Weltgesundheit: Gemeinsam keimsam

27. November 2014
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Immer häufiger überwinden lebensbedrohliche Infektionen wie Ebola die Grenze zum Menschen. Die Initiative One Health erforscht das Wechselspiel zwischen menschlicher und tierischer Gesundheit sowie die Auswirkungen der Umweltzerstörung – mit eindeutigen Ergebnissen.

Zwischen 50 und 70 Prozent der in den letzten Jahrzehnten neu aufgetretenen Infektionskrankheiten sind tierischen Ursprungs. SARS, die Vogelgrippe, das Nipah-Virus, das West-Nil-Virus oder EHEC sind nur einige Beispiele. Zwar ist es kein neues Phänomen, dass Krankheiten von Tieren auf den Menschen überspringen, schon in der Bibel gibt es Überlieferungen von einer Viehpest, die auch die Menschen heimsuchte, doch unbestritten haben die Fälle in den letzten Jahren und Jahrzehnten zugenommen.

Die üblichen Verdächtigen

Die Initiative One Health beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel zwischen Gesundheit der Menschen, Tiere und der Umwelt. Ein Ziel ist es, Pandemien durch neue bzw. noch unbekannte Viren zu verhindern. Eigentlich ist der Ansatz nicht neu. Denn dass Veränderungen in einem Ökosystem dramatische und ungeahnte Folgen haben können, weiß man spätestens seitdem britische Seefahrer die Wildkaninchen nach Australien einführten. Im Prinzip sucht One Health mit der Expertise von Wissenschaftlern und Experten aus verschiedensten Forschungsbereichen genau nach solchen Zusammenhängen – allerdings im Hinblick auf pathogene Erreger und deren Wirte. In der Folge könnten Strategien entwickelt werden, die Zoonosen verhindern.

Prof. Peter Rabinowitz, Direktor des Human-Animal Medicine Project an der University of Washington, erklärt, dass eine Kombination aus Veränderungen in zahlreichen Ökosystemen, der Klimawandel, die Bedingungen unserer Tierhaltung und die Zerstörung von natürlichen Habitaten die Ursache für den vermehrt auftretenden Übertritt von Viren aus tierischen Wirten auf den Menschen sei. Denn durch all diese Umstände kommen wir in engeren Kontakt mit Tieren, die solche Viren und andere Erreger in sich tragen.

20 Milliarden Hühner

Einige Zahlen verdeutlichen den Umfang dieser Thematik. 1960 gab es ebenso viele Menschen wie Hühner auf der Erde. Doch während sich die Weltbevölkerung seitdem verdoppelt hat, vervierfachte sich die Zahl der Hühner auf etwa 20 Milliarden. Das bedeutet, dass die Tiere auf immer engerem Raum gehalten werden und ganz automatisch das Risiko für Infektionskrankheiten – vorerst nur – vorerst nur innerhalb der Art ansteigt. In China und anderen asiatischen Ländern sind die Gegebenheiten bei der Haltung anders als in den westlichen Ländern. Zum einen kommen Freilandhühner regelmäßig in Kontakt mit Wildvögeln und können auf diesem Weg mit in diesen Tieren z. T. endemischen Vogelgrippeviren infiziert werden. In den großen Kolonien finden die Viren ideale Bedingungen zur Vermehrung. Zugleich ist der Kontakt zwischen Menschen und den lebenden Tieren, beispielsweise auf Geflügelmärkten, viel intensiver. An dieser Schnittstelle kann der Übertritt eines tierischen Virus auf den Menschen leicht geschehen.

Mehr Mikroparasiten bei Ratten in kultivierten Regionen

Die One Health Initiative hat sich daher auch zum Ziel gesetzt, zu untersuchen, wie die Interaktionen zwischen Menschen und Wildtieren aussehen sollten, um die gegenseitige Ansteckung von Menschen, Haus- und Nutztieren und Wildtieren – so wie u. a. im Fall Ebola – zu verhindern. Serge Morand, Wissenschaftler am Institut des Sciences de l’Evolution, CNRS der Université Montpellier, hat dazu das Forschungsprojekt CERoPath initiiert, das in Thailand, Laos und anderen Ländern Südostasiens den Einfluss der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt analysiert. Er untersuchte mit seinem Team das Vorkommen von 13 verschiedenen Erregern in über 20.000 Ratten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl verschiedener Mikroparasiten in Ratten, die auf bewirtschafteten Flächen (in dieser Region v. a. Reisfeldern) leben, höher ist, als in nicht bewirtschafteten Hangregionen. Je näher die Tiere an bewirtschafteten Flächen bzw. „den Menschen“ lebten, desto geringer war die Diversität der Mikroparasiten. Morand schließt aus dem Ergebnis, dass dadurch eine Transmission auf den Menschen leichter erfolgen kann.

Fledermäuse – die Ratten der Lüfte

In vielen anderen Regionen stehen vor allem Fledermäuse im Fokus der Wissenschaftler, denn sie sind das Reservoir unzähliger bekannter und unbekannter Viren, die potentiell für Menschen gefährlich sein können. Auch hier gilt, dass der der Kontakt, der Verzehr oder das Fangen von Fledermäusen, eine Hauptquelle von Infektionen mit Viren wie Ebola, Marburg und noch nicht in Erscheinung getretenen Viren ist. Steve Osofsky, Direktor für Wildtiergesundheit und Gesundheitspolitik der Wildlife Conservation Society betont, dass die Erreger in Wildtieren in der Regel nicht zu uns kommen, sondern wir zu ihnen. Wenn wir den Tieren genügend Lebensraum geben und nicht ihre Ökosysteme zerstören, Wälder roden und ihnen damit auf die Pelle rücken – also einfach gesagt: wenn sich unsere Wege seltener kreuzen –, dann finden auch weniger Transmissionen tierischer Erreger auf den Menschen statt. Dazu muss die Bevölkerung vor Ort darüber aufgeklärt werden, dass Fledermäuse und Primaten – wir erinnern uns an HIV – nicht auf dem Speiseplan stehen sollten.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus

Doch es geht bei weitem nicht nur um Fledermäuse im Busch von Afrika, die tödliche Viren tragen. Auch wir müssen uns fragen, ob beispielsweise unser Fleischkonsum wirklich notwendig ist, oder ob wir am bestehenden System etwas zum Wohle der Natur und der Tiere – und damit letztendlich auch zum Wohle der eigenen Gesundheit – etwas ändern können. Denn One Health bedeutet eben auch, dass der Mensch sich an die Ökosysteme dieser Welt anzupassen hat und nicht nur umgekehrt. Letztendlich dreht der Mensch an den Stellschrauben und provoziert die Reaktionen. Es gibt nach Schätzungen weltweit noch mindestens 300.000 unbekannte Viren. Wir wären besser dran, uns darauf einzustellen und ein gemeinsames Miteinander anzustreben.

71 Wertungen (4.49 ø)

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14 Kommentare:

Bernd Hoppe
Bernd Hoppe

Viren gehören zum Evolutionsbaukasten. Irgendwann wird auch das HIV Genom zur normalen Erbmasse gehören.

#14 |
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alter Arzt
alter Arzt

dass ein Betriebswirt so spinnen kann, ist überraschend.

#13 |
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Zt. Betriebswirt d.H. Karl Christoph Schmidt
Zt. Betriebswirt d.H. Karl Christoph Schmidt

SCHMIDT

Ebola ist eine durch das Magnetfeld der Erde, verursachte Krankheit. Die Moleküle haften aneinander,- unter dem Mikroskop sieht man eine Virusstruktur. Die Diffusion der Teilchen (Viren) ist nicht möglich, Totalausfall der Organe ist die Folge.

#12 |
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Gast
Gast

@Bürgerin Marina Bausmer, Sie haben wohl in der Schule keine Geschichte gehabt, lernt man überhaupt noch was in der Schule?
Pest, Cholera, echte Pocken?

#11 |
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endlich mal wieder Futter für die Gutmenschen…..

#10 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

durch fehlende Stabilität des Ökosystems, ausufernde Zustände auch bei Viren und Bakterien, denen das zukömmlich zu sein scheint-Es gibt in der Natur Zeichen und Wege die dann gegangen werden. Bei den Induviduen auch , man meidet dann das was man kann und was man nicht meiden kann wirkt sich auch aus. Eine bessere Balance herzustellen bedeutet auch bewußter Einsatz von Mitteln und Wegen. Ein ganzer Verzicht kann vielleicht nicht realisiert werden, das ist aber auch bei den anderen Bereichen so. Das umfangreiche und abwechslungsreiche auch gezeitliche und das wo weniger mehr ist oder wäre das auch wechselt könnte uns Glücklicher machen als unglücklich.-

#9 |
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Gast
Gast

@Karl-Heinz Licht “nur wir” ist nicht nur merkwürdig antropozentrisch,
sondern sicher falsch, wenn man nur an die vielen Infektions-Kranke und -tote denkt.
Einzeller sind immerhin ein paar Milliarden Jahre alt und halten mehr aus als jeder Mensch je aushalten könnten.
Wir dürfen uns nicht zu sehr von greenpeace und Co manipulieren lassen.
Zustimmung zu #3
Natürlich auf Müll, Abwasser und Trinkwasser achten, da hört man verdammt wenig von den “Umweltverbänden” weil sie schon zu sehr vom Übeltäter Staat finanziert werden. Man hält zusammen um den Bürger zu schröpfen. Das geht besser mit Schuldgefühlen.

#8 |
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Dr. Gero Beckmann
Dr. Gero Beckmann

Unstrittig ist das Thema relevant. An einigen Stellen ist der Einfluss des Menschen sicher gering, z.B: Den Vogelflug von Zugvögeln können und wollen wir wahrscheinlich nicht stören oder unterbinden.

Aber was wir sträflich vernachlässigen, sind die epidemiologischen Auswirkungen des globalen Handels, verstärkt auch von leichtverderblichen Lebensmitteln. Dass es dann gewaltig rauchen kann, zeigen die über 10.000 Erkrankungsfälle der Norovirus-Epidemie durch TK-Erdbeeren aus China. Mittlerweile exportiert Brasilien immer mehr Geflügelfleisch auch nach Europa. Folglich füllen sich die Warnmeldungen im Europäischen Schnellwarnsystem. Aus diesem Grunde muss TTIP mit großer Skepsis begegnet werden. Hoffentlich finden sich viele, die den bisweilen beratungsresistenten Herrn Gabriel und Frau Merkel entsprechend briefen. Unser irrlichtender Agrarminister wird es sicherlich nicht tun. Der benötigt noch mehr Einarbeitungszeit….

#7 |
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Medizinjournalist

Nur der Mensch dreht an den Schrauben – alle anderen Lebewesen bauen keine Pflanzen an und halten keine Tiere. Der Spruch, der dann immer kommt ist: ” im Einklang mit der Natur”. Das gibt es überhaupt nicht. Es ist ein Dauerkampf um Existenz des eigenen und der Art Fortbestand. Allerdings haben nur wir “intelligente” Werkzeuge entwickelt, um alle anderen zu unterjochen – deshalb haben auch nur wir Verantwortung, nehmen diese aber überhaupt nicht wahr, sondern zimmern uns zielgerichtet schlaue Argumente zurecht. Wir müssen uns zurücknehmen und sonst niemand.

#6 |
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Empfehle das Buch von Richard E. Leakey: Die sechste Auslöschung.
Da ist alles gesagt zum Thema Mensch und Natur.

#5 |
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Sehr geehrte Frau Christine Huttner !

Vielen Dank fuer Ihren o.g. sehr wichtigen Vortrag.

Mit freundlichen Gruessen

Ihr

Nabil Abdul Kadir DEEB

Arzt – Doctor

#4 |
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Gast
Gast

greenpeace ist schon schlimm genug.
Im übrigen war dieser besonders giftige EHEC nach Angaben der Uni Münster ein “Menschen-Coli”.
Man wollte aus politischen Gründen nur die Kläranlagen nicht kontrollieren.
Die “Natur” ist nicht das Problem, der Mensch selbst ist der größte Feind des Menschen, besonders wenn er Krieg führt und Menschen tötet.
Welches Land hat wohl mit Abstand die größte Kriegsmaschinerie?

#3 |
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Gast
Gast

Die vielen Vögel werden ja schon von den Windmühlen geschreddert,
die angeblich das Klima retten sollen.

#2 |
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Gast
Gast

“Wir wären besser dran, uns darauf einzustellen und ein gemeinsames Miteinander anzustreben.”
Ich stelle mir das so vor, dass man diese Viren zu einem zwanglosen Kaffee einläd
und dann mal mit ihnen redet.
Denn ich finde auch, besser Mit health als Ohne health

#1 |
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