Mitochondriale Myopathien: Montagefehler im Blick

27. Oktober 2014
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Die ATP-Synthase ist für jede Körperzelle wichtig, da sie der größte Produzent zellulärer Energie ist. Der neu entdeckte Proteinkomplex INAC ist für den Zusammenbau des Enzyms unentbehrlich und somit womöglich an der Entstehung mitochondrialer Myopathien mitbeteiligt.

Die ATP-Synthase ist eine „Maschine im Nano-Maßstab“. Bisher war wenig darüber bekannt, wie die Zelle diese molekularen Energieproduzenten aus den Einzelteilen zusammensetzt. In diesem Vorgang liegt jedoch eine Ursache für Funktionsstörungen der ATP-Synthase, und damit für eine Gruppe mitochondrialer Myopathien. Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Rehling, Institut für Zellbiochemie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und Göttinger Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (GZMB) entdeckten nun den Proteinkomplex INAC.

Mitochondriale Myopathien bezeichnen eine Gruppe von Krankheitsbildern, bei denen vor allem Gewebe mit hohem Energieverbrauch nicht richtig funktionieren. Verantwortlich dafür sind Störungen in den Mitochondrien. Diese Störungen können entstehen, wenn die ATP-Synthase defekt ist. „Die ATP-Synthase besteht aus vielen verschiedenen Proteinen und lässt sich als Turbinengenerator im Nanomaßstab beschreiben“, sagt Prof. Dr. Peter Rehling. Die ATP-Synthase arbeitet wie eine moderne Wasserturbine, die die Bewegungsenergie des Wassers nutzt, um elektrischen Strom zu erzeugen. Sie ist auch ähnlich aufgebaut: Wie die Wasserturbine besteht die ATP-Synthase aus einem Turbinen-Teil, einem Generator-Element und einer Welle, die Turbine und Generator miteinander verbindet. Nur strömen statt Wasser Protonen durch ihre Turbine, von einer Seite der Membran auf die andere. Die Protonen versetzen die Turbine in Drehung. Diese Bewegung überträgt die Welle auf das Generator-Element. Der Generator schließlich nutzt die Bewegungsenergie, um ATP-Moleküle herzustellen.

Da die ATP-Synthase beim Menschen für den Großteil der ATP-Produktion zuständig ist, sind die Konsequenzen mitunter dramatisch, wenn sie nicht richtig arbeitet: Mitochondriale Myopathien können entstehen. Wissenschaftler versuchen daher zu entschlüsseln, welche Faktoren für einen reibungslosen Betrieb des Enzyms wichtig sind. Zum einen führen Defekte in einzelnen Proteinen, die Teil der ATP-Synthase sind, zu Funktionsstörungen. Zum anderen können bereits beim Zusammenbau des zellulären Turbinengenerators Fehler auftreten. Über die einzelnen Montageschritte ist bisher wenig bekannt. Vor allem war bisher unklar, wie in den Mitochondrien Turbine, Welle und Generator zusammengebaut werden.

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Röntgenstruktur der ATP Synthase in der Membran der Mitochondrien einer Zelle. © Grafik: umg/Rehling

 Unverzichtbarer Konstrukteur

„Wir haben uns auf die Suche nach Proteinen gemacht, die man (bisher) nicht mit der Funktion der ATP-Synthase in Verbindung gebracht hat“, sagt Prof. Dr. Peter Rehling. Die Biologen nutzten Hefezellen. Die Wissenschaftler entdeckten zwei Proteine. „Fehlt den Hefezellen nur eines davon, arbeitet die ATP-Synthase bereits nicht mehr richtig“, sagt Dr. Oleksandr Lytovchenko, Erstautor der Studie. Die Forscher fanden heraus, dass die beiden Proteine zusammen einen Komplex bilden. Dieser sitzt, wie die ATP-Synthase, in der inneren Mitochondrienmembran. „Der Komplex ist aber nicht Teil der ATP-Synthase. Daher vermuteten wir, dass er vielmehr für ihren Zusammenbau wichtig ist“, sagt Dr. Lytovchenko.

Zusätzliche Experimente zeigten: In Hefezellen ohne funktionstüchtigen Komplex ist die ATP-Synthase nicht komplett montiert, Generator und Turbine sind nicht miteinander verbunden. Der Komplex ist dafür notwendig, um die Welle als drittes Bauelement zusammenzusetzen. Diese verbindet nicht nur Turbine und Generator, sondern überträgt auch über ihre Drehbewegung die Energie zwischen den beiden Teilen. Die Göttinger Forscher tauften den Komplex daher „inner membrane assembly complex“, kurz INAC. Zellen mit defektem INAC können keine funktions-tüchtige ATP-Synthase mehr bauen, da sie bei der Montage der Welle scheitern. „INAC ist somit ein unverzichtbarer Konstrukteur der ATP-Synthase. Da wir jetzt einen wichtigen Schritt beim Zusammenbau der ATP-Synthase kennen, können wir die Ursachen von mitochondrialen Erkrankungen besser verstehen. Diesen Ansatz können wir nutzen, um nach neuen Behandlungen für diese Erkrankungen zu suchen“, sagt Prof. Rehling.

Originalpublikation:

The INA complex facilitates assembly of the peripheral stalk of the mitochondrial F1Fo-ATP synthase
Oleksandr Lytovchenko et al.; EMBO J., doi: 10.15252/embj.201488076; 2014

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Medizin, Neurologie

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1 Kommentar:

Heilpraktikerin Brigitte Gotter
Heilpraktikerin Brigitte Gotter

Sehr schön, interessant wäre es jetzt zu wissen, warum die Proteine fehlen bzw. nicht als funktionstüchtige Einheit zusammengebaut sind oder werden konnten. Sind es irgend welche Mängel in der Versorgung des Menschen oder gehört bereits die DNA/RNA dazu?? Ein sehr interessantes Feld, da ja Mitochondriale Myopathien durchaus an Erkrankungen wie Burn out usw. beteiligt sind.
Ich könnte mir vorstellen, dass Nitrostress und eine schlechte Versorgung durch Mikronährstoffe einen großen Anteil vielleicht haben könnten. Bin gespannt, was weitere Forschung hierüber ergründet.

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