Respekt: Münster wird auatofrei

4. April 2012
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Rund 24 Prozent aller Patienten suchen die Hausarztpraxis wegen Schmerzen auf. Obwohl neue Leitlinien und Medikamente dem Patienten das Recht auf Schmerzfreiheit erfüllen müssten, sieht die Realität oft anders aus. Die Stadt Münster will jetzt den Schmerz abschaffen.

Verglichen mit anderen europäischen Ländern entspricht die Verordnung von Opioidanalgetika immer noch nicht dem Bedarf. „In Europa behindern veraltete staatliche Richtlinien und Verordnungen über den Einsatz und die Verschreibung von Opioiden eine angemessene Schmerztherapie.“ So lautet das Fazit des „Weißbuch zu Opioiden und Schmerz: eine gesamteuropäische Herausforderung“, das die „Opioids and Pain European Network of Minds“ (OPEN Minds)-Gruppe verfasst und dem Europäischen Parlament vorgelegt hat.

Ziel: Schmerzfreiheit

Es existieren schmerzfreie Zahnarztbehandlungen, schmerzfreie Spritzen und schmerzfreie Kliniken. Das Aktionsbündnis Schmerz geht nun einen entscheidenden Schritt weiter: eine ganze Stadt soll schmerzfrei werden. So das Ziel der Aktion. Gemeint ist sicherlich, dass die Bewohner in Münster von ihren Schmerzen befreit werden, aber dieses Ziel klingt fast utopisch. Auf jeden Fall ist jede Initiative zu begrüßen, die das Warnsignal Schmerz abschalten will, wenn es nicht mehr notwendig ist.

Mythos Sucht bremst Analgesie aus

Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt. Weltweit werden erstmals die komplexen Zusammenhänge in der Versorgung von Schmerzpatienten innerhalb eines städtischen Gesundheitssystems analysiert. Wissens- und Versorgungslücken an den Schnittstellen von Kliniken, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Schmerzpraxen und Hospizen sollen erkannt und geschlossen werden. Ziel ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller bei der Betreuung von Schmerzpatienten vernetzten Einrichtungen und Berufsgruppen. Das klingt so logisch, dass man sich fragen muss, warum so etwas nicht längst probiert und realisiert wurde. Auf andere Erkrankungen lässt sich so ein Ziel sicherlich nicht übertragen.

Eine krebsfreie Stadt kann man nicht fordern, denn nicht jeder Krebs ist heilbar. Beim Symptom Schmerz ist dies etwas ganz anderes. Es gibt genügend wirksame Schmerzmittel für alle Schmerzpatienten, aber diese werden ihnen oft wegen Vorurteilen vorenthalten. Meist geht es dabei um die Angst eine Abhängigkeit auszulösen. Wenn ein Diabetiker sein Insulin weglässt, erleidet er eine Hyperglykämie. Ist er deshalb insulinabhängig? Nimmt ein Schmerzpatient sein Opiatanalgetikum nicht mehr ein, kehrt der Schmerz zurück, nicht mehr und nicht weniger. Kaum ein sachgerecht therapierter Schmerzpatient wird körperlich abhängig. Vorausgesetzt er erhält die Pharmaka oral oder transdermal.

Viele Beteiligte – ein Ziel

An der Studie beteiligen sich sechs Krankenhäuser, alle Hospize, Palliativstationen und zwei Schmerzpraxen sowie 14 Altenheime und 14 ambulante Pflegedienste. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Jürgen Osterbrink, Lehrstuhlinhaber für Pflegewissenschaft an der Paracelsus Universität Salzburg. Er wird unterstützt von Schmerztherapeuten, Palliativmedizinern und pflegewissenschaftlichen Mitarbeitern der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Bemerkenswert ist die Motivation der peripheren Partner. Krankenkassen, universitäre Forschung, Apotheken, Fachgesellschaften, diverse Verbände und Netzwerke sowie die öffentliche Verwaltung unterstützen das Projekt aktiv.

Die Schirmherrschaft hat Daniel Bahr, Bundesminister für Gesundheit, übernommen. Das Geld fließt u.a. von der Firma Mundipharm, eine Pharmafirma mit Schmerzmitteln im Portfolio. Fördermittel stellen außerdem die Stadt Münster sowie das Land Salzburg zur Verfügung. In der ersten Phase erhielten Ärzte, das Pflegepersonal, Patienten und Angehörige Fragebögen zur Erfassung des Ist-Zustandes. Ziel der Interventionsphase ist es, Schwachstellen aufzuzeigen und das Schmerzmanagement zu optimieren.

Erste Ergebnisse: klare Ansagen machen und kommunizieren

Im September 2011 wurden erste Ergebnisse der Auswertungen vorgestellt: „Die Situation der Schmerzpatienten in den untersuchten Einrichtungen ist verbesserungswürdig. So resümierte Professor Dr. Jürgen Osterbrink die bisherigen Datenerhebungen. Der Fokus der ausgewerteten Daten liegt auf den Kliniken und Altenheimen. Erstaunlich ist, dass hier nicht beklagt wird, dass zu wenig Analgetika verordnet werden. Betont wird, dass neben der medikamentösen Schmerztherapie auch nicht-medikamentöse Maßnahmen unerlässlich für eine effektive Schmerztherapie sind. Entscheidend ist, dass die beteiligten Berufsgruppen miteinander kommunizieren und kooperieren.

Professorin Dr. Esther Pogatzki-Zahn, Oberärztin am Universitätsklinikum Münster, ist sich sicher: „Wenn festgelegte Grenzwerte der Schmerzstärke zur Anpassung der Schmerztherapie berücksichtigt werden, können unnötige Schmerzen vermieden werden.“ Erste Optimierungsvorschläge wurden erarbeitet. Diese werden weiter definiert und bei der abschließenden Re-Evaluation überprüft.

Heimbewohner leiden besonders

66 Prozent der befragten Bewohner in Altenheimen gaben an, dass ihre Schmerzen bei Belastung auftreten. Unter einem Ruheschmerz leiden 47 Prozent. Durchschnittlich 51,3 Prozent der Pflegenden befragen die Bewohner zu diesen Schmerzen mindestens einmal pro Schicht. Erstaunlich: nur 18,4 Prozent der Pflegekräfte gaben an, dass für alle oder die meisten Bewohner ein Personen-spezifischer Grenzwert für die Schmerzstärke festgelegt worden ist. Positiv ist natürlich, dass so eine Schwachstelle aufgedeckt und offen gelegt wird.

Befremdlich ist es aber schon, dass solche Basics nicht bereits vor Studienbeginn definiert wurden. Fehlen diese Grundlagen, kann das Pflegepersonal zwar einen Schmerz dokumentieren, aber nicht kurieren. Der Benefit für den Patienten ist dann gleich null.
Nur 42 Prozent der Pflegekräfte verfügen über ärztliche Anweisungen in schriftlicher Form, somit fehlt ihnen die Handlungskompetenz.

Auch waren Analgetika nicht immer vorrätig. Aus den Pannen soll gelernt werden. In allen Heimen soll eine Pain-Nurse etabliert werden. Außerdem werden Pflegekräfte geschult, die sich primär mit den pflegerischen Aspekten der Schmerzversorgung befassen. Gemeinsam mit dem Hausärzteverbund, den Fachärzten und der Apothekerkammer werden Fortbildungen durchgeführt werden.

Klinische Schmerztherapie zeigt weniger Schwächen

Für den Patienten im Krankenhaus stellt sich die Situation besser dar. „Grundsätzlich erhalten Patienten mit postoperativen Schmerzen in den Münsteraner Krankenhäusern eine gute Schmerztherapie“, so das Fazit von Prof. Pogatzki-Zahn. Mit durchschnittlich 1,7 bewerten die Patienten die Qualität der Schmerztherapie. Die Pflegekräfte vergaben die Note 2,31, Stations- und Oberärzte 2,01 und die Anästhesisten die Note 1,96. Nahezu alle Patienten (97,7%) werden postoperativ nach Schmerzen befragt. Die Schmerzen dokumentieren 91,5 Prozent aller Pflegenden und Ärzte.

Auch wenn diese Zahlen positiver im Vergleich zu der Situation in den Heimen erscheint, erstaunt, welche Unkenntnis auch in der Klinik über das WHO-Stufenschema und die Interpretation der Schmerzskala herrscht. Eine Grenzwert zur Anpassung der Schmerztherapie kennen 61,6 Prozent der Anästhesisten, 53,6 Prozent der Pflegenden, und lediglich ein Viertel der Stations- und Oberärzte. Vielfach trauten sich die Ärzte nicht an die Opiate der Stufe II und III ran. Fast die Hälfte der Analgetika rekrutierte sich aus der Gruppe der nicht-opioiden Analgetika. Lediglich 35,2 Prozent der Patienten erhielt Opiatanalgetika der Stufe III, also Wirkstärke 1 (Morphin) und aufwärts.

Gut gemeint, schlecht gemacht

Pflegerisch-schmerzlindernde Maßnahmen wie Umlagern und Bewegen wurde nur bei 13 Prozent der Patienten dokumentiert, und dann vermutlich auch noch schlecht durchgeführt. 80 Prozent der Patienten vergaben für die Qualität und die Effizienz der Maßnahmen die Note „eher schlecht“ oder „schlecht“.

Kritik ist willkommen, aber bitte konstruktiv

Solche Ergebnisse rufen natürlich auch Kritiker auf den Plan. Der Mut und das Engagement der Institutionen darf aber gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sich öffentlich in die Karten gucken zu lassen und seine Fehler einzugestehen, ist anerkennenswert. Aus diesen Fehlern können und müssen nicht nur die beteiligten Institutionen lernen, sondern alle Einrichtungen in Deutschland oder gar Europa.

Ein derartiges Ziel und Versprechen, dass kein Patient über längere Zeit Schmerzen erleiden muss, weckt natürlich Hoffnungen bei den betroffenen Patienten. Und es ruft Kritiker, Skeptiker und sogar Zyniker auf die Bühne. Die Presse berichtet von Patienten aus der Umgebung, denen die Schmerzpraxen in Münster empfohlen werden. Die sind jedoch (Folge des Projektes?) überlaufen und können Patienten erst Termine in vier Monaten anbieten. Hausärzte können die aufwändige Schmerztherapie kaum leisten.

In Münster gibt es zu wenige niedergelassene Schmerztherapeuten, weshalb es zu den langen Wartezeiten kommt. Auf dem Land ist die Situation noch dramatischer. Die schmerztherapeutischen Strukturen sind über Jahrzehnte gewachsen und sind teilweise deutschlandweit desolat. Da kann man nicht erwarten, dass ein im März 2010 gestartetes Projekt innerhalb von so kurzer Zeit eine Heilung des Systems erreicht.

“Im Moment evaluieren wir die Ist-Situation”, kommentierte Stephanie Hemling, Sprecherin der Initiative. Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, lobte die Initiative in höchsten Tönen. Ziel soll es auch sein, die schmerztherapeutische Kompetenz des Hausarztes zu stärken. Auch für den Sprecher und Vorstand des Hausärzteverbunds Dr. Ralf Becker liegen hier Gründe für Kompetenzlücken: „Kenntnisse der Schmerztherapie sind ein wichtiger Bestandteil der ärztlichen Praxis. Eine fundierte Aus- und Weiterbildung ist deshalb unabdinglich“.

Prof. Osterbrink siedelt den Mangel sogar schon im Medizinstudium an: „Schmerzmanagement ist bis heute kein fester Bestandteil des medizinischen Curriculums. Angehende Ärzte können ihre Ausbildung durchlaufen, ohne sich mit dem Thema Schmerztherapie befassen zu müssen“.

Unerträglich mutet da der Zynismus eines Journalisten der Süddeutschen Zeitung an: „Die Kooperation der Kommune mit Pharmafirmen und Apothekenkammern lässt aber nichts Gutes ahnen. Vielleicht werden in der Rüstkammer des Rathauses demnächst säckeweise Schmerzmittel eingelagert, mit denen das übermütige Münsterland sediert und betäubt werden kann“.

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Medizin

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13 Kommentare:

Mitarbeiterin Industrie

Wenn hier über Opiate geschrieben wird, hier meine Erfahrung:
Nach über 15 Jahren mit Menikamenten wie Novalgin, Diclofenac (danach einen Megendurchbruch trotz Omep)Schmerzpflaster, das bei jeder Dusche abging und nicht mehr auf der Haut zu befestigen war, sodaß ein Neues her musste und ich von der Menge des Wirkstoffs, der auf mich einwirkte,
vollkommen wirr war.
Erst nachdem im KH eine Anästhesistin einen Opiattest machte und festlegte, es weden Targin/20/10 gebraucht, die 2x tägl. und bei heftigsten Schmerzeinbrüchen Sevredol, was ich alle 3-4 Mon. evtl. einmal brauche, bin ich wieder ein *normaler* Mensch, kann und darf Auto fahren, kann an Vielem wieder teilnehmen, was mir zuvor versagt war.
Also stimmt es wie oben im Artikel besagt wird:
53% der Anästhesisten …..der Rest? uninformiert?
ODER, will *man* immer noch gg. das *Schmerzgedächtnis* an das ich nicht glaube!! Psychopharmaka einsetzen, die dick und doof machen? Doof in dem Sinne, als das ich durch die Welt lief, *alles ist mir schittegal*, ich habe zwar Schmerzen, aber auch das ist mir egal….
Ich kann nicht verstehen, warum die Angst vor einem Missbrauch der Opiate so gross ist, denn niemand, der sie nehmen muss, nimmt freiwillig mehr….ansonsten wird einem kotzübel…sorry!
Im Übrigen: Der Schmerztherapeut konnte mir nur das Pflaster (Fentanyl) verordnen, auf die Idee mit dem Targin kan er erst gar nicht.

#13 |
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Pflegedienstleitung Sandra Delgado Sanchez
Pflegedienstleitung Sandra Delgado Sanchez

Hallo, ich habe fast täglich mit Schmerzpatienten zu tun. Für diese multiorganische Stoffwechselerkrankung namens M. Fabry sind Schmerzmittel (wenn dieses Symptom akut und/oder chronisch auftritt) und eine Enzymersatztherapie unerlässlich. Hier wird die Erkrankung nach Ihrer Ursache behandelt und begleitend können Schmerzmittel die Lebensqualität der Patienten und seine Familie, die darunter ¿mitleiden¿, verbessert.
Wir als Pflegepersonal sehen unsere Aufgabe darin, unsere Patienten zu motivieren nicht aufzugeben bis die adäquate Schmerztherapie gefunden wird. Das geschieht auf der Basis guter Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegepersonal.
Wer schon mal ein Schmerzpatient betreut hat, der vielleicht andere Organbeeinträchtigungen hat, sollte bitte an diese seltene Erkrankung denken. Einige M. Fabry Patienten kamen ins Zentrum mit folgenden Fehldiagnosen: Rheuma, Fibromyalgie (tender points), beginnender RA (M. Fabry zeigt auch in einigen Fällen eine Erhöhung von CRP oder BSG ohne erkennbarer Entzündungsherd), etc. Weitere Infos über die Erkrankung findet man am besten über das größte Zentrum in Deutschland http://www.villa-metabolica.de unter der Rubrik Schwerpunkte/Lysosomale Speichererkrankungen
Viele Grüße aus Mainz.

#12 |
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Leider hat der ironische Kommentar der SD-Zeitung recht !
Ich addiere : Schmerz ist kein ( abzuschaffender ) Feind des Menschen/Patienten , sondern erfüllt einen – guten – Zweck ! Zum Menschsein gehört der Umgang mit Schmerz , nicht seine Abschaffung durch ein – wie auch iummer begründetes – “Titanendenken” . Zunächst sollte dem Pat. beigebracht werden , daß der Schmerz eine ganz wichtige Funktion hat und erst einmal er selbst ( ! ) – nicht der Arrzt – bei seiner Bewältigung/Linderung ( Abschaffung ist sowieso illusorisch ) die größte Rolle spielt …
Und Methoden dazu gibt es genug …
MIt freundlichen Grüßen
Dr. Hoyme

#11 |
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zu #10 hallo liebe PAIN-NURSE, woher wissen Sie dass ich Ihnen nicht genug Unterstützung und schriftliche Anordnungen zukommen lassen würde?

Offenbar zeigt aber der Kommentar #1,
dass Hausärzte eher ausgeschaltet als integriert werden.
Das ist eher ein Rückschritt.

#10 |
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Fachpfleger Anästhesie/intensivmed. Alois Rackl
Fachpfleger Anästhesie/intensivmed. Alois Rackl

Ich als PAIN-NURSE kenne diese Initiative von Herrn Prof. Osterbrink schon länger und finde diesen Gedanken sehr Gut. Zu Herrn Bayerl muß ich sagen,”Gott bewahre mich von solchen Ärzten”. In dieser Weiterbildung geht es nicht, Opioide freizugeben, es geht darum, Schmerzen einzuschätzen. Nicht medikamentöse Therapien nicht zu Vergessen(Spiegeltherpie.Beschäftigungsth. therm.Therpie,TENS, usw) und als Team mit dem Arzt eine erträgliche Situation für den Patienten zu schaffen!

#9 |
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” Auf andere Erkrankungen lässt sich so ein Ziel sicherlich nicht übertragen.”

Das ist natürlich FALSCH, ebenso wie die Idealisierung dieses Ziels, das in unserer Zeit offenbar wichtiger ist als die Gesundheit selbst.
Unzureichende Ernährung als Krankheitsquelle gerade auch im Alter wäre ein Beispiel.

“Kritik ist willkommen, aber bitte konstruktiv”
das wird, wie so oft auch in diesem Beitrag NICHT eingehalten.

Die “Freigabe” der Opiate, die ich durchaus für sehr nützlich halte,
für Nicht-Ärzte ist imho ein GROßER Fehler.

Ich bin der Grundüberzeugung, dass unsere “medizinische Therapiekultur” bzw. der kulturelle Umgang mit Gesundheitsproblemen ein EINDEUTIGE medikamentöse Schlagseite hat,
also eher schon zu viel an Pharmakologie, nicht zu wenig.

frohe Festtage.

#8 |
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Norbert Bursch
Norbert Bursch

Herr Bastigkeit, Sie schreiben doch sonst so differenziert! Ebenso, wie Krebs nicht immer heilbar ist, verhält es sich mit chronischem Schmerz. Das ausgerufene “Menschenrecht auf Schmerzfreiheit” ist ebensowenig erreichbar wie ein Recht auf Gesundheit. Wie bei jeder chronischen Erkrankung kann es nur darum gehen, eine Art Remission zu erreichen, Progression zu verhindern, Krankheitsbewältigung zu optimieren. Wer das nicht verstanden hat, läuft sehr wohl Gefahr, seinen Patienten in die Sucht abgleiten zu lassen – denn auch bei Opioiden gilt nicht “viel hilft viel”.
Während tatsächlich ein Teil der Patienten unterversorgt ist, begegnen mir viel zu häufig Nichttumor-Patienten, die mit >1g/d(Gramm!) Morphinäquivalent “versorgt” sind, nicht schmerzfrei sind, herumlaufen wie Zombies und von diversen UAW geplagt sind. Das kann’s auch nicht sein.
Also: Differenzierte Schmerztherapie ist bei chronischem Schmerz gefragt – beim akuten Schmerz übrigens auch.

#7 |
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Pharmakritik ist bei Schmerzen kaum angebracht, zeigt Unwissen oder Pseudowissen auf. Allerdings ist es um den für eine sichere Therapie nötigen pharmakologischen Wissensstand bei den Kollegen/innen leider allzuhäufig mager bestellt! Ausbildungsvermittelte Grundlagen fehlen oft – bei vorsichtigem Umgang mit Pharmavertretern können diese Auskunft über die Pharmakologie der Präparate geben und sie tun dies auch – da ist dann Pharmazie-Bashing fehl am Platz! Man kann von den Vertretern auch lernen…..

#6 |
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Die Regel sollte die Beseitigung der Schmerz-URSACHE sein,
nicht die Ausnahme.

mfG

#5 |
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Unternehmensberater

Hallo
Das klingt alles sehr gut, und wer meldet sich dazu,…die Ärzte, die schon wieder klagen, und nicht der Schmerz-gepeinigte Patient, so wie ich zum Beispiel! Ich finde es gut das es neue Denkweisen dazu gibt und dem Schmerz der Kampf angezeigt wird, denn warum soll man Leiden, so wie ich mit meiner Polyneuropathie der Füße?!
Für mich gibt es auch noch kein richtiges Mittel, bin gerade beim Schmerzpflaster mit 8 % Chilli angelangt, das nun meine Füße mehr Schmerzen wie vorher!
Mal sehen was noch in meinem Fall passiert.
Liebe Grüße und Frohe Ostern.
Mihajlo

#4 |
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Das klingt leider sehr Medikamenten orientiert! Als Nervenaerztin Psychotherateutin und Feldenkraispaedagogin weis ich das schmerz nicht uber ausfuellen von Schmerzformularen und nur zum Til durch Mdikamente
verringert werden kann.Eigentlich trivial:ber Koerper Seele Geist gehoeren zusammen und muessen so verstanden und behandelt werden

#3 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Ganz ehrlich – armes Deutschland! Wir ersticken in Formularen und Vorschriften, es muss gespart werden auf Teufel komm raus, ein Wust aus Datenschutz – und wo bleibt bei uns die Menschlichkeit für Patienten/Heimbewohner und auch Pflegekräfte? Wie gesagt: armes Deutschland!

#2 |
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Es geht gar nicht nur um die ausreichende Verordnung von Schmerzmitteln. Es geht auch darum, daß das Pflegepersonal denn dann auch die Bedarfsmedikation verabreichen muß – hier beiße ich meist auf Granit, hier wird eine feste Dosierung gewünscht, alles andere sei “nicht praktikabel”. Es geht auch darum, daß bei der häuslichen Pflege die Lagerung auch durchgeführt wird, und zwar erst recht, wenn pflegende Angehörige, wie z.B. eine über 80jährige Ehefrau, den “Opa” nicht selbst lagern können. Hier beiße ich ebenfalls auf Granit, denn das sei “nicht machbar, weil nicht bezahlbar”. Letzteres ist richtig, keine Pflegekraft kann 6x täglich einen Hausbesuch machen. Dann geht es darum, daß der Hausarzt auch Berichte erhält – seit letzten Sommer gibt es das kaum noch, weil die Patienten allen Fachärzten schriftlich erlauben müssen, daß er an den überweisenden Arzt einen Bericht schreibt – wer hat sich diesen Quatsch nur ausgedacht? Hier laufen jetzt keine Informationen mehr in der Praxis zusammen, hier kann nicht mehr koordiniert werden. Hier wird schmerztherapeutisch rumgehampelt mit Maßnahmen, die sich nicht unbedingt vertragen oder sich in ihrer Wirkung widersprechen; nur der Patient weiß es nicht und wundert sich nur, daß es nix wird. Wenn uns Hausärzten das alles so aus der Hand genommen wird bzw. torpediert wird, wie sollen wir da unsere Patienten angemessen versorgen?

#1 |
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