Krebs: Dicke Fische im Diagnostiknetz

31. Oktober 2014
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Biomarker sind groß im Kommen, um das Therapie-Ansprechen oder die Verstoffwechslung eines Pharmakons vorherzusagen. In einigen Fällen lässt sich über den Mehrwert entsprechender Untersuchungen streiten, so das IQWiG. Das liegt nicht am Verfahren, sondern an fehlenden Studien.

Bei Patientinnen mit Mammakarzinom greifen Ärzte primär zum Skalpell, falls möglich. Ob eine adjuvante Chemotherapie sinnvoll ist, entscheidet sich nach postoperativen Gentests mit Tumorgewebe. Während Frauen mit niedrigem Risiko ungeschoren davon kommen, erhalten Patientinnen mit hohem Risiko oft 5-Fluorouracil plus Epirubicin oder Adriamycin plus Cyclophosphamid. Allein bei mittlerer Gefährdung war die Sache mit großer Unsicherheit behaftet. Für diese Patientinnen haben Wissenschaftler Tests auf Biomarker wie den Urokinase-Plasminogen Aktivator (uPA) und den Plasminogen-Aktivator-Inhibitor Typ 1 (PAI-1) entwickelt. Beide Moleküle spielen eine zentrale Rolle im Tumorstoffwechsel.

Fraglicher Nutzen

Jetzt hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine Bewertung zu besagten Biomarkern veröffentlicht. Die Autoren kritisieren, es fehlten geeignete Untersuchungen, um den Nutzen oder Schaden für Patientinnen klar zu beziffern. Sie fanden nur eine Studie, deren Design jedoch ungeeignet war. Inhaltlich ging es nur um die Effektivität einer Chemotherapie.

Therapeutisch wertvoll

Dass Biomarker ihren Wert in Praxis und Klinik haben, bestreitet generell niemand. Kürzlich zeigte Eric Santoni-Rugiu, Kopenhagen, dass sich Pleuramesotheliome labordiagnostisch gut erkennen lassen. Diese malignen Neoplasien entstehen in mehr als 90 Prozent aller Fälle durch Asbest. Für Ärzte war es schwer, Krebsleiden rasch von entzündlich bedingten, nicht malignen Proliferationen zu unterscheiden. Selbst Biopsien führten nicht immer zu einem klaren Resultat. Santoni-Rugiu isolierte deshalb 742 microRNAs aus Gewebeproben und identifizierte vier Kandidaten für weitere Screenings. Schließlich gelangen ihm Diagnosen mit einer Sensitivität von 95 Prozent, einer Spezifität von 93 Prozent und einer Gesamtgenauigkeit von 94 Prozent. Gute Studien zeigen den Mehrwert einer Methode in aller Deutlichkeit.

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