürlich hohe Spiegel post mortem nachzuweisen. Die Kaliumkonzentration steigt schnell an, weil Zellen zerfallen und das Ion freisetzen.

12 Wertungen (4.25 ø)

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1 Kommentar:

Wer kann mir folgende Frage beantworten:
Ist es methodisch korrekt (oder vielleicht sogar wünschenswert?), dass man in der Kontrollgruppe 3733 Leute hat und diese mit einer vielfach geringeren Zahl von 1027 vergleicht? Hatten die 3733 auch Blutdruckmedikation oder waren die am Ende alle ganz gesund? Würde man “ganz gesund” mit “krank” vergleicht ist das Ergebnis vorhersehbar.
Wenn man provozieren wollte könnte man sagen, dass Cotrim halt ein schwaches Antibiotikum ist und es wohl nicht gewirkt hat bei den Patienten und Cipro ist eh reines Gift. Das war auch schon klar.
Jedenfalls sind mir mehrere Patienten jenseits der 90 bekannt, die mit exorbitanten Kaliumwerten spazieren laufen und kerngesund sind, obwohl (oder meinetwegen auch weil) sie von ärztlicher Seite deshalb dann auch mit Furosemid-Attacken beglückt werden.
Ich jedenfall teile die allgemeine Kaliumangst nicht. Die Heilpraktikersicht ist mir da plausibler.

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