Suizid: Ausweg aus dem Irrweg

22. Oktober 2014
Teilen

Die häufigste Todesursache für Menschen im Alter zwischen 15 und 30 wird zu wenig erforscht. Was im Kopf und im Körper von Menschen mit Suizidabsichten vor sich geht, ist weitgehend unbekannt und wird kaum beredet. Dennoch zeigen viele Initiativen: Prävention lohnt sich.

Das Thema war der Weltgesundheitsorganisation WHO so wichtig, dass sie sich entschloss, zum ersten Mal seit ihrem Bestehen einen rund 100 Seiten langen Bericht zum Thema herauszugeben: Rund eine Million Menschen sterben jedes Jahr, weil sie zuvor selbst Hand an sich gelegt haben und weitere zehn bis zwanzig Millionen versuchen, diesen vermeintlich letzten Ausweg zu gehen. Wer vergleichen will: Die Zahl der jährlichen Toten im Straßenverkehr liegt in Deutschland bei 3.400, die Anzahl der „erfolgreichen“ Suizide beträgt fast das Dreifache.

Zurückhaltende Berichterstattung

Außer, dass neun von zehn Suizid-Tätern an einer psychiatrischen Störung leiden, weiß man – trotz der hohen Opferzahlen – erstaunlich wenig darüber, was Menschen in den Freitod treibt. Die Zahl der Selbsttötungen hat sich zwar seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts in etwa halbiert. Während jedoch die Zahl der Verkehrstoten von Jahr zu Jahr stetig zurückgeht, nimmt die Suizidquote seit etwa sechs Jahren wieder zu. Dass die Ursachenforschung weit unterentwickelt ist, zeigt auch der Blick in renommierte Fachzeitschriften für Psychiatrie: JAMA und JAMA Psychiatry widmen der Schizophrenie rund sechsmal so viele Artikel – bei nur rund einem Drittel der Häufigkeit im Vergleich zum Suizid.

Auch in den Publikumsmedien ist Selbstmord ein Tabuthema. Journalisten sind angehalten, sehr vorsichtig damit umzugehen. Denn klar bewiesen ist der Werther-Effekt: Eine genaue Berichterstattung über Motive, Umstände und Ausführung der Tat kann Nachahmer dazu anspornen, ihre geheimen Pläne wirklich auszuführen. „Der letzte Ausweg“ – vielleicht eines Prominenten, der seine Entscheidung „souverän“ fällte – wird möglicherweise zum Vorbild für den Depressiven, der sich schon lange mit dem Gedanken trägt. Zeitungen verzichten daher im Allgemeinen auf allzu intensive Suizid-Berichte, eine Zurückhaltung, die entsprechend von Untersuchungen und Erfahrungen etwa in Österreich tatsächlich zu einem Rückgang beiträgt.

Angst vor der Klapsmühle

Aber auch Ärzte fühlen sich vielfach nicht ausreichend informiert, was den Umgang mit Suizidgefährdeten betrifft. Die Angst ist groß, etwas falsch zu machen und vielleicht den Patienten in seiner Absicht zu bestärken. Umgekehrt trauen sich aber auch viele Betroffene nicht, mit ihrem Arzt über ihren Zustand zu sprechen. Diese Erfahrung machte etwa Georg Fiedler vom Therapiezentrum für Suizidgefährdete am Uniklinikum Hamburg Eppendorf: Über 90 Teilnehmer meldeten sich, als er in einer Zeitungsanzeige für eine Gesprächsrunde zu diesem Thema warb. Die meisten „haben Angst, dass sich der Arzt von ihnen abwenden, man sie als psychisch krank abstempeln könnte und ihre Autonomie durch zwangsweise Behandlung oder gar Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie eingeschränkt würde.“ Daher bietet die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention seit ihrer Gründung vor rund 40 Jahren entsprechende Seminare für Ärzte, Pfleger und Schwestern an, um Vertrauen auf beiden Seiten zu schaffen.

Jeder elfte Schüler versucht, sich umzubringen

Sucht man nach den Auslösern für Selbstmordgedanken, an deren Ende schließlich die Ausführung steht, fächert sich eine große Vielfalt an Faktoren auf. Ein Teil geht auf den genetischen Hintergrund zurück. Suizidfälle in der Familie erhöhen auch das Risiko für die Kinder. Aber auch die Erziehung beeinflusst die depressiven Gedanken beim Erwachsenwerden. Wenig Zuneigung, wenig Kontrolle und wenig Regeln steigern das Risiko, ein autoritärer Erziehungsstil dagegen kaum. Für Mädchen ist die Gefahr größer; Rauchen, Alkohol, Migrationshintergrund oder die Trennung der Eltern steigern sie noch weiter. Gerade bei Jugendlichen sind die Zahlen erschreckend hoch: Rund neun Prozent der 15-jährigen haben schon einmal versucht, sich umzubringen, vier von zehn haben zumindest schon einmal über einen Suizid nachgedacht. Wer einen Mitschüler verliert, ist auch ohne freundschaftliche Bande zu ihm selbstmordgefährdet. Diese Erkenntnis einer neueren kanadischen Studie sollte man, so schreiben Sonja Swanson aus Harvard und Ian Colman von der University of Ottawa in ihrem Artikel, künftig auch bei Maßnahmen zur Verhinderung berücksichtigen und dabei nicht nur die allernächste soziale Umgebung des Opfers einbeziehen.

Kein Tiermodell

Wer sich als Neurologe mit dem Thema Freitod auseinandersetzt, stellt Defizite in den Regionen fest, die mit Emotionsregelung, aber auch Angst zu tun haben. Suizidgefährdete tun sich schwer mit der Einschätzung ihrer Stimmungslage, haben eine verringerte Impulskontrolle und nicht selten ein höheres Aggressions-Level. Kommt ein unerwartetes Ereignis wie die Trennung vom Partner oder der Verlust des Arbeitsplatzes dazu, fehlt vielfach die Fähigkeit zur Kompensation und Selbstmordgedanken entstehen. Stress führt damit zu überdurchschnittlich hoher Aktivität im cingulären und präfrontalen Cortex.

Auch im Erbgut spiegeln sich Gedanken an Selbsttötung und ihre Ausführung wider. Einer Studie im American Journal of Psychiatry zufolge sind rund 360 Promoter-Regionen im Genom differentiell reguliert und im Vergleich zum psychisch stabilen Normalprobanden entweder über- oder unteraktiv. Forscher am Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie fanden vor einigen Jahren ein „Suizidallel“, eine Ausprägung im Gen eines BNDF-Rezeptors (NTRK2), die bei betroffenen Personen besonders häufig auftritt. Interessanterweise sind die entsprechenden Varianten nicht mit dem allgemeinen Bild einer Depression assoziiert, sondern kommen vor allem bei Personen vor, die bereits einen Suizidversuch unternommen haben. Ein weiteres Kandidatengen ist „SAT1“, das vor allem bei hohem Stress und Schäden in der Zelle aktiv wird. Ob dieses Gen jedoch nur ein Marker ist oder tatsächlich in die Psyche des potentiellen Selbstmörders eingreift, darüber geben die entsprechenden Forschungsergebnisse von Alexander Niculescu aus Indianapolis und Gustavo Turecki aus Montreal bisher keine klare Antwort. Was den Forschern bisher fehlt, ist ein aufschlussreiches Tiermodell. Der Selbstmord ist im Tierreich jedoch so gut wie unbekannt.

Alte und Junge besonders gefährdet

Die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet bietet noch die Epidemiologie. Aber auch da sind Register von absichtlichen Selbstverletzungen, wie etwa in Irland, die Ausnahme. Deutschland liegt mit 9,2 Suiziden pro 100.000 Einwohnern etwas unter dem weltweiten Durchschnitt. Osteuropäische Staaten wie Kasachstan und insbesondere Litauen sind auf den Spitzenpositionen, während der Süden Europas wie Spanien und Italien eine vergleichsweise geringe Quote aufweist. Frauen im Alter über 70 tragen am meisten zur Quote bei, nicht weit dahinter liegt jedoch die Altersgruppe von 15 bis 29 Jahren. Dort ist in westlichen Staaten der Griff zum Gift, zum Strick oder zur Feuerwaffe die häufigste Todesursache. Über alle Altersgruppen hinweg betrachtet schrecken jedoch Frauen mehr als Männer vor einem solchen endgültigen und unumkehrbaren Schluss zurück.

Wenn der Selbstmord – vollendet oder versucht – noch nicht einmal im Generalverzeichnis psychischer Störungen DSM-5 vorkommt, sind, wie zu erwarten, auch gezielte große Studien dazu selten. Und mager sind auch Initiativen, die die Zahlen nach unten drücken wollen. In Nature formulierten die Niederländer André Aleman und Damiaan Denys vor einigen Wochen einen Vier-Stufen-Plan, der als erstes eine genaue Definition der Suizid- und Suizidversuch-Symptomatik vorsieht. Zum zweiten solle man versuchen, mehr über die Mechanismen zu lernen, die einen Menschen dazu treiben. Schließlich sollten gezielte Forschungsprogramme mit angemessenem Budget dazu führen, dass im vierten Schritt wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen die Zahlen deutlich nach unten treiben.

Erfolgreiche Prävention

Ein solches Präventionsprogramm aus Deutschland hat es inzwischen zu internationalem Ansehen gebracht und wird häufig zitiert: Auch die „Nürnberger Allianz gegen Depression“ fußt auf vier Säulen, zu denen Information und Training für Ärzte gehört, entsprechende PR-Aktionen, um die breite Öffentlichkeit zu erreichen, sowie die Instruktion von Multiplikatoren wie Priester, Sozialarbeiter, Altenpfleger oder Lehrer. Schließlich möchte das Programm mit Informationsangeboten auch Menschen erreichen, die bereits einen Suizidversuch hinter sich haben sowie Angehörige und Selbsthilfegruppen. Unter der Führung von Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ging in der Region Nürnberg-Erlangen die Zahl der Selbstmorde und Selbstmordversuche um rund 24 Prozent zurück. Das erfolgreiche Programm ist inzwischen in eine europäische Initiative (OSPI) übergegangen und in mehreren Ländern fest eingeführt.

Der Selbstmord darf kein Tabuthema bleiben. Auch Ulrich Hegerl und sein Team hatten Erfolg damit, Irrwege, die ohne Ausweg enden, an die Öffentlichkeit zu bringen und zum Gesprächsthema zu machen. Die Mitgliedsstaaten der WHO haben sich verpflichtet, ihre Suizidrate bis 2020 um mindestens zehn Prozent zu senken. Für Menschen, die keine Alternative mehr zur Selbsttötung sehen, muss es einen anderen Weg geben. Daran mitzuwirken, ist die Aufgabe von Politikern, Ärzten und der ganzen Gesellschaft.

162 Wertungen (4.68 ø)
Medizin, Neurologie, Psychiatrie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

22 Kommentare:

Ellen Hesch
Ellen Hesch

E. Weber; Tierärztin
Ein Grund für Suizide, der hier gar nicht auftaucht, ist die Auslösung einer Depression bis zum Suizid durch die Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, die z. B. zur Raucherentwöhnung dienen – Mein Bruder hat sich nach Einnahme eines solchen Medikamentes “spontan” – ohne Vorwarnung, ohne psychatrische Anamnese und ohne einen äusserlich sichtbaren Grund das Leben genommen.
Diese Medikamente werden viel zu wenig beachtet; selbst der Hausarzt, der meinem Bruder dieses verschreibungspflichtige Medikament veordnet hat, hat es nicht für nötig befunden, diesen Suizid als “nicht erwünschte Arzneimittelwirkung” der entsprechenden Stelle zu melden, obwohl Auslösung einer Depression bis zum Suizid als Nebenwirkunggen bekannt, dokumnetiert und auch in der Packungsbeilage beschrieben sind.

#22 |
  0
Medizinjournalist

Ich denke, Sie sollten vor allem einmal das Gespräch suchen. Ein Gespräch mit Menschen, denen a) ihr Schicksal nicht egal ist und b) die mehr Möglichkeiten haben, Ihnen zu helfen als sie selber, wenn Sie auf sich selbst gestellt sind. (und Lösungen zu finden, die Sie selber vorher nicht gesehen haben)
Wenn Sie das wollen, auch ganz anonym.
Unter folgenden Adressen erreichen Sie solche Menschen:
http://www.suizidprophylaxe.de/Hilfsangebote/liste%20der%20einrichtungen%20zur%20suizidpraevention.htm
( http://www.suizidprophylaxe.de/Hilfsangebote/hilfsangebote.htm )
Zumindest einen Versuch sollte das wert sein.

#21 |
  0
Franz Eh Egal
Franz Eh Egal

Seit Mai geschieden und in einer “glücklichen” Beziehung (denke ich Mal) habe ich den Drang aus dem Leben zu scheiden. Allein der Gedanke an meine Kinder nach meinem Gehen…lässt mich noch zögern….und die Angst statt zu gehen …vielleicht zu vegetieren im Koma….. Irgendwie scheine ich keinen Ausweg zu finden…. Chronisch krank, seit jetzt auch noch arbeitslos…. will ich einfach nicht mehr….hmm, was tun

#20 |
  0
Brunhilde Dissen
Brunhilde Dissen

Ich arbeite fast 30 Jahren als Fachkrankenschwester in der Psychiatrie – überwiegend auf einer Akutstation.
Nach meiner Erfahrung sind die Freunde und Angehörigen am meisten betroffen / entsetzt über die “Einweisung”. Die Mehrheit der Menschen nach Suizidversuch erleben die Begleitung, die Möglichkeit unter dem Schutz der Schweigepflicht offen über Gefühle und vorhandene Suizidgedanken zu reden – ohne Be/Abwertung als Hilfe. So können sie diese Krise bewältigen und ihr Leben wieder oder auch neu in die eigenen Hände nehmen.
Jedem der in diesem Bereich arbeitet ist bewusst, dass wir den Wunsch zu Leben nicht erzwingen können und wir letztlich den Menschen nur die Hand hinstrecken können.

#19 |
  0
Gast
Gast

Super Initiative – super Sache. Ich helfe Euch!

#18 |
  0
Petra Müller
Petra Müller

Ich finde es sehr gut, dass das Thema Suizid hier angesprochen wird – leider Altersgruppen bezogen ….

Ich habe meinen suizidalen Ehemann (45) mehrere Jahre begleitet. Er litt unter schweren Depressionen und Persönlichkeitsstörungen. Im März nun hat er sich das Leben genommen.

Hilflos musste ich mit ansehen, wie unflexibel die stationären Behandlungsangebote in Kliniken waren, wie schwierig es war, Anlaufstellen zu finden, wo Suizid ohne Befürchtung einer Zwangseinweisung thematisiert und angesprochen werden durfte, wie schwierig es war, einen geeigneten ambulanten Therapieplatz zu bekommen, wie wenig kooperativ sich die Krankenkasse und vor allem !!!!! die Rentenversicherung erwiesen haben. Trotz internem Widerspruch und Nachreichung von Klinikberichten, aus denen eindeutig hervor ging, wie krank mein Mann war, wurde eine hoffnungsvolle Reha-Maßnahme abgelehnt und mein Mann für arbeitsfähig auf dem ersten Arbeitsmarkt befunden !!! Das war ein absolut vernichtendes Urteil und führte letztendlich zum Suizid, obwohl bekannt war, dass er stark Suizid gefährdet war und unter schweren Depressionen litt ….

Wenn ich mit ihm zum Arzt ging, fühlte ich mich so manches Mal nicht ernst genommen oder außen vor gelassen. Aber ich war diejenige, welche am nächsten am Geschehen dran war und für meinen Mann sprechen konnte. Ich bin der Meinung, dass Angehörige viel öfter und besser in die Therapie integriert werden sollten, sofern das vom Patienten erwünscht ist, wie in unserem Fall.
In vielen Situationen ist ein schwer Depressiver überfordert.
Hier sind die Gesetze insbesondere bei der Einhaltung von Fristen (z.B. bei Fortschreibung der Arbeitsunfähigkeit bei Krankengeldbezug) viel zu unflexibel.

Zwangseinweisungen sind traumatisierend, aber manchmal notwendig, wenn das eigene Leben und auch das anderer in Gefahr ist. Hier hat die Klinik sehr fürsorglich gehandelt.

Man darf auch nicht vergessen, dass es ein Recht auf Krankheit gibt und viele Kranke therapiemüde sind und hin und wieder eine Pause oder eine andere Therapie brauchen, weil die letzte/n nicht geholfen haben. Nicht immer sind die Kranken kooperativ. Auch das gehört zum Krankheitsbild.

Es gibt immer einen, oft auch mehrere Auslöser, die das Fass zum überlaufen bringen, wo der Suizidale Bilanz zieht und Suizid begeht. Doch die Ursache der Suizidalität liegt weit zurück in der Kindheit, in der aus unterschiedlichsten Gründen kein Urvertrauen, kein Selbstwert, kein Selbstvertrauen entstanden ist.

Ursache kann z.B. folgendes sein: Traumatisierende Situationen in der Kindheit, eine sehr strenge und durch strukturierte Erziehung, die eine Entwicklung zu einem gesunden Selbstwert nicht zuließ, mangelnde emotionale Zuwendung, dafür gut gemeinte materielle Zuwendung, ein suizidales Familienmitglied mit Vorbildwirkung und vieles mehr ….

Im Laufe des Lebens lassen Enttäuschungen alte Wunden aufbrechen, neue Verletzungen kommen hinzu, Jobverlust führt zu Perspektivlosigkeit, Sorgen und Nöte werden nicht ernst genommen, weil andere meinen, besser zu wissen, was gut ist und was nicht ….

Liebe Eltern, gebt Eurem Kind ehrliche und aufrichtige emotionale Zuwendung, tröstet nicht mit “Es ist doch alles halb so schlimm”, “Ein Indianer kennt keinen Schmerz ….”, geht auf Augenhöhe und nehmt den Schmerz und die Sorgen ernst, tragt Meinungsverschiedenheiten in der Erziehung nicht vor den Kindern aus, sagt niemals in dessen Gegenward “Aus dem wird sowieso nichts, wenn ….”,
droht niemals, Euch umzubringen, wenn ihr selber nicht weiter wisst und glaubt nicht, dass Kinder nicht mitbekommen, wenn es Streit gab, wenn Suizidversuche im Haus stattgefunden haben …. wenn doch, redet mit Euren Kindern darüber … .

Und liebe Lehrer, seid nicht gleichgültig, wenn ein Kind nicht mitkommt in der Schule oder in seelischer Not ist, weil es z.B. geärgert oder ausgegrenzt wird.

Mir hat der Satz “Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdiene.”
sehr geholfen, in besonders schwierigen Phasen nicht aufzugeben.

Dass mein Mann so nicht mehr weiter leben wollte (denn grundsätzlich wollte er ja leben, etwas leisten, gebraucht und auch geschätzt werden), war allein seine Entscheidung.

Für die Hinterbliebenen ist das schwer zu akzeptieren.

Hiermit pflichte ich dem Fazit des Artikels bei … Vielen Dank, Herr Lederer ….

#17 |
  1
Heilpraktiker

Dr. Hans Börger
@Gast #6, „das mit den Mädchen sollten Sie [gemeint ist Herr Lederer] schon wissen“
Zu einer (!) Funktion des Suizids hat einer meiner früheren Kollegen, dessen Name mir nach vier Jahrzehnten nicht mehr geläufig ist, am Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität zu Köln (Direktor: Prof. Dr. med. Dr. phil. Hans H. Anger) eine Dissertation zum Thema “Die Appellationsfunktion des Suizids“ vorgelegt – methodisch hervorragend, da ihr als statistische Grundgesamtheit die Abschiedsbriefe aller (!) in einem definierten Zeitraum im behördlichen Kölner Zuständigkeitsbereich erfassten Suizide zugrunde lagen. Daraus ergab sich, dass „Appellation“ unabhängig u. a. von Lebensalter und Geschlecht war.

#16 |
  0
Gast
Gast

@Dirk Reske zu den “Naturvölkern” kann ich nur indirekt antworten, denn es gibt z.B. in Europa ein deutliches Nord-Südgefälle mit negativer Korrelation sowohl zu materiellem Wohlstand wie Gewalttätigkeit sprich Mord.
In Italien mehr Morde, weniger Suicid. In Finland weniger Morde deutlich mehr Suicid, auffällig mit Bevorzugung von Männern.
Auch Reichtum schützt nicht vor Suicid.

#15 |
  0
Gast
Gast

Depression als eine Hauptbedingung scheint bei Studenten normal unter 30 mehr als über 30. Wobei tatsächlich bei Medizinern häufiger, wiederum bei Verheirateten seltener als bei Singles (personal support) Alkohol und schlechter Schlaf verschlimmert das Risiko. Zigaretten und Übergewicht dagegen eher nicht.

#14 |
  0
Dirk Reske
Dirk Reske

Spontansuizide sind für die Umgebung oft nicht zu erkennen, der gewählte Freitod ohne Abschiedserklärung ist für die Angehörigen ein Trauma, ähnlich dem der Unfalltoten. Wer aber denkt er könne mit Aufenthalten in der geschützten Abteilung einer Psychiatrie das ganze verhindern, der irrt. Medikamente deckeln für die Zeit des Aufenthaltes, dananach fängt die Odysse nach der Suche eines therapeutischen Konzeptes an, ganz zu schweigen von der Übernahme der Kosten durch die Kassen. Gründe für den Freitod sind schon bei Frau Bausmer ausreichend benannt, jedoch gibt es immer wieder den Freitod ohne scheinbare Gründe. Daran wird sich auch durch wissenschaftliche Untersuchungen nichts ändern. Interessieren würde mich auch ob es Erkenntnisse über Suizide bei den sogenannten Naturvölkern gibt.

#13 |
  0
Dr. med. Karsten Müller
Dr. med. Karsten Müller

Der Artikel ist fachlich inhaltlich sehr wertvoll und gesellschaftsrelevant.
Vor 2 Wochen suizidierte sich meine 4 J. jüngere Schwester im Alter von
49 J. und hinterliess 2 zutiefst traumatisierte Kinder, 2 massiv erschütterte
Geschwister, Eltern, Ehemann, Freunde, Kollegen und Bekannte. Die Trauer-
andacht war ein einziges Grauen: Trauer, Verlustschmerz, viel Weinen und
die allgegenwärtige Frage aller: Warum musste das sein, sie war doch so
ein guter und fröhlicher Mensch? Auch ich als Frauenarzt und Psychotherapeut
weiss keine Antwort auf diese Frage und bin voller Schuldgefühle, dass ich
ihren seelischen Leidensdruck nicht erkannt habe…

#12 |
  0
Medizinjournalist

“Der Verlust eines Familienmitgliedes, Freundes, aber auch eines Patienten durch Suizid ist meist eine Katastrophe, deren weitere folgen können.
Es lohnt sich also, gut und umfassend zu (be)handeln.”

Vielen Dank, Herr Brüning, für ihren Kommentar. Leider kenne ich eine solche “Kettenreaktion” aus eigenem (Mit-)Erleben – nicht zuletzt daraus entstand auch der Wunsch, dieses Thema auch einmal ausführlich zu recherchieren und darüber zu schreiben.

#11 |
  0
Dietmar Brüning
Dietmar Brüning

Oh wie schön, dass diese Thema mal bearbeitet wird, ohne auch nur eines der vielen Medikamente “verkaufen zu wollen”.
Dieses Thema kann nur ganzheitlich angegangen werden, darum bin ich dankbar, dass die multidizipiläre Sicht auf dieses schwierige Thema geworfen wird.

Soziale (familiäre, finanzielle, berufliche… Probleme) angehen < Soziale Arbeit
Selbstbewusstsein steigern, Lebensfreude fördern < Psychotherapie
Gesundheit fördern, körperliches Leid mindern < Medizin
Behinderungs- und Krankheitsbedingte Fähigkeitsstörungen kompenseren < Pflege (Altenpflege, bzw. Gesundheits- und Krankenpflege)
und wenn ein Zugang dazu besteht, wegen mir auch Relegion.

Aber den Menschen ernst nehmen, nicht zwangsbehandeln, auf Augenhöhe bleiben und nicht zusätzlich sedieren.

Im Übrigen: Ärtze haben die höchste Suizidrate unter den Berufsgruppen!

Der Verlust eines Familienmitgliedes, Freundes, aber auch eines Patienten durch Suizid ist meist eine Katastophe, deren weitere folgen können.

Es lohnt sich also, gut und umfassend zu (be)handeln.

#10 |
  0
Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

Das ein Selbstmord wie andere Probleme gelöst werden muß, da er sonst immer wieder entsteht , wie .keinen Ausweg zu finden, dann ZU HÖREN DAS ES ANDEREN eGAL IST; DA GIBT ES DOCH DIE ÄRZTE::::TUT NICHT GANZ dazu beitragen. Der Arzt ist zwar eine Lösung für das Gespräch und die Medikamente , auch um eine Therapy zu emphehlen, aber die Probleme die die Selbstmordgedanken auslösen wie Verluste der Ehre, Unrechtsgefühlele , Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung und Unterdrückung, unfrei sein, überflüssig… müssen eigentlich Preventativ für Alle veranlasst werden.-

#9 |
  0
Heinrich Heintzmann
Heinrich Heintzmann

Herr Gögel, eben diese Menschen habe keine freie Wahlmöglichkeit mehr aufgrund ihrer Erkrankung. Im Artikel geht es wohl eher nicht um Bilanzsuizide a la Gunter Sachs.

#8 |
  0
Michael Gögel
Michael Gögel

Ein Mensch sollte frei entscheiden sollen. Ich verstehe nicht warum man Suizidkandidaten unbedingt von Ihrem Vorhaben abbringen möchte.

Genauso wie man sich zum Leben entscheidet sollte man auch die Freie Wahlmöglichkeit zum nicht leben haben.

#7 |
  0
Gast
Gast

Ja, Herr Lederer, das mit den Mädchen sollten Sie doch aber wissen!
Das sind zu 90% Demonstrationsversuche, die gerettet werden wollen.

#6 |
  0
Gast
Gast

“Für Mädchen ist die Gefahr größer; Rauchen, Alkohol, Migrationshintergrund oder die Trennung der Eltern steigern sie noch weiter. ”

Was soll dieser Blödsinn? Jungen ohne Migrationshintergrund haben die höchste Selbstmordrate unter Jugendlichen. Und genau weil sie scheinbar nicht zu einer angeblich “benachteiligten Randgruppe” gehören lässt man sie wohl auch im Regen stehen.

#5 |
  0
Arzt
Arzt

Der Mensch ist mit seinen vielfältigen Talenten ein (potentieller) Problemlöser.
Fest steht, dass Suizid eine unangemessene Reaktion auf jegliches Problem darstellt.
Daher ist der Anteil an echten Erkrankung bei Suizidversuchen rel. hoch, die auch ärztlich-psychiatrische Behandlung benötigen.
Die primäre Lebensrettung bei Einlieferung in entsprechende internistische Spezialstationen (Vergiftung) klappt meist hervorragend, die kausale Therapie fängt aber erst danach an.

#4 |
  1
Arzt
Arzt

Dr. med. Albrecht Stoeffler nicht so empfindlich.
Was müssen sich Lebertransplanteure von Staatsorganen alles anhören!

#3 |
  0
Arzt
Arzt

ein wirklich gutes Thema, Herr Lederer,
Ärzte sind hier ganz sicher nicht ausreichend.

#2 |
  0
Dr. med. Albrecht Stoeffler
Dr. med. Albrecht Stoeffler

Eine Bitte (nicht nur) an den Autor: der Terminus “Selbstmord” sollte vermieden werden und immer durch Suizid oder Selbsttötung ersetzt werden. Ein Suizid sollte nicht mit moralischer Verwerflichkeit assoziiert werden – und die “niederen Motive” etc. gehören nun mal zu den Kriterien für Mord.

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: