Fettleber-Hepatitis: Pillen mit Januskopf

21. November 2014
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Für Patienten mit nichtalkoholischer Steatohepatitis, besser bekannt als Fettleber-Hepatitis, gibt es erstmals therapeutische Möglichkeiten: Obeticholsäure führte zur deutlichen Verbesserung des Krankheitsbildes. Allerdings steigt die Gefahr kardiovaskulärer Krankheiten.

Eine nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) tritt häufig bei Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes mellitus, mit Adipositas oder Hyperlipoproteinämie auf. In den USA leiden schätzungsweise zwei bis fünf Prozent aller Menschen an der Krankheit – Tendenz steigend. Von nichtalkoholischen Fettlebererkrankungen, die als NASH-Vorstufen gelten, ist sogar jeder Zehnte betroffen. Als Folge vermehrter Fetteinlagerungen in Hepatozyten gerät der Zellstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Schließlich gehen Zellen zugrunde, und entzündliche Prozesse werden initiiert. Bislang hatten Ärzte und Apotheker nur die Möglichkeit, Grunderkrankungen besser zu kontrollieren. In schweren Fällen mussten Patienten eine Lebertransplantation in Kauf nehmen.

Erste Befunde…

Die Perspektive: Aus präklinischen Studien ist schon länger bekannt, dass Obeticholsäure (6-Ethylchenodeoxycholsäure) Vernarbungen der Leber entgegenwirkt. Das Molekül bindet an Farnesoid-X-Rezeptoren (FXR). Eine Aktivierung führt zum verstärkten Abbau sowie zur verminderter Biosynthese von Gallensäuren und trägt so zu deren Homöostase bei. Jetzt liegen Daten aus der bislang größten Untersuchung vor.

… und neue Resultate

An der FLINT-Studie (The Farnesoid X Receptor Ligand Obeticholic Acid in NASH Treatment Trial) nahmen 283 Patienten mit NASH teil. Leberbiopsien zeigten bei ihnen beginnende Fibrosierungen und weitere feingewebliche Auffälligkeiten. Sie erhielten doppelblind randomisiert entweder 25 Milligramm Obeticholsäure pro Tag oder Placebo. Ursprünglich waren 72 Wochen eingeplant. Schon bei einer Zwischenauswertung zeigten sich überraschend deutliche Resultate: Unter Verum fanden Ärzte mehr als doppelt so häufig eine Verbesserung des NASH-Grads um mehr als zwei Punkte. Als Skala verwendeten sie den Nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD) activity score mit null bis acht Punkten. Parameter, wie der Grad der Verfettung, Inflammation und Leberzell-Ballonierung fließen mit ein. Obeticholsäure gilt als therapeutischer Durchbruch, gäbe es nicht noch die Schattenseiten.

Leber gesund – Gefäße krank?

Trotz aller Euphorie fanden Wissenschaftler bei der Auswertung aller Daten kritische Punkte. Teilweise stiegen Gesamt- und LDL-Cholesterinwerte stark an, und das HDL-Cholesterin verringerte sich. Obeticholsäure könnte negative Folgen für das Herz-Kreislauf-System haben, befürchten die Autoren. Ob ihre Sorgen gerechtfertigt sind, müssen weitere Studien zeigen.

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