Diabetes: Das Süßstoff-Paradox

20. November 2014
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Wer Süßstoff in hohen Dosen zu sich nimmt, steigert offenbar das Risiko, an Glukoseintoleranz zu erkranken. Wissenschaftler des Weizman Institute of Science in Israel haben triftige Gründe für einen Zusammenhang gefunden, der auf den ersten Blick höchst widersprüchlich klingt.

Süßstoffe sind gewöhnlichem Zucker gleich mehrfach überlegen: Sie entfalten eine stärkere Süße, haben einen sehr geringen physiologischen Brennwert und sie können von Karies verursachenden Bakterien nicht verstoffwechselt werden. Daher gehören die süßen “Wunderstoffe” zu den Stoffen, die Lebensmitteln weltweit am häufigsten zugesetzt werden.

Doch immer wieder geraten die synthetisch hergestellten Süßungsmittel in die Kritik. Studien wiesen bereits drauf hin, dass Süßstoffe den Appetit steigern und damit zu Übergewicht führen können. Auch über ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs und Gefäßerkrankungen wurde im Zusammenhang mit Süßstoffen bereits diskutiert.

Paradoxer Zusammenhang

Wissenschaftler des Weizman Institute of Science in Rehovot, Israel, haben nun Hinweise gefunden, dass Süßstoffe sogar eine Glukoseintoleranz auslösen können. Das klingt zunächst paradox, denn eigentlich sollte eine zuckerarme Diät gerade im Hinblick auf die Glukosetoleranz viele Vorteile haben. Offenbar spielt aber auch die Darmflora eine wichtige Rolle für die Entstehung der Glukoseintoleranz. Und auf deren Zusammensetzung wirkt sich der Verzehr von Süßstoffen offenbar maßgeblich aus.

Süßstoffe führen bei verschiedenen Mäusen zur Glukoseintoleranz

Zunächst unterzogen die Wissenschaftler gesunde, schlanke Mäuse einem Glukosetoleranz-Test. Damit lässt sich prüfen, wie gut ein Organismus eine große Menge oral eingenommener Glukose verarbeiten kann. Auch beim Menschen hilft dieser Test, einen beginnenden Diabetes festzustellen. Im Anschluss versetzten die Wissenschaftler das Trinkwasser der Tiere mit der nach der Verzehrempfehlung maximalen täglichen Dosis an Saccharin, Aspartam oder Sucralose. Die Kontrolltiere tranken Zuckerwasser oder ungesüßtes Wasser. Nach elf Wochen wiederholten die Forscher den Glukosetoleranz-Test – mit einem deutlichen Ergebnis: Alle Süßstoff-trinkenden Mäuse hatten innerhalb der Versuchszeit eine Glukoseintoleranz entwickelt, jedoch keine der Kontrollmäuse. Bei Tieren, die Saccharin-haltiges Wasser getrunken hatten, war die Vorstufe eines Typ-2 Diabetes besonders stark ausgeprägt. Weitere Versuche mit fettleibigen Mäusen und Tieren verschiedener Stämme zeigten dasselbe Ergebnis: Stets führte der Verzehr der Süßstoffe zu einer Glukoseintoleranz, einem fehlgesteuerten Zucker-Stoffwechsel. Wie kommt es dazu?

„Die meisten Süßstoffe passieren den Magen-Darm-Trakt, ohne verdaut zu werden“, schreiben die Wissenschaftler. Daher wirken die Substanzen direkt auf die bakterielle Besiedlung und Zusammensetzung des Darms ein. Das Darmmikrobiom wiederum spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung zahlreicher physiologischer Prozesse wie auch dem Zuckerstoffwechsel.

Antibiotika heben Wirkung auf

Um zu prüfen, ob die Darmflora der Tiere tatsächlich an der Glukoseintoleranz beteiligt ist, verabreichten die Forscher sowohl den schlanken als auch den fettleibigen Tieren die hochdosierten Breitband-Antibiotika Ciprofloxacin und Metronidazol, die gegen Gram-negative Bakterien wirken. Während der antibiotischen Behandlung tranken die Tiere weiterhin das süßstoffhaltige Wasser. Bereits nach vierwöchiger Therapie konnten die Wissenschaftler beim Glukoseintoleranz-Test kaum mehr Unterschiede zwischen den Süßstoff-trinkenden dicken und schlanken Tieren und den Kontrolltieren feststellen. Auch das gegen Gram-positive Bakterien gerichtete Antibiotikum Vancomycin sorgte für diesen Effekt.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Süßstoff-induzierte Glukoseintoleranz durch Veränderungen der Darmflora mit ihren unterschiedlichen bakteriellen Vertretern ausgelöst wird“, schlussfolgern die Studienautoren.

Ein weiterer Test sollte diese Vermutung bestätigen: Die Wissenschaftler übertrugen die Bakterien der Darmflora von Süßstoff-trinkenden Mäusen auf mikrobenfreie Kontrollmäuse. Bereits sechs Tage nach der Fäkal-Transplantation litten auch diese Mäuse unter einer Glukoseintoleranz. Ein weiterer Hinweis für die Forscher, dass Süßstoffe über die Modulation der Darmflora zu einer Vorstufe des Typ-2 Diabetes führen.

Artenspektrum verschoben

Im Anschluss nahmen die Wissenschaftler die Zusammensetzung des Mikrobioms der unterschiedlich gefütterten Mäuse unter die Lupe. Eine DNA-Sequenzierung zeigte: In den Süßstoff-Mäusen kamen mehr Bakterien der Gattung Bacteroides und einige Vertreter der Clostridiales vor. Andere Untergruppen der Clostridiales hingegen hatten in ihrer Häufigkeit deutlich abgenommen. Unter ihnen auch das bei gesunden Menschen und Tieren universell vorkommende Milchsäurebakterium Lactobacillus reuteri, wie die Forscher berichten. In den Süßstoffmäusen konnten die Forscher außerdem zahlreiche aktive Stoffwechselwege nachweisen, die für eine erhöhte Energieaufnahme aus der Nahrung verantwortlich sind und so die Entstehung von Übergewicht fördern.

Bei Mäusen scheinen Süßstoffe offenbar in einem direkten Zusammenhang mit der Entstehung einer Glukoseintoleranz zu stehen. Doch gilt das auch für den Menschen?

Verbraucherstudie

Um diese Frage zu klären, analysierten die Wissenschaftler zunächst Daten einer Verbraucherstudie. Von 381 Nicht-Diabetikern nahmen 40 Teilnehmer regelmäßig Süßstoffe zu sich. Bei ihnen fanden die Wissenschaftler „eine signifikant positive Korrelation zwischen dem Süßstoff-Konsum und mehreren klinischen Parametern, die mit dem metabolischen Syndrom zusammenhängen“, schreiben sie. Zu diesen Parametern gehören beispielsweise ein erhöhter Nüchtern-Blutzucker- und HbA1C-Wert sowie schlechtere Werte im Glukosetoleranz-Test.

Kleine Pilotstudie

In einer kleinen Pilotstudie testeten die Forscher ihre Erkenntnisse an sieben Probanden, die normalerweise keinen Süßstoff konsumieren. Die Testpersonen bekamen eine Woche lang die von der FDA empfohlene maximale tägliche Verzehrmenge Saccharin von 5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht in drei Tagesdosen verabreicht. Bereits nach vier Tagen hatte sich die anfänglich normale Glukosetoleranz bei vier Teilnehmern signifikant verschlechtert. Und ähnlich wie bei den Mäusen hatte sich auch die Zusammensetzung ihrer Darmflora verändert. Bei drei Testpersonen blieben sowohl die Glukosetoleranz als auch die Komposition des Darmmikrobioms unverändert. Als die Forscher Stuhlproben der Probanden in den Darm keimfreier Mäuse übertrugen, erlitten nur diejenigen eine Glukoseintoleranz, die Stuhl der vier Probanden erhalten hatten, welche auf den Konsum von Saccharin reagiert hatten. „Abhängig von der Zusammensetzung ihrer Darmflora reagieren Menschen offenbar individuell unterschiedlich auf den Konsum von Süßstoffen“, schlussfolgern die Wissenschaftler aus ihren Daten.

„Süßstoffe sollten die Menschheit vor Übergewicht und zu hohen Blutglukosewerten schützen. Zusammen mit anderen Veränderungen in der menschlichen Ernährung stieg zeitgleich mit dem massenhaften Konsum von Süßstoffen auch die Anzahl der Diabetiker und der Übergewichtigen“, schreiben die Forscher. Damit hätten Süßstoffe genau das bewirkt, was sie eigentlich hätten verhindern sollen. Künftige Ernährungsstrategien sollten an die unterschiedliche Zusammensetzung der Darmflora der Menschen angepasst sein, fordern die Wissenschaftler.

Effekte auch bei „normalem“ Konsum vorhanden?

Obwohl die Wissenschaftler mit ihren Untersuchungen zahlreiche schlagkräftige Beweise für den Zusammenhang von Süßstoffkonsum und der Entwicklung einer Glukoseintoleranz liefern konnten, bleibt unklar, ob diese Effekte auch bei einem mäßigen Süßstoffkonsum zu erwarten sind. Außerdem bleibt zu klären, welcher „Darmtyp“ in Zukunft auf Süßstoffe besser verzichten sollte.

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Diabetologie, Forschung, Medizin

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39 Kommentare:

Jens 112
Jens 112

Hallo Julia,

eine Idee, die zumindest Deine Magen-Darm-Probleme lindern oder beseitigen könnte: selbstgezogener Kefir.

Damit habe ich selbst bei ähnlicher Magen-Darm-Symptomatik (Sodbrennen, Flatulenz, etc.) sehr gute Erfahrungen gemacht. Es gibt außerdem anekdotische Berichte, nach denen sich selbstgezogener Kefir bei Typ-2-Diabetes günstig auf den Blutzucker auswirkt (vermutlich durch die Beeinflussung der Darmflora, ein Zusammenhang, der nach der im Artikel genannten Studie nicht ganz fernliegend zu sein scheint).

Wichtig ist: Es muss sich um selbstgezogenen Kefir handeln, nicht um Kefir aus dem Laden. Der abgepackte Kefir im Laden enthält andere und wesentlich weniger Bakterienarten (ca. 10 im Vergleich zu ca. 50 beim selbstgezogenen Kefir).

Zur Herstellung des selbstgezogenen Kefirs benötigt man eine Kefirknolle, die man kostenlos von anderen Privatpersonen beziehen kann. Adresslisten entsprechender Privatanbieter gibt es z. B. bei kefir.at.

Der Kefirkonsum sollte schrittweise gesteigert werden. Fängt man gleich mit größeren Mengen an, kann es zunächst einmal zu einem Druckgefühl im Bauch o. ä. kommen, dass sich dann aber nach kurzer Zeit bessert (bis zum nächsten Kefirkonsum) und nach einer Umstellungszeit ganz verschwindet und einem Wohlgefühl Platz macht. Ein diesbezüglicher Erfahrungsbericht, der mich sehr beeindruckt hat und mich dazu gebracht hat, Kefir auszuprobieren: http://www.libase.de/wbb/index.php?page=Thread&threadID=44293 .

Bei mir gab es übrigens auch bei höherer Kefirmenge keine Nebenwirkungen, sondern ausschließlich ein Verschwinden der Magen-Darm-Symptome.

Viele Grüße

Jens

#39 |
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Jens
Jens

Hallo Herr Keller,
steht übrigens beides im Duden: das Paradoxon und das Paradox. Danke für den Hinweis. Es ist aber trotzdem sehr gewöhnungsbedürftig. Altsprachengrundlagen sind eben leider out.

#38 |
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Stephan Engelhardt
Stephan Engelhardt

Popkornkino!!!! Was “Fachleute” alles so von sich geben ist einfach nur zum schiessen.
@Julia N. Das hört sich nach einem Problem für einen ausgewachsenen Internisten an, die Clowns in diesem Forum würde ich nicht konsultieren wollen.
Der Blutglukosespiegel ist im Endeffekt eine Funktion von allerlei Stoffwechselgeschehnissen. Beispielsweise gibt es Insulingegenspieler, welche dafür sorgen, daß vom Körper produziertes oder dem Körper zugeführtes Insulin nicht von der Zelle erkannt werden kann. Dazu gehört Beispielsweise Cortison oder auch das Wachstumshormon. Weiterhin muß man sich die Frage stellen, wieviel Kortison kann der Pankreas noch selber herstellen.
Die Cortisonproduktion ist im Übrigen auch bei einem M. Cushing Patienten nicht ständig erhöht!! ein einzelner isolierter Wert trifft da überhaupt keine Aussage. Typischerweise wird so etwas über eine Cortisolausscheidung im Urin oder einen Dexamethason Stimulationstest herausgefunden. Ein Endokrinologe (Internist) kann hier sicherlich Rat geben.
Eine Lebensmittelallergie (Weizen =Gluten) kann sicherlich Flatulenzen auslösen, muß aber sicherlich nicht Zwangsweise vom Weizen kommen. Da können nötigenfalls auch ganz andere Lebensmittel eine Rolle spielen.
Was Vitamin D damit nun zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht so ganz.
Um deine Probleme anzugehen, solltest du dich am besten an einen Endokrinologen und vielleicht auch noch an einen Gastroenterologen bzw Allergologen wenden.
Sollte deine Diabetologin ratlos sein, so empfiehlt es sich, vielleicht einen anderen Diabetologen um zusätzlichen Rat zu bitten. Beispielsweise an einer (Uni-) Klinik, da die hier erfolgte Auflistung sicherlich NICHT erschöpfend ist.

Von der hier vorgelegten Studie (Link? irgendwer?) würde ish sicherlich auch noch nicht den Süßstoff (in normalen Mengen) verteufeln wollen. Aber ich bin sehr gespannt auf die nachfolgenden Arbeiten, die sich mit diesem Problem eingehender beschäftigen werden.

lg

#37 |
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t.j.kittengold
t.j.kittengold

zu stevia sag ich nur:breaking bad.

#36 |
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Gast
Gast

@Horst Walther völlig richtig, den Tag regelmäßig mit 400 Kal reiner Glukose zu beginnen (GTT) macht krank.
Auch der Süßstoff ist massiv überdosiert.
Keine seriöse Studie!

#35 |
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Nichtmedizinische Berufe

Süßstoffe führen bei verschiedenen Mäusen zur Glukoseintoleranz:
Frage: Gilt das Beschriebene auch für “Stevia”???
alle, die danach fragen: Ich kenne die original Steviapflanze. Deren Blätter sind grün, werden sie vermahlen, ist das Pulver auch grün – arme Menschen in Südamerika kochen die Blätter und benutzen dann das Kochwasser als Süssstoff. Dieses weiße zuckerähnliche Zeug im Supermarkt hat mit der Ur- Stevia nichts zu tun, da ist noch anderes drin, besonders Maltodextrin und es hat vermutlich den negativen Effekt der anderen künstlichen Süßstoffe.

#34 |
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Dr. Eberhard Stamm
Dr. Eberhard Stamm

xxx

#33 |
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Horst Walther
Horst Walther

… sorry, über 100g Zucker pro GTT natürlich

#32 |
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Horst Walther
Horst Walther

Zu #12 Originalzitate
Danke für das Posting, Herr Gromer

ein “… daily GTT …” scheint mir das Ergebnis doch erheblich zu beeinflussen. Dabei bekommen die Probanden 1,5g pro kg KG Glucose, also täglich auf nüchternen Magen über 50g Zucker. Könnten die beobachteten Effekte nicht viel eher von dieser Zuckerdiät kommen als vom Süßstoff?

#31 |
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Medizinphysiker

Einen ausgeprägten Diabetes mit Bioresonanztherapie oder Vitaminsubstitution zu behandeln oder zu glauben, durch eine Ernährungsumstellung alleine diesen wieder zum Verschwinden zu bringen? Kopfschüttel!

#30 |
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@Julia N:
Ich schließe mich der Meinung von Tierärztin Solveigh von Jordans an.
Dringend den Vitamin D Status bestimmen lassen und einen ggf Mangel substituieren.

Süßstoff würde ich auch weglassen … und dafür eher Stevia Tropfen verwenden.
Achtung viele der neuen Stevia Produkte die inzwischen auf dem Markt sind (Pulver und Zusätze in z.B. Hustenbonbons) enthalten hohe Anteile von Zucker oder Süßstoffe. Am besten im nächsten Sommer Stevia selber auf der Fensterbank ziehen und die Tropfen selber herstellen. Damit kann man wunderbar Joghurt und Quark süßen und für Kaffe und Tee funktioniert das auch.

Und noch mal auf chronische Pankreatitis und Hyperparathyreoidismus untersuchen lassen. Beides könnte noch mal ein Ansatzpunkt sein, der gerne übersehen wird.

#29 |
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Nichtmedizinische Berufe

@Sonja:
Schöner Artikel, erscheint gut zusammengefaßt, nur schade, dass kein Originalzitat genannt wird So habe ich die kritischen Stimmen, Dank Anja, sofort vorliegen. Das verzerrt aber gerne die wissenschaftliche Objektivität.
@Anja:
Sehr korrekt und professionell reagiert! Ich bin zwar kein uneingeschränkter Freund von Süßstoffen, jedoch ein Freund der wissenschaftlichen Objektivität (da stellt sich dann immer auch die Frage des Sponsorenhintergrunds der Studien) und erinnere mich noch an die Blasenkarzinomdiskussionen von Saccharin und Cylamat basierend auf in die Blasen der Versuchstiere implantierter Chloesterolpellets mit darin inkludiertem Süßstoff – ein mehr als fragwürdiges Tiermodell.
Dr. rer. nat. Jürgen Kaiser

#28 |
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Medizinjournalist

Außerdem bleibt noch ganz vieles anderes zu klären. Die Süßstoffindustrie wird Studien hervorzaubern. Ernsthaft: Glukoseintoleranz muss zuerst aus der Muskulatur beurteilt werden. Wenn Muskeln Glukose benötigen, holen sie es sich schon und weg ist die Intoleranz. Wäre es anders, gäbe es uns alle und das besprochene Problem nicht.

#27 |
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Ernährungswissenschaftlerin / Ökotrophologin

Die Studie wurde bereits vielfältig in den Medien aufgegriffen und wir (Süssstoff Verband) haben uns intensiv mit der vorgestellten Arbeit befasst. Die von den israelischen Wissenschaftlern vorgelegte Studie basiert größtenteils auf Tierversuchen und auf einer sehr kleinen Gruppe von Personen und lässt sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Im Gegenteil, aus Untersuchungen an Mäusen bzw. 7 Probanden (nur bei 4 Probanden wurde ein Effekt nach der Einnahmen von 360mg!! Saccharin – entspricht ca. 90 Stück Süßstofftabletten – festgestellt) solche weitreichenden Schlüsse zu ziehen, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht akzeptabel. Dieses Studiendesign kann allerhöchstens den Stellenwert einer Hypothesengenerierung einnehmen. Zudem wurde nur der Süßstoff Saccharin in der Studie verwendet, was eine Verallgemeinerung auf sämtliche Süßstoffe ebenfalls falsch macht.

Hier noch zwei Lesetipps:

Expert reaction to non-caloric artificial sweeteners (NAS) and glucose intolerance
http://www.sciencemediacentre.org/expert-reaction-to-non-caloric-artificial-sweeteners-nas-and-glucose-intolerance/

Of Mice and Media: A Credulous Response to an Iffy Sweetener Study http://www.foodinsight.org/blogs/mice-and-media-credulous-response-iffy-sweetener-study

[Anmerkung der Redaktion: Bitte vermeiden Sie es, dieselben Links mehrmals in den Artikel-Kommentaren anzubringen.]

Ganz aktuell: Consensus statement on benefits of low-calorie sweeteners
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nbu.12116/abstract

#26 |
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Medizinphysiker

Interessant wäre zu wissen, wie sich das Ganze mit Stevia als Zuckeralternative verhält.
@Julia: nehmen Sie Medikamente gegen de Diabetes? Spritzen Sie Insulin?

#25 |
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Diätassistent

Hallo Julia N, mein Vorschlag wäre ein genaues Ernährungsprotokoll (einschließlich aller Getränke) zu führen und das einer geeigneten Person zur Interpretation vorzulegen.

#24 |
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Danke Frau Schmitzer! Sehr gut recherchierter Artikel. Nach den unzähligen Süßstoff-Studien die ohne wirklich konkrete Ergebnisse in verschiedenste Richtungen weisen, ist hier ein Weg beschritten, der unbedingt weiterverfolgt werden sollte. Auch wenn vielleicht noch keine Totalverzicht-Empfehlung gegeben werden muss, erschrecken die heute in vielen Produkten versteckten Süßstoffzusätze. Ich meine, auch nicht gefährdete “Darmtypen” werden keine negativen Folgen aus einem Verzicht auf Süßstoffe ziehen.
Auch wenn kein Mensch die an die Nager verfütterten Süßstoffdosen zu sich nimmt, so verdirbt die hohe Süßkraft die natürliche Süßempfindung.
Keine Panik – aber Verzehrsmengen beachten.

#23 |
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Tierärztin Solveigh von Jordans
Tierärztin Solveigh von Jordans

An Julia: Vermutlich hat sich zwischenzeitlich auch eine Weizenallergie +Vitamin D-Mangelsituation sowie daraus resultierend die Stoffwechselentgleisung eingestellt.
Meine Empfehlung: Mit Bioresonanz-Rummeltherapie gegen Weizenallergie + hochdosiert natürliches Vitamin D ( Literatur: Dr. Raimund von Helden: Gesund in 7 Tagen ) sowie Meiden v. Zuckern + Weizen. – Gute Besserung !!!

#22 |
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Julia N.
Julia N.

Entschuldigung, ein Fehler schlich sich ein: Der Cortisolwert i. S. basal liegt natürlich nicht bei 245 sondern bei 15.4.

#21 |
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Julia N.
Julia N.

Ein interessanter Artikel, der eine langersehnte Antwort auf meine Probleme verspricht.
Ich möchte Sie daher herzlich bitten, meine Zeilen zu lesen und mir – sofern es geht – zu helfen.
Vor 7 Jahren nahm ich durch Weight Watchers 32 kg ab. Die Abnehmzeit betrug zwei Jahre. Eine weitere Abnahme stoppte ich, da es mir zusehends schlechter ging.
Massive Flatulenzen stellten sich ein. Sodbrennen kam hinzu; ich konnte kaum noch etwas essen, ohne dass es mir anschließend dreckig ging. Wenig später wurde bei einer Routineuntersuchung ein Diabetes Typ 2 entdeckt.
Da ich fortan kein Zucker mehr zu mir nehmen durfte, behielt ich den Süßstoffkonsum über 5 Jahre bei.
Magen und Darm sind immer noch nicht im Einklang. Obwohl ich prophylaktisch den Süßstoff absetzte und dadurch etwas zunahm, stieg der Langzeitzuckerspiegel peu a peu von 5,6 auf 8,7 an. Ich mache soviel Sport wie nie zuvor in meinem Leben. Das hatte mir früher immer geholfen die Zuckerwerte in den Griff zu bekommen. Heute bleibt er davon unbeeindruckt. Es ist ihm auch egal, was ich esse. Ernähre ich mich genau nach Vorschrift, ist er u. U. wesentlich höher als wenn ich etwas Zuckerhaltiges zu mir nehme.
Vor zwei Jahren erzählte ich meinem Hautarzt und Allergologen meine Geschichte. Der ordnete eine Stuhluntersuchung an, wobei herauskam, dass ich viel zu wenig Coli- sowie Bifidobakterien besitze. Ich bekam Symbioflor verordnet und zog die Kur zwei Jahre lang durch – ohne Erfolg. Die Beschwerden habe ich heute noch – mittlerweile 7 Jahre später.
Auch meine Diabetologin ist ratlos. Der Cortisolspiegel liegt bei 245. Der kann es also auch nicht der Übeltäter sein. Das Proinsulin ist auch in Ordnung. Es ist also auch nicht die Pankreas, die schlapp macht. Was bleibt ist die Ratlosigkeit und dieser Artikel, der vielleicht einen Ansatz bietet.

Wie ich sehe, haben sich hier viele Ärzte von Rang und Namen versammelt. Entschuldigen Sie bitte, dass ich das ausnutze um Sie zu fragen:
Kann die beschriebene Störung durch den Süßstoffkonsum entstanden sein, bzw. kann der Schaden, der durch den Süßstoffkonsum entstanden ist, wieder geheilt werden.
Ich bin Ihnen überaus dankbar für Ihre Antwort!

Vielen Dank und lieben Gruß,

Julia

#20 |
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Heilpraktikerin Brigitte Gotter
Heilpraktikerin Brigitte Gotter

Endlich mal interessante Untersuchungen um in dem großen Thema Übergewicht in der Bevölkerung mal näher zu kommen!
Nicht nur, dass den Körper durch Süßstoffe vorgemacht bekommt – jetzt erhälst du “Brennstoff” – und der Körper sucht dann natürlich auch den Brennstoff und hat ihn nicht bekommen, also konsumiert er noch mehr anderes.
Auch noch das Mikrobiom verändert sich durch die gebotene Nahrung! Aber das ist ja eigentlich schon bekannt.
Bestimmte antioxidativen Nahrungsergänzungsmittel können eine Glukoseintoleranz sehr viel verbessern.

#19 |
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@Herr Sebastian Graf Xylit ist als Süßungsmittel sicher völlig unbedenklich und schadet auch nicht den Zähnen.
Als Kalorienspender allerdings quantitativ stärker eingeschränkt als Glukose wegen anderem nicht so leistungsfähigen Stoffwechselweg (Pentosephoshatnebenschluss),
allerdings insulinunabhängig.

#18 |
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@Dr. med. Michael Freytag, Sie sagen es,
wo bleibt da die Wissenschaftlichkeit?

1) uphysiologisch hohe Dosis, Grenze zur Toxizität
2) keine Aussage über Kostveränderung
3) 4 von 7 ist alles andere als “signifikant”, jeder Statistiker lacht sich darüber tot.

Keine verwertbare Aussage!

#17 |
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Heilpraktiker

Wirklich ineressantes Thema und guter Artikel.
gerne hätte ich zudem erfahren wie es sich mit dem Süßstoff Xylitol (Birkenzucker) verhält.
Xylitol welches auch in Zahnreinigungskaugummis enthalten ist soll laut den Herstellern sogar gut für die Darmflora / Zähne sein.
Leider ist Birkenzucker ca 20 mal teurer wie üblicher raffinierter Zucker.
Zucker wird leider obwohl bekannt ist dass er massive gesundheiltliche Risiken birgt, immer noch subventioniert. Welch Jammer.
Nach Süßstoffkonsum sollte in jeder gründlichen Anamnese nachgefragt werden. Auch nicht nur Magen Darm Probleme sondern auch neurologische Symptome (MS- ähnlich) können nach absetzten von z.B Cola ohne Zucker in kurzer Zeit verschwinden!
Muss jetzt auch mal gleich schauen ob ich rausbekomme von wem die Studie finanziert wurde.

#16 |
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Dr. med. Michael Freytag
Dr. med. Michael Freytag

Ich denke, das Resultat der Pilotstudie mit den 7 Freiwilligen liegt nicht am “Darmtyp” sondern an der Beikost, die eine Veränderung der Darmflora verhindert oder begünstigt hat. In wieweit war die Beikost standardisiert?

#15 |
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Biochemiker

Interessante Studie. Man haette allerdings weitere Parameter einbeziehen sollen, um den Mechainsmus aufzuklaeren, etwa den Serum-Insulinapiegel. Ich lese die Ergebnisse auch so, dass eine gesteigerte Glucose-Intoleranz auf einen niedrigeren Insulinspiegel hinweist (was, wenn auch aus anderen Gruenden, ja die Causa Morbis des DBM darstellt). Wir stellen lege artis bei der Thereapie des DBM gem. den Leitlinien nicht mehr exklusiv auf den Glucosespiegel ab, weil es zu vermuten ist, dass weitere Faktoren Fuer die Co-Morbiditaeten ausschlaggebend sind, somit wuerde ich die Schlussfolgerung, dass hier eine identische Glucose-Intoleranz analog des Prae-DBM vorliegt, in Frage stellen. Auch muesste eine weitere Kontrollgruppe erfasst werden, die weder Zucker noch Suessstoff konsumiert. Und schliesslich sollte man auch noch die Art des Zuckers beruecksichtigen, da Sucrose bzw. Fruktose oder Galctose eben anders metabolisiert werden als Glucose.

#14 |
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Medizinjournalist

Süßstoffe führen bei verschiedenen Mäusen zur Glukoseintoleranz:
Frage: Gilt das Beschriebene auch für “Stevia”???

#13 |
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@Dipl. Psychologe Rainer Keller
Aus dem Paper im Anhang:5 mg per kg (body weight)

“Finally, as an initial assessment of whether the relationship between human NAS consumption and blood glucose control is causative, we followed seven healthy volunteers (5 males and 2 females, aged 28–36) who do not normally consume NAS or NAS-containing foods for 1 week. During this week, participants consumed on days 2–7 the FDA’s maximal acceptable daily intake (ADI) of commercial saccharin (5 mg per kg (body weight)) as three divided daily doses equivalent to 120 mg, and were monitored by continuous glucose measurements and daily GTT (Extended Data Fig. 9a). Notably, even in this short-term 7-day exposure period, most individuals (4 out of 7) developed significantly poorer glycaemic responses 5–7 days after NAS consumption (hereafter termed ‘NAS responders’), compared to their individual glycaemic response on days 1–4 (Fig. 4b, c and Extended Data Fig. 9b, P < 0.001). None of the three NAS non-responders featured improved glucose tolerance (Fig. 4b, d and Extended Data Fig. 9c)."

Im Paper auch:
Analysis of the relationship between NAS consumption and clinical para-
meters in humans.
[..] The trial was reported to http://
clinicaltrials.gov/, identifier NCT01892956. The study did not necessitate or involve randomization.For eachindividual in the clinical nutritional study, after signing an informed consent, multiple parameters were collected including BMI, body circumferences, fasting glucose levels, general questionnaire, complete blood counts and generalchemistry parameters,a validatedlong-term foodfrequencyquestionnaire(38–40).
Long-term NAS consumption was quantified directly from answers to an
explicit questionregarding artificialsweeteners that participants filled out in their
food frequency questionnaire. We then used the Spearman correlation to exam-
ine the relationship between NAS consumption and each of the above parameters, and FDR corrected for the multiple hypotheses tests performed.
[..]
In the human studies, all humans older than 18 years of age who enrolled were
included. Exclusion criteria included pregnancy.

#12 |
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@Ralph-Henning Günther
Conflict of interest steht hier, ebenso Institute:
http://www.nature.com/nature/journal/v514/n7521/full/nature13793.html#affil-auth

@Bernd Lindenmaier:
Die Bezeichnung ist korrekt. Glucoseintoleranz bedeutet, dass man auf die Zuführ von Glucose nicht adäquat gegenreguliert, der Blutzucker also stärker ansteigt und meist länger erhöht bleibt.

#11 |
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Wie #4 bin ich der Meinung, dass der Begriff “Glukoseintoleranz” in dem Artikel falsch verwendet wird. Bei dem Analogbegriff “Laktoseintoleranz” wird schließlich Milchzucker NICHT aufgenommen und führt deshalb zu einer Störung der Darmflora mit Durchfall. – Hier jedoch scheint es so zu sein, dass die Süßstoffe (alle?) die Darmflora in einer spezifischen Weise verändern, die dann dazu führt (wie?), dass der Blutzucker erhöht wird. (Von einer “erhöhten Glukosetoleranz” würde ich da allerdings denn doch nicht sprechen).
@ #1: Ich habe nicht nachgerechnet, doch ich glaube auch, dass es schwer sein dürfte, in die Gegend der Maximaldosis zu kommen; 3 – 6 Tabletten erscheinen mir aber schon als ziemlich viel…

#10 |
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Dipl. Psychologe Rainer Keller
Dipl. Psychologe Rainer Keller

@ Jens
Sorry, aber dem Duden nach ist das völlig korrekt:
Pa­ra­dox, das
Wortart: Substantiv, Neutrum
Worttrennung: Pa|ra|dox

#9 |
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der ‘spaßige’ Kollege Hirschhausen sagte schon vor Jahren in einem seiner Programme: ‘Süssstoffe werden in der Tiermast verwendet und das funktioniert auch beim Menschen`. Wie schön daß es dafür jetzt einen Beleg gibt.

#8 |
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Dipl. Psychologe Rainer Keller
Dipl. Psychologe Rainer Keller

Leider ist nicht angegeben, wieviel Süßstoff die Verbraucherstudie-Probanten zu sich nahmen. Die werden wohl kaum die Höchstdosen – wie z.B. die Mäuse – bekommen haben. Im Abstract steht da naturgemäß nichts und die volle Publikation würde mit 30 € zu Buche schlagen. Vielleicht kann die Info noch nachgeliefert werden. Danke.

#7 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Es geht auch ohne und herrlich köstlich: Ich nehme und empfehle den natürlichen, fein pulverisierten Mascobado fair trade Rohrohrzucker. Vorteil: der harmonisch-malzige Eigengeschmack lässt mich für jeden (Vollwert-) Kuchen die Zuckermenge um mindestens 1/3 reduzieren, ebenso im Kaffee oder sonstigem. Wer noch mit süß-orientierten Gewürzen ergänzt wie Vanille, Zimt etc. spart nochmals am Zucker.
Rundfunk-Infos dazu unter Bayern 5 aktuell, am 30.11., 17.35Uhr.

#6 |
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Jens
Jens

Liebe Kollegen, es heißt Paradoxon!! oder etwas ist paradox.
Bin kein Erbsenzähler

#5 |
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Ähm – Frage… Führt das Ganze nicht eher zur GlucoseTOLERANZ und nicht -intoleranz? Wer einen auffälligen Glucosetoleranztest hat, der toleriert hohe Werte eher und ist damit vom Prädiabetes betroffen, nicht der Glucose-intolerante, also auf hohe Werte reagierende.

#4 |
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Medizinjournalistin

Lieber Herr Günther,

die Original-Publikation zum Artikel finden Sie hier: http://www.nature.com/nature/journal/v514/n7521/abs/nature13793.html

Herzliche Grüße

Sonja Schmitzer

#3 |
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Sehr geehrte Frau Schmitzer!
Das ist sensationell interessant und deswegen wäre es sinnvoll, wenn Sie die Originalarbeit angeben könnten (und wer sie gesponsert hat), denn die Frage “Cui bono?” läßt sich allzu leicht beantworten.

#2 |
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Gast
Gast

bei 100kg sind das 500mg Saccharin,
Ich hab mal auf meine Dose gesehen,
da steht auf einer Tablette 4mg Saccharin, davon nehme ich 3-max. 6 am Tag also 12 bis 24 mg, manchmal gar nichts.
Ich kenne niemand, der 500mg/Tag schaffen würde,
die armen Ratten.

#1 |
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