AMBOSS: Schöne neue Wissenswelt?

8. Oktober 2014
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Letzte Woche registrierte das Programm AMBOSS über zwei Millionen Kreuze. Seine Praktikabilität erklärt den Marktanteil von über 90 % in der Examensvorbereitung. Das faktische Monopol wirft aber auch Fragen nach Prüfungskultur und Struktur der Wissenslandschaft auf.

Der Aufstieg von AMBOSS ist beeindruckend. Das Programm, das sich an Medizinstudenten richtet und erst im Dezember 2012 auf den Markt kam, nutzten diesen Herbst, laut Unternehmensangaben, mehr als 90 Prozent der Examenskandidaten zur Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen. „Das können wir immer noch nicht glauben“, sagt Anna Schuster dazu, die von Anfang an bei AMBOSS bzw. dem Startup Miamed, das sich für das Lern- und Kreuzprogramm verantwortlich zeichnet, mitarbeitete.

Kompendien und Lehrbücher werden ersetzt

Geboren wurde AMBOSS aus der Idee, die bestehenden Kompendien, Lehrbücher und Computerprogramme zur Examensvorbereitung zu ersetzen und ein Programm zu liefern, dass diese – technisch und didaktisch ausgefeilt – vereint. Heute ist das Programm für viele Medizinstudenten das einzig benutzte Medium in der Examensvorbereitung. Selbige besteht seit der Gründung des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) 1974, das jedes Jahr die 320 schriftlichen Multiple-Choice Fragen des Staatsexamens festlegt, zu einem Gutteil aus dem Lösen von Multiple Choice-Fragen vergangener Examina oder, umgangssprachlich formuliert, aus „Kreuzen“. Der Vorteil von AMBOSS liegt, neben den vielen liebevoll designten und eingepflegten Sonderfunktionen, in der Vernetzung der Wissensbibliothek – die alle examensrelevanten Prüfungsinhalte enthält – mit dem „Kreuzen“ von Altexaminafragen.

Darüber hinaus individualisiert AMBOSS das Lernen: Der aktuelle Lernfortschritt in den einzelnen Fächern kann angezeigt werden, eine Statusanzeige informiert darüber, welches Wissen man bereits beherrscht und in welchem Bereich man noch mangelhafte Kenntnisse hat. Aber AMBOSS will noch mehr, so Anna Schuster: „AMBOSS wird oft nur als ein Kreuzprogramm für das Examen wahrgenommen. Das ist nicht unser Anspruch und auch nicht mehr das, was wir abbilden.“ Stattdessen soll AMBOSS als Vorbereitung für Klausuren der klinischen Phase und Famulaturen dienen: Mit dem Angebot der „Oberarztfunktion“ beispielsweise kann man sich Tipps zu klinischen Fragen holen, auf Röntgenbildern lassen sich die für die Diagnose relevanten Areale hervorheben und Lehrvideos sollen das Lernen praktisch-ärztlicher Fertigkeiten unterstützen.

Qualitätssicherung ausgehebelt?

Neben einem Blick auf seine Funktion lohnt es sich, die Rolle von AMBOSS in einer sich wandelnden Wissenslandschaft zu hinterfragen. Hinter AMBOSS steht kein großer Verlag, sondern das Startup Miamed, die bereitgestellten Informationen kommen von über 60 vorwiegend jungen Ärzten. Wolfgang Schweiger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Uni Hohenheim, Stuttgart, der sich mit Mediennutzung und -wirkung beschäftigt, sieht darin „fast schon eine Piratenaktion.“ Gleichzeitig drückt er seine Sorge um die Qualitätssicherung bei AMBOSS aus. Wie er erläutert, gibt es traditionellerweise zwei Arten der Qualitätssicherung. Nach dem „peer reviewing“ komme das Expertenwissen, vertreten beispielsweise durch Ordinarien in Lehrbüchern.

„Diese Art der Qualitätssicherung ist hier ausgehebelt“, so Prof. Schweiger weiter. Anna Schuster nimmt diese Sorge Ernst: „Uns ist sehr bewusst, dass wir eine große Verantwortung tragen. Qualitätssicherung ist uns wahnsinnig wichtig.“ Um das sicherzustellen, werde jede Information, bevor sie in das Programm implementiert wird, von mindestens zwei Ärzten aus dem jeweiligen Fachgebiet geprüft, bei Problemen gehe sie zudem an einen Experten, sprich Oberarzt oder Professor. Zusammen mit dem Feedback der Nutzer sollen so Fehler schnellstens ausgebügelt werden. Dabei hilft weiterhin, dass alle Informationen online stehen, wo ärztliche Mitarbeiter von Miamed direkten Zugang auf sie haben. Zudem kann die angebotene Information so immer aktuell gehalten werden.

Traditionelle Formen der Wissensverwaltung auf verlorenem Posten?

Prof. Schweiger zieht weiterhin eine interessante Parallele zu Google. Genau wie Google, mutmaßt er, sei AMBOSS „mehr von der technischen Umsetzung und Bereitstellung von Inhalten getrieben als von den Inhalten selbst.“ Dabei verliere die Weltanschauung und die Information als solche an Bedeutung. Auch Google habe mit dieser Herangehensweise einen Marktanteil von über 90 % (im Bereich von Internetsuchmaschinen) erreicht. Indem es entscheide, was es anzeigt, schaffe es praktisch ein Wissensmonopol im Internet. Und tatsächlich besticht AMBOSS vor allem durch eine geschickte Anordnung und Strukturierung des Wissens, durch Personalisierung, durch sein Design und seine spielerische Bedienung. Die bereitgestellte Information per se könnten auch andere Medien der Examensvorbereitung liefern. Die Verlage jedoch, die selbige zur Verfügung stellen, scheinen in den letzten Jahren wenig Innovatives getan zu haben, um Miamed seinen Marktanteil streitig zu machen.

So ist AMBOSS eine typische Erscheinung einer sich wandelnden Wissenslandschaft, in der traditionelle Formen der Wissensverwaltung und Qualitätssicherung zunehmend an Bedeutung verlieren. Als ein gutes Beispiel mag Wikipedia dienen, das ein neuartiges, laut Prof. Schweiger aber „sehr elaboriertes“ System der Qualitätssicherung benutzt, ohne damit in der Qualität seiner Artikel klassischen Enzyklopädien unterlegen zu sein. Dass AMBOSS einen so rasanten Aufstieg erfahren hat und traditionelle Instanzen der Wissensverwaltung und Qualitätssicherung außer Kraft setzt, stimmt dennoch nachdenklich.

Lerngruppe adé?

Zu bedenken ist auch, dass AMBOSS in einer sehr speziellen, an medizinischen Fakultäten herrschenden Kultur der Wissensvermittlung und -überprüfung entstanden ist. Ohne Multiple-Choice-Fragen, deren Inhalt sich stark an den Schwerpunkten vergangener Examina orientiert, würde es AMBOSS heute vielleicht nicht geben. Dabei hätte es viele Vorteile, andere Formen der Wissensvermittlung und -überprüfung zu finden. In ihnen könnte man beispielsweise, wie Prof. Schweiger anregt, besser thematisieren, dass ärztliches Handeln immer auch Abwägen zwischen Schaden und Nutzen ist, Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten des ärztlichen Handelns könnten besser verarbeitet werden. Julia N., die Medizin und Soziologie an der Universität Leipzig studiert, ergänzt: „Ich glaube daran, dass eine andere Prüfungskultur Diversität im Lernen fördern würde.“

Dass nun ein Programm faktisch ein Wissensmonopol besitzt, könnte jedoch einen negativen Einfluss auf genau diese Diversität des Lernens haben. „Wenn sich alle Examenskandidaten mit demselben Programm auf ihr Examen vorbereiten, verschwindet zwangsläufig die Diversität in Didaktik und Wissensaneingnung“, sagt Julia. Vielleicht verschwindet so über kurz und lang die Lerngruppe, in der die verschiedenen Mitglieder sich zu lernenden Inhalten mit der Didaktik verschiedener Standardlehrwerke nähern, ganz im Sinne eines „[…] in meinem Buch ist die Diagnostik der metabolischen Azidose besonders gut hergeleitet.“

106 Wertungen (3.02 ø)

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17 Kommentare:

Gast
Gast

Ich verstehe die Kritik nicht. Ich habe rein mit AMBOSS auf das schriftliche sowie auf das mündliche Examen gelernt und wenn dabei eine 1,0 rauskommt dann kann dieses Programm nicht so falsch sein. Natürlich wollen die Entwickler wirtschaftlich arbeiten aber meiner Meinung nach sind die Preise so niedrig dass man ihnen keine Profitgier unterstellen kann. Lehrbücher die vor Redundanz und Fehlern gepaart mit veraltetem Wissen nur so strotzen sind bei weitem teurer. Ein Lehrbuch kann nie eine derartige Aktualität bieten. Ich würde eher sagen AMBOSS spiegelt den Zeitgeist unserer Generation wieder in einem Studiengang der an den meisten Fakultäten verstaubt und von Vorgestern wirkt.

#17 |
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Christina Beck
Christina Beck

Nein, ich arbeite nicht für Miamed, ich war bis vor kurzem Studentin und hab Amboss gern genutzt. Warum steht unten.

#16 |
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Christian
Christian

Arbeitet Christina Beck für Miamed?
Stinkt ziemlich stark nach Werbung…

#15 |
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Christina Beck
Christina Beck

Ich kann mir auch vorstellen, es im Berufsalltag als Nachschlagewerk zu nutzen.

#14 |
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Christina Beck
Christina Beck

Ich habe selbst mit Amboss auf das Examen gelernt, aber nicht nur auf das Schriftliche, um “Kreuzen” zu üben, sondern auch auf das mündliche. Ich habe für mich Lerngruppen immer als unproduktiv empfunden. Durch die schöne Aufarbeitung der Fallbeispiele, kann ich mir Inhalte besser merken. Ich finde das Amboss durchaus Diversität bietet. Ich habe schon bei Büchern immer mit Fallbüchern und Tabellen gelernt, also habe ich diese auch bei Amboss benutzt, nur dass der Zugriff und das sortieren der relevante Inhalte wesentlich schneller geht, als mit Büchern. Es ist einfach auch ein Stück weit praktisch und flexibel, auch Unterwegs und wiegt viel weniger, als wenn ich für jedes Fach ein Fallbuch mit mir rum zerre. Die Lernkarten habe ich hingegen kaum benutzt, andere die gern mit Lernkarten in Papierform gelernt haben, werden diese sicher auch bei Amboss nutzen. So ist die Diversität im Lernen schon gegeben. Wenn ich manche Inhalte genauer wissen wollte, habe ich natürlich trotzdem weiterführende Quellen benutzt. Allerdings zunehmend weniger Bücher, die meist kurz nach dem Druck schon veraltet sind und auch nicht immer den gewünschten Wissensumfang bieten und auch vor Fehlern strotzen, teilweise sogar rechts mit links verwechseln. Man sucht dann doch im Internet, in Vorlesungsfolien, oder in Studien. Amboss bietet viele Vorteile zu Büchern. Ich sehe keine richtigen Nachteile.
Ärztin in Weiterbildung

#13 |
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Gast
Gast

Ich finde die Kritik an Amboss durchaus berechtigt. Viele hier scheinen außerdem zu übersehen, dass in dem Artikel ebenfalls die fragwürdige Form der universitären Wissensvermittlung im Medizinstudium kritisiert wird – Amboss hat dieses Prinzip ja praktisch nur auf die Spitze getrieben.

Erstaunlicher finde ich, dass sich um Amboss eine Art “brand tribe” zu entwickeln scheint (der Begriff ist vielleicht besser bekannt als “tech tribes” – Stichwort Apple-Fanboys). Mir ist das bereits im Gespräch mit Kommilitonen aufgefallen und scheint sich auch hier zu bestätigen: Jedes Merkmal von Amboss wird hoch gelobt und gegen Kritik verteidigt. Miamed ist schließlich der David, der gegen die großen Verlags-Goliaths ankämpft. Das macht eine neutrale Auseinandersetzung mit dem Produkt praktisch unmöglich.

Dabei ist Miamed auch einfach nur ein gewinnorientiertes Unternehmen. Ist die Gewinnmaximierung gefährdet, steht das sonst über alles geschätzte User-Feedback plötzlich nicht mehr so hoch im Kurs. Beispiel: Das von den Usern seit Jahren meist gewünschte Amboss-Feature ist, mit über 1000 Stimmen im Feedback-Forum, die Druckfunktion. Diese ließe sich technisch leicht umsetzten (siehe https://userstyles.org/styles/103779/amboss-easyprint ), wird aber von Miamed nicht verwirklicht, um stattdessen lieber die Printausgabe für viel Geld zu verkaufen.

Amboss ist natürlich ein sehr gutes Produkt – ich habe selbst damit auf das Examen gelernt und war dankbar, dass ich dafür keine Bücher wälzen musste. Aber nur weil es neu und möglicherweise besser als die bisherigen Alternativen ist, sollte man es nicht gegen sämtliche Kritik verteidigen. Ganz im Gegenteil.

#12 |
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Studentin der Humanmedizin

Die Mehrheit von uns Medizinstudenten ist einfach nur erleichtert, Amboss nutzen zu können! Es erleichtert das Lernen ungemein und besteht aus mehr als einfach nur kreuzen- die Lernkartenfunktionen toppen jedes mir bekannte Lehrbuch! Was das Amboss Programm heute ist, war lange Jahre die ALLEX Lehrbuchreihe- kann man da von einem Unterschied sprechen? Monopole haben und hatten beide inne. Natürlich wäre es schön, wenn wir Studenten vor den Examina Zeit hätten Prüfungsgruppen zu bilden, verschiedene Bücher zu lesen und dazu Amboss zu nutzen und zu guter Letzt alles nocheinmal zu dskutieren- allerdings fehlt uns dazu schlicht und ergreifend die Zeit! Also verwenden wir das für uns am besten nutzbare und lehrreichste Angebot- und das ist zurzeit Amboss. Ohne wenn und aber.

#11 |
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Student der Humanmedizin

Ich kann der Meinung des Autors nicht folgen. Ambos ist und bleibt ungeschlagen. Wo die Konkurrenz geschlafen hat, hat Miamed zugeschlagen. Man fühlt sich als Nutzer gut aufgehoben, das Team hat in kürzester Zeit wahnsinnig gute Ideen implantiert, die alles bloß nicht nutzlos waren. Das Wissen wird kompakt und sehr didaktisch dargeboten. Natürlich konzentriert sich Amboss auf das bisher gefragte Wissen und stellt auch nicht den Anspruch darauf, dass die Prüflinge alle mit einer 1 nach Hause gehen. Wer eine 1 möchte, muss mehr tun als nur kreuzen und Amboss. Wer was für den klinischen Alltag mitnehmen möchte, der muss mehr tun als nur kreuzen und Amboss, aber das ist jedem selber überlassen wie viel Zeit und aufwand investieren möchte.
Das es ein Programm wie Amboss überhaupt gibt, ist dem IMPP selbst zu zuschreiben. Die Fragen grenzen sehr häufig an Sinnlosigkeit und an klinischer Relevanz. Man kann sich durch das Programm sehr gut an den Fragenstil gewöhnen, damit man sich während der Prüfung nicht unnötig aufregen muss ;) .

#10 |
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M. Zett
M. Zett

Die Wirtschaft setzt doch auch auf Effizienz, warum sollten wir Studenten das nicht auch tun? Es wird uns täglich vorgelebt: Zeit für Patienten und andere Eigenschaften, die einen tollen Gott in Weiß auszeichnen, werden von den DRGs nicht abgedeckt. Und vom IMPP nicht abgeprüft. Effizient müssen wir sein, Operationen generieren. Unsere Leistungen dürfen über das Notwendige und Ausreichende (war in der Schule immer die Note 4) nicht hinausgehen. Ja dann nehmt euch doch, was ihr von uns verlangt, liebe Politiker und liebe Gesellschaft. Aber verlangt nicht mehr. Wenn junge Leute ein Modell entwickeln, mit dem man sich effizient auf die Prüfung vorbereiten kann, was ist dann schlimm daran? Gebüffelt haben wir auch damit genug. Lieber mal die Lehre an den Unis verbessern, mehr Wert auf in didaktischen Fragen gut ausgebildete Dozenten legen, anstatt ein Programm anzuprangern, mit dem uns Studenten das Lernen Spaß bereitet. Zu guter Letzt: Wie oft habe ich mich über Rechtschreibfehler oder inhaltliche Fehler in gedruckten Lehrbüchern (teilweise 20. Auflage) geärgert. Aber dann extra den Verlag anschreiben? Viel Aufwand. Bei Amboss geht das direkt über einen Feedbackbutton. 10 Sekunden.

#9 |
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Stephan R.
Stephan R.

Ich kann Benjamin Buck und den anderen nur zustimmen: Manchmal muss man dieses politisch-korrekte “Ein Artikel muss ja auch immer etwas Kritik beinhalten”-Gedöns einfach mal beiseite lassen – denn Amboss ist einfach nur absolut GEIL und wird jeden Monat besser. Und als ob in Lehrbüchern keine Fehler wären… so viel zur Qualitätssicherung durch “Ordinarien”. Bullshit ;-). Amboss rocks… yeah ;-)

#8 |
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Student der Humanmedizin

Die Kritikpunkte des Artikels empfinde ich als geradezu an den Haaren herbeigezogen.
Neben den Amboss-internen Mechanismen ist durch die “Feedback”-Funktion ist die Qualitätssicherung auf einem so hohen und vor allem schnellen Niveau wie sie kein Lehrbuch (bei dem nur alle paar Jahre eine neue Ausgabe erscheint) je leisten kann.
Darüber hinaus stellt Amboss die Inhalte ja auf Basis von Lehrbücher und Leitlinien zusammen, also letztendlich ist die Qualitätskontrolle der Buchliteratur ja gewissermaßen “integriert” dadurch. Die Quellen werden auf jeder Lernkarte auch explizit angegeben zum Nachlesen. Oft wird durch einblendbare Sprechblasen direkt im Text darauf Bezug genommen (v.a. wenn es um strittige oder neue Informationen geht)
Wer sich durch die ca. 700 Lernkarten geackert hat (was ich jetzt gerade fürs Examen gemacht habe) wird vermutlich ein anderes Bild von Amboss bekommen als es der Autor hier vermitteln möchte …

#7 |
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Gast
Gast

Kennt der Kommunikationsprofessor Amboss inhaltlich eigentlich und wie kann er das fachlich- medizinisch überhaupt beurteilen? Ich hab in meinem ganzen Studium nichts besseres als Amboss gesehen, ähnlich sind da vielleicht nur Herold und Karow. Vor allem was Qualitätssicherung und Inhalte angeht sind die ziemlich krass und einmalig aktuell. Ich interpretiere hier eher die subjektive Angst, dass sich die “gute” alte Ordnung ändert ;)

#6 |
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Gast
Gast

Amboss als eventuell eindimensionale Wissensaufbereitung bzw. Prüfungsvorbereitung zu kritisieren macht wenig Sinn, schließlich ist das Programm jediglich eine Reaktion auch die gegebene Prüfungssituation, die ja schließlich der Ursprung der Eindimensionalität ist.

Und dass man mit sich mit Lesen und Kreuzen allein nicht auf die Erläuterung und Wiedergabe medizinischer Sachverhalte in der mündlichen Prüfung vorbereiten kann, ist in den meisten wohl auch klar.

#5 |
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Hendrikje Bergs
Hendrikje Bergs

Ich denke auch, dass das eigentliche Problem, welches überhaupt für das Zustandekommen so eines (meiner Meinung nach großartigen) Programms wie amboss verantwortlich ist, die völlig realitätsferne Prüfungsmentalität des IMPP darstellt. Selbst wenn man die nötige Zeit, Kraft, Aufnahmefähigkeit und finanziellen Grundvorraussetzungen besitzt, um für sämtliche Fächer je ein Buch durchzuarbeiten, wird man hinterher leider immernoch nicht in der Lage sein, die Frage nach der Paragraphennummer, in dem die Schuldunfähigkeit im Strafgesetzbuch geregelt ist, beantworten zu können …
Die weitbekannten Kompendien für das Staatsexamen (Thieme, Medistar) bieten inhaltlich genau den gleichen Fokus, lassen ebenfalls noch nie geprüfte Themen aus und bilden daher auch nur eine Art Zusammenfassung der bisher geprüften Themen – Nur eben in Buchform. Amboss unterstützt uns Mediziner ungemein beim Lernen und verdient einen Orden.
Anstatt über “Monopol-Stellung” und “Qualitätsminderung” zu sprechen, sollte man sich lieber überlegen, ob die gesamte schriftliche Prüfungsform wie sie derzeit (seit 40 Jahren!!) besteht, vielleicht einfach einer gewissen Überholung bedarf.

#4 |
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Student der Humanmedizin

Selbst, wenn man 10 Semester studiert hat, muss man ja trotzdem 100 Tage mindestens je 8-10 Stunden am Tag mit dem Programm lernen und kreuzen, um dann am Ende für die schriftliche Prüfung mit Hängen und Würgen eine 2 oder eine 3 zu bekommen.
Was die Qualitätssicherung angeht: Amboss ist ja kein Nachschlagewerk fürs klinische Arbeiten, im Programm wird kein höheres fundiertes exklusives Expertenwissen vermittelt, sondern allgemeine einfache medizinische Grundlagen, deren Beherrschen notwendig ist, um die Prüfung zu bestehen. Das beruht in der Regel auf dem etablierten Faktenwissen – die Leber ist rechts, die Milz ist links – das omnipräsent in jedem Lehrbuch steht. Der Vorteil des Programms besteht darin, dass man sich innerhalb eines begrenzten Zeitraumes auf die prüfungsrelevante Inhalte konzentrieren kann, die vom Amboss-Team ausgewählt sind. Die Sache ist die, dass in der Prüfung nicht unbedingt Themen behandelt werden, denen man während des Studiums besonders viel Aufmerksamkeit widmet und die aber in der Prüfung gerne vorkommen: wie man zum Beispiel eine Penisprothese richtig bedient oder sonst irgend ein Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom, das man mit 99%er Wahrscheinlichkeit nie im Leben sieht.

#3 |
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Studentin der Humanmedizin

Naja, aber wenn ich mit nem Buch 3 mal so lange brauche, dann hab ich vielleicht (!) eine Sache 3 mal so gut gelernt, aber 2 andere gar nicht…

Und im Examen bringt es mir auch nichts, wenn ich die ethische Problematik die hinter einer Frage steht erläutern kann.

Davon abgesehen finden sich auch in Expertenlehrbüchern immer mal wieder Fehler. Es besteht hier vielmehr auch die umgekehrte Gefahr, dass Informationen aus Büchern zu fraglos akzeptiert werden.
Natürlich hat es dann Vorteile wenn man verschiedene Bücher vergleicht. Aber im Studium ist schon keine Zeit zu allen Fächern auch nur EIN größeres Lehrbuch ausführlich zu lesen…

Es ist natürlich schon eine Frage, wohin sich das entwickelt, aber das Examen selber ist schließlich auch überall gleich, und Ärzte sollen auch nach den gleichen Standards arbeiten.

Davon abgesehen was man von gewissen Spezial-Kuriositäten-Examensfragen halten mag (BUUUUH!!!) geht es ja auch bei dieser Prüfung darum, das allgemeine Grundwissen zu beweisen, das bestätigt, dass man so einigermaßen geeignet ist um medizinische Entscheidungen zu treffen. Niemand geht als Facharzt aus dem Examen….

Aboss (genau wie andere Kreuzplatformen, und die haben nicht nur keine Innovation gezeigt, die haben Jahrzehntelang KEINEN Fortschritt gezeigt) hat dann immerhin die (ja nicht unwichtige) Qualitätskontrolle, dass jedes Jahr 600 IMPP Fragen dazukommen.

Natürlich ist die Frage, wenn das Angebot auf Lehrvideos und Famulatur und anderes ausgeweitet wird, in wie fern sich das auswirkt.
Allerdings sind viele Klausuren der einzelnen Unis in den einzelnen Fächern dann doch so speziell aufgezogen, dass man dazu das Material der Uni braucht (selbst manche Lehrbücher setzten manchmal komplett andere Schwerpunte)(wie man diese Tatsachen bewerten möchte, sei dahingestellt) und wie Dr. Gleißner schon gesagt hat: Irgendwozu gibt es ja die klinischen Semester….

#2 |
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Dr. med. dent. Harald Gleißner
Dr. med. dent. Harald Gleißner

Da kann man auch fragen wozu sind die klinischen Semster da? Hätte mich gleich hinsetzen können und kreuzen, hätte nichts geändert nur das ich mir halt die Semester 5-10 gespart hätte ;)

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