Bestandsmarkt: Teure Oldtimer

7. November 2014
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Erstattungsfähige Arzneimittel, die vor Januar 2011 in den Umlauf kamen, bleiben von Nutzenbewertungen verschont. Das missfällt Krankenkassen. Sie versuchen nicht nur, mit Publikationen Druck aufzubauen, sondern rügen ärztliche Verordnungen. Mediziner weisen alle Vorwürfe zurück.

Das AMNOG lässt grüßen: Ursprünglich sollten Medikamente des sogenannten Bestandsmarkts ebenfalls evaluiert werden. Davon ist der Gesetzgeber aus Gründen mangelnder Rechtssicherheit wieder abgerückt. „Politisch mag diese Entscheidung nachvollziehbar sein“, sagt Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. „Der vorliegende Bestandsmarktreport zeigt, dass es aus fachlicher Sicht keineswegs entbehrlich ist, auch bereits auf dem Markt vorhandene Arzneimittel auf ihren Zusatznutzen hin zu untersuchen.“

Häufig ohne Zusatznutzen

Zum Hintergrund: Patentgeschützten Arzneimitteln fehle oft der wesentliche Zusatznutzen für Patienten gegenüber bisher verfügbaren Medikamenten, schreibt Professor Dr. Gerd Glaeske im Bestandsmarktreport 2014. Der Versorgungsforscher untersuchte 17 Arzneimittel aus drei Wirkstoffgruppen. Darunter befanden sich neue orale Antikoagulantien (NOAK), neuere Antidiabetika sowie Biologicals. „Die Präparate sind sehr teuer, haben aber häufig gegenüber bisher verfügbaren Mitteln keinen wesentlichen Zusatznutzen für Patienten. Damit sind auch höhere Preise nicht gerechtfertigt“, kritisiert Brunkhorst.

Methodische Zweifel

Glaeskes Report stieß abseits von Krankenkassen auf deutliche Kritik. Beispielsweise sah der Forscher bei Gliptinen keinen Mehrwert. Zuvor hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Sitagliptin und Saxagliptin einen – wenn auch geringen – Zusatznutzen attestiert. Da im Bestandsmarktreport wissenschaftliche Vorgehensweisen nicht erläutert werden, bleiben Fragen zum Methodenvergleich offen.

Ärzte im Visier

Die TK lässt es mit der umstrittenen Publikation nicht auf sich bewenden und geht noch weiter. Mediziner erhalten auf Wunsch pro Quartal einen individuellen Verordnungsreport. „Dieser zeigt den Ärzten unter anderem an, ob sie neue Arzneimittel tatsächlich bei solchen Erkrankungen verordnet haben, bei denen das Präparat einen echten Zusatznutzen aufweist“, erklärt Sabrina Segebrecht, Apothekerin bei der TK. Ein fragwürdiges Unterfangen: Laut Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) verschreiben niedergelassene Ärzte zu 70 Prozent Generika.

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