Somatoforme Störung: Die Nichtshaber

19. April 2013
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Etwa 30 Prozent aller Patienten verlassen eine Arztpraxis mit körperlichen Beschwerden, aber ohne Befund. Menschen mit somatoformen Störungen belasten die Sozialversicherungssysteme enorm.

Der Patient Herr S. verspürt Schmerzen in der linken Brustseite. Er geht zum Hausarzt – dieser klärt grob ab: alle Befunde unauffällig. Herr S. bekommt ein Schmerzmittel. Die Schmerzen verstärken sich. Auch der Internist kann keine pathologischen Werte feststellen. Herr S. wird zur genaueren Untersuchung in ein Krankenhaus eingewiesen. Auch hier bleibt nach umfassenden Abklärungen alles o.B.. Organisch ist alles in Ordnung. Doch die Beschwerden nehmen zu. Herr S. kann nicht mehr schlafen, wenig später auch nicht mehr arbeiten. Er leidet unter einer somatoformen Störung. Dabei nehmen die Betroffenen Beschwerden wie bei einer körperlichen Erkrankung wahr, ohne dass jedoch eine solche vorliegt.

Die Symptome werden ausschließlich durch das Nervensystem vermittelt und können sich vielfältig äußern: Am häufigsten sind Rücken– oder Kopfschmerzen, Erschöpfung und Müdigkeit sowie Übelkeit, Reizdarm oder Atemnot. Ärzte finden hierfür jedoch keine hinreichende organische Erklärung. “Ausschlaggebend sind vielmehr seelische oder soziale Faktoren”, so Professor Dr. med. Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg.

Krank ohne Befund

Auch Dr. med. Manfred Stelzig, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie und Psychotherapeut für Psychoanalyse und Psychodrama, hat sich dem Thema angenommen. Er nennt sein im März 2013 erschienenes Buch mit dem Titel “Krank ohne Befund” eine Anklageschrift. Denn seit Jahrzehnten wachse die Fachliteratur, die sich mit eben dieser Problematik beschäftigte. Die seit Jahren vorgetragenen sachlichen Argumente würden zwar höflich, interessiert und durchaus beipflichtend zur Kenntnis genommen – trotzdem aber würde stur am eingefahrenen System zur Behandlung organischer Erkrankungen festgehalten. Und das nicht nur zum Leidwesen der Patienten. Auch den Sozialversicherungsträgern entstünden dadurch enorme Kosten. Denn somatoforme Störungen sind kein Nischenproblem.

Ein Drittel aller Patienten betroffen

“30 Prozent der Patienten kommen mit psychischen Problemen in eine Hausarztpraxis und treffen dort auf ein System, das sie in erster Linie somatisch versorgt”, so Dr. Matthias Burkard, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychoanalyse und Psychotherapie des DRK Klinikums Berlin Westend. “Wobei sich die Zahl deutlich erhöht, nämlich bis zu 50 Prozent, wenn man nicht die Zahl der Patienten, sondern die Untersuchungen misst. Je nach Fachspezialisierung schwanken die Häufigkeiten zwischen 37 Prozent in der Zahnmedizin und 66 Prozent in der Gynäkologie“, schreibt Stelzig.

High Utilizer

Patienten mit einer Somatisierungsstörung gehören zu den sogenannten “high utilizern” des Gesundheitsversorgungssystems, die die Sozialsysteme insgesamt neunmal so stark belasten wie ein Durchschnittspatient. Mehrfachdiagnostik, häufige Hospitalisierung und Krankheitstage produzieren enorme Kosten. Die “Krank ohne Befund”-Patienten verursachen laut Stelzig im ambulanten Bereich im Mittel 14-fach höhere Kosten als die durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben. Die stationären Kosten belaufen sich auf das Sechsfache. “Unser Gesundheitssystem finanziert jegliche körperliche Untersuchungen, aber für ein Gespräch fehlt es Ärzten meist an Zeit und finanziellem Anreiz“, kritisiert Herzog. Warum wehrt sich keiner dagegen?

Fokus auf somatische Erkrankungen zu stark

Das größte Problem sei das Nichtwissen der Betroffenen. Stelzig fasst es folgendermaßen zusammen: “Der leidende Mensch wünscht sich eine Operation, ein Pflaster, ein Medikament. So ist er aufgewachsen. So hat er es gelernt. Und leider haben sich auch die meisten Ärzte daran gewöhnt.” Der kollektive Aufschrei bleibe aus, weil den meisten Menschen immer noch nicht klar sei, dass ihre Psyche als Reaktion auf vielfältige Überforderung Schaden nimmt und auch körperliche Symptome damit verbunden sein können. Zu stark seien die jahrzehntelang überlieferten Muster, dass Schmerzen oder andere körperliche Beschwerden eine organische Ursache haben müssen.

Als mögliche Hintergründe kommen aber unter anderem eine somatisierte Depression, eine Angststörung, körperliche Folgezustände eines psychischen Traumas oder somatoforme beziehungsweise funktionelle Störungen infrage – ein komplexes Wechselspiel aus Faktoren wie genetischer Veranlagung, sozialen Problemen und psychischen Belastungen. Doch diese Diagnosen würden bei mehr als der Hälfte der Betroffenen nicht gestellt, so Stelzig. Das sei traurig für die Patienten und beschämend für unser Gesundheitssystem.

Dicke Krankenakten, lange Leidenswege

“Körperlich krank zu sein ist gesellschaftlich akzeptiert”, weiß Stelzig; “seelisch belastet zu sein, unter Stress zu leiden, ist ebenfalls anerkannt.” Jedoch seelisch so zu leiden, dass sich eine seelische oder körperliche Erkrankung entwickelt, das sei nicht nur anerkannt, sondern stigmatisiert und abgewertet. Es löse Angst aus und werde mit Ausstoßungstendenzen von der Gesellschaft bestraft. Ein möglicher Grund, warum “Krank ohne Befund”-Patienten oft jahrelange Ärzteodysseen hinter sich haben, bevor sie richtig behandelt werden. “Patienten mit somatoformen Störungen kommen in der Regel erst nach sieben Jahren mit einer dicken Krankenakte zu uns”, so Dr. Burkard. Dabei sind somatoforme Störungen seit 1992 auch im europäischen Krankheitsverzeichnis des ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) enthalten.

Wo also liegt das Problem?

“Wir können die Phänomene benennen, eine Diagnose erstellen und einen sinnvollen Behandlungsplan anbieten”, schreibt der sich selbst als verärgert bezeichnende Lehrbeauftragte an der Privaten Medizinischen Paracelsus-Universität Salzburg, der Donau-Universität Krems und der Universität Innsbruck, Stelzig. Das Problem sei nur, dass das Wissen über die Fakten sich viel zu wenig in den Köpfen der Ärzte, aber auch der Betroffenen Platz verschafft habe. Doch genug gejammert, wie könnten wir es besser machen?

Therapeutische Möglichkeiten

Zunächst sei ein vertrauensvoller Umgang des Arztes mit seinem Patienten wichtig. “Es ist unabdingbar, genügend Zeit aufzuwenden, um dem Patienten die Mechanismen zu erklären, in ihm Verständnis zu wecken und eine Vertrauensbasis aufzubauen. Wenn im Hintergrund der Druck eines überfüllten Wartezimmers spürbar ist, wird es kaum möglich sein, ausreichend Zeit zur Verfügung zu stellen”, schreibt Stelzig. In diesem Fall empfiehlt er, auch wenn der finanzielle Anreiz dazu gering sei, einen Extratermin zu vereinbaren und/oder an einen Facharzt für Psychiatrie oder psychotherapeutische Medizin zu überweisen.

Auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist wichtig. Die schlimmste Meldung laute: “Sie haben nichts.” Ähnlich kontraproduktiv seien Aussagen wie: “Organisch sind sie gesund, dann muss es wohl psychisch oder psychosomatisch sein.” Auch gut gemeinte Ratschläge wie auszuspannen, einen Gang herunter zu schalten oder Urlaub zu machen würden den Widerstand des Patienten hervorrufen und nicht zur Lösung des Problems führen, so Stelzig.

Ein wesentlicher Beitrag zur Schulung von Haus- und anderen Fachärzten war die Aufnahme der sogenannten Psychosomatischen Grundversorgung in die ambulante Versorgung (Psychotherapie-Vereinbarungen der KBV und der Krankenkassen 1987) und in die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (1992). Dabei können sich Ärzte in Akademien und Instituten in Psychosomatischer Grundversorgung qualifizieren.

speziALL geht neue Wege

Weil gerade bei schwereren Verläufen eine Behandlung durch Hausarzt und Psychosomatiker zu empfehlen ist, hat ein Heidelberger Team ein kooperatives Therapiemodell namens “speziALL” entwickelt. Das steht für spezifische allgemeinmedizinisch-psychosomatische Kurzgruppenintervention. “Das Besondere an speziALL ist, dass Hausarzt und Psychosomatiker gemeinsam eine Gruppentherapie anbieten, und zwar in der Praxis des Hausarztes”, sagt Dr. med. Rainer Schäfert, der verantwortliche Studienarzt von der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg. Denn viele Patienten wollen von ihrem Hausarzt behandelt werden und lehnen eine Psychotherapie zunächst ab. “Bei speziALL ist die Hemmschwelle für die Patienten erheblich niedriger”, ergänzt Dr. sc. hum. Dipl.-Psych. Claudia Kaufmann, die verantwortliche Studienpsychologin.

In zehn wöchentlichen Gruppensitzungen erhalten die Patienten Informationen zu den biologischen, sozialen und psychischen Faktoren, die die Beschwerden auslösen. Sie tauschen sich über ihre Beschwerden aus, deren Ursachen und mögliche Bewältigungsstrategien und lernen, sich zu entspannen.

Deutliche Verbesserungen feststellbar

Die speziALL-Gruppentherapie scheint erfolgreich zu sein: Es zeigte sich, dass sich die psychische Lebensqualität der Patienten in der speziALL-Gruppe im Vergleich zu anderen Patienten in größerem Ausmaß besserte: Sie fühlten sich weniger eingeschränkt in ihrer Vitalität, bei sozialen Kontakten oder in ihrer Arbeitseffizienz. Zudem gingen die körperlichen Beschwerden zurück. Die Zahl der Hausarztbesuche habe bei diesen Patienten nach der Therapie signifikant abgenommen. “Gesundheitsökonomisch hat speziALL ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis“, sagt Schäfert. Ein Ansatz, der Hoffnung macht und möglicherweise richtungweisend sein könnte.

Zeit zum Umdenken?

“In unserer westlichen Gesellschaft sind körperliche Erkrankungen stark überbetont”, so Dr. Burkard. Geschätzte 90 Prozent der Mediziner würden sich ausschließlich mit somatischen Erkrankungen befassen. Dr. Stelzig fordert: “Räumen wir der Macht der Seele endlich mehr Raum ein – in der Schulmedizin.“

244 Wertungen (4.14 ø)
Innere Medizin, Medizin

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36 Kommentare:

Gast
Gast

Frau Bernert, sie haben vollkommen recht. Zweimal wurde ich mit “nichts gefunden, somatoforme Störung” von Neurologen und Internisten entlassen. Das eine mal war das “Nichts” Endometriose Grad 2, das andere Mal eine Arthrose im Illeosakralgelenk. Der Ausdruck “somatoforme Störung” verleitet leider allzu oft Ärzte zur leichtsinnigen Diagnose, wenn es auch sicher somatoforme Störungen gibt.

#36 |
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solange in den Köpfen von Ärzten und Patienten – und auch Journalisten – der Mensch mit einer eventuell vorliegenden Somatisierungsstörung als “Nichtshaber” bzw. als “Hysterisch” tituliert wird, vom Allgemeinmediziner Kommentare wie “Steigern Sie sich da mal nicht so rein” oder “ich verstehe, Sie möchten krank sein” zu hören bekommt,kann sich der dies äußernde Arzt den Titel “Psychosomatische Grundversorgzng” getrost in die Haare schmieren, denn er hat von der Grundhaltung eines Psychosomatikers aber auch gar nichts verstanden.

Wer ironische Distanz zum Patienten als Abwehrmechanismus benutzen muss, hat in der Psychosomatik NICHTS verloren.

Der Patient mit vorbestehender psychiatrischer Diagnose hat ein stark erhöhtes Risiko, dass zusätzlich bestehende somatische Diagnosen nicht diagnostiziert werden (der hat es einmal, also immer zwischen den Ohren).
Die Sterblichkeit psychiatrischer Patienten an internistischen Erkrankungen ist signifikant erhöhr gegenüber dem pschiatrisch gesunden Kollektiv.

Diese Studien sind schon alt, werden aber gemeinhin ignoriert!

Viele, imsbesondere chronische, psychiatrische Patienten sind allgemeinmedizinisch weder diagnostiziert noch adaequat behandelt.
In der psychiatrischen Klinik wird daher erstmal immer allgemeinmedizinische Basisdiagnostik betrieben.
Viele Patienten werden von der psychiatrischen Abteilung aus wegen verschiedenster Dinge konsiliarisch vorgestellt und die Ersteinstellung erfolgt während des stationär psychiatrischen Aufenthaltes.
Viele psychiatrische Großkliniken haben intern mehrere Internisten fest angestellt! Warum wohl?

Wir hatten einen Innere-Prof, der immer sagte, man kann auch Läuse und Flöhe haben. Das wird wohl gern vergessen.

Völlig außen vor bleiben die mittlerweile in Kardiologischen Fachgesellschaften als factum anerkannten und in Leitlinien niedergelegten hoch positiven Korrelationen zwischen Depression und KHK.

Der Allgemeinarzt “behandelt” jedoch gern den depressiven Menschen mit thorakalen Beschwerden oder auch evtl. atypischer AP-Symptomatik mit der ironisch lächelnden Grundhaltung “du depressiv, also IMMER ALLES psychogen, geh mal zum Psychiater” ohne zu realisieren, dass
die Depression als solche, insbesondere die chronische Depression und die chronische Erschöpfungsdepression bei chronischem starken Stress, via chronische Aktivierung der HPA-Achse und nachfolgend chronichem Hypercortisolismus ein RF für KHK auf dem Level des DM II b ist und auch selbst aufgrund der Pathophysiologie zum Metabolischen Syndrom führen kann.
Und letzteres oft tut. Das kennt jeder Psychiater aus dem Alltag.

Aber: auch mit Kenntnis dieser Tatsachen steht man als Psychiater hier vor dem Somatiker gern auf verlorenem Posten.

Angesagt wäre eindeutig mehr Kenntnis der Sache, ehe dem Patienten abwertend gegenüber getreten wird.

Akute und verlängerte Belastungsreaktionen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen, Traumafolgestörungen und Süchte sind Volkskrankheiten.
Das sind keine Raritäten.
Dieses Hintergundwissen zur Psycho-Somatik gehört daher in den “Koffer” jedes Allgemeinmediziners.

#35 |
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Dieser Artikel ist der erschreckende Ausdruck einer längst überwunden geglaubten Hybris und Ignoranz eines Teils der Ärzteschaft: Nichts gefunden = Somatisierungsstörung. Ab in die Psychosomatik.
Oftmals bedeutet “Nichts gefunden” aber einfach: Nicht sorgfältig genug gesucht. Oder auch: an die Grenzen der Diagnostik und des aktuellen Wissensstandes gestoßen. Dieser nicht unerhebliche Teil des “ausdiagnostizierten” Patientengutes wird aber ebenfalls über die Psychosomatik-Schiene entsorgt und erweist sich dort dann auch noch trotzig als therapieresistent. Aber: Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Man ist einen zeitfressenden, frustrierenden Patienten los und die Psycho-Industrie lebt doch ganz gut davon.
Veterinärmediziner, die wir diese praktische Entsorgungsmöglichkeit nicht kennen, müssen auch bei diesen lästigen,uns unsere-Grenzen-vor-Augen-führenden Patienten weiter Ursachenforschung betreiben oder aber zugeben, daß wir an unsere Grenzen stoßen. Beides scheint leider auch heute noch einigen humanmedizinischen Kollegen äußerst schwer zu fallen…..

#34 |
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Eberhard Krämer
Eberhard Krämer

Allein die Reaktionen zeigen, wie hochrelevant dieses Thema ist. Das derzeitige Gesundheitssystenm behandelt aber leider nicht den Patienten, sondern die Erkrankungen. Es sei hier einmal gesagt, es gibt auch noch eine Reihe Mediziner, die ihren Patienten ernsthaft helfen wollen, aber dann leider wirtschaftlich nicht sehr erfolgreich sind.

#33 |
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Dr. Daniela Wetzel
Dr. Daniela Wetzel

Ein sehr wichtiges Thema, ein guter Artikel, aber was für ein idiotischer Titel. Wir wissen doch inzwischen viel mehr über die Neurobiologie der Somatoformen Störungen. Da ist etwas verändert. Und es ist keine Borreliose!! Als Hausärztin und Psychotherapeutin möchte ich sehr dafür werben, den Hausärzten in der Primärversorgung mehr Geld und Kompetenzen ermöglichen, um diese Patienten zu behandeln. Das vertrauensverhältnis zum Hausartz ist der erste Schritt, mit dem Patienten gemeinsam an seinen “unerklärlichen ” Symptomen zu arbeiten.Die Politik ist hier aufgerufen!!!Weg vom reinen Lotsenprinzip, weg mit den Call-centern der Krankenkassen. Lasst die Hausärzte wiederim langjährigen Direktkontakt sinnvoll Arbeiten.Immerhin sind 30-50 % der Hausarztpatienten von somatoformen Symptomen betroffen.

#32 |
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Marta Gräber
Marta Gräber

Das kann doch nicht sein,dass Ärtzte die Befähung bekommen neben Allgemeinmedizin auch Psychisch Patienten zu versorgen,aber diese Function nicht ausüben, Sie schicken die Patient weiter. Verordnung von Krankenkasse, die Psychoterapeuten sind total überlasstet,und teilweise 6-8 monat Wartezeiten enstehen.

#31 |
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Marta Gräber
Marta Gräber

Wir Menschen müssen endlich anders denken.Wir bestehen nicht nur aus FLEISCH. Wir sind GEIST-SEELE-KÖRPER zusammen gesezt. Wir müssen mehr ZEIT für uns nehmen,egal ob Arzt,Pfleger,Patient. Leider heut zu Tage zählt nur GELD. Die Krankenkassen horten das Geld und geben wenig aus. Die frühere Ärzte haben mehr Zeit genommen. Wir bilden Ärzte, Pfleger,Medizinische Personen aus, aber gehen dorthin wo mehr Geld angeboten wird.Ich rede aus Erfahrung. Trotzdem kann ich einiges Gutes noch bei einige Ärtzten, Pfleger,Menschen noch erkennen. Ausserdem würde ich freuen, wenn im neue Bundesländer die Krankenhäuser etwas mehr Unterstützung bekommen. DANKE

#30 |
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Die zahllreichen, engagierten und ausführlichen Kommentare zeigen, wie relevant das Thema ist. Viel zu wenig wird in diesem Forum darüber informiert und diskutiert.
Patienten mit somatoformen oder auch funktionellen Störungen sind eingeschränkt bzw. gehindert in ihrer Mobilität, in der breite und Intensität ihrer sozialen Kontakte. Sie haben Angst, dass es mit ihrer Symptomatik schlimmer wird, dass sie unheilbar erkrankt sind. Und sie resignieren, verzagen, werden hilf- und hoffnungslos. Alle diese Kennzeichen beziehen sich auf Erleben und Verhalten. Die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten ist die Psychologie. Es nimmt deshalb Wunder, weshalb dieses Problem immer wieder unter einer ärztlichen Perspektive gesehen und diskutiert wird. Kooperation tut not und ist hilfreich; d.h. den Patienten nicht dann erst zum psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten empfehlen, wenn die Chronifizierung himmelschreiend ist.

#29 |
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Dr. med. Carsten Schmidt
Dr. med. Carsten Schmidt

Eine uralte psychosomatische Thematik.Ich empfehle das Buch “EinBlich ins Gehirn” von Prof.Dr. Braus sowie Bücher von Prof. Dr. Hüther und anderen Autoren, die sich direkt und indrekt mit diesem Thema seit vielen vielen Jahren differenziert auseinander setzen.

#28 |
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Christine Kutschke
Christine Kutschke

Wann wird in unserer Gesellschaft endlich die KÖRPER-SEELE-GEIST-EINHEIT akzeptiert??

#27 |
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Ulrike Kellner-Goodwin
Ulrike Kellner-Goodwin

Ich balle die Faust in der Hosentasche. Klar gibt es psychosomatische Beschwerden. Aber wenn sich organisch nichts findet, ist es einfach psychisch bedingt? Nein, dann sind die Beschwerden funktionell bedingt. Die Ursachen für funktionelle Beschwerden können psychisch ODER somatisch sein. Über das komplexe Räderwerk physiologischer Zusammenhänge hat das Gros der Ärzte aber leider nur sehr rudimentäres Wissen und ignoriert diese Zusammenhänge lieber gleich ganz.
Seine Seele und einen gesunden Lebensstil zu pflegen ist immer von Vorteil, aber mit einem durchschnittlichen Hausarzt mit seinem psychologischen Lieschen-Müller-Wissen möchte ich lieber kein Gespräch über meine Psycho führen müssen. Das wäre für meinen Verstand doch zu quälend.

#26 |
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Medizinjournalistin

Bei allem was ich hier lese fällt mir nur immer eine Krankheit ein: BORRELIOSE. Sie ist wohl das klassische Beispiel, wie mit Patienten umgegangen wird, deren Beschwerden mangels qualifizierter Fortbildung aufs Somatoforme geschoben werden. Die Passende Leitlinie (051-001) erlangte ihren S3-Status dadurch, dass die Experten anstatt einer gefordertten Patientenorganisation die gesundheitspolitisch tätige DAG SHG als psuedo-Mäntelchen benutzt hat. So geht Gesundheitspolitik in Deutschland. Bravo Ärzte. Wir werden die Borreliosepatienten schon noch kleinkriegen.

#25 |
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Grundsätzlich baue ich auf die gegenseitige Wertschätzung und dass alle unmittelbar Beteiligten am gleichen Strang in der gleichen Richtung ziehen – Patient, Physiotherapeut, Heilpraktiker etc. und auch Arzt.
Ansonsten kann ich mich den Ausführungen des Kollegen Splett nur anschliessen.
Solange ich mit Klagen bedroht werde, wenn ich nicht auch die unwahrscheinlichste Differentialdiagnose ausschliesse, fühle ich mich zur Maximaldiagnostik gezwungen. Wenn man natürlich der eine ist, der eine Kolibridiagnose hat, dann kann ich dessen Unmut durchaus verstehen. Wie heißt es doch so schön: Hinterher ist man immer schlauer.
Werbung, Internet und Pharmaindustrie tragen ihren Teil dazu bei, indem z.T. gezielt Desinformationen gestreut werden.
Wie viele andere auch bin ich gezwungen, vom erarbeiteten Geld zu leben. Insofern kann meine Leistung (=Arbeit/Zeit) nicht kostenlos sein.
Eine Positivliste von medizinischen Leistungen der gesetzlichen Kassen würde mir manche müßige Diskussion ersparen. Dies scheint jedoch politisch nicht gewollt zu sein.

#24 |
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Petra Dörfer
Petra Dörfer

Meiner Meinung und Erfahrung als “ehemalige” Arztsekretärin nach ist unser Gesundheitssystem LEIDER auf die Gerätemedizin ausgerichtet. Wer als “Psycho” einmal abgestempelt ist, hat es schwer, bei einer ernsthaften Erkrankung ernst genommen zu werden.
Bei mir war es so, dass ich (wie ich 30 Jahre später von meiner Endokrinologin, die dies erstmals feststellte) eine Hashimoto-Thyreoiditis hatte, die mein gesamtes Schilddrüsengewebe vollkommen zerstörte. 2009 dann Thyreoidektomie. Mein Internist äußerte schon Jahre bevor ich in die “Psycho-Schiene” gesteckt wurde den Verdacht, dass meine Beschwerden ihre Ursache in den pathologischen Schilddrüsenwerten haben könnten. Aber leider war es da schon zu spät und ich ging dem Arbeitsmarkt durch frühzeitige Berentung verloren, worunter ich noch heute leide – da ich mich nutzlos fühle.
Schade, dass die anamnestische Abklärung viel zu kurz kommt und das Gesundheitswesen auf Gerätemedizin fixiert ist. Es müßte eine Medizin angestrebt werden, in der der Mensch als Individuum und nicht als “Schilddrüse” oder “Beckenschiefstand” behandelt wird. Aber dagegen kämpft die Pharmalobby und andere.

#23 |
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Daniela Müller
Daniela Müller

Mir fehlt hier die gegenseitige Achtung: Den Mitbehanderln anderer Fachrichtungen bzw. Grundberufen berufen und v.a. den Patienten gegenüber. Sie sind keine “Nichtshaber” und auch die Aussage “Menschen mit somatoformen Störungen belasten die Sozialversicherungssysteme enorm” ist vom Grundsatz m.E. falsch, denn es sind nicht die Menschen, die hier belasten, sondern die Störung/Krankheit, unter der sie leiden, und die vielfach falsch (und damit kostentreibend) behandelt wird und/oder zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht besser behandelt werden _kann_, weil wir einfach noch nicht wissen, um was es sich handelt. Man sagt ja auch nicht “Menschen mit Krebs belasten das System” – es ist die Krankheit, nicht der Mensch. Und bei wievielen “klassischen Psychosomatosen” wurden grundlegende organische Ursachen (oder zumindest Korrelate) gefunden und bei wievielen “organischen” Krankheiten ist mittlerweile klar, wie groß der Anteil der Psyche ist? “Scio non scio” sollte bei diesen Dingen auch immer im Hinterkopf bleiben. Etwas mehr Achtung und Respekt füreianander und sich selbst und die eigene Meinung und Leistung nicht für den Nabel der Welt zu halten würde die aggressive Schärfe nehmen und damit allen Beteiligten zugute kommen.

#22 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Lieber Tobias Heinemann. bravo für deinen Eintrag hier. Ja, Wertschätzung, respektvollen und offenen Umgang. Auch wenn es sein muß, ein paar klare und trotzdem aufmunternde Worte. Unsere Hausärzte tun aus meiner Sicht sowieso Ihr möglichstes, wobei ich nicht mit jedem aus “menschlicher” Sicht übereinstimme. Wichtig ist doch auch, daß unsere Patienten keine Dauermedikation erhalten, wegen “somatischer Beschwerden”,oder Befunde z.B. bei erhöhtem Blutfetten oder erhöhtem Blutzucker oder der Harnsäure. Da braucht es einfach auch klare Worte des Mediziners, trotz freundlicher Zuwendung. Wir haben Erkenntnisse, daß die psachsosomatischen Erkrankungen immer mehr zunehmen, aber das können wir doch nicht prinzipell unseren Hausärzten auflasten, die sollen es nun “in den Griff” bekommen?.Da wird das Pferd von hinten aufgezäumt, einige der Beiträge hier bringen es auf den Punkt, vieles liegt an unserer verkorksten Gesellschaft, an unserem Gesundheitssysten. Jeder muß bei sich selbst anfangen! Es ist egal, was der andere denkt, aber der “Funktionsmeachanismu” bei uns blüht weiter.Wir haben es ja nicht anders gelernt von kleine auf….bedauernsnwete Menschen eigentlich, aber daß hilft Ihnen sicher nicht weiter! Nur die Erkenntnis dazu hilft!

#21 |
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Geheilt bringt man nichts: Technik und Pharma einzig erlauben Aktienwerte höher zu schrauben. Es lebe die Symptom- und Palliativ-Therapie, ein Hoch auf Antidepressiva und Analgesie, auf grad signifikant reduzierte Attacken und Schübe, hochdotierte Begleit- und Betreuung bis zur Flucht nach drüben!!

#20 |
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Dr. med. Jürgen Renker
Dr. med. Jürgen Renker

Eine 50 jährige-incl.Studium – Berufserfahrung läßt mich nur herzhaft lachen!! Um diesem Trend vorzubeugen, müßte man die Regenbogen Presse, die Aussendungen der Kassen und das Internet verbieten, daher nämlich bezieht diese Patientengruppe ihr dezidiertes Wissenund Verlangen!! An der Definition Hypochonder: “Wenn er nicht etwas krank ist, ist er nicht gesund!” ist schon was dran. Anpacken mußteichin all den Jahren nur und ausschließlich am persönlichen Verhältnis zum Patienten mit psychosomatischen Beschwerden. Ganz vorsichtig sollte man sein,wenn eine ganze Familie dran hängt und 5 Scheine weniger sind auch Geld. Was wollen Sie denn machen bei dem Zeitdreuck in einer Praxis? Dafür werden die Rücklagen der Krankenkassen immer mehr und eine Hetzjagt auf Ärzte, die nach Meinung der Kssen eh alle zu viel verdienen, ist gerade jetzt losgetreten worden – erstaunlich, dass unser Gesundheitsminister Bahr auf einmal auf der Seite der Ärzte steht!! Ich kann mir diesen Kommentar aus meiner langen Lebenserfahrung und der Tatsache leisten, dass ich selbst mit 71 Jahren noch Teilzeit in der Privatkilik eines Freundes arbeite!!

#19 |
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Barbara Swinarski
Barbara Swinarski

WOW!!! Stock in Ameisenhaufen! Nur Reden bringt in Deuschland GAR nichts. Gegenmaßnahmen erarbeiten und vollgas drauf. Nicht fragen!!! Ärzte UND Patienten zusammen. Ärzte ohne Patienten sind NICHTS und Patienten ohne Ärzte noch mehr. Und die Krankenkassen werden immer reicher, Büros immer größer, gesundheitliche Programe lassen Geld flisssen in Taschen von Nichtswisser. Und wir alle gucken zu.

#18 |
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Dr. med. Thorsten Schmidt
Dr. med. Thorsten Schmidt

Der Patient springt nachts mal schnell in die notaufnahme. Erpresst Überweisungen. Hat Dr.Google schon auswendig gelernt und am besten ausgedruckte forenbeiträge dabei. Dann kommt im Focus noch ein Artikel über Vorsorge und das Wartezimmer ist voll. ” ich will haben” und wenn ich als betreuender Hausarzt einen Treuen Pat. Gut kenne und ihn soweit habe dass eine psychiatrische / psychologische Hilfe von Noten wäre, dann muss er mindestens ein halbes Jahr auf einen Termin warten oder privat Zahlen….. (Raum regensburg/ Straubing)
Das ist frustran und wird bei mir als Arzt selber irgendwann psychosomatisch…

-Mehr Psychiater / Psychologen
-Den Pat. In ein System erst Hausarzt dann Facharzt dann Klinik zwingen ( am Land läuft es genauso! ) in der Stadt nicht
– Der Pat hat eine eigene Liste über seine Krankheitsgeschichte und seine Medikamente zu führen ( die alten haben sowas die jungen nein)
– deutsche Sprache

MfG Dr. Schmidt

#17 |
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leitender physiotherpeut christian bieler
leitender physiotherpeut christian bieler

Es geht hier nicht um finanzielle Anreize oder ähnliches. Es geht um, die im Durchschnitt schlecht ausgebildeten Mediziner. Desinteresse für den Beruf, schlechte Akzeptanz von meist sehr gut ausgebildtettem “Heilhilfspersonal”, und die massive gier sind das Problem. Meist ist nicht einmal der Facharzt dazu fähig eine ordentliche Diagnose/Befund zu erstellen. Es ist eben NICHT alles in Bildgebenden Verfahren wiederzugeben…Die Ärzteschaft sollte von ihrem hohen Ross heruntersteigen und über den Tellerrand hinausschauen, was freilich vielen schwer fällt, da sie ja im Deutschalnd immer noch die Götter in Weiss sind!!!

#16 |
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Vaskuläre, gar venöse, Kompression zentraler wie peripherer nervöser Strukturen wird mit Vorliebe übersehen, fatal negiert. Geht es dann auch noch ins Hormonelle: Mein armer “Nichtshaber” bzw. “Non-Responder”! Dein lieber Gott in Weiß hat halt manches nicht gelernt, vergessen oder einfach nie kapiert :-(

#15 |
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Weitere medizinische Berufe

NA-TOLL – Somatoforme Stöhrung
Ich habe eine kaputte Schilddrüse, und einen 3 cm Knoten. Für diese Diagnose musste ich den Kieferchirurgen aufsuchen. Kann eigentlich ein “moderner Artz noch eine Zungendiagnose?? Leider kenne ich keinen mehr. Wenn die Antworten des Patienten nicht mit den Screenigbögen abgeklärt werden können, na dann hat der Patient eben PECH, oder es ist Psychich.!!

#14 |
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Dr. med. Joachim Böhmke
Dr. med. Joachim Böhmke

Liebe Kollegen, Sie haben ja alle Recht, aber vergessen Sie nicht, dass wir immer nur auf unsere Patienten “reagieren”. Auch vermisse ich in allen Kommentaren die Einwirkungen der sog. Laienpresse auf unsere Schutzbefoh-lenen: keine Zeitung oder Hochglanzzeitschrift verkauft sich besser, wenn sie nicht ein “wichtiges medizinisches Problem” mit natürlich allen “wichtigen Informationen” beschreibt einschließlich der zugehörigen Forensik. Und schon ist unser Wartezimmer ( bes. montags ) “schön” gefüllt. Dabei sind sich unsere Patienten nicht der Manipulation durch diese “Informationsflut” bewusst und “leiden” tatsächlich. In über 35 Jahren hausärztlicher Tätigkeit (in ländlicher Umgebung, will sagen heiler Welt) kann nur die auf Vetrauen basierte Arzt-Patienten-Beziehung “helfen” – mit Empathie und von mir aus auch mit Zugaben wie Homöopathie u.a.m.. Allerdings habe ich den Eindruck, dass wir zumindest hier in Deutschland dabei sind, den Hausarzt abzuschaffen und ihn ersetzen kann auch ein Psychosomatiker nicht.

#13 |
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Tobias Heinemann
Tobias Heinemann

Was mir in der Gesprächsführung mit dieser Art Schmerzpatienten sehr geholfen hat ist die Wertschätzung die man diesen Menschen gegenüber bringen kann indem man ihnen erklärt dass es gerade die Starken trifft, die ihre Belastungsgrenzen nicht erkennen und anschließend an einer Erkrankung mit körperlichen Symptomen ohne organisches Korrelat erkranken.

Tobias Heinemann
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

#12 |
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Seit meiner Krankenhauszeit als Medizinalassistent (iat also sehr lange her) höre und erlebe ich diese Mißstände in der psychosomatischen Medizin: Die organisch gesunden Kranken fühlen sich schlecht behandelt oder abgeschoben, die Mediziner inkompetent, mißbraucht, überlaufen, unterfinanziert!
In Ihrem Artikel kein Wort zu Balintgruppe, Zusatztitel Psychotherapie – also Weiterbildung! Was soll es denn auch: solange mit “Durchuntersuchungen” gutes Geld zu verdienen ist, wird sich nichts ändern! Die Leute gehen mehr und mehr zu Alternativmedizinern, die mit den Nöten dieser Menschen adäquat umgehen! Die Änderung kann nur von den Ärzten ausgehen:
SpeziALL ist ein guter Ansatz, regelmäßige Fallbesprechungen mit Psychotherapeuten, Gemeinschaftspraxis mit psychtherap. weitergbildeten Kollegen sind probate Mittel gegen den Einzelgängerfrust.
Allerdings: die Psychotherapie-Vereinbarung von 1987 ist in ihrer Wirkung längst verpufft. Die damals ausgehandelten wesentlich aufgebesserten Vergütungen für psychosomat. ausgerichtete Gespräche längst zugunsten technischer Leistungen zurückgenommen. Ergebnis schierer Lobbyarbeit von “Organmedizinern”! So wird die Medizin zunehmend unmenschlich, technischer Reparaturakt.

#11 |
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Wann immer ein Behandler, an dieser Stelle besser: Diagnostiker, seinem Gegenüber nach wie umfangreichen Untersuchungen auch immer sagt, Sie haben nichts, bedient er sich falscher Worte und setzt bei seinem Gegenüber verschiedene Mechanismen in Gang. Die einzig richtige und sprachlich korrekte Aussage wäre: Ich kann (mit meinen Möglichkeiten) bei Ihnen keine Ursache oder Veränderungen oder oder oder finden. Dies möge jeder sich immer wieder vor Augen führen. Was wenige offen eingestehen ist die Tatsache, dass ein anderer Diagnostiker mit seinem Wissen, seiner Erfahrung und seinen technischen Möglichkeiten zu einem anderen Ergebnis gelangen kann.

#10 |
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NICHTSHABER??? Frau Kollegin Schirrmacher, ich bin ganz Ihrer Meinung!!
Wissen Sie, was ich am dämlichsten finde?
Dass immer in der Medizin nur das als existent betrachtet wird, was man zum gegenwärtigen Zeitpunkt messen kann! Der Artikel und die meisten Kommentatoren gehen davon aus, dass die Menschheit am Zenit der Weisheit angelangt ist!!
Ich übe lieber etwas Bescheidenheit. Es gibt Kranke, die könnten an etwas leiden, was die heutige Medizin in ihrer spektakulären Blasiertheit noch gar nicht ermessen kann. Tut mir leid, aber dieses vvon oben herab Behandeln ist nicht mein Ding: Was, du hast Symptome, die ich nicht verstehe? Dann kann es ja nur psychisch sein!!!! Das ist so so dumm!

#9 |
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Sie haben das System nicht verstanden.
Erstens hat hier jeder jerzeit Zugriff auf jegliche Ressource, mag sie noch so unangemessen sein. Hier kann jeder aus welchen Gründen auch immer zu jeder Zeit den Rettungsdienst oder eine Krankenhausambulanz bemühen, von seinem Hausarzt eine Überweisung erpressen oder seinen Hausarzt mit ständigen Kosultationen oder noch besser angeforderten Hausbesuchen überbeanspruchen.

Und zweitens haben wir hier eine korrumpierte Rechtsauffassung, aufgrund derer jeder beteiligte Arzt gut beraten ist, jegliche somatische Krankheit, die zum Schaden führen könnte, mit höchstem apparativen Aufwand auszuschließen, will er sich nicht juristischer Verfolgung aussetzen und die Prämie seiner Haftpflichtversicherung in die Höhe treiben.
Die Patienten, die so viele Ressourcen fressen, die gehen nämlich nicht zu dem vernünftigen Primärarzt, der sie und ihre Beschwerden richtig einschätzt, der ihre gelebte Anamnese kennt. Die rufen einfach z. B. nachts die Rettung, und es entsteht erheblicher Aufwand, um erst einmal zu beweisen, dass sie -somatisch- nichts haben. Nichts jedenfalls, was sie vital gefährdet.
Es ist völlig irreal, auf irgendwelche faktisch nicht existierende Psychosomatiker zu setzen. Mit denen können Sie diese Völkerscharen nicht bewältigen. Die Kompetenz, die Zusammenhänge des Lebenskontext des einzelnen Patienten zu erkennen, hätten die Hausärzte, aber die kann man in unserem System viel zu leicht umgehen. Und mit einer flat rate-Bezahlung können die diese Patienten auch nicht adäquat versorgen.
Und es gibt in unserem System keinerlei Anreize für Patienten, sich vernünftig zu verhalten. Wer von diesen Patienten führ ein Dossier über seine vorhandenen Untersuchungsergebnisse? Fast alle lehnen sich zurück und erwarten, der Arzt werde sich auch darum kümmeren und alles recherchieren.
Andere leben hier seit 20 Jahren und lassen keinerlei Aktivität erkennen, auch nur die Landessprache zu erlernen.

Es ist völlig unsinnig, hier eine Schelte der Hochschulmedizin (“Schulmedizin” ist ein tendenziöser und falscher Ausdruck) zu betreiben. In unserem System sind basale Grundvoraussetzungen nicht gegeben. Da helfen keine schönen Worte.

#8 |
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Selbst wenn man es kann, kann man es sich als Allgemeinmediziner finanziell nicht leisten, einen somatoform gestörten Patienten psychotherapeutisch zu behandeln – es ist schlicht zu aufwändig und wird nicht bezahlt. Was nützen denn die 10 Minuten Intervention? Nichts.
Unser Gesundheitssystem funktioniert nach dem Kompost-Prinzip. Der Mangel ist gewollt, die Knappheit an Ressourcen künstlich erzeugt.
Wie gesagt – es ist nicht so, dass wir nicht helfen könnten – wir könnten schon, nur sollen wir es nicht.

#7 |
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Dieses Dilemma besteht in der traditionell chinesischen Medizin nicht, denn jedem Meridian ist auch eine Emotion zugeordnet, viele Akupunkturpunkte haben einen deutlichen psychischen Bezug. Oft ist die Emotion sogar der entscheidende Hinweis, welcher Meridian gestört ist, bzw.ob der therapeutische Ansatz richtig ist. Das ist einer der grossen Vorzüge dieser Medizin.

#6 |
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Ich empfinde den Ausdruck ” Nichtshaber” herabwürdigend.

#5 |
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gute Idee – NUR: WIR MACHEN DAS DOCH LÄNGST!! Wir begleiten unsere Patienten jahrelang, erklären ausführlich und immer wieder, “verweigern” Schmerzmittel, zeigen Wege auf, nehmen uns Zeit und TROTZDEM: die Patienten rennen zum nächsten Facharzt, notfalls ohne Überweisng, und wenn sie nicht die “erforderlichen” Untersuchungen und Medikamente bekommen, rennen sie zur Krankenkassen, die selbstverständlich sie darin bestätigt, daß sie auf ALLES Anspruch haben, daß alles sofort geschehen muß und auch gleich “weg sein” muß. Und die Patienten sind es gar nicht mal selbst Schuld – sie haben es so gelernt: von der Werbung, den Krankenkassen, in der Schule (du darfst nicht fehlen oder muß bei Bagatellerkrankungen ein ärztliches Attest bringen), am Arbeitsplatz (Sie düfen nicht “krank werden”, Sie haben zu “funktionieren”. Und bezahlt werden wir Hausärzte nicht für die Zeit, die wir den Patienten widmen, sondern für Masseabfertigung mit schnellem Rezept (was ich ablehne).

#4 |
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Dr. med. Jörg Sensse
Dr. med. Jörg Sensse

Der Rad “Überweisung zu einem Facharzt für psychosomatische Medizin” ist gut, eine Ressource an solchen Fachärzten wäre besser.
Und in Zeiten von Multi-Kulti muß ich leider feststellen, daß die größten Resourcenfresser eine ethnologisch orientierte adapiterte psychosoziale Medizin benötigen: Erst Deutschkurs ggf mit Alphabetisierung, dann Kurzgruppenintervention mit jahrenlangen vorbereitenden Einzelgesprächen.

Als Facharzt (gelegentlich sieht ein Orthopäde mal unspezifische Rückenschmerzen, so etwa 10 am Tag) kann ich den Patienten schon ein paar psychosomatische Zusammenhänge erklären – wenn ich nur einen sprachlichen Zugang habe.

Also: Der einen Hälfte kann ich nicht erklären, wohin sie mit Somatisierungsstörungen gehen können, weil 2 Jahre Wartezeit für Psychotherapie kein Angebot sind. Der anderen Hälfte kann ich den Weg nicht erklären, weil sie es nicht verstehen. Da heisst es dann “Krankengymnastik, Wassergymnastik, Streßabbau, Tschüs”. Hoffentlich hat der nächste ein Problem, bei dem ich helfen kann.

Richtig problematisch, teuer und gefährlich wird es, wenn die Psychosomatischen Probleme chirurgisch versorgt werden. Wir operieren zuviel, wenige bestreiten das. Aber wie soll der arme Operateur die somatoforme Störung ausschließen? Er bekommt eine Zuweisung und macht, was er am besten kann.

In der Theorie herrscht also Klarheit über Stellenwert und Bedeutung der somatoformen Störungen. Die praktische Umsetzung braucht erst eine neue Generation Lehrer, die das lehren können, dann eine Generation Studenten, die das Lernen dürfen und jemand mit viel Charisma, der das durchsetzt. Wir werden es nicht erleben.

#3 |
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Arzthelferin

Ich habe 25 Jahre in einer Arztpraxis gearbeitet und muss Frau Schmitzer grundsätzlich Recht geben! Ich könnte dies hier explizid ausführen, möchte aber lieber zwei Beispiele nennen. Ich selbst, wurde über 20 Jahre auf eine zunehemende neurologische Bewegungsstörung, unklarer Ätiologie behandelt;
erst im Oktober letzten Jahres wurde klar, dass es sich um eine Dissoziative Bewegungsstörung handelt. Jetzt bin ich im Kampf mit meiner Krankenkasse, da diese sich weigert die adäquate stationäre Verhaltens-/Traumatherapie zu übernehmen.
Gegenbeispiel: Mein Mann wurde über Jahrzehnte mit der Diagnose, Somatisierungsstörung alleingelassen. Bis dann 2005 alle Symptome einen Sinn ergaben: Encephalomyelitis disseminata (Multiple Sklerose). Diese lange Zeit hat dazu geführt, dass eine an sich schon schockierende Diagnose, meinen Mann zu einem Wrack gemacht hat. Nicht die MS ist das Hauptproblem, sondern die reaktiven Depressionen, etc.
ES GIBT ALSO BEIDES. UND BEIDES IST FÜR UNSER GESUNDHEITSSYSTEM EIN SKANDAL!

MfG,
UUR

#2 |
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Dr. Dirk Kestner
Dr. Dirk Kestner

Wo liegt eigntlich der fianzielle Anreiz derer, die es um soviel besser machen als wir dummen Durchschnittsmediziner? Ach, ich vrgaß, die haben gar keinen, sondern behandeln ihre Patienten aus purem Altruismus… Komisch nur, daß praktisch nie die gewährten Regelbehandlungszeiten der verfahrensüblichen Psychotherapien unter-, sehr häufig aber durch Nachbeantragung überschritten werden! Das hat aber freilich etwas damit zu tun, daß die Patienten alle so schlimm gestört sind, nichts mit dem Einkommen des auführenden Therapeuten; der belastet die Sozialkassen ja gar nicht!

#1 |
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