Kryoglobulinämie: IgG1 bremst Pathogenese

10. November 2014
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Im Mausmodell wurde nun durch Entzündungsforscher eine überraschende entzündungshemmende Wirkung von IgG1 aufgedeckt: Es verhindert die Präzipitation von IgG3 in der Niere. Dieses Wissen könnte einen neuen Therapieansatz zur Behandlung der Kryoglobulinämie eröffnen.

An der Entdeckung waren auf amerikanischer Seite Prof. Fred Finkelman und vom Lübecker Institut für Systemische Entzündungsforschung Prof. Dr. Jörg Köhl und Prof. Dr. Marc Ehlers beteiligt. Immunglobulin G (IgG) oder Gammaglobulin sind die Antikörper der Klasse G. Diese schützen gegen Pathogene u.a. durch die Aktivierung des Komplement-Systems und IgG Fc-Rezeptoren (FcγR) auf Immunzellen, was zu einer kontrollierten Entzündungsreaktion führt.

Nierenversagen bei Mäusen durch IgG3 Antikörper

In der Maus liegen verschiedene IgG-Subklassen vor, die in unterschiedlichem Maße Komplement oder FcγR aktivieren. Die murine IgG1-Subklasse, das Äquivalent zu humanem IgG4, führt z.B. nicht zur Aktivierung von Komplement, wohingegen IgG3 ein starker Aktivator des Komplement-Systems ist.

In der nun publizierten Arbeit konnten die Wissenschaftler zeigen, dass IgG1-defiziente Mäuse nach Antigen-Stimulation überraschenderweise sehr schnell eine Niereninsuffizienz entwickeln. Durch Verwendung von Komplement- sowie FcγR -defizienten Mäusen fanden die Wissenschaftler weiterhin, dass die Erkrankung unabhängig von Komplement- oder FcγR Aktivierung ist. Vielmehr wird das Nierenversagen durch Antigen-spezifische IgG3 Antikörper hervorgerufen, die als Immunkomplexe mit ihrem Antigen in den Nierenkapillaren aggregieren (Kryoglobulinämie).

Antigen-spezifisches IgG1 verhindert IgG3-Präzipitation

In Wildtyp-Mäusen verhindert die Bildung von Antigen-spezifischem IgG1 diese IgG3-Präzipitation in der Niere. Interessanterweise fanden die Autoren, dass auch exogen appliziertes, Antigen-spezifisches IgG1 das IgG3-vermittelte Niereninsuffizienz verhindern kann. Das IgG1 konkurriert dabei mit dem IgG3 um die Antigen-Bindung und erhöht sehr wahrscheinlich durch seine geringere strukturelle Flexibilität die Löslichkeit der Immunkomplexe.

Beim Menschen tritt die Kryoglobulinämie durch IgG3 Immunkomplexe häufig bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis C Erkrankung auf. Diese Arbeit legt nahe, dass die Applikation von Antigen-spezifischem, humanem IgG4, als Äquivalent zu murinem IgG1, geeignet sein könnte, um die IgG3-vermittelte Kryoglobulinämie zu verhindern.

Originalpublikation:

IgG1 protects against renal disease in a mouse model of cryoglobulinaemia
Jörg Köhl et al.; Nature, doi: 10.1038/nature13868; 2014

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