MRSA und das Maßnahmen-Märchen

30. Oktober 2014
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In Deutschlands Krankenhäusern gehören das mikrobiologische Screening und die Isolierung von Patienten zu den gängigen Maßnahmen, um die weitere Übertragung von MRSA zu verhindern. Wie eine aktuelle Studie zeigt, sollte diese Strategie reformiert werden.

MRSA gilt als Prototyp eines Bakteriums, gegen das mehrere Antibiotika keine Wirkung zeigen. Es findet sich in Krankenhäusern überdurchschnittlich häufig bei Patienten auf Intensivstationen. In den vergangenen Jahren versuchte man die Ausbreitung von MRSA durch ein Bündel von Maßnahmen zu verhindern. Dazu gehören die gründliche Desinfektion der Hände von Pflegekräften und Ärzten, das Tragen von Schutzkleidung und Masken, tägliche Ganzkörperwaschungen der Patienten, gezielte Screening-Untersuchungen bestimmter Patientengruppen sowie die Isolation der MRSA-positiven Patienten.

Obwohl die Häufigkeit von MRSA in deutschen Krankenhäusern seit einigen Jahren zurückgeht, bleibt unklar, welche der oben genannten Maßnahmen für diese erfreuliche Entwicklung verantwortlich ist. Wissenschaftler der Unikliniken Köln und Genf haben deshalb die bisherige Praxis im Umgang mit MRSA überprüft. Wie Prof. Gerd Fätkenheuer und seine Kollegen in der Fachzeitschrift The Lancet bekannt gaben, fehlen für viele der gegenwärtigen Empfehlungen evidenzbasierte Daten. „Zum Beispiel existiert überhaupt keine Studie, die belegen würde, dass das Tragen von Gesichtsmasken einen positiven Effekt hat“, sagt Fätkenheuer, Oberarzt mit Schwerpunkt Klinische Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln.

Isolation wirkt sich negativ auf Patienten aus

In der neuen Untersuchung haben die Wissenschaftler alle aussagekräftigen Studien zu diesem Thema unter die Lupe genommen und einer kritischen Bewertung unterzogen. Besondere Berücksichtigung fanden dabei prospektive Studien mit großer Patientenzahl. Es zeigte sich, dass das Screening von Patienten und die anschließende Isolation von MRSA-Trägern viel weniger effektiv waren als gedacht. „Die bisherige Praxis muss in Frage gestellt werden, denn aufgrund dieser Ergebnisse kann man deutschen Krankenhäusern Screening und Isolation als Maßnahmen gegen die Ausbreitung von MRSA nicht vorschreiben“, sagt Fätkenheuer. „Die Isolation von Patienten mit MRSA scheint sogar negative Auswirkungen auf deren medizinische Versorgung zu haben.“ Viele Ärzte, so Fätkenheuer, suchten solche Patienten seltener auf, insbesondere, wenn sie in Eile wären und keine Zeit hätten, die aufwändigen Schutzmaßnahmen zu treffen.

In ihrer Analyse kommen Fätkenheuer und seine Kollegen zum Ergebnis, dass eine sorgfältige Desinfektion der Hände und die Dekolonisierungsbehandlung von Risikopatienten die wirksamsten Methoden zur Eindämmung von MRSA sind. „Auch wenn die Wirksamkeit dieser Maßnahmen noch nicht so untersucht wurde, wie wir uns das wünschen, ist hier die Beweislage eindeutig am besten“, sagt Fätkenheuer. „Die Ergebnisse einiger Studien weisen sogar darauf hin, dass diese beiden Basismaßnahmen ausreichend sind und zusätzliches Screenen und Isolieren die Übertragungsraten von MRSA im Krankenhaus nicht weiter verringern.“

Allgemeine Hygienemaßnahmen schützen vor allen Erregern

Bei der sogenannten Dekolonisierung werden Nasenschleimhaut und die gesamte Haut des Patienten mit antiseptischen Mitteln behandelt. Dadurch verschwinden häufig nicht nur MRSA-Stämme, sondern auch seine nicht resistenten Verwandten, die viel häufiger vorkommen und genauso gefährlich sind. „Findet die Dekolonisierung nicht statt oder treten bei der Behandlung Fehler auf, kann Staphylococcus aureus bei einer Operation von der Haut in die Wunde übertreten und schwere Infektionen auslösen“, sagt Fätkenheuer.

Er kritisiert, dass in Deutschlands Krankenhäusern das Augenmerk hauptsächlich auf MRSA gelegt und Infektionen mit sensitiven Varianten des Erregers zu wenig Beachtung finden. „Wir fokussieren uns auf die falschen Maßnahmen, dabei gilt es, die Hygiene allgemein zu stärken, dann können wir alle potenziellen Infektionen mit Staphylococcus aureus besser angehen, egal ob die Erreger resistent gegen Antibiotika sind oder nicht“, sagt Fätkenheuer.

Er und seine Kollegen ziehen mit ihrer Untersuchung die derzeit gültigen Empfehlungen in Zweifel und fordern ein Vorgehen, das nicht nur einen einzelnen Erreger in den Vordergrund rückt, sondern Hygienemaßnahmen allgemein verbessert und damit auch vor weiteren gefährlichen Bakterien schützt. 
„Letztendlich müssten Maßnahmen zum Infektionsschutz viel stärker daran gemessen werden, wie gut ihr Nutzen belegt ist“, findet Fätkenheuer. „Für andere medizinische Bereiche wie die Arzneimitteltherapie ist das seit langem eine Selbstverständlichkeit.“

Experten fordern maßvolles Vorgehen

Der Kölner Mediziner steht mit seinen Ansichten nicht alleine da: „Die Veröffentlichung kommt zum richtigen Zeitpunkt und bringt die Dinge auf den Punkt“, sagt Prof. Markus Dettenkofer, Leiter der Sektion Krankenhaushygiene am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg. „Wir dürfen MRSA-positive Patienten nicht behandeln, als ob sie fast die Pest hätten.“ Stattdessen, so Dettenkofer, sei ein maßvolles Vorgehen angebracht. Übertragungen von und Infektionen mit MRSA ließen sich am besten durch rationalen Antibiotikaeinsatz, gute Basishygiene und eine gründliche Dekolonisierung der Risikopatienten verhindern.

144 Wertungen (4.46 ø)

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35 Kommentare:

Gast
Gast

Man könnte ja mal zur Abwechslung eine Arzt zum Gesundheitsminister machen

#35 |
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zu #33:

… und dies, Herr Kollege “Gast”, ist die von mir regelmäßig festgestellte Realität, in der Pflege- und ärztliches Personal arbeiten muss.
Wäre es da nicht sinnvoller, nicht weiter die Augen zu verschließen und auf die Einführung eines Impstoffes zu verweisen. Sollten wir nicht eher darauf dringen, wieder für eine fachlich notwendige Arbeitsumgebung mit einem dann auch möglichen Hygienestandard zu sorgen ?

#34 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Alltag auf einer normalen internistischen Station: Im Spätdienst 2 Schwestern und ein Schüler, Aufnahmen, späte Visiten, Telefon ununterbrochen, in mehreren Isolierzimmern jeweils ein multimorbider oft sehr deprimierter, verunsicherter oder verwirrter Patient. Der Nachtdienst ist alleine. Antibiotika überall, Clostridien überall, dazu Krebs, Dialyse, Sucht, Sterben, Demenz, Immunschwäche, … Hauptsache keine leeren Betten !!!

#33 |
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zu #30:

Sehr geehrter “Gast”,

gibt es Gründe, warum Sie an diesem kollegialen Austausch nur unter einem Pseudonym teilnehmen? Sie haben doch offensichtlich viel Interessantes mitzuteilen.
Aber zum Thema:
Natürlich ist es immer sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, als Angehöriger einen ausschließlich fachlich-distanzierten Standpunkt einzunehmen. Bei der Beschreibung von Hygienemängeln, die ich in mehreren Krankenhäuser, (inkl. Universitätsklinik) auf mehreren Stationen selbst miterlebt habe, kann ich Ihnen garantieren, dass ich mich “nicht zu solchen Sätzen hinreißen lassen” musste. Und ich würde diese Ihre wohlmeinende Empfehlung auch nur akzeptieren, wenn Sie den aktuellen Hygienestandard und den Ausbildungs- und Kenntnisstand bezüglich hygienischen Grundwissens bei allen in der Pflege Tätigen, also auch allen Hilfskräften, die Isolierzimmer betreten, als ausreichend einstufen würden. Allerdings würde ich dann auch darauf bestehen, dass Sie sich mehrere Tage im Nebenzimmer einquartieren und “pflegen” lassen.

Ich bleibe dabei: Es gibt erhebliche Defizite und sie werden m.A. nicht unerheblich durch die Kommerzialisierung und den Kostendruck in den Kliniken erzeugt.

#32 |
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Dr. Christine Lachmann
Dr. Christine Lachmann

Wer macht endlich etwas gegen die sogenannte Metaphylaxe bei Turboferkeln usw Amoxicillin Clävulansäure und sonst noch alles Hauptsache billig

#31 |
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Gast
Gast

zu @#29 bei allem Mitgefühl sollten Sie sich nicht zu solchen Sätzen hinreißen lassen wie das angebliche Fehlen von hyg. Grundwissen.
Staphylokokkensepsis ist selbstverständlich bei der sehr sehr ausführlichen Todesursachenstatistik enthalten mit 706 Todesfällen (TF) 2012,
ganz sicher überwiegend MRSA, man lässt Sepsis ja nicht unbehandelt,
verglichen mit z.B. mit 210 TF durch Noro-Virus, oder 711 bei Hepatitis C
und noch eindrucksvoller 2250 TF bei der toxischen Enterocolotis durch clostridium dificile, was auch indirekt mit Antibiotika-Einsatz zu tun hat.
Selbstverständlich gibt es darüber hinaus noch mehr Mischinfekte mit Sepsis- und Enterokolitis, die nicht genau typisiert wurden oder werden konnten als Todesursache 2012.

Die KOLONISIERUNG von MRSA vor allem im Nichtkrankenhaus-Privatleben ohne Krankheitssymptome ist allerdings ein Sonderproblem, bei der die Tierwelt, auch Hund und Katze (nach RKI 2-stellig!!!) eine Rolle spielt, die noch zu sehr tabuisiert wird. In manchen Fleischsorten liegen wir schon bei 50%!!! Wie wollen Sie das bitte vom Krankenhaus fernhalten?
Zudem hat ein MRSA-Krankenhaus-Meldenetz mit vielen Beteiligten bereits zur Abnahme der Häufigkeit geführt, was allerdings noch kein “Durchbruch” sein kann.
Fortschritte sind möglich, durch die früher sehr teure, jetzt vereinfachte “spa-Typisierung”, um Quelle und Verbreitungswege überhaupt genau verfolgen zu können. Es gibt hier jedenfalls sehr dramatischer Veränderungen in rel. wenigen Jahren. Diese Staphylokokken beschränken sich keineswegs auf eine Wirts-Spezies.
Normale Körperpflege etc. wie #26 ist ganz sicher sinnvoll!

Und ganz in der Ferne ist auch die Entwicklung eines Impfstoffes denkbar.
Im übrigen stirbt gerade wieder in Deutschland (Bad Hersfeld) ein 4-jähriges (nicht geimpftes) Mädchen an einer Masern-Infektion.

Gruß

#30 |
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Ich komme gerade vom Grab meines Vaters, der im Februar an den Folgen einer MRSA-Infektion verstorben ist. Jetzt stolpere über diesen Artikel und möchte dann doch einige pessimistische Einschätzungen beisteuern:
Solange wir erlauben,
– dass Politiker (und hier insbesondere Die Grünen) das große Schild Verbraucherschutz vor sich hertragen, aber auch in Regierungsverantwortung den flächendeckenden Einsatz von Antibiotika in der Tiermast zur Gewinnmaximierung tolerieren,
– dass bei Kindern durch Antibiotikaeinsatz die schnelle KITA-Fähigkeit statt häuslicher Pflege erzielt wird,
– dass grundlegendes Hygienewissen auf den Stationen nicht praktiziert wird (werden kann), weil u.A. das Beschreiben von Dokumentationsbögen wichtiger ist,
– dass die Diagnose MRSA im Totenschein nicht auftaucht
– usw. usw.,

… werden wir wohl damit leben müssen, dass bakterielle Intelligenz uns den für uns angemessenen Ort in unserer gesundheitsbürokratisch ach so umfassend regulierten Welt zuweist.

#29 |
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@Chirurg #26: Danke für die interessanten Ausführungen.

#28 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Techniker #23
meine email:
w_paul@me.com

#27 |
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Chirurg
Chirurg

Herr Dr. med. A. Siegel sagt richtig, dass MRSA von selbst wieder verschwindet,
denn es handelt sich bei ihrer “Kolonisation” nur um FAKULTATIV pathogene Keime, die in Konkurrenz mit den übrigen kolonisierten “Menschenkeimen” stehen.
Diese nicht resistenten Staphylokokken “stört” man natürlich viel mehr mit Eradikationsversuchen als die Resistenten.
“Körperhygiene” mit Wäsche- und Handtuchwechsel (und Mundpflege) ist hier empfehlenswert, wobei Keime in der Mehrzahl unsere Freunde sind, nicht unsere Feinde (Haut-pH etc.).
Systematische Cochrane-Literaturanalysen zeigen jedenfalls KEINE nennenswerten Erfolge einer antibiotische Eradikation von MRSA-Kolonisierung für den nüchtern denkenden Wissenschaftler, sowohl topisch wie systemisch.

Etwas anderes sind offenen Wunden,
die IMMER keimbesiedelt sind, hier ist Keimbekämpfung essentiell,
wobei es bessere Mittel gibt als Antibiotika. Ein Spezialthema.

#26 |
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@#9: Sehr geehrter Herr Dr. Siegel: Sie schreiben, dass “die besorgten Patienten, die Eradiation meist wünschen”. Ich bin nicht ärztlich tätig und spreche daher nicht aus Sicht des Behandlers, aber ich habe genau das, was sie schreiben, schon von vielen Ihrer Kollegen gehört. Und leider vernehme ich auch von vielen Patienten, dass Ärztinnen/Ärzte nur dann für “gut” befunden werden, wenn sie bereit sind, mit relativ “heftigen” Maßnahmen (z. B. Antibiotika) auf vergleichsweise ungefährliche Infekte zu reagieren (ich meine jetzt nicht des MRSA-den kann ich nicht beurteilen.) Leider ist die Mentalität nicht weniger Patienten wohl so, dass sie solange suchen, bis sie einen Arzt gefunden haben, der ihren Vostellungen gemäß behandelt. Ich finde diese Situation sehr bedrohlich im Hinblick auf überzogenen Einsatz von Radikalmaßnahmen, die ein hohes Folgenrisiko haben. Ich weiß, dass es für Sie als Ärzte(innen) eine schwierige Aufgabe ist, Laien (Patienten) davon zu überzeugen, dass die “radikalen” Maßnahmen nicht immer die geeignetsten sind, aber ich halte es auch und gerade im Hinblick auf die Ausbreitung gefährlicher Keime für äußerst wichtig, den Patienten nachdrücklich ihre falschen Erwartungen “auzutreiben”. Dass dies leichter gesagt als getan ist, bin ich mir bewusst und das können Sie sicher besser beurteilen als ich.

#25 |
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zu #23 Da gibt es alte Vorschriften, DIN 1946, H13-Filter, etc. (Raumklasse A), die Sie einhalten müssen. Mailen Sie mich bitte an, wenn das preiswert ist und funktioniert.
Gruß
Dr.Bayerl

#24 |
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Gast
Gast

Techniker
Ich habe ein Klimagerät entwickelt, dass direkt in den OP Raum aufgestellt wird.
Es filtert 3-stufig die Raumluft und kühlt. Durch einen kleinen Aussenluftanteil wird
ein Überdruck im OP erzeugt. Funktioniert prima. … aber die Kühlung. ! Das Kondenswasser wird zwar sofort über eine Kondensatpumpe abgeführt, aber
Pilzbildungen auf den feuchten Flächen waren nicht ausgeschlossen. Wir haben also zusätzlich eine automatische Desinfektion eingebaut. Ein Mittel aus ökologischem Salz, Wasser und Sauerstoff – und siehe da, keine Keime mehr. Absolut Keimfreie Zuluft. Ohne toxische Mittel. Wir waren selbst überrascht.

#23 |
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Chirurg
Chirurg

Lieber Professor! Trotzdem darf man die Nerven nicht verlieren und muss die Kirche im Dorf lassen,
das heist wirklich hinterfragen, was bringen strenge Isolierungsmaßnahmen bei MRSA, wenn nicht einmal die Dekolonisierung gelingt.
Und welche Nachteile erkauft man damit, auch bei Patienten.
Die Wundheilung in der Chirurgie ist beispielsweise von nicht resistenten Staphylokokken in gleicherweise bedroht. Hier ist die “no touch” – Strategie wichtiger, also wie früher postoperativ auf Station bitte sterile Pinzette und nicht wie heute meist unsterile Handschuhe, ist ja wirklich nur für kurze Zeit, aber keine Isolierung des ganzen Patienten.
Das ist die richtige Überlegung von Gerd Fätkenheuer und seinen Kollegen.
Wobei die Intensivstation ein Thema für sich ist,
zu der imho auch die Raumdesinfektion hinzukommen sollte, nicht unbedingt mit Formalin, das traut sich offensichtlich kein Mensch mehr, auch ein sehr seltsamer Widerspruch,
sondern mit dem untoxischen H2O2.
Carbapenem sollte anfangs ein humanes Reserveantibiotikum sein,
bis es schließlich im Ausland auch ungehemmt tatsächlich in der Tierzucht verwendet wurde und mit Resistenzen importiert wurde.
Alles gute kommt aus USA.

Will sagen, auf praktisch tätige (erfahrene) Ärzte hören, kooperieren,
nicht auf sie eindreschen mit stehts erhobenen Finger. Kein Hygieniker kann z.B. einen Gasbrand erkennen.
Das ist eine KLINISCHE Diagnose. Die Verhütung ist einzig eine Frage der korrekten Wundversorgung -Behandlung. Hat nichts mit Antibiotika zu tun.
Diese Keime sitzen in jedem Dickdarm,
können also auch Gasbrand im vergammelten (Sakral-)Dekubitus auslösen.

#22 |
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Prof. Dr. med. Thomas Rommel
Prof. Dr. med. Thomas Rommel

Ich bin Neurochirurg Herr Chirurg,
kein Märchen: inzwischen beschäftigen uns Vancomycin resistente MRSA Keime. Durch ausländische Patienten wurden aber auch bereits Carbapenem resistente Gram negative Keime eingeschleppt. Der ungezügelte Antibiotikaverbrauch bezog sich vor allem auf diese Patienten. Es stehen uns zunehmend keine Reserve Antibiotika mehr zur Verfügung, Neuentwicklungen gibt es nicht.
Empfehlung MRSA Eingangsscreening (heute schon Standard), fortlaufende Schulung aller Mitarbeiter mit Patienten Kontakt, keine Kohordenisolierung, Verkittelung, Mundschutz Handschuhe, ob bei der Dekontamination eine Turixin-Nasensalbe hilft bezweifle ich. In unserem Patientenklientel mit schwerstbetroffenen neurologischen, neurochirurgischen und internistischen Patienten konnte eine MRSA Dekontamination von ca. 50 % über mehrere Jahre kontrolliert ,erreicht werden. Ob diese dauerhaft ist weiß ich nicht, da ein Follow-up von mindestens einem Jahr erforderlich wäre. Durch die genannten Maßnahmen kann zumindest auch eine weitere Kontamination nicht betroffener Patienten verhindert werden.

#21 |
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Hygienefachkraft
Hygienefachkraft

Wie haben Sie denn genau den MRSA bei allen beseitigt?

#20 |
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Hygienefachkraft
Hygienefachkraft

@Prof. Dr. med. Thomas Rommel war auf Ihrer Spezialstation das Personal gründlich durchgeimpft? Würde mich interessieren.

#19 |
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Chirurg
Chirurg

Prof. Dr. med. Thomas Rommel, Sie sind sicher Internist, weil Sie von nicht funktionierender Basishygiene reden.
Das ist verständlich.

#18 |
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Chirurg
Chirurg

@Prof. Dr. med. Thomas Rommel dürfen sich die Chirurgen nun die Hände gar nicht mehr waschen? Die Hygieniker haben sie ja schon beschimpft dafür, weil sie das früher zu gründlich gemacht haben, auch mit sterilen Handtüchern etc. das gibt es ja alles nicht mehr. Heute bevorzugt man nach ihrem Rat so was wie Klopapier.

#17 |
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Arzt
Arzt

Professor, wer von “inflationär” bei rückläufigem Antibiotikaeinsatz spricht, lügt!

#16 |
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Arzt
Arzt

@Prof. Dr. med. Thomas Rommel dann lassen Sie uns einfach mal teilhaben an Ihrem Geheimnis, Kolonisierung von MRSA zu beseitigen.
Ich bin gespannt, weil hier die seriöse Literatur keine Möglichkeit sieht.

#15 |
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Prof. Dr. med. Thomas Rommel
Prof. Dr. med. Thomas Rommel

Solange in deutschen Krankenhäusern die Basishygiene nicht funktioniert, beispielsweise die Händedesinfektion müssen diese Studien und Empfehlungen hinterfragt werden. Eine MRSA Sepsis wird nur in seltenen Fällen überlebt. Längst besteht nicht nur bei MRSA sondern auch bei den multiresistenten Gram negativen Keimen Alarmstufe Rot. Die Holländer zeigen, wie man mit einem rigiden Management die Entwicklung bei multiresistenten Keimbesiedlung im Zaum hält. Selbstredend muss auch der inflationäre und ungezielte Antibiotikaeinsatz ohne entsprechende Mikrobiologie unterbunden werden. Eine subtile Dokumentation Hygienemaßnahmen bei MRSA Kontamination ist ratsam. Juristen, Gerichte und Gutachterkommissionen werden sicherlich die Regressansprüche der Patienten und Angehörigen regeln.
P.s.: Der Verfasser dieses Beitrags hat bereits 2002 eine Spezialstation in seiner Klinik für Patienten mit MRSA und anderen multiresistenten Keimen eingerichtet.

#14 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@rolf müller den Todesursachenstatistiken der BRD kann man durchaus vertrauen.
Da gibt es neben der primären Arztbescheinigung noch eine Zweitkontrolle durch Fachleute, die nichts anderes machen.

#13 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

#11 Sie meinten sicher NACH Einführung der Antibiotika

#12 |
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Dr.med Claus Ruda Arzt
Dr.med Claus Ruda Arzt

Es muss immer wieder daran erinnert werden, dass es vor Einführung der Antibiotika ( seit Semmelweis und Lister ) keine Krankenhausinfektionskrankheiten ( nosokomialen) mehr gab. Auch wurden bald nach deren Einführung wegen der Entwicklung resistenter MSR strenge Indikationen bei ihrer Anwendung gefordert.(z.B. 1956, v. Kress).
Die Erinnerung an die damalige Expositionsprophylaxe und Krankenhaushygiene
ist ebenso erforderlich wie die Besinnung darauf, dass es neben der medikamentösen noch andere Therapieformen gibt.

#11 |
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rolf müller
rolf müller

Selbst in so einem hoch bürokratisiertem Land wie der BRD finden wir kaum Hinweise auf MRSA auf den Totenscheinen. Das weiß jeder Arzt, vor allem die Kliniker. Vertraut man nur den offiziellen Statistiken läuft man daher Gefahr, die tatsächliche Dimension dieser Erkrankung zu unterschätzen. Von den Statistiken in den Ländern der dritten Welt ganz zu schweigen.

#10 |
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Bei manchen ist die Eradikation (Dekolonisation/Sanierung) (die besorgten Patienten wünschen dies ja auch meist) erfolgreich, bei manchen nicht. Und auch wenn vorerst nicht, ist bei der nächsten Kontrolle nach 1/2 Jahr dann kein MRSA mehr zu finden. Mglw. werden diese MRSA mit der Zeit von anderen Bakt. “verdrängt, oder sie verlieren über mehrere “Generationen” wieder ihre Resistenz. D.h., der Erfolg, der nach einer Dekolonisation zu verzeichnen ist, kann Folge der Bemühungen sein, muß aber nicht. Was den “Dekolonisations-Laien” auch verwundert, ist die Hypothese, dass man durch das Einbringen von Mupirocin-Salbe in die Nasenlöcher die Staphylokokken aus der gesamten Nasenhöhle eliminieren kann. Die sitzen ja sicher nicht nur an den Nasenlöchern?

#9 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

zu#7 nein, nicht Killer Nr.1, das ist nun wirklich Quatsch! Die Zahl nimmt eher etwa ab. Clostridien nehmen zu.
Der gute Beitrag warnt nur vor Aktionismus, sehr teuer, ohne Nachweis einer nennenswerten positiven Wirkung, sozusagen ein bischen irrationale Panikreaktion, ein Zeichen unserer Zeit.
Denn Staphylokokken mit oder ohne Resistenz gehören zur normalen Besiedlung des Menschen “Kolonisation” genannt, sowohl auf der äußeren Haut mit gewissen Vorzugsstellen, wie im Nasenrachenraum, wo es noch nicht so ganz warm ist.
Die vielen Versuche seit über 20 Jahren, diese Kolonisation “prophylaktisch” zu beseitigen, sind eigentlich gescheitert, immer sehr teuer (Vankomycin und mehr) und nicht ganz ohne Nebenwirkung.
Das mit der Landwirtschaft ist natürlich quantitativ ein viel größeres Problem, das man schlicht ausblendet. Der Versuch, hier etwas exklusiv für Menschen zu reservieren ist bisher kläglich gescheitert und wurde auch durchs Ausland torpediert, das sich an unsere Regeln noch weniger gebunden fühlt.
Wenn nun ein solcher “kolonisierter” Patient ins Krankenhaus kommt, muss er selbstverständlich ebenso operiert werden, in der Regel am Ende des Op-Programms. Für dabei übliche Desinfektion und Sterilisation bietet der Keim keinerlei Probleme. Da gibt es schlimmeres.

#8 |
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rolf müller
rolf müller

Kollege Burkard weißt auf den Aspekt hin, welchen ich bei fast allen Radio- oder Fernsehsendungen zu diesem Thema vermisse, das Heranzüchten von resistenten Keimen durch Tonnenweise Antibiotika in der industriellen Tierhaltung als Masthilfe.
Ausserdem frage ich, was haben wir als Studenten an alternativen Therapeutika gelernt? Nichts! Vor kurzem war ich in der med.Buchhandlung, wo wir als Studenten unsere Literatur kauften. Ich sah ins Skript Bakteriologie Kurs – und – es gab keinen Hinweis auf MRSA … obwohl mittlerweile zum bakt.Killer Nummer EINS weltweit geworden …

#7 |
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Mit gesundem Menschenverstand. Sehr vernünftig!

#6 |
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Dr. med. Hanjo Burgard
Dr. med. Hanjo Burgard

Man sollte an die Ursache des MRSA denken und die unsinnige Anwendung sowohl in der Tier-als auch der Humanmedizin (z.B. banale grippale Infekte und Erkältungen) unterlassen

#5 |
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Dr. med. Hanjo Burgard
Dr. med. Hanjo Burgard

mmmm

#4 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Da besteht sicherlich erheblicher Nachholbedarf; aber auf dem Weg der Antibiotika und der üblichen chemischen Desinfektionsmaßnahmen wird sich der Erfolg in Grenzen halten. Hier ist ein Umdenken notwendig in Richtung physikalischer Maßnahmen ( Licht,Gas) , die sowohl in der Fläche als auch am Patienten direkt eine Erfolgsquote von über 99% erzielen und keine Resistenzproblematik im Nachlauf haben.

#3 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Ein sehr mutiger Beitrag von einem am Patient noch tätigen Kliniker.
Bravo.

#2 |
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Heilpraktiker

Guter Artikel, sinnvoller Ansatz.

#1 |
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