Dyskalkulie: Leseschwäche inklusive

16. Oktober 2014
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Mehr als die Hälfte der Kinder mit Dyskalkulie sind auch von Legasthenie betroffen, wie Kinder- und Jugendpsychiater der LMU München herausgefunden haben. Sie fordern mehr Fingerspitzengefühl bei der Diagnose, um betroffene Kinder früh und intensiv zu fördern.

Eine Rechenstörung bei Grundschülern tritt häufig nicht isoliert auf. Wie Forscher der LMU München im Rahmen einer Studie nachweisen konnten, zeigte mehr als die Hälfte der getesteten Kinder mit einer Dyskalkulie zusätzlich eine Lese- oder Rechtschreibstörung oder sogar beide Ausprägungen der Legasthenie.

„Betroffene Kinder brauchen eine intensive und spezifische Förderung, sonst ist die Gefahr des schulischen Scheiterns sehr groß“, sagt Prof. Gerd Schulte-Körne, Leiter der Studie und Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der LMU. „Für die Behandlung der Dyskalkulie und der beiden anderen Lernstörungen gibt es vielversprechende Ansätze, die aber ein intensives, über einen längeren Zeitraum gehendes Training voraussetzen.“

Betroffene schätzen Mengen falsch ein

Laut Schulte-Körne fehlt Kindern mit einer Dyskalkulie insbesondere die Vorstellung für Mengen und Größenordnungen: „Sie können zum Beispiel nur schwer einschätzen, wie viele Milliliter in einen Liter passen.“ Über die Ursachen dieser Lernstörung ist noch wenig bekannt. Aktuelle Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass bei den Betroffenen nicht nur die für die Vorstellung von Mengen zuständigen Gehirnregionen, sondern auch die von ihnen ausgehenden Nervenfasern verändert sind.

An der in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Studie nahmen 1.633 Dritt- und Viertklässler aus 18 Grundschulen in München und Umgebung teil. Die Lernfähigkeiten der Schüler untersuchten Schulte-Körne und seine Kollegen klassenweise mithilfe dreier Tests. Zuerst sollten die Schüler einfache Sätze („Hunde können bellen“) so schnell wie möglich lesen und ankreuzen, ob ihre Bedeutung zutrifft oder nicht. Danach überprüften die Forscher deren Rechtschreibung mit einem kurzen Diktat. Zum Schluss lösten die Schüler Rechenaufgaben: Für jede der vier Grundrechenarten mussten sie jeweils binnen zwei Minuten so viel richtige Antworten wie möglich finden. Mit ihrer Untersuchung wollten die Forscher um Schulte-Körne nicht nur herausfinden, wie häufig Lernstörungen bei deutschen Schülern sind, sondern auch, ob Dyskalkulie und Legasthenie gemeinsam auftreten können.

Nervenfasern zwischen Gehirnregionen könnten verändert sein

Die Ergebnisse der Studie überraschten die Forscher: „Wir sahen eine auffällig hohe Überlappung zwischen den einzelnen Lernstörungen“, sagt Schulte-Körne. „57 Prozent der Kinder mit Dyskalkulie litten auch an einer Legasthenie.“ Insgesamt hatten fast 3,5 Prozent der getesteten Kinder sowohl eine Rechen- als auch eine Rechtschreibstörung. Deren gemeinsames Auftreten erklärt der Forscher wie folgt: „Im Gehirn ist der visuelle Cortex, der für die grafische Repräsentation von Ziffern und Buchstaben verantwortlich ist, über Nervenfasern direkt mit dem Hörzentrum verbunden“, so Schulte-Körne. „Wenn in den Leitungsbahnen zwischen den beiden Gehirnregionen Störungen auftreten, dann wirkt sich das zwangsweise sowohl auf die Rechen- als auch die Schreibfähigkeiten aus.“

Im Schulalltag bleibt das gemeinsame Auftreten von Lernstörungen viel zu häufig unentdeckt: Kaum jemand, so Schulte-Körne, schaue bei einem Kind, wenn es beim Rechnen Probleme habe, ob es auch Probleme beim Schreiben habe und umgekehrt. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen eindeutig, dass eine solche Praxis nicht zu rechtfertigen ist“, findet Schulte-Körne. „Sobald ein Schüler beim Lernen spezifische Probleme hat, müssen wir in Diagnostik und Förderung das gesamte Spektrum der Lernstörungen mitberücksichtigen.“ Derzeit gibt es in deutschen Schulen jedoch kein systematisches Vorgehen, um Kinder mit einer Rechenstörung zu entdecken und zu fördern.

Förderung sollte möglichst früh beginnen

„Ein großes Problem ist zudem, dass angehende Lehrkräfte in ihrem Studium nicht lernen, dass Dyskalkulie als eigenständige und behandelbare Lernstörung überhaupt existiert“, sagt Schulte-Körne. Seiner Meinung nach wären insbesondere Frühförderprojekte geeignet, in deren Verlauf Kinder auf spielerische Weise Mengen und Zahlen schon in der Vorschule kennen lernen. „Man kann selbst bei einer Förderung in der Grundschule noch ausreichende Fortschritte erzielen, so dass Schüler mit Dyskalkulie die nächsten Hürden im Mathematikunterricht überwinden können“, sagt Schulte-Körne. „Die Fördermaßnahmen sollten jedoch nicht schlagartig nach dem Übergang von Grundschule in die weiterführende Schule aufhören, sondern danach fortgesetzt werden.“

Andere Experten teilen die Meinung des Münchener Forschers: „Schon in deutschen Kindergärten dominiert eine Abwehrhaltung gegen alles, was früh vorbereitend ist“, sagt Prof. Marcus Hasselhorn, geschäftsführender Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt. „Dann ist es kein Wunder, wenn in der Schule die Probleme verstärkt auftauchen.“ Um Lernstörungen aufzuspüren, so Hasselhorn, sollte die dafür nötige Diagnostik spätestens an den Schulanfang gelegt werden. Bei Dritt- und Viertklässlern hätten sich Lernstörungen schon ziemlich gefestigt und es erfordere einen hohen Aufwand, sie zu beheben.

Britisches Modell misst individuelle Lernverläufe

Hasselhorn favorisiert ein Diagnoseverfahren, wie es bereits viele Schulen in Großbritannien praktizieren. Dort überprüfen Lehrer ab der ersten Klasse in halbjährigen Abständen die Rechen- und Schreibfähigkeiten ihrer Schüler. Ein Universitätsinstitut wertet die Tests zentral aus und schickt die gemessenen Lernverläufe den Lehrern in standardisierter Form zurück. Diese haben so rechtzeitig die Möglichkeit, individuelle Fördermaßnahmen zu treffen und so die Quote für das Auftreten von Lernstörungen niedrig zu halten.

Nicht nur Hasselhorn sondern auch Schulte-Körne fordert ein Umdenken in der deutschen Bildungslandschaft: „Dyskalkulie und Legasthenie treten viel häufiger gemeinsam auf als bisher gedacht. Viele Kinder in Deutschland sind davon betroffen und deshalb müssen alle Verantwortlichen hier viel genauer hinschauen“, so Schulte-Körne. „Im Moment wird diese Problematik noch weitgehend ignoriert und viele Kinder mit Dyskalkulie alleine oder in Kombination mit einer Legasthenie erreichen nicht den eigentlich für sie möglichen bildungsadäquaten Abschluss, was sich unsere Gesellschaft auf Dauer nicht leisten kann.“

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Medizin, Neurologie, Pädiatrie

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14 Kommentare:

Arzt
Arzt

@Daphne Mertig-Feldmann, ein mutige Bekenntnis.
Ganz ohne Schreiben, Lesen, Rechnen geht es nun mal nicht in unserer realen Welt.
Wichtig für alle Pädagogen, den emotionalen Zugang dazu zu schaffen, mit “Pauken” gelingt das offensichtlich bei vielen nicht.

#14 |
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Lieber Herr Licht
Sie sprechen mir aus dem Herzen, wir Menschen sind zum Glück sehr unterschiedlich, und so ist es auch für unsere Kinder. Es ist aber auch so, dass sie einen Kurzsichtigen die Brille nicht verwehren, und einem Gelähmten den Rollstuhl anbieten. Bei der Legasthenie und Dyskalkulie ist es auch nur EIN Teil der nicht so ganz funktioniert, und leider gibt es keine Brille oder Rollstuhl der es uns leichter macht IN UNSERER BEGABUNG zu handeln. Es geht nicht darum ein Kind kaputt zu therapieren, vielmehr ihm zu helfen in der Welt der Symbole klar zu kommen und nicht ein Analphabet zu sein (was häufig passiert wenn man nicht ein wenig nachhilft). Es ist wichtig den Straßennamen lesen zu können, auch den eigenen Wahlzettel entziffern zu können, abgesehen davon ist in der Heutigen Zeit so viel über schriftliche Sprache vorhanden und so viel wichtiges wird auch über diesen Weg vermittelt, dass es schnell für einen Legastheniker eng werden würde und er auch schnell am Rande der Gesellschaft stehen könnte. Also eine Therapie, ist hier wie eine Brille für den Kurzsichtigen. Es gibt auch sehr nützliche Merkmale vieler Legastheniker die die Gesellschaft schätzt. Wir sind oft sehr Innovativ (in verschiedenen Bereichen) haben oft einen ganz anderen Ansatz in der Analyse von Problemen und auch oft andere Lösungswege, so dass wir hier eine Bereicherung sind, unser dreidimensionales denken ist oft besser, meist sind wir auch recht Bodenständig, und viele von uns sind auch extrem unordentlich, finden aber dennoch alles mit einem Handgriff… (dies letzte ist nicht unbedingt nützlich für die Gesellschaft).
Heutzutage wird in den Schulen ein zu großer Wert auf Rechtschreibung und schnelles Kopfrechnen gelegt, (eine Lehrerin meinte sie bräuchten schnelles rechnen wenn sie kellnern wollen, ich sagte nur zu unserer Tochter: “es ist wichtiger, dass wenn sie eine Brücke baut diese nicht einstürzt, als dass sie schnell zusammenrechnen kann beim kellnern), also haben wir beim Üben für die Arbeiten es so gehandhabt dass wenn wir wettrechnen oder Textaufgaben lösen übten, der gewonnen hat der es richtig hatte, erst dann kam die Geschwindigkeit, und unsere Tochter hat oft gewonnen, was sie auch motivierte ( ein glück das ich es auch nicht so kann).
Ich hab eine Schulbibliothek geleitet, und stand mir mal wieder mit meinem Fehlerkomplex im Weg, bis es mir einfiel den weiteren helfenden Mütter zu sagen, dass sie gerne meine Fehler korrigieren dürften, (ZB. im Mitteilungsheft oder in Aushängeschildern) und dass wenn sie was nicht verstehen, sie mich gerne immer fragen können, ich hab meine Handynummer daneben geschrieben, und das Resultat war dass sie die Schilder natürlich korrigierten, und so der Druck für mich weniger wurde, und nie jemand anrief weil er meine Mitteilung nicht verstanden hat so hab ich den „hinterm Rücken lästernden“ den Wind aus den Segeln genommen . Also mit meinem heutigen Stand scheint es meistens zum Verständnis zu reichen. Abgesehen davon gibt es in Word einen Korrektor der auch noch einiges wegzaubert. Ein bisschen so was wie eine Brille. Ich lese für mein Leben gern, brauch deutlich länger, und würde nie freiwillig (außer kleinen Kindern) laut vorlesen. Auch schreib ich nicht so gerne Postkarten, weil ich so oft zweifle wie das wohl geschrieben wird, und ob dieses Wort nicht vielleicht eine Ausnahme zur Regel ist. Beim Rechnen nehme ich am liebsten Excel und schreib die Formel rein, erstens entstehen weniger Zahlendreher und abschreifehler, zweitens kann ich verknüpfen und auch kontrollieren. So kann man sich heute helfen.

#13 |
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Rettungsassistent

@ Karl-Heinz Licht
Was für ein Unsinn. Was bitte schön soll es denn für ein “Schatz” sein, wenn ein Kind nicht rechnen kann, weil ihm das Verständnis für Mengen, Entfernungen und Zahlenoperationen völlig fehlt. Wenn ihm dadurch in der Schule eigenes Versagen ständig vor Augen geführt und es als dumm abgestempelt wird. Wenn es dadurch von den Mitschülern ausgelacht und ausgegrenzt wird. Die Therapie ist langwierig, und teuer, aber es lohnt sich, wenn sie von fachlich versierten Kräften durchgeführt wird. Wenn Sie die Tränen, den Frust und die Selbstzweifel bei einem Kind mit Dyskalkulie selbst hautnah miterlebt hätten würden sie sicherlich nicht so selbstgerecht daherreden.

#12 |
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Medizinjournalist

Heisenberg bewies, dass Messungen das gemessene Objekt beeinflussen. Je mehr Kinder auf irgendeine Schwäche untersucht werden, umso sicherer sind bald alle defekt und müssen gefördert werden. Menschen sind unterschiedlich. Wenn das stimmt, können sie nicht gleich schlau sein. Das erste Recht eines Menschen ist es, individuell zu sein und nicht in erster Linie in einen Messkäfig zu passen. Wenn wir früh fördern, sehen die Kinder bald aus wie heutige Tomatenrispen – 6 m lang und industriell nutzbar. Äpfel werden inzwischen auch so gezogen. So wie es bald keine natürlichen Tomatenstauden und Äpfelbäume mehr geben wird, gibt es dann auch keine individuell entwickelten Kinder mehr. Der Schatz “Individualität” ist das menschlichste an Menschen und er wird mit der frühen Förderung zerstört. Ist es das wert, dass wir aus Kindern Clone machen? Was kriegen wir dafür – schulische Leistungen, die ohnehin nichts mit dem Wissen, das in der Zukunft benötigt, zu tun haben. Oh je die armen Kinder dieser Tage. Der Reparaturwahnsinn kommt aus dem KFZ-Gewerbe, wie es aussieht. Sie müssen nicht repariert werden, sie sind nicht kaputt. Sie entwickeln sich aus sich heraus. Entwicklung bedeutet, ändert sich, wird noch, niemand weiß was. Lediglich die Normen, die gesetzt werden, ordnen sie rücksichtslos in falsch und richtig ein. Klar und sind sie erstmal mit “falsch” etikettiert, kann auch Ritalin rein.

#11 |
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Daphne Mertig-Feldmann
Ich bin selber Legasthenikerin und Dyskalkulikerin , hab auch eine Tochter die es geerbt hat, wenigstens war das Thema somit für mich bekannt . Man muss, bevor man an die Therapie geht, rausfinden welche Wahrnehmungsstörungen vorhanden sind, und dann geht es darum das Problem zu reduzieren. Oft helfen Regeln und Strategien die Fehlerquote zu reduzieren. Diese lernt man aber nicht in der Schule denn dann würde kaum noch ein Anderes Kind es schaffen im Lernstoff weiter zu kommen, dafür braucht man einen Therapeuten ( falls man es sich leisten kann). Was die Dyskalkulie angeht muss man am Mathematischen denken arbeiten, und schauen das man das rechnen ( welches nur langsam und schwer geht ) methodisch angeht. So kann auch ein Leg. + Dys Abitur machen und studieren falls dies seine Begabung ist. ( Ich bin Ärztin und habe einen Executive MBE) also ganz dumm können wir wohl nicht sein.
Motivation ist wesentlich und das müssen Lehrer wie auch Eltern verstehen, wer mit Spass lernt lernt besser, und kann auch länger dran bleiben.
Es gibt Kinder die in irgend einer Etappe Ihres Lebens nicht gut Lesen , schreiben oder rechnen können, dies kann auch eine Störung sein die auch oft ernst genommen werden muss aber nicht die vererbte Legasthenie Dyskalkulie ist, diese Kinder können meist mit der richtigen Therapie von ihren Schwierigkeiten befreit werden, bei der Erblichen Wahrnehmungsstörung kann man durch eine Therapie Verbesserungen erzielen, es wird aber weiterhin was übrig bleiben.
Es gilt auch Lehrern das Werkzeug im Umgang dieser Kinder an die Hand zu geben, welches leider in der Ausbildung meist zu kurz kommt, und auch die Eltern sollten lernen wie sie Ihr Kind zum Erfolg begleiten können und wie wertvoll die Zeit ist die sie gemeinsam lernen. und der dritte Pfeiler um dieses Kind herum ist das Gesetz welches diese Teilleistungsstörung in allen Bundesländern so gestalten sollte, dass auch diese Kinder sich in ihren Begabungen entwickeln und diese später auch als Beruf ergreifen können. Für diese drei Pfeiler ist noch viel Arbeit in Deutschland zu leisten, ich danke den Forschern, die uns und unserer Umwelt klar machen das wir nur eine TEILleistungsstörung haben, und nicht unbedingt Dumm sind, wie wir uns in den ersten Schuljahren erleben wenn wir in der 5 klasse immer noch die Finger zum rechnen brauchen. Einen kleinen Joker haben wir, die neue Rechtschreibreform ist uns egal, wir tauschen die Regel im Kopf aus und wenden sie dann einfach an… :-) Ihnen Herr Braun vielen Dank.

#10 |
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Dr. med. Jörn-Uwe Droemann
Dr. med. Jörn-Uwe Droemann

Dass Herr Jurisch und Herr “Arzt” sich so ahnungslos äußern, ist zwar bedauerlich, die Herren disqualifizieren sich aber selbst. Übrigens die zitierte Depression ist larviert und nicht laviert, Letzteres ist in der Malerei üblich.
In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass z. B. im Schulentwicklungsland NRW die Dyskalkulie noch nicht einmal für Nachteilsausgleich oder Förder- und Schutzmaßnahmen anerkannt ist. Kein Wunder bei einer Erlasslage aus dem Jahr 1991 und einer Lehrerschaft, die mehrheitlich nicht die Energie aufbringt und den Mut hat, für die Schüler, immerhin ihre Schutzbefohlenen, sich den nötigen Sachverstand anzueignen und diesen dann auch den Aufsicht führenden Schulbehörden gegenüber zu vertreten.
Zwar sind die Lernstörungen kodifizierte Krankheitsbilder, wie Herr Wolkerstorfer richtig schreibt, aber die deutschen Krankenkassen erkennen sie – aus durchsichtigen Gründen – dennoch nicht als behandlungsbedürftige Erkrankungen an, so dass die Therapien privat bezahlt werden müssen.
Der Großteil der Familien meiner legasthenen oder rechenschwachen Patienten kann sich die teuren Therapien der Lernpraxen dann auch nicht leisten. Jahrelange Neurotisierungen, u. a. mit veritablen Depressionen, sind die Folgen, ganz abgesehen von dem meist eben doch inadäquat zur sonstigen Begabung – und auch dem häufig enormen Anstrengungswillen – erreichten niedrigeren Bildungsabschluss der Betroffenen.

#9 |
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Prof. Dr. med. Heribert Jürgens
Prof. Dr. med. Heribert Jürgens

Bei den neuen Lernmethoden in der Grundschule wundert mich das überhaupt nicht!

#8 |
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Arzt
Arzt

Psychologen müssen natürlich an ihre selbst definierten Krankheiten glauben.
Am unverschämtesten finde ich die “lavierte Depression”.
Patient zum Therapeut:
“Nun glauben Sie mir doch endlich, ich habe keine Depression”
Therapeut:
“Doch doch, ich bin der Fachmann, Sie wissen es nur nicht, dass Sie deprimiert sind.”

#7 |
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@ Heipraktiker Jurisch:

Legasthenie und Dyskalkulie sind längst anerkannte umschriebene Entwicklungsstörungen des Kindes- und Jugendalters ICD-9 315, 1980 (!).

Es gibt dazu ausführliche Forschung mit so ziemlich allen erdenklichen Methoden.

Üben, üben, üben ist in den allermeisten Fällen nicht nur unnütz, sondern definitiv schädlich (vgl. Moser, Landerl, Wimmer: Salzburger Lese- und Rechtschreitest).

Bitte informieren sie sich, bevor sie mit Kraftausdrücken “argumentieren”.

#6 |
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Heilpraktikerin

Hallo, als ehemalige Kindergartenleiterin (Erzieherin) kann ich einige Aussagen des Artikels so nicht stehen lassen. Auch im Kiga wird schon die phonologische Bewusstheit sowie Mengenverstaendnis trainiert.
Kinder mit Maengeln in diesen Bereichen werden auch hier schon erkannt und zu den entsprechenden Fachstellen geschickt.
Ich freue mich aber immer wieder ueber ehemalige “Sorgenkinder”, die mir nach 30 Jahren von ihrem doch erfolgreichen Leben erzaehlen – trotz Legasthenie und / oder Dyskalkulie!
Beate Dongus

#5 |
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Hp psych laut HPG jessica rosner
Hp psych laut HPG jessica rosner

Hallo,

ich habe selbst eine Tochter mit Dyskalkulie und zusätzlicher Leseschwäche. Nur ein kurzes Kommentar zu dem vorhergehenden Kommentar:
Nein, so einfach ist es eben nicht.
Kindern mit einer Dyskalkulie kann man in minutiöser Kleinstarbeit mathematische Zusammenhänge erklären- sie üben und beherrschen es- und wenige Tage ohne Wiederholung- und schwupp! – ist ALLES wieder weg.
Anfangs dachte ich, meine Tochter will mich veralbern!
Da kein wirkliches Verständniss, sondern nur eine Automatisierung in der Lösungsfindung stattfindet, sind kleinste Änderungen in der Aufgabenstellung ein Neubeginn.
Dyskalkulie ist eine Lernbehinderung- leider :-( und daran kann man nichts schön-reden.

#4 |
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Heilpraktiker Steffen Jurisch
Heilpraktiker Steffen Jurisch

Abgesehen davon das die Kurzvorstellung des “Testaufbaus” für mich total, sagen wir es vorsichtig, hinterfragungswürdig klingt,… so drängt sich mir wieder einmal das Gefühl beim lesen dieses Beitrages auf, das Dyskalkulie und Legastenie als Krankheit etabliert werden soll. Was für ein Schwachsinn.
Für diese Beobachtungen, wie ich sie nenne, gibt es in der Mehrzahl völlig simple Erklärungen, die meist in der frühkindlichen Entwicklung liegen (siehe z.B. die Arbeiten von Dr. Blomberg) und dies kann mit einfachsten Mitteln, sprich Übungen, in der Regel in wenigen Wochen verbessert bzw. behoben werden. Selbst im Erwachsenenalter noch.
Da braucht es keiner großen Studien mit zusätzlichem Stress für die jungen Schüler…

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Dr. med. Lutz Duerrschnabel
Dr. med. Lutz Duerrschnabel

Hallo,
unser Sohn hat eine Legasthenie und eine Dyskalkulie. Beide Lernstörungen wurden ausgiebig ab dem 3. Schuljahr über mehrere Jahre behandelt. Wobei die Dyskalkulie nach ungefähr 2,5 Jahren Förderung nicht mehr bemerkbar ist konnte bei der Legasthenie keine durchschlagenden Erfolge erzielt werden. Nichtsdestotrotz wird er, auch mit sehr guter Unterstützung an seiner Schule, in einem Jahr voraussichtlich sein Abitur schreiben. Auch das ist in Deutschland möglich!!
Viele Grüße

#2 |
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Monika Baumgartner
Monika Baumgartner

Hallo Herr Braun,

Das ist ja alles gut und schön, aber es wird ja auch mal Zeit, dass die Schulen sich öffnen und auch die Erkenntnisse der Wissenschaft anwenden. Liebe Grüße
Monika Baumgartner, Dipl. Psychologin und Expertin für Legasthenie/Marbella

#1 |
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