Antibiotika-Verordnungen: Der ewige Tanz

24. Oktober 2014
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Sinkende Packungszahlen, geringere Dosen, unveränderte Patientenzahlen – so das Resümee einer Studie über Antibiotikaverordnungen. Bei Kindern und Senioren üben Ärzte deutlich mehr Zurückhaltung. Patienten zwischen 14 und 69 Jahren erhalten aber immer noch zu viele Verordnungen.

Antibiotika in der Humanmedizin gelten als Risikofaktor für bakterielle Resistenzen. Jetzt haben Forscher des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) Resultate einer neuen Studie veröffentlicht. Sie untersuchten Arzneiverordnungen aller 17 kassenärztlichen Vereinigungen. Dabei erfassten sie Patientenzahlen, definierte Tagesdosen (DDD) und Packungszahlen.

Wenig Anlass zur Freude

Ihr Resultat: Hinsichtlich der Packungszahlen und der Tagesdosen gab es einen deutlichen Trend nach unten, bei den Patientenzahlen waren entsprechende Tendenzen schwächer ausgeprägt. Eine Detailanalyse zeigte deutliche Unterschiede je nach Altersgruppe. Bei Kindern bis 14 und bei Senioren ab 70 sind Ärzte deutlich vorsichtiger geworden. Patienten zwischen 15 und 69 erhalten unverändert viele Antibiotika. Die Forscher kritisieren: „Es besteht in diesem Segment bei bestimmten Infektionskrankheiten aber noch viel Spielraum nach unten, wenn leitliniengerechter behandelt würde.“ Bei viralen Infektionen zücken Mediziner immer noch zu häufig ihren Rezeptblock – ohne Mehrwert für Erkrankte. Hinsichtlich der regionalen Verteilung lag das Saarland mit etwa 35 Prozent an der Spitze, während es in Brandenburg nur 25 Prozent waren. Im Bundesdurchschnitt erhielten rund 30 Prozent ein Antibiotikum verordnet.

Aus der Reserve gelockt

Versorgungsforscher stolperten nicht nur über Häufigkeiten. Sie fanden heraus, dass Ärzte viel zu oft Breitspektrumantibiotika verordnen – ohne erkennbare Not. Entsprechende Pharmaka begünstigen die Selektion multiresistenter Erreger. Bei Kindern handelt es sich um Cephalosporine, gefolgt von Penicillinen. Sie selektieren multiresistenter Erreger gramnegativer Natur. Senioren erhielten eher Fluorchinolone – Substanzen, die mit Clostridium-difficile-Infektionen in Verbindung gebracht werden.

Erste Früchte

Bleibt als Fazit, dass die deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) zwar erste Früchte trägt. Bei Risikogruppen gibt es noch beträchtlichen Nachholbedarf. Apotheker fordern Ärzte schon länger auf, sich bei Verordnungen an Leitlinien zu orientieren.

7 Wertungen (4.57 ø)

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1 Kommentar:

Arzt
Arzt

Von “Nachholbedarf” kann wirklich nur ein kompletter Laie sprechen, liebe doccheck-Redaktion.
Ziel jeder Heilmaßnahme kann nur die Gesundheit von Patienten sein.
Sie sollten daher erst einen Arzt fragen.
Fragen Sie dabei auch bitte, wie lange es dauert, bis ein Antibiogramm vorliegt und noch wichtiger bei dem permanenten GKV-Trommefeuer gegen Antibiotika, wieviel das Antibiogramm kostet!!! Das ist DAS MEHRFACHE des Preises für Antibiotika!!!
Für den Arzt im Vordergrund steht aber er kann nicht warten z.B. bei einer kindlichen Mittelohrvereiterung, er muss SOFORT handeln.
Alte Menschen dürfen auch vermehrt sterben wegen zu spät behandelter Pneumonie oder halbherzig behandeltem Harnwegsinfekt mit Sepsis.
Das ist die Kehrseite,
die der Journalist eigentlich kennen sollte.
Ein Blick in “Entwicklungsländer” reicht.

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