Kinder-Labor: Endlich Referenzwerte

16. Oktober 2014
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Referenzwerte zu Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin & Co. waren bei Kindern bis dato Mangelware. Die EU-weite IDEFICS-Studie mit mehr als 18.000 Kindern liefert die längst überfällige Orientierung für mehr Diagnose-Sicherheit in der pädiatrischen Praxis.

Ob für Blutdruck, Cholesterin oder Blutzucker: Referenzwerte, die auf Risiken und Krankheiten hinweisen, liegen für Erwachsene umfangreich vor. Für Kinder fehlten bislang jedoch viele solcher Vergleichswerte. Nun wurden im Internation Journal of Obesity (IJO) anhand der Daten des EU-Projekts IDEFICS, der möglicherweise größten Studie zur Erforschung von lebensstil- und ernährungsbedingten Erkrankungen bei Kindern, Referenzwerte abgeleitet.

Referenzwerte für Kinder: Ein komplexes Unterfangen

Referenzwerte sind wichtige Orientierungspunkte für die ärztliche Praxis. Sie werden bei Erwachsenen standardmäßig genutzt, um Untersuchungsergebnisse zu beurteilen und therapeutische Entscheidungen zu treffen. Bei Kindern sei dies eher die Ausnahme: Außer den klassischen anthropometrischen Referenzwerten für Kopfumfang, Körpergewicht und -größe sowie Body-Mass-Index fehlen Kinderärztinnen und -ärzten bislang insbesondere klinische Vergleichswerte, anhand derer sie beispielsweise das Risiko für spätere Herz-Kreislauferkrankungen beurteilen oder Frühstadien von Diabetes erkennen können. Ohne dieses Wissen sei eine frühzeitige und gezielte Intervention zur Vermeidung von dauerhaften Schäden bei Kindern mit erhöhtem Erkrankungsrisiko nicht möglich.

Referenzwerte für Kinder und Jugendliche zu bestimmen, ist komplexer als für Erwachsene, da entwicklungsbedingte Veränderungen berücksichtigt werden müssen. Ein verlässliches Referenzsystem kann nur entstehen, wenn eine große gesunde Population vorhanden ist, bei der die gesundheitsrelevanten Werte mit standardisierten und qualitätsgesicherten Verfahren für jede Altersgruppe bestimmt werden. Die IDEFICS-Studie, in der gesundheitsrelevante Werte bei mehr als 18.000 zwei- bis elfjährigen Kindern gemessen wurden, hat hierfür die Datengrundlage geboten. Mit der Veröffentlichung stehen die Referenzwerte wichtiger medizinischer Parameter für Kinder nun auch der kinderärztlichen Praxis zur Verfügung.

Deklinierung der Referenzwerte

Im IJO-Supplement sind unter anderem Referenzwerte zu anthropometrischen Größen wie Hautfaltendicke, Nacken- und Hüftumfang, zu Insulin und Glukose, zu Blutlipiden, Cholesterin, Knochensteifigkeit und zum Blutdruck für die Altersstufen von zwei bis elf Jahren aufgeführt. Bei den Referenzwerten für die Knochensteifigkeit und den Blutdruck wird neben dem Alter und dem Geschlecht auch die Größe des Kindes berücksichtigt. Insbesondere für die Identifizierung von Stoffwechselstörungen bieten diese Referenzwerte eine Grundlage.

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Ahrens, Koordinator der IDEFICS-Studie, erklärt: “Wir freuen uns, die ärztliche Diagnostik und Behandlung von Kindern mit den neu berechneten Referenzwerten zu verbessern. Besonders ist hierbei: Die Referenzwerte sind nicht nur für Deutschland, sondern auch für ganz Europa und darüber hinaus relevant, da wir bei der Berechnung auf Daten der IDEFICS-Studie aus acht europäischen Ländern zurückgreifen konnten.”

Originalpublikation:

Obesity determinants and reference standards for health parameters in pre-adolescent European children: Results from the IDEFICS study
Wolfgang Ahrens et al.; International Journal of Obesity; 2014

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