Fettverbrennung: Adenosin bräunt weißes Fett

21. Oktober 2014
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Viele träumen von einer effizienten Methode, Pfunde loszuwerden. Diesem Ziel ist man nun im Universitätsklinikum Bonn einen Schritt näher gekommen. Die neue Erkenntnis: Das körpereigene Adenosin aktiviert braunes Fett und „bräunt“ weißes Fett.

Fett ist nicht gleich Fett“, sagt Prof. Dr. Alexander Pfeifer vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Bonn. Der Mensch trägt zwei verschiedene Arten von Fett in sich: Unerwünschte weiße Fettzellen, aus denen zum Beispiel das lästige „Hüftgold“ besteht. Außerdem gibt es noch braune Fettzellen, die als erwünschte Heizaggregate überschüssige Energie in Wärme verwandeln. „Wenn es uns gelingt, braune Fettzellen zu aktivieren oder weiße in braune Fettzellen umzuwandeln, können möglicherweise überflüssige Pfunde abgeschmolzen werden“, berichtet der Pharmakologe.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Pfeifer hat zusammen mit einem internationalen Forscherteam aus Schweden, Dänemark, Finnland sowie dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und der Universität Düsseldorf einen neuen Ansatzpunkt gefunden: das Adenosin. Es wird bei Stressreaktionen ausgeschüttet. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Adenosinrezeptor A2A.

Aktivierung von braunem Fett durch Adenosin

„Dockt in den braunen Fettzellen das Adenosin an diesen Rezeptor an, wird die Fettverbrennung stark stimuliert“, berichtet Dr. Thorsten Gnad. Dass Adenosin braunes Fett aktiviert, galt vorher als ausgeschlossen. Es gab mehrere Versuche mit Ratten und Hamstern, wobei sich zeigte, dass Adenosin braunes Fett blockiert. Das Team der Universität Bonn ließ sich von diesen Ergebnissen nicht beirren. Anhand von braunen Fettzellen, die Menschen bei Operationen entfernt wurden, vollzogen die Wissenschaftler den Signalweg der Fettaktivierung über das Adenosin nach. Dabei zeigte sich, dass Ratten und Hamster in dieser Hinsicht anders reagieren als der Mensch. „Das braune Fett von Mäusen hingegen verhält sich genauso wie das unserer eigenen Spezies“, fasst Prof. Pfeifer zusammen.

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Lichtmikroskopische Aufnahme von braunen Fettzellen: Rot eingefärbt sind Lipidtröpfchen, die während der Differenzierung eingelagert werden. © AG Alexander Pfeifer/UKB

Adenosin bräunt weißes Fett

Die Forscher untersuchten auch, ob weiße Fettzellen durch Adenosin in braune Fettzellen umgewandelt („gebräunt“) werden können. Weiße Fettzellen lassen sich im Gegensatz zu den braunen normalerweise nicht zum Schmelzen des „Hüftgolds“ bewegen, weil ihnen die dazu erforderlichen A2A-Rezeptoren fehlen. Deshalb transferierte das Wissenschaftlerteam in Mäusen das Gen für den Rezeptor aus braunen Fettzellen auf weiße. Daraufhin verhalten sie sich wie braune Zellen – und die Fettverbrennung wird angekurbelt.

Klinische Anwendung ist noch weit entfernt

Den Forschern der Universität Bonn ist es gelungen, die Bedeutung des Adenosins für braune Zellen von Mäusen und des Menschen nachzuvollziehen. „Durch die Gabe von Adenosin-ähnlichen Substanzen nahmen die Mäuse tatsächlich ab“, berichtet Prof. Pfeifer. Es seien jedoch in diesem Zusammenhang noch viele Fragen zu untersuchen. Eine klinische Anwendung sei deshalb noch weit entfernt.

Originalpublikation:

Adenosine activates brown adipose tissue and recruits beige adipocytes via A2A receptors
Thorsten Gnad et al.; Nature, doi: 10.1038/nature13816; 2014

45 Wertungen (4.67 ø)

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7 Kommentare:

Gast
Gast

@Peter Bialaschik, Sie müssen lernen verstehend zu lesen, oder zumindest ihre Kritik sachlich begründen können.
Siehe #1
Fakt ist, dass mehr Zufuhr als Verbrauch zur Gewichtszunahme führt.
Mediale Hochkonjunktur haben aber alle Ansätze, die das “zu viel essen” einfach ignorieren wollen. Ein paar braune Fettzellen reichen da hinten und vorne nicht.
zu #2 Normale (“vernünftige”) Ernährung ist KEINE Diät!

#7 |
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Peter Bialaschik
Peter Bialaschik

Die Vermutung von “Gast” ist äzend.
Als wenn alles so einfach wäre wie blöde >Kommentare von sich zu geben.

#6 |
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Gast
Gast

Ich vermute, die Dicken laufen lieber mit 55°Celsius Körpertemperatur rum als normal zu essen

#5 |
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Gerhard Heber
Gerhard Heber

“Braunes Fettgewebe ist plurivakuolär und weist aufgrund des hohen Gehaltes an Mitochondrien eine braune Farbe auf.” Im weißen Fetgewebe sind die Mitochondrien an den Rand der Zelle gedrängt und vermutlich nicht mehr funktional, d. h. sie können die Thermogenese, die die braunen Fettzellen über der mitochondrialen Atmungskette und Fettabbau leisten, nicht mehr ausführen.
Ob die Gabe von Adenosin weiße Fettzellen, in “echte” braune Adipozyten mit funktionalen Mitochondrien umwandeln, geht aus dem Tierversuch nicht hervor.
Das müssten Versuche mit humanen Adypozyten, natürlich zunächst in vitro, klären können.
Schließlich leidet die Mäusepopulation nicht so stark unter Adipositas, wie die heutige menschliche Gesellschaft

#4 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Pille einwerfen ist eben auch Bewegung :-(

#3 |
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Gast
Gast

Wow
Keine Diätspläne mehr,

#2 |
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Arzt
Arzt

träumt mal weiter bei McDonald

#1 |
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