PTBS: Die Soldatenkrankheit

11. April 2012
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Die Bundeswehr schützt unser Land und sorgt für Frieden. Wahre Helden, die für unser Land kämpfen. Was aber der Öffentlichkeit verborgen bleibt: die gebrochenen Seelen der Helden. Oder anders: Das Posttraumatische Belastungssyndrom.

Jeder wird sich an typische Bilder aus den Nachrichten erinnern können: Bundeswehrsoldaten tragen verwundete Kinder aus den Trümmern oder unterstützen junge afghanische Polizisten bei der Sicherung ihres Landes. Auf diesen Bildern begegnen wir tapferen Helden, die uns allen auf den Schlachtfeldern dieser Welt den Rücken frei halten, während wir gemütlich mit der Familie Ostern feiern. Dies ist aber nur eine die Seite der Medaille: Was passiert mit den uniformierten Menschen nach einem Attentat? Können sie in ihr früheres Leben zurück kehren? Erhalten Sie eine ausreichende finanzielle Unterstützung? Werden sie im Falle von schweren Verletzungen medizinisch versorgt? Diese Fragen lassen sich wohl nicht ganz eindeutig beantworten, da jeder Betroffene seine Betreuung auf eigene subjektive Weise erlebt. Eines liegt aber auf der Hand: Die negativen Folgen von Afghanistan und Co werden hier zu Lande in der Öffentlichkeit gerne unter den Teppich gekehrt.

Anschlag auf den inneren Frieden

Ein gutes Beispiel für diese negativen Folgen sind traumatisierte Rückkehrer aus Afghanistan. Die Bilder während der Einsätze scheinen wie festgebrannt in den Köpfen der Helden und lassen sich auch in den heimischen Wänden im schlimmsten Fall nie wieder löschen. Blutende Kameraden, tote Freunde, sterbende und hungernde Kinder. Je nach Aufgabe und Einsatzort bekommen deutsche Soldaten die vollen Grausamkeiten des Krieges zu spüren. Ideale aus unbeschwerten Zeiten vor dem Erlebten verblassen schnell, der seelische Frieden scheint auf immer gefährdet. Denn neben körperlichen Schäden durch Schusswunden oder Verbrennungen bleibt auch die Psyche nicht unversehrt. Immer mehr Rückkehrer und Veteranen leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder anderen psychosomatischen Erkrankungen, die meist nur unzureichend anerkannt und behandelt werden.

Hohe Dunkelziffern!

Obgleich es immer mehr Betroffene gibt, die zu ihren psychischen Erkrankungen stehen und den Schritt in die Öffentlichkeit wagen, vermuten Experten eine unfassbar hohe Dunkelziffer. So wird die Anzahl ehemaliger Soldaten mit einer nicht oder nur unzureichend behandelten Posttraumatischen Belastungsstörung auf etwa 20.000 geschätzt. Denkt man dabei jetzt an ein einzelnes Schicksal und die teils schwerwiegenden Konsequenzen für das gesamte soziale Umfeld des Veteranen, scheint diese Hausnummer noch viel dramatischer. Die Posttraumatische Belastungsstörung zählt zu den psychischen Erkrankungen und kann sich durch unterschiedliche psychische und psychosomatische Beschwerden äußern. Gefühle von Hilflosigkeit, persistierende Ängste und Depressionen zählen zu den häufigsten Symptomen. Die Posttraumatische Belastungsstörung tritt meist in Folge eines traumatisierenden Ereignisses mit einer Latenz von etwa 6 Monaten auf. Auslösende Ereignisse zeichnen sich dabei vor allem durch ihre katastrophalen Ausmaße und den Aspekt der Gefährdung der eigenen Person aus. So leiden nicht nur Soldaten und Kriegsopfer besonders häufig unter dieser Störung. Auch Zivilisten, die Zeuge einer Naturkatastrophe geworden sind, oder Gewaltopfer können betroffen sein.

Lichtblick Trauma-Zentrum

Seit die ersten „Opfer“ mit ihrer jeweiligen Geschichte in die Öffentlichkeit gegangen sind, konnte die Bundesregierung nicht länger ihre Augen verschließen und hat unter Zugzwang erste Hilfsprogramme ins Leben gerufen. So gibt es im Bundeswehrkrankenhaus Berlin seit 2010 ein spezialisiertes Trauma-Zentrum, in dem betroffene Soldaten behandelt und langfristig psychiatrisch betreut werden können. Parallel zu der kompetenten Versorgung durch Psychiater und Psychologen zählt auch die Forschung zu den Hauptaufgaben des noch jungen Therapiezentrums. Die im Rahmen der Behandlung gewonnenen Erkenntnisse sollen dabei helfen, neue Therapien zu entwickeln und bereits standardisierte Verfahren zu optimieren. Sicher ein guter Anfang, um gegen die allgemeine Ignoranz dieses Tabuthemas anzukämpfen und unseren Helden dabei zu helfen, wieder alptraumfrei zu schlafen.

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