Benigne Tumore: ARMC5-Mutation im Visier

14. Oktober 2014
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Forscher haben durch eine Studie herausgefunden, dass Mutationen in einem als „ARMC5“ bezeichneten Gen die Entstehung benigner Tumore in den Nebennieren und an den Hirnhäuten fördern könnten: ARMC5 scheint somit der Gruppe der Tumorsuppressorgene anzugehören.

Das ARMC5-Gen wurde von unabhängigen Arbeitsgruppen bei der Untersuchung benigner Tumore – der Nebennierenrinden-Adenome – im Zusammenhang mit dem Cushing-Syndrom entdeckt. Nun konnte eine Mutation von ARMC5 erstmals auch als ursächlich für die Entstehung von Tumoren der Hirnhaut beschrieben werden.

Die Suche nach Ursachen des Cushing-Syndroms

Die Ergebnisse zu diesem Tumor-Syndrom hat das Team um Dr. Patrick May und Dr. Jochen G. Schneider gemeinsam mit Kollegen von der Berliner Charité (Dr. Ulf Elbelt) sowie den Universitäten Würzburg (Prof. Dr. Bruno Allolio) und Köln (Dr. Michael Kloth) erarbeitet.

Bei der Suche nach Ursachen des Cushing-Syndroms sind Wissenschaftler vor kurzem auf genetische Ursachen benigner Tumore der Nebennierenrinde gestoßen. Das Wachstum dieser Nebennierenrinden-Adenome basiert auf einer Kombination aus erblichen und spontanen Mutationen: Betroffen sind Menschen, bei denen eines von zwei Allelen des ARMC5-Gens von Geburt an mutiert ist.

ARMC5 verliert Funktion durch spontane Mutation

Kommt es in der Nebennierenrinde spontan zur Mutation auch des zweiten Alles von ARMC5, verliert das Gen seine Funktion. „Interessant ist, dass der Ausfall von ARMC5 keinen unmittelbaren Einfluss auf die Cortisol-Produktion hat. Da sich die Tumorzellen aber schneller als andere Körperzellen vermehren und die Zellenzahl im Tumor steigt, nimmt im Verlauf der Erkrankung die Cortisol-Konzentration im Blut zu“, so Schneider. Die Folge: Der Cortisol-Spiegel im Körper steigt, und es kommt zum Ausbruch des Cushing-Syndroms.

Nachdem andere wissenschaftliche Arbeitsgruppen festgestellt hatten, dass auch weitere benigner Tumore – in diesem Fall Tumore der Hirnhäute – vermehrt in ARMC5-Cushing-Familien vorkommen, hat das Team um May und Schneider das ARMC5-Gen sequenziert und mit Techniken der Bioinformatik untersucht.

ARMC5 ein echtes Tumorsuppresor-Gen?

„Wir konnten erstmals nachweisen, dass bei einem Patienten mit Nebennierenrindentumor und gleichzeitigem Tumor der Hirnhaut in beiden Tumoren somatische, also nicht vererbte ARMC5-Mutationen vorhanden sind. Diese Beobachtung legt den Schluss nahe, dass es sich bei ARMC5 um ein echtes Tumorsuppressorgen handelt.“

Nun, so Schneider weiter, müsse geklärt werden, in welchem Maße bei Patienten mit Nebennierenrindentumoren auf das gleichzeitige Vorliegen von Meningeomen gescreent werden muss und bei welchen anderen Tumorarten ARMC5-Mutationen die Ursache für ein Tumorwachstum sind: „Darauf aufbauend kann dann geklärt werden, ob das Gen und die von ihm beeinflussten Stoffwechselwege neue Ansätze für eine Therapie des Tumor-Syndroms bieten.“

Originalpublikation:

Molecular and Clinical Evidence for an ARMC5 Tumor Syndrome: Concurrent Inactivating Germline and Somatic Mutations are Associated with both Primary Macronodular Adrenal Hyperplasia and Meningioma
Jochen G. Schneider et al.; The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, doi: 10.1210/jc.2014-2648; 2014

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