Hausärzte: Tausende ohne Nachfolger?

1. Oktober 2014
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In den nächsten Jahren gehen etwa 13.000 Hausärzte in den Ruhestand. Statistisch gesehen wird aber nur jeder zweite einen Nachfolger finden. Einer aktuellen Studie zufolge, genügen die augenblicklichen Zahlen nicht, um den Bedarf an Hausärzten in den nächsten Jahren zu decken.

Um die hausärztliche Versorgung langfristig zu sichern, hatten im Jahr 2009 die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), der Spitzenverband der Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft in Abstimmung mit der Bundesärztekammer und dem Verband der Privaten Krankenversicherungen ein Förderprogramm vereinbart. Ziel war die finanzielle Förderung von mindestens 5.000 Weiterbildungsstellen pro Jahr für Allgemeinmediziner. Hinzu kamen zahlreiche weitere Initiativen einzelner Bundesländer, der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Ärztekammern.

Nun hat das Wissenschaftler-Team vom Versorgungsatlas in einer Studie die regionalen Auswirkungen dieser Bemühungen in den Jahren 2010 bis 2012 bundesweit untersucht. „Die Zahl der im Förderprogramm weitergebildeten Fachärzte für Allgemeinmedizin nahm geringfügig um knapp 20 Prozent zu“, schreiben die Forscher um Dr. med. Jörg Bätzing-Feigenbaum, dem Leiter des Versorgungsatlas. In 2010 liegt die Zahl bei 1.809, in 2012 bei 2.156. Allerdings werde die in der Vereinbarung vorgesehene Zahl von jährlich 5.000 Ärzten in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner bei Weitem nicht erreicht.

Förderprogramm reicht nicht aus

Die vorliegenden Daten erlauben zwar keine Rückschlüsse, ob das Förderprogramm die Zahl der Anerkennungen zum Facharzt für Allgemeinmedizin steigern konnte, doch reiche der Beitrag des Förderprogramms angesichts der Größenordnung des zu lösenden Problems nicht aus, betonen die Versorgungsforscher. Den jährlich durchschnittlich etwa 2.600 Hausärzten, die in den nächsten fünf Jahren in Ruhestand gehen werden, stehen pro Jahr knapp 1.400 neu anerkannte Allgemeinmediziner gegenüber. „So ist perspektivisch schon der einfache Ersatzbedarf nicht zu decken“, betont Dr. Bätzing-Feigenbaum. Dabei sei, so der Leiter des Versorgungsatlas weiter, bei diesen Bedarfszahlen ein potenzieller Mehrbedarf aufgrund der demographischen Entwicklung sowie durch neue Arbeitszeitmodelle noch nicht einmal einkalkuliert.

Regionale Unterschiede

In Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern wurde – bezogen auf die Zahl der dort jeweils tätigen Hausärzte – der meiste Nachwuchs ausgebildet. Dies spiegelt sich aber nur eingeschränkt bei den Facharztanerkennungen in den Bundesländern wieder. Eine positive Entwicklung stellten die VA-Forscher z. B. auch in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg fest. Niedersachsen, Nordrhein und Sachsen halten ein mittleres Niveau. Thüringen zeigt von einem vergleichsweise niedrigen Ausgangswert in 2010 ausgehend eine leicht positive Entwicklung.

Größere Rolle der Teilzeitweiterbildung bei Ärztinnen

Bei Weiterbildung in der Teilzeit ist der Anteil der Ärztinnen größer als der ihrer männlichen Kollegen. Er schwankt regional zwischen 78 und 98 Prozent. Vor allem in Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein, Hessen, Sachsen und Bayern bevorzugen die Ärztinnen im Vergleich mit Ärzten die Weiterbildung in Teilzeit.

18 Wertungen (4.11 ø)

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15 Kommentare:

Gast
Gast

@Ketzergast, viel Feind, viel Ehr

#15 |
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Ketzergast
Ketzergast

Der arme, arme Herr Dr. Bayerl, eine Runde Mitleid.
Wird ständig beschimpft und gemobbt xd

#14 |
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Arzt
Arzt

Die Meinung ist FALSCH.
Das ist nur ein armer heute meist überlasteter Assistenzarzt, der Sie überhaupt nicht kennt.
Wenn er sehr jung ist macht er das, was die Schwester oder der Pfleger ihm sagt,
ist auch vernünftig.
Notarzt heist Notbehandlung.
Lösung 1) zurück zum Hausarzt, da kein Notfall
Lösung 2) stationäre Aufnahme, was anderes ist verboten.

Ich weis nicht welche merkwürdigen Vorstellungen (Erfahrungen) Sie mit Hausärzten gemacht haben.

#13 |
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Gast
Gast

MEINER MEINUNG NACH: DER NOTARZT IN EINER KLINIK. Nur der vermag dann aufgrund einer Eingangsuntersuchung festzustellen, ob weitere , ggf. sogar stationäre, Diagnostik bzw. Therapie nötig oder machbar wären. Der Hausarzt hätte doch auch keine Chance, etwas Genaueres zu konstatieren, da er für gewöhnlich über keinerlei Techniken wie Ultraschall o.ä. verfügt und noch nicht einmal einen Blut-Schnell-Test veranlassen könnte, da ihm auch die Laboroption fehlt.

#12 |
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Gast
Gast

wer soll nun die Bauchschmerzen behandeln:
der Internist?
der Chirurg?
der Urologe?
der Gynäkologe?
oder
google?

#11 |
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Gast
Gast

Frau von der Lohe: ich kann Ihnen nur beipflichten!

#10 |
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Gast
Gast

Frau von der Lohe:

#9 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Eigentlich braucht man gar keine Ärzte,
es fehlt dann allerdings ein wichtiges Objekt für Beschimpfungen.

#8 |
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Constanze von der Lohe
Constanze von der Lohe

Also mal ehrlich: ich bin heilfroh, wenn die Schar der “Hausärzte” endlich abnimmt, weil ich diese Spezies ohnehin für entbehrlich hielte. Wir brauchen Fachärzte und sich mehr öffnende Kliniken. Das Prinzip Hausarzt hatte eine Berechtigung im vorigen Jahrhundert und war für eine unbedarfte Landbevölkerung ohne Internet, TV und Radio gewiss ein Segen…tempora mutantur, nos et mutamur in illis…! Heutzutage sind es nicht mehr, als Sammelsurien von Arzt- und Patientenberichten, Rezeptausstellern und Ab-Und-Zu-Mal-Abhörern. Die Mutation ist für alle spür- und sichtbar. Hier könnten Kassen wahrlich MILLIARDEN einsparen. Der Studienzugang für die Einser-Abiturienten ist auch von vorgestern, weil man ja leider sieht, wohin das führt, dass nämlich Priviligierte und Reiche sich ihren Nachwuchs medizinisch ausbilden lassen, die in Wirklichkeit aber keinerlei Ambitionen zum Heilberuf oder gar Patienten hätten. Und das ist dóch der graue Alltag in der deutschen Medizinlandschaft, besonders in den Spitälern. Hier sehe ich dringenden Handlungsbedarf.

#7 |
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Constanze von der Lohe
Constanze von der Lohe

DIE FRAGE sei erlaubt und legitim: haben “Hausärzte” überhaupt noch eine Zukunft, oder hat dieses Allaround-Arztmodell nicht längst schon ausgedient und wir wollen es einfach nur nicht wahrhaben? Im Zeitalter von Google und dem Entstehen rein virtueller Arztpraxen kommt einem so ein Alleswisser-Doc schon irgendwie antiquiert und altmodisch vor. Braucht es diesen wirklich noch oder sind unsere Bürger inzwischen so aufgeklärt und selberwissen, dass sie einschätzen können, ob ihr Wehwechen eher etwas für den Internisten wäre oder Kardiologen oder Orthopäden oder Gynäkologen oder Dermatologen usw.?! Machen wir uns doch nichts vor, heutzutage wird entweder brutal doppelt abgerechnet und berechnet, indem der doch mündige Patient erst mal zum Hausarzt watschelt. um von selbigem dann zum Facharzt überwiesen zu werden. Noch fataler allerdings sähe ich Hausärzte, welche nur der Abrechnungsschemata wegen Patienten weiter betreuen und behandeln, obwohl dieser bei einem Spezialisten sehr viel besser beraten und aufgehoben wären, Stichwort DMP und andere Programme, die ich persönlich nicht befürworte. Der Arzt der Zukunft ist, denke ich, nur noch in fachspezifischen Bereichen angesiedelt. Das Allgemeinfach ist ein Ausdlaufmodell, was nur noch eine Daseinsberechtigung hätte auch Kreuzfahrschiffen oder in Hotels, wo es um eine profane, rasche Diagnostik und zeitnahe Zuordnung ginge ohne weitere Relevanz. Hausarztpraxen sollten umgewandelt werden in “Haus-Medizin-Praxen”, wo dann möglicherweise diese neues Spezis “Medizinfachwirt” tätig wären, wo man OP-Fäden zöge, Spritzen verabreichte, Rezepte ausstellte und dergleiche mehr. Noch besser wäre eine moderne Vernetzung des ohnehin bereits zu 80% online agierenden Klientels, sodass jeder einen virtuellen Zugang zu seiner Praxis erhielte mit einer Art PIN und TAN, um dann z.B. Folgerezepte anzufordern usw., wo man heute noch mühselig in die Ortspraxis geht, was zeit- und nervenraubend ist mitunter. Ich wundere mich, dass wir einerseits so modern ausgerichtet sind als Gesellschaft, aber in bestimmten Bereichen wie Schule/Bildung oder Gesundheitswesen noch wie vor 100 Jahren denken und handeln. Ist denn niemand da, der Mut zu modernem Denken und Arbeiten hätte und Denkanstösse gäbe? Nun ja, verwunderlich ist das kaum, wo Daniel Bahr’s offensichtlich nur ihre pekuniären Vorteile im Visier haben und hatten und sich einen Dreck darum scheren, wie es weitergeht in diesem Land. Andererseits sind diese ganzen [Vorsicht: Satire!] Mumien und Greise in Politik und Wirtschaft, Krankenkassen, ärztliche Vereinigungen eingeschlossen, auch kaum mehr in der Lage mit ihrem rückwärtsgewandten Denken in Strukturen der Vergangenheit eine Gegenwart oder gar Zukunft zu gestalten, denn dazu braucht es VISIONEN und das ist ein Phänomen, was junge, dynamische Leute mitbringen. Man sieht doch in Amerika, wohin dieses Greisentum schlussendlich führt und was es anrichtet, wenn frische, moderne Ideen fehlen aufgrund veralterter Denkstrukturen…:-) Habt Mut, Euch einer eigenen Meinung zu bedienen und diese auch zu artikulieren! In diesem Sinne: GRÜSSE IN DIE ILLUSTRE DISKUSSIONSRUNDE :-))

#6 |
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Ärztin

Wie überraschend…:-(

#5 |
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Berit Grünitz-Bley
Berit Grünitz-Bley

Fr. Aden – Sie haben ja gar keine Ahnung was Fachärzte betrifft, also sollten Sie sich hier mit Ihren realitätsfernen Behauptungen zurückhalten!
Ich bin Fachärztin und sehe tagtäglich welche und das die Problemfälle von den Hausärzten auch gern auf uns abgeschoben werden und die immer grösser werdende Zunahme der Patienten! Und wenn ich sehe wieviele Kollegen meiner Fachrichtung in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, dann gibt es einen Mangel, auch wenn Sie, die Krankenkassen und die Politik das nicht wissen wollen! Und ich kann jeden jungen Kollegen verstehen der für dieses Minibudget und den enormen Zeitaufwand nicht arbeiten sich nicht niederlassen möchte!

#4 |
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Ärztin

Überaschend und plötzlich gehen Ärzte in Rente? Es gibt wenig Studenten, die sich für das Fach Allgemeinmedizin interessieren und in der Folge zu wenig Weiterbildungsinteressierte?
Liebe Politik, liebe KVen, liebe Hochschulen: Diese Probleme sind alles andere als unerwartet, sondern seit langem absehbar, hausgemacht und teilweise sogar gewollt.
So gerne ich meinen Beruf als Hausärztin, die auch akademisch tätig ist, wahrnehme, ich kann teilweiseverstehen, dass sich junge Kollegen nicht von Budget einzwängen lassen wollen, dass sie nicht die 55 Std Wochen als Normalfall zu ihrer Lebensgrundlage machen wollen, sondern ihnen eine andere Work-Life Balance vorschwebt. Solange es in den Universitäten nicht überall starke , gut ausgestattete Lehrstühle für Allgemeinmedizin gibt, sondern immer noch ” Laienspielertruppen” ( Zitat Degam 2014 Hamburg) am Mittwoch nachmittag mit viel ehrenamtlichen Einsatz das Blockpraktikum bestreiten, solange die akademische Allgeinmediziner als Geisteswissenschaftler bezahlt werden, solange die Allgeminemeidzin nicht mindestens den gleichen Rang hat wie andere Fachrichtungen der Universitäten, solange brauchen wir uns nicht zu wundern.
Frau Grünitz-Bley irrt wenn sie einen Facharztmagel beklagt. Wir brauchen für eine suffiziente Versorgen keine Fachärzte die DMPS machen und sich Quartalsweise unkompliztierte PAtienten einbestellen. Wenn Fachärzte ihrer Bezeichnung gerecht werden würden, hätten wir auf diesem Gebiet ( mit ganz wenigen Aunahmen) keine Versorgungsengpässe. Der “Allgemeinarzt als Gatekeeper” ist in den meisten anderen europäischen Ländern ein gelingender Weg umd effizient , kostengünstig und gut die Versorgung zu sichern.Mark Centgraf möge doch nach Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt kommen, dort gibt es Weiterbildungsstellen wie Sand am Meer, auch die Finanzierung ist attraktiv für die niedergelassenen Kollegen. Es gibt nur leider keine /kaum interessierten ÄiW.

#3 |
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Berit Grünitz-Bley
Berit Grünitz-Bley

Denkt und spricht hier auch mal jemand von einem Facharztmangel???
Ich höre und lese immer nur von einem Hausarztmangel und kann es nicht mehr hören. An die Fachärzte bzw. den Mangel an Fachärzten denkt und spricht keiner!

#2 |
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Ja mein Gott, wie soll’s auch was werden, wenn es nicht ausreichend Weiterbildungsplätze gibt… :/

#1 |
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