Mütterliche Fürsorge: Rezeptortyp als Stressfaktor?

13. Oktober 2014
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Stress führt bei Rattenmüttern dazu, dass diese den Kontakt zum Nachwuchs verringern oder ihn sogar ganz vernachlässigen. Dies haben Wissenschaftler nun durch eine Studie aufzeigen können. Für diese Verhaltensänderung sei ein Stresshormon verantwortlich.

Stefanie Klampfl und Dr. Oliver Bosch vom Institut für Zoologie, Universität Regensburg, konnten in ihrer Studie zeigen, dass eine Aktivierung der RezeptorenProteine, die eine Signalübertragung auslösen – durch das Stresshormon CRF (Corticotropin-Releasing Factor) zu einer Verhaltensänderung führt. Rattenmütter haben daraufhin eine geringere Motivation, ihre Jungen zu säugen und diese gegen einen potentiell gefährlichen Eindringling zu verteidigen. Dafür verantwortlich scheint vor allen Dingen der sogenannte Rezeptortyp CRF-R2 zu sein, der zudem gemeinsam mit dem Rezeptortyp CRF-R1 auch die Ängstlichkeit der Rattenmütter erhöht.

Vernachlässigung des Nachwuchs durch Störung?

Die Untersuchung von Klampfl verdeutlicht im Umkehrschluss, dass diese Rezeptoren kaum aktiviert sein dürfen, damit sich eine Mutter fürsorglich um ihren Nachwuchs kümmern kann. Während dies bei den meisten Müttern der Fall ist, kann vermutet werden, dass bei Frauen, die zum Beispiel an Wochenbettdepression leiden und dadurch möglicherweise ihren Nachwuchs vernachlässigen, eine Störung des CRF-Systems im Gehirn vorliegt. Bis jetzt wurden die Ursachen solcher affektiven Erkrankungen allerdings kaum untersucht.

Die Arbeitsgruppe von Bosch wird nun die komplexe Rolle von CRF im Zusammenhang mit mütterlicher Fürsorge im Detail untersuchen. Im Fokus des neuen Forschungsprojekts steht vor diesem Hintergrund eine vielschichtige Gehirnregion namens Bed Nucleus der Stria Terminalis (BNST), welche sowohl für mütterliches Verhalten als auch für Emotionen wie Angst eine große Rolle spielt. Darüber hinaus ist ein Teil dieser Gehirnregion direkt in die Stressverarbeitung eingebunden.

Durch Manipulation mütterliche Fürsorge beeinflussen

Ziel der Forscher ist es, durch gezielte Manipulation des CRF-Systems schlechte mütterliche Fürsorge zu verhindern. Es soll zudem geklärt werden, welche natürlichen Regulationsmechanismen im Gehirn von Müttern dafür verantwortlich sind, eine erhöhte Aktivität des CRF-Systems unter normalen Umständen zu unterdrücken und somit eine Vernachlässigung der Nachkommen zu verhindern.

Originalpublikation:

Hypoactivation of CRF Receptors, Predominantly Type 2, in the Medial-Posterior BNST Is Vital for Adequate Maternal Behavior in Lactating Rats
Stefanie Klampfl et al.; The Journal of Neuroscience, doi: 10.1523/JNEUROSCI.4220-13.2014; 2014

18 Wertungen (4.89 ø)

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6 Kommentare:

U. Naumann, Pharm.Ing.
U. Naumann, Pharm.Ing.

Sehr geehrte Frau Behrens,
im Normalfall halte ich mich mehr zurück, aber Frauen und Mütter als dumm darzustellen, die ihrem Beruf (vielleicht sogar noch gern) nachgehen und ihre Kinder von Fremden betreuen lassen, finde ich anmaßend. Ich habe vier “fremdbetreute” Kinder, die weder entwurzelt noch bindungsunfähig sind. Die gemeinsamen Erlebnisse mit Gleichaltrigen in der Gruppe kann keine noch so gute Mutter ersetzen, außerdem gingen alle vier gern in den Kindergarten, denn die “fremden” Betreuerinnen waren nur in den ersten Tagen fremd. Es herrscht dort nach wie vor ein herzlicher Umgang miteinander; sie wurden nicht nur verwahrt, sondern altersgemäß gefordert und gefördert. Viel problematischer finde ich es, wenn kleine Prinzen und Prinzessinnen sich mit dem Schuleintritt daran gewöhnen müssen, dass sich nicht alles um sie dreht. Im Übrigen gehe ich meiner Arbeit, wenn auch nur 20h/Wo., gerne nach, auch mit Renteneinbußen. Den Rest der Zeit widme ich den Kindern, die ihre “mutterfreie” Zeit auch genießen können, wie sie mir unlängst erklärten, als es um die Betreuung in den Ferien ging. Das Thema “Gleichberechtigung” lasse ich mal außen vor, das ist zu umfangreich und gehört hier nicht unbedingt hin.

#6 |
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Heilpraktikerin

Ja, genau, Claudia Behrens, jedoch sehe ich nicht so richtig den Ausweg aus dem Dilemma. Wer zuhause bleibt um seine Kinder zu erziehen, hat in der Regel später keine Rente mit der man existieren könnte. Die Absicherung muss dann zwingend über den Partner laufen, was dann natürlicherweise mit einer gewissen Abhängigkeit einhergeht. Ist kein Partner da, geht es kaum anders, als sofort wieder arbeiten zu gehen. Würde ein Müttergehalt eingeführt, gingen die Diskussionen einerseits um “Herdprämie”, andererseits mit Sicherheit auch in die Richtung von “Kinder sind Privatvergnügen” und “dafür soll ich zahlen, dass die sich ‘nen schönen Tag macht?” Ich habe es auch abgelehnt, meine Kinder ganztags in einer seelen- und lieblosen Betreuung unter zu bringen, weiß jedoch auch keine optimale Lösung für die angesprochene Problematik. Klar ist nur, dass jede Entscheidung, die man trifft, sowohl positive als auch negative Konsequenzen hat. Deshalb ist es um so wichtiger, bewusst eigene Wege zu gehen und keine vorgefertigten Meinungen zu übernehmen oder temporärem Zeitgeist zu folgen.
Grüße
Simone Pfaue
Heilpraktikerin für Psychotherapie

#5 |
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heilpraktikerin Claudia Behrens
heilpraktikerin Claudia Behrens

Bindungsstörungen von Eltern und Kindern wo man hinsieht.
Wenn Kinder von Fremden in Gruppen erzogen werden entsteht keine Bindung
an die Mutter und den Vater.
Anscheinend vom Staat so gewollt.
Entwurzelte und nicht Bindungsfähige Menschen kann man besser steuern.
Und durch den Genderismus haben Frauen und Mütter ihre eigenen Werte
verloren.Sie funktionieren gut in der Männerwelt.Und glauben noch sie wären
Gleichberechtigt.Frauen und Mütter,wie dumm seit ihr geworden.

13.Oktober 2014

#4 |
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Dr. Christina Schlumbohm
Dr. Christina Schlumbohm

Bei der Untersuchung geht es um die hormonell gesteuerte Säugezeit bei der Ratte, während bei Menschen der Zeitraum der Säuglingsperiode nur einen kleinen Teil der Periode der Fürsorge für den Nachwuchs darstellt.
Stress hat erwiesenermaßen einen negativen Einfluss auf die Milchproduktion. Wenn die Milch sich dann nicht mehr unangenehm im Gesäuge staut, wird die Rattenmutter evt. später zu ihren Jungen zurückkehren. Ist das dann Vernachlässigung?
Ich habe starke Zweifel, ob die Ratte ein gutes Modell für die mütterliche Fürsorge bei Primaten insbesondere bei humanen Primaten ist. Die Unterschiede sind immens.

#3 |
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Ärztin

Ergänzung: wie wir Frühgeburten und entwicklungstraumatisierte Kinder verhindern, und wie gut das für unsere dissoziierte Gesellschaft wäre, wenn wir mal mit so etwas sinnvollem anfangen würden, anstatt Ratten zu quälen

#2 |
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Ärztin

Das geht doch alles garnicht. Da Mutter sein in Würde fast nirgendwo mehr möglich ist, könnte sich eine so reiche Gesellschaft einfach mal überlegen, wie Frühgeburten und entwicklungstraumatisierte Kinder durch Zeit, Ruhe und Unterstützung ihr selbst gut täte….

#1 |
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