Depressionen: Gangmuster beeinflusst Psyche

24. Oktober 2014
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Wer mit hängenden Schultern dahinschlurft, wird sich tendenziell eher an negative Dinge erinnern. Wer hingegen fröhlich läuft, kann sich leichter positive Dinge merken. So aktuelle Studienergebnisse zum Zusammenhang von Gang und emotionalem Gedächtnis.

„Viele Studien belegen, dass Bewegung bei Depressionen hilfreich ist, gehen, laufen, wandern. Wir wollten wissen, ob auch die Art des Ganges Einfluss auf depressionsrelevante Prozesse hat“, beschreibt Prof. Dr. Johannes Michalak, Psychologe an der Universität Witten/Herdecke, den Ansatz. Aus früheren Untersuchungen wissen die Forscher, wie Depressive und nicht Depressive gehen.

In der aktuellen Untersuchung haben sie das Gangmuster der Probanden (39 Studierende) so verändert, dass sie entweder fröhlicher oder depressiver gelaufen sind als normal. Dann haben sie ihnen positive (z.B. mutig, attraktiv) oder negative Wörter (z.B. langweilig, dumm) dargeboten und sie sollten entscheiden, ob sie diese Wörter beschreiben. Nach acht Minuten wurde dann ein nicht angekündigter Gedächtnistest durchgeführt. Probanden, die depressiv gelaufen waren, behielten mehr negative Wörter (ein Muster, das auch immer wieder bei Depressiven gefunden wird), während Probanden, die fröhlich gelaufen waren, sich mehr positive Wörter merken konnten.

„Das zeigt uns, dass unsere Art sich zu bewegen Auswirkung darauf hat, ob wir eher positive oder negative Informationen verarbeiten. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Körper, hier der Gangart, und der Psyche, hier der Art, welche Informationen wir uns merken. Solche Ergebnisse könnten in Zukunft dazu verwendet werden, Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen zu entwickeln, die über eine Veränderungen von körperlichen Prozessen wirken“, erklärt Michalak.

Originalpublikation:

How we walk affects what we remember: Gait modifications through biofeedback change negative affective memory bias
Johannes Michalak et al.; Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, doi: 10.1016/j.jbtep.2014.09.004; 2014

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12 Kommentare:

Heilpraktikerin

Vielen Dank für den netten Austausch!
Mein Fazit zu diesem Thema: Haltung bewahren hilft; sowohl innerlich, als auch im Außen.
In dem Sinne, noch einen schönen Abend.
Freundliche Grüße
S. Pfaue

#12 |
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Arzt
Arzt

Simone Pfaue, dass Sport, insbesondere “Leistungssport” nicht unbedingt zur Lebensverlängerung führt ist richtig.
Beim Ballet haben wir einen Sonderfall. Hier gibt es so etwas wie eine (emotionale) Harmonie zwischen Musik und körperlicher Höchstleistung. Niemals eine “Verkrampfung”. Wenn die Bewegung nicht leicht und locker (schwebend) ausgeführt wird, ist sie falsch durchgeführt. Das A&O ist dabei die “Haltung” der Wirbelsäule als ruhendes Zentrum des Körpers. Ich spreche allerdings vom klassischen Ballet, bei dem der systematisch Trainingsaufbau über viele Jahre ohne Überlastung über 100 Jahre altes Erfahrungsgut darstellt.
Ballettänzerinnen werden tatsächlich oft sehr alt.
Und noch einmal, der Körper FOLGT der Psyche (und dem Willen), nicht umgekehrt.
Auch ein Turner, dessen sportliche Leistung ja so etwas wie der Triumpf des Geistes über den Körper darstellt, ist beim Orthopäden in höherem Alter sofort zu erkennen.
Er hat eine viel geradere Wirbelsäule insbesondere die BWS, ein großer Vorteil im Alter. Hier ist allerdings aus meiner ärztlichen Sicht Leistungssport für Kinder (Mädchen) abzulehnen.

#11 |
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Gastleser
Gastleser

“Zeig mir wie du gehst – und ich sage dir wie du dich fühlst” ….. sagte meine Mutter (med. Laie) schon vor 40 Jahren. Sie zeigte mir Menschen auf der Straße mit unterschiedlichen “Laufmustern” – nach vorn gebeugt, hinten abfallend, schaukelnden oder wippenden Gang – ihre These: wer in dieser Art geht, hat ein großes Problem! Aktive, starke und selbstbewusste Menschen haben eine gerade aufrechte Körperhaltung!
Als ich in der Pubertät war (ich stand wie alle Teenager krumm, schief, die Beine gebeugt, verschränkt ) übte sie mit mir den aufrechten Gang – Bücher auf dem Kopf balancieren und beim Fernsehen mit den Oberarmen einen Besenstiel festhaltend, eine gerade Sitzhaltung einzunehmen. Damals habe ich ihre Maßnahmen als befremdlich empfunden aber befolgt.
Viele Jahre später nahm ich an einem Kurs für “freie Rede, Argumentation vor Publikum” teil. Zu Beginn erklärte der Kursleiter folgendes: “Machen Sie sich gerade, richten Sie sich auf, heben den Kopf – atmen Sie einmal tief durch- Sie werden sehen, dass hilft Ihnen sich zu konzentrieren, Ihre Gedanken zu sammeln und nimmt Ihnen die Angst zu versagen, bevor Sie am Pult stehen und Ihre Rede halten!”
Das unsere Körperhaltung mit unserer Psyche verknüpft ist und dessen Befindlichkeit sichtbar wird, ist nichts Neues. Dank unserer technologischen Möglichkeiten wird es jetzt wissenschaftlich nachweisbar.

#10 |
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Simone Pfaue, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Simone Pfaue, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Also, ich fasse mal zusammen: Wir wissen, dass das Aufrichten der Wirbelsäule eine positive Wirkung auf die Stimmung ausübt, auch dadurch, dass mehr positive Aspekte das Bewusstsein erreichen. Außerdem verlängert diese aufgerichtete Haltung die Lebenserwartung in Quantität und Qualität (Stimmung). Das Aufrichten der Wirbelsäule ist eine bewusste, aktive und zielgerichtete Handlung und erfordert die Leistung eines trainierten Muskelapparates.
Was dagegen ungeklärt bleibt, ist, wodurch die höhere Lebenserwartung (speziell bei Turnern und Ballett-Tänzerinnen) entsteht, da dieses Phänomen ja nicht alle Sportler schlechthin zu betreffen scheint. Vielleicht können Sie da ein Erklärungsmodell anbieten?
Offen bleibt, ob jemand, der potentiell dazu in der Lage ist, die aufrechte Haltung einzunehmen, im Falle einer körperlichen Erkrankung (Schwäche und Schmerzen) oder einer psychischen Störung (mit gedrückter Stimmungslage) überhaupt fähig ist (genug Energie zur Verfügung hat) sich aufrecht zu halten und sich auf diesem Weg zumindest mental positiv zu beeinflussen. Ist aber wahrscheinlich auch individuell unterschiedlich.
Interessant und wichtig finde ich auch Ihren Hinweis auf die (verfrühte) Rollatorennutzung. Ja, da steht der Aspekt der Bequemlichkeit sicherlich oft im Vordergrund. Man hat quasi immer einen Einkaufskorb auf Rädern dabei und muss dadurch nichts mehr tragen (nicht mal sich selbst in vollem Umfang) und man kann sich jederzeit und überall hinsetzen und ausruhen. (Interessant wird es, wenn im Mietshaus Kinderwagen und Rollatoren um den Stellplatz im Hausflur konkurrieren ;-) )
Mit freundlichen Grüßen

#9 |
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Arzt
Arzt

@Simone Pfaue vielleicht kann man so formulieren:
Der Mensch ist als 2-Füßler geschaffen für den aufrechten Gang,
rein organisch betrachtet ist die Wirbelsäule deshalb im Vergleich mit den 4-Füßler ein gewisser Schwachpunkt, der ohne etwas Anstrengung = Einsatz der Muskulatur nicht zu beseitigen ist. Perfekt macht das ein Turner oder Balletttänzer(in),
es ist bekannt, dass die besonders alt werden. Man nennt das auch das “zentrale Nervensystem” im Gegensatz zum Darmmuskel, der unserem bewussten Willen nicht gehorcht.
Wer also als Orthopäde oder Psychologe das Gangbild eines Menschen beobachtet, erfährt gleichzeitig etwas vom “zentralen Nervensystem”.
Ein Mensch mit “aufrechter Haltung” hat statistisch schlicht eine höhere Lebenserwartung.
Lerne:
Bitte nicht so schnell zum Rollator greifen! Aufrecht gehen, mit eigener Kraft, das ist unsere Bestimmung.

#8 |
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Heilpraktikerin

“Bauch rein, Brust raus, Schultern nach hinten! Meine Güte Kind, lass dich doch nicht so hängen!”
Wie oft haben Kinder früher diesen Satz von ihren Eltern gehört? Das mag bei einer temporärem lustlosen Stimmung durchaus seine Berechtigung haben, aber ob es bei Krankheiten, Schmerzen oder Depressionen (schlaffer Muskeltonus) dem Betreffenden überhaupt möglich ist, eine solche Haltung dauerhaft einzunehmen, wage ich zu bezweifeln.
Wenn sich eine aufrechte Haltung als präventiv nützlich erwiesen hat, warum sitzen Schüler und Arbeitnehmer immer noch auf einer Bestuhlung herum, die eine schlechte Haltung schier erzwingt?
Auch, übrigens: Schauen Sie mal, wie Sie gerade vor Ihrem Laptop sitzen… ;-)
Simone Pfaue
Heilpraktikerin für Psychotherapie

#7 |
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Ralf Schambach
Ralf Schambach

Faszinierend, wie man sich sein Geld verdienen kann. Dass die Haltung die Psyche beeinflusst – und andersrum – haben Motivationstrainer in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts schon verkündet. Toll, dass es jetzt schon “wissenschaftlich” erkundet wurde. Respekt.
Jetzt warten wir nur noch darauf, dass es auch in den höchsten Akademikerkreisen anerkannt wird.

#6 |
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In der traditionellen chinesischen Medizin gibt es Energieleitbahnen, Meridiane genannt. In diesen Meridianen fließt das Chi, Chi hat Bezug zur Organen und zur Psyche, Das Haltungsmuster ( und Gehmuster ) hat Einfluß auf den Fluß des Chi. Henne oder Ei? Beides, je nachdem wo der erste Ansatz gegeben ist. traurige Psyche, gehemmter Gang. Gehemmter gang macht depressiv, näheres Bei Glaser: Atemtypen.

#5 |
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Arzt
Arzt

@Prof. Dr. Prof. Dr. KLaus Götschl, nun die Publikation ist ja auch in Englisch, der Pimitivsprache, die “Wissenschaftlichkeit” vorgaukeln soll.
Wir sind doch auch auf diesem Weg in die Unwissenschaftlichkeit.

#4 |
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Prof. Dr. Prof. Dr. KLaus Götschl
Prof. Dr. Prof. Dr. KLaus Götschl

Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit Grundlagenforschung und dem Studium anerkannter und solider Forschungsergebnisse, bevor man das Rad neu erfindet ? Diese Erkenntnisse sind schlichtweg falsch und verzerrt, einer seriösen Studie nicht würdig.

#3 |
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Gast
Gast

#1 richtig! Psyche beeinflusst Gangmuster heist es korrekt.

#2 |
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Dr. Christina Schlumbohm
Dr. Christina Schlumbohm

Was war zuerst die Henne oder das Ei? Gangmuster oder Depression?

#1 |
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