Sortimentserweiterung im Drogenmarkt

29. März 2012
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LSD ist out, Cocain und Heroin sind Oldies, SPICE wird durch SPACE verdrängt. Die EU-Drogenbeobachtungsstelle EBDD warnte unlängst vor einer „Rekordzahl neuer Drogen“. Im Vorjahr wurden 41 neue Rauschmittel registriert, doppelt so viel wie sonst üblich.

Wird über neue Trends und Konsumformen berichtet, merken Kritiker mitunter an, man würde dadurch Konsumenten auf die Idee bringen und Neugier wecken. Aber es gilt: Nur wer als Fachmann informiert ist, kann frühzeitig Symptome erkennen, die auf den Konsum der Newcomer hinweisen. Nicht nur die Anzahl neuer Drogen nimmt zu, auch die Risikobereitschaft der Konsumenten tut dies. Häufig diktieren Preis und Verfügbarkeit den Markt, die Sicherheit bleibt dabei auf der Strecke. Drogen werden in drei Klassen eingeteilt: Analeptika, Halluzinogene und Sedativa. In allen Klassen sind Neuzugänge zu verzeichnen.

Das Bundeskriminalamt und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, warnen vor dem Konsum von so genannten “Legal Highs”. Die Substanzmischungen werden beispielsweise als “Badesalze”, “Lufterfrischer” oder “Kräutermischungen” deklariert und als angeblich legale Alternative zu herkömmlichen illegalen Drogen angepriesen. Die harmlos wirkenden Produkte enthalten jedoch meist auch Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Wirkstoffe, die auf den bunten Verpackungen nicht ausgewiesen werden. Konsumenten rauchen, schlucken oder schniefen die Produkte zu Rauschzwecken. “Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse müssen wir vor der missbräuchlichen Anwendung aller sog. “Legal High”–Produkte dringend warnen. Mit dem Konsum sind unkalkulierbare gesundheitliche Risiken verbunden“, so Mechthild Dyckmans. Nach dem Konsum von “Legal High”-Produkten ist es zu teilweise schweren, mitunter lebensgefährlichen Intoxikationen gekommen. Die meist jugendlichen Konsumenten mussten mit Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu drohendem Nierenversagen in Krankenhäusern notfallmedizinisch behandelt werden, so das BKA.

Badesalz: alles andere als sauber

Auf öffentlich zugänglichen Internetplattformen können Konsumenten „Mojo“ bestellen: Keine spanische Soße, sondern „stimulierendes Badesalz“. Spätestens beim Preis wird man stutzig: 120 € für 5 Gramm. Auch „Ivory Wave“. So eingängig der Handelsname, so komplex die chemische Bezeichnung: 2-β-Carbomethoxy-3-β-(4-fluorophenyl)tropan oder kurz CFT. Dieses Phenyltropanderivat wirkt als Dopaminwiederaufnahmehemmer. Es steigert die Konzentration des Botenstoffes Dopamin, der im Belohnungszentrum aktiv wird. Gleichzeitig macht CFT high und wach. Die Wirkung ist vergleichbar mit Cocain. In „Badesalzen“ anderer Anbieter wurde auch MDPV identifiziert, ein hochaktives Psychostimulanz. Der US-Fernsehsender CNN warnt vor dieser amphetaminähnlichen Substanz in „Badesalzen“ und vergleicht sie mit Crystal Meth. Die Hersteller geben meist keine Konzentrationsangaben an.

„Pflanzendünger“ als Entaktogen

Ebenfalls in die Gruppe der Analeptika gehört das als Pflanzendünger deklarierte Mephedron. Das auch als Methadron bezeichnete Cathinderivat ist ein synthetisches Produkt, das dem Inhaltstoff aus der Kathpflanze ähnelt. Diese muss jedoch frisch konsumiert werden, um ihre aufputschende Wirkung zu entfalten. Methadron wird als weißes Pulver zu 0,5 g in grünen Tütchen verkauft. Es macht wach, ist leistungssteigernd und wirkt als Entaktogen. Der Konsument wird enthemmt, kontaktfreudig, euphorisch. 4-Methylmethcathinon (4-MMC), so die exakte chemische Bezeichnung, wird nasal geschnieft oder geschluckt. Mit seiner Wirkung ist es mit Ecstasy vergleichbar. Die EU-Justitzminister haben beschlossen, Mephedron auf den Index verbotener Substanzen zu setzen und den Vertrieb der Partydroge mit den unkalkulierbaren Risiken zu verhindern. Leider stört das weder die Konsumenten noch die Betreiber der im Ausland ansässigen Internetplattformen. Wer „buy Methadron“ in seine Suchmachine eingibt, wird rasch fündig. Nur zwei Klicks und die Eingabe der Kreditkartennummer und der Postbote mutiert ungewollt zum Drogenkurier.

Ecstasy forte: M-CPP

Metachlorophenyl-Piperazin, auch MM-Cat, oder MEOW, ist auf dem Ecstasymarkt nach wie vor die am weitesten verbreitete synthetische Droge. Die Substanz wird meist Ecstasy-Tabletten als Streckmittel und Verstärker zugesetzt. Dabei handelt es sich um eine Designerdroge, die mit dem nicht-tricyclischen Antidepressivum Trazodin verwandt ist. Der Serotoninagonist kann Angst- und Panikzustände auslösen. Wegen der emetischen Wirkung wird die Substanz auch noch mit Metoclopramid gemischt. Dieser Dopaminagonist kann die Wirkung unkalkulierbar verändern. Wie relevant das Problem der teilweise ungewollten Beimengung ist, zeigt die Marktentwicklung: Verfügbar ist der sogenannte „EZTEST“, der M-CPP und andere Phenylpiperazine einfach in Tabletten identifiziert.

Schnappy will nicht nur spielen

Eine neue Szenedroge kommt aus Russland. Billig, teuflisch, einfach in der Herstellung. Codein, Phosphor aus dem Abrieb von Streichhölzern und Jod, die Zutatenliste ist kurz, die Liste der Nebenwirkungen ist lang. Das Produkt aus dem Waschküchenlabor trägt den chemischen Namen Desomorphin, hat schon eine erfolglose Karriere als Analgetikum hinter sich. Die Wirkung ist mit Heroin vergleichbar, die Risiken sind aber ungleich höher. Die Droge trägt den Szenenamen „Krokodil“ oder „Krok“. Nicht weil sie grün ist, sondern weil sie den Konsumenten von „innen auffrisst“. Die Injektionsstellen verfärben sich grünlich, vermutlich kann auch dies zur Namensbildung beigetragen haben. 100 Rubel, umgerechnet 2,50 € kostet ein Schuss. Das Gefährliche sind die Verunreinigungen: Phosphor und Antimon aus den Reibköpfen von Streichhölzern sind toxischer als das Opioidderivat selber. Beschrieben werden schwerste Haut- und Gewebeschäden, Nekrosen bis zum Gangrän. Desomorphin gehört in Deutschland zu den nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln.

Bei über vierzig neuen Substanzen ist es kaum noch möglich für Juristen, Drogenberatungsstellen und Mediziner den Durchblick zu behalten. Die „User“ derartiger Produkte posten ihre Erfahrungen in diversen Netzwerken. Akribisch werden neue Substanzen gesichtet, gelistet und getestet. Auch die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht ist mit der Erstellung von Drogenprofilen beschäftigt. Sehr ausführlich, wissenschaftlich fundiert, leider nicht immer aktuell. Aber ein guter Ansatz.

157 Wertungen (4.34 ø)
Medizin
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12 Kommentare:

Medizinjournalist

Methadrone ist leider keine Fantasie: http://christopher-levenseller.suite101.com/united-kingdom-methadrone-a218418

Auch der Zoll hat die Substanz gelistet und verfolgt Besitz, Konsum und Vertrieb.

#12 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Zur Kupierung der Abstinenzzustände und des Drogengravings könnte folgende Substanz interessant sein !

http://www.recipe.ru/docs/ls/index.php?action=descr-drug-table&mode=firm&mode_param=3369&drugid=11175

kann computerübersetzt auch verstanden werden.

#11 |
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Rettungsassistent

Ein Problem ist, das extrem viele Menschen kein Gefahrenbewusstsein für Drogen haben.
Und wenn etwas legal ist, wird es schon nicht gefährlich sein. Und da erfinden schneller funktioniert als verbieten bzw. herausfinden, was überhaupt welche Wirkung verursacht, wird man hier recht wenig Erfolg haben.
Ein Ansatz, derzeit sind immer nur einzelne Chemische Verbindungen verboten. Könnte man bestimmte Gruppen mit der Auflage einer Zulassung belegen, würde das den Markt der “legalen” Drogen schon einmal einschränken. Viele neue Drogen weisen ja eine deutliche chemische Nähe zu bereits bekannten und verbotenen Substanzen auf.
Verbieten ist wichtig, aber noch wichtiger ist die Überlegung, warum nehmen die Menschen Drogen, hier ist der lohnender Ansatz zur Prävention.
Eine Legalisierung ist lächerlich, man kann doch nichts legalisieren, was dermaßen gefährlich und unkontrollierbar ist. Wir haben schon gebug Probleme mit den Sachen, die Legal sind (Alkohol, Tabak), da muss nicht noch mehr dazu kommen.

#10 |
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Adil Al Akbar
Adil Al Akbar

Soll dieser Artikel ein Scherz sein?
1. MDPV hat mit Amphetamin relativ wenig gemeinsam (sowohl rein strukturell als auch pharmakologisch), weiterhin ist es mir neu, dass US-TV-Sender neuerdings schon als wissenschaftliche Quelle gelten.

2. Mephedron wird nicht als Methadron bezeichnet
Es gibt Mephedrone (4-Methyl-methcathinone), Methedrone (4-methoxymethcathinone) und eben Methadon. Das so genannte Methadron entstammt der Fantasie des Autors.
Wie der Autor mithilfe der Suchbegriffe “buy methadron” zu sinnvollen Ergebnissen gekommen sein will erschließt sich mir auch nicht. Den Selbstversuch kann ja jeder selbst wagen, es wird jedoch schon am Begriff Methadron scheitern.
Sucht man nach buy mephedrone findet man zwar einige Händler, diese sind jedoch in UK oder USA ansässig wo Mephedrone, wie in der gesamten restlichen Hemisphäre ebenfalls, schon seit 2 Jahren verboten ist. Bestellt man nun dort, so gibt es 2 Möglichkeiten: entweder man erhält nach geleisteter Vorkasse gar nichts oder man bekommt das legale Derivat 4-Methylethcathinone.
Es kann also nicht davon die Rede sein, dass Mephedron “als weißes Pulver zu 0,5 g in grünen Tütchen verkauft” wird (zumal jeder Käufer sich die Menge von 100mg bis 10kg immernoch selbst aussuchen kann bzw. konnte).

3. MM-Cat oder MEOW bezeichnen Mephedron nicht m-CPP, wobei es sich bei letzerem wohl eher um eine Erfindung der britischen Klatschpresse handelt.

4. Der im vorletzten Absatz erweckte Eindruck, Desomorphin selbst besitze eine relativ große Toxizität ist natürlich auch Quatsch. Information auf 80er Jahre Bildniveau at its best.

#9 |
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Leider vermisse ich konkrete Vorschläge zur bekämpfung der “Drogenflut”.

#8 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Haben Sie konkrete Vorschläge Herr Straub, wie man heutige Gesellschaft so umkrempeln könnte, dass sie sich wieder von Beeren ernährt und im Wald wohnt ? Heute ist es einfach so, dass man entweder mithallt, ansonsten geht man unter…
Auf jeden Fall mit schnellen Lösungen kann man da nicht rechnen und einfach zu Predigen “Nimmt keine Drogen” scheint auch nicht besonders zu fruchten, bei den die das nicht wollen, da sollte man wenigstens sich eine oder andere Ausweichmöglichkeit überlegen, die relativ sicher ist und keinen Schaden anrichtet od. gar einen umbrigt, wie bei den Desighner-Drogen, welche stehts auf dem Vormarsch sind und definitiv in Zukunft sein werden!

#7 |
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Altenpfleger

Fortsetzung (Siehe 4)
Ich komme gerade von einem Seminar einer Kinderärztin bzw.Kinderpsychotherapeutin Ort habe ich erfahren daß ADHS keine Krankheit darstellt, sondern im weitesten Sinne frühzeitlich wichtige Entwicklungen des Sammlers und Jägers und der ersten sesshaften Bauern.
Da diese Veranlagung der heutige Homo consumens nicht mehr ausleben kann, sind die dadurch entstehenden Symptome wie z.B. unangepasste motorische Aktivitäten Kompensionsmechanismen wie zappeln, kippeln, trommeln…
und andere aber vor allem die Gemeinschaft störende Symptome werden von den Betroffenen beschrieben.
Auch hier werden betäubungspflichtige Substanzen eingesetzt (Methylphenidat)um den individuellen Menschen “sozial verträglich” zu machen.
Und genau aus diem Grunde greifen viele heute zu “Mothers little Helpers” um zu bestehen in undrer Leistungsgesellschaft. The show must go on!

#6 |
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Tierärztin

Danke, immer wieder gut es aus der Tiefe rauszuholen

#5 |
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Altenpfleger

Ich glaube, das liegt daran, daß durch die Erziehungs- und Bildungsmethoden unsrer Gesellschaft, die Individualität einer jeden Persönlichkeit, durch massive Leistungsforderungen, ihrer Entwicklung behindert. Dieser innere Konflikt äußert sich bei den Betroffenen oft in einer Art exzessiver Protesthaltung und Verweigerung.Viele dieser frustrierten und verwirrten Jugendlichen finden dann im Genuss dieser Drogen eine Auszeit ihrer inneren Spannungen. Eine Legalisrung weiterer Drogen halte ich an dieser Stelle für absurt!

#4 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Vielleicht ist es an der Zeit einige Substanzen teilweise zu legalisieren, so dass ein jeder der seinen “Spaß” auf teufel komm raus sucht ihn auch unter gewissen Umständen auch bekommen könnte…

#3 |
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Dr. Andreas Triebel
Dr. Andreas Triebel

sehr informativ, aber nicht unbedingt ganz neu

#2 |
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Rettungsassistent

Danke für die Informationen ,können ja auch für den RD von Bedeutung sein.Die Patienten haben ja immer nix genommen…

#1 |
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