Schwester Hildegard, das Tablet bitte!

3. November 2014
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Dr. Brinkmann kam noch ohne aus. Doch moderne Mediziner setzen zunehmend auf mobile Medien, genauso wie die Patienten. Was bedeutet das für die Gesundheitsversorgung und die -kommunikation? DocCheck Research hat nachgefragt.

Bleiben wir im Bild: Können Sie sich vorstellen, wie Klaus-Jürgen Wussow vor Schwarzwaldpanorama bei einem Glas Rotwein über die Diagnose für Frau Meyer sinniert – und dann spontan zum Smartphone greift, um einen medizinischen Geistesblitz per Diagnosehilfe-App zu verifizieren? Schon klar, die Mobiltelefone der 80er hatten noch Telefonzellengröße und Arzt-Götter in Weiß sind schon immer zum großen Teil Fernseh-Realität gewesen.

Moderne Medizin jedenfalls sieht anders aus. Mittlerweile erfolgt etwa jeder dritte Aufruf der DocCheck-Portalseiten bereits von einem mobilen Endgerät aus. Ärzte benutzen Apps oder auch mobile Internetzugänge zur Weiterbildung, Diagnose oder zum fachlichen Austausch mit Kollegen. Auf der anderen Seite nutzen auch immer mehr Patienten die neuen technischen Möglichkeiten. Die Unternehmensberatung Deloitte geht davon aus, dass Ende 2014 bereits 45 % der Deutschen ihre privaten Endgeräte für digitale Gesundheitsangebote verwenden werden. Entsprechend wird mobile Datennutzung zunehmend das Gesundheitswesen verändern.

Vitalzeichen?

Die Frage, was mobile Lösungen und Telemedizin in qualitativer Hinsicht für eine zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung, die Rationierung vermeiden will, leisten können, ist schwer zu beantworten. Die Zeit wird es zeigen. Das Panorama der heutigen und perspektivischen Nutzungsszenarien macht aber bereits absehbar, wie basal der Einschnitt sein kann. Klar ist in jedem Fall, dass es in diesem Segment bei weitem nicht nur um Patientennutzung geht: Medizinisches Fachpersonal verwendet Medizin-Apps für seine Tätigkeit. Eine bemerkenswerte Zahl von mHealth-Anwendungen (15 Prozent) ist laut dem Berliner Beratungsunternehmen Research2guidance sogar speziell auf die Bedürfnisse von Healthcare Professionals zugeschnitten. Dazu gehören beispielsweise die Bereiche Weiterbildung, Fernüberwachung und Healthcare-Management-Anwendungen.

Dr. Müller, zur Marktforschung bitte!

Grund genug für DocCheck, direkt bei der Ärzteschaft nachzufragen: In einer Studie mit über 600 Ärzten aus verschiedenen Fachgebieten haben wir den mobilen Trend direkt beim deutschen Arzt auf Herz und Nieren geprüft. Vorabdiagnose: hohe Inzidenz. 57 % der Ärzte nutzen laut der Studie beruflich Smartphones und 33 % Tablets – Tendenz steigend. Dabei setzen fast 70 % der Tablet-User das Gerät sogar beim Gespräch mit Patienten ein. 34 % der Ärzte nutzen zumindest ab und an Apps von Pharmaunternehmen und immerhin 24 % greifen gewohnheitsmäßig auf Apps zu Präparaten und Therapieoptionen zurück, insbesondere indem sie Arzneimitteldatenbanken konsultieren. Die am häufigsten abgerufenen berufsbezogenen Inhalte im Netz sind entsprechend Informationen zu Medikamenten, gefolgt von Informationen zu bestimmten Indikationsgebieten und Fortbildungen. Die folgende Infografik gibt hier einen anschaulichen Überblick.

Teaser_Stadion

(Per Klick auf Grafik gelangen)

Und jetzt: bitte tief einsteigen.

Die detaillierten Ergebnisse der DocCheck Research-Studie „(Mobile) Internetnutzung von Ärzten“, der auch die o.g. Zahlen entnommen sind, können Sie hier beziehen. Im Detail informiert die Studie darüber hinaus über bevorzugte Internetquellen, Social Networks und Patientenkommunikation. Also: einfach reinschauen. Gerne auch mobil.

22 Wertungen (4.05 ø)
Medizin

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3 Kommentare:

Gast2
Gast2

Ich schliesse mich den Meinungen an. Ich sehe es auch als unsicher an, ob damit der Datenschutz noch gewährleistet sein kann.

Und ich denke auch, dass die moderne Mobiltelefon- und Computer/Internet-Technik auf eine Art gut ist. Aber eine direkte Diagnose beim Arzt ist wohl immer noch das Sicherste. Sicher ist es auf eine Art auch gut, dass man per Internet viele Informationen findet. Für die Ärzte mag es gut sein. Für die Patienten ist es auch gut, dass man sich über Symptome und Krankheiten informieren kann. Aber einen direkten Arztbesuch kann es letztlich doch nicht ersetzen.

Und ich denke, den medizin-technischen Stand der (19)80er Jahre mit dem heutigen zu vergleichen ist sicher nicht so gut.

PS.: Was die erwähnte Arzt-TV-Serie betrifft. Ich habe die Serie gern gesehen. (Tue es heute noch gelegentlich.) Und ich muss sagen, natürlich sind Filme nicht immer die Realität. Bzw. spiegelt nicht alles davon die Realität wieder. Dafür sind es ja Filme, die unterhalten wollten und wollen und keine Dokumentationen. Aber als “Arzt-Götter” oder “Halbgötter in Weiß”, wie es oft heisst wurden dort die Ärzte nicht dargestellt. Aber ich denke, das erschien wohl als ein guter “Aufhänger” für den Artikel.

Und – was den erwähnten Smartphone-Einsatz durch Ärzte betrifft, da bin ich auch skeptisch. Ich bin der modernen Technik gegenüber aufgeschlossen. Ich denke aber auch, dass da auch einiges Finanzdenken dahinter steckt, (von seiten der Hersteller der Geräte) und nicht immer das Wohl der Patienten.

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Der Artikel berührt leider mit keinem einzigen Wort die fehlende Datensicherheit und damit Nicht-Zulassung der allermeisten Kommunikationsgeräte für medizinische Zwecke in der BRD.

#2 |
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Gast
Gast

Was man bei der Visite (mobil) benötigt, ist NICHT das Internet, oder tolle Lexiken,
sondern die Patientendaten, nicht nur brandaktuell, möglichst von heute, sondern auch im Verlauf, im optimalen wie schon mit der Hand seit >über 100 Jahren üblich, als Kurve, verarbeitet der hochintelligente Mensch schneller als der Rechner seine digitalen Zahlen.
Also z.B. Puls, RR, Temperatur, Labor und ganz doll wären auch bildgebende Infos wie Sono und Röntgen, merke, der Mensch ist ein visuelles Wesen.
Was auf dem Markt ist,
ist leider noch meilenweit davon entfernt und orientiert sich mehr an den Wünschen des kurzsichtigen Finanzdenkens und den Dokumentationswünschen von Juristen.
Jetzt kommen auch noch die EDV-Menschen und wollen den Dr. unbedingt zum Rechner machen.

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