Dengue-Risiko: Weit höher als angenommen

18. April 2013
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Forscher liefern nun erstmals fundierte und detaillierte Daten zur globalen Verbreitung von Dengue-Fieber. Weltweit sind dreimal mehr Menschen von Dengue-Fieber betroffen, als bislang angenommen.

390 Millionen Neuinfektionen gibt es pro Jahr, die Weltgesundheitsorganisation WHO ging bislang von 50 bis 100 Millionen aus. Dies sind Ergebnisse einer multinationalen Studie, die erstmals fundierte und detaillierte Daten zur globalen Verbreitung von Dengue liefert. Die Arbeiten unter Federführung von Epidemiologen der Oxford University sind jetzt vorab online in der renommierten Fachzeitschrift Nature publiziert.

Die entstandene Dengue-Weltkarte wurde im Rahmen des Forschungsnetzwerks IDAMS (International Research Consortium on Dengue Risk Assessment, Management and Surveillance) erstellt, das von der Sektion Klinische Tropenmedizin am Department für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg unter der Leitung von Dr. Thomas Jänisch, Co-Autor der aktuellen Dengue-Studie, koordiniert wird. Die Risiko-Karte soll dazu beitragen, die Ressourcen für die Kontrolle der Erkrankung gezielter und effizienter einzusetzen.

70 Prozent der Fälle in Asien

Das Dengue-Fieber ist die häufigste von Stechmücken übertragene Infektionskrankheit; weltweit leben circa 2,5 Milliarden Menschen in Dengue-Risiko-Gebieten. Eine Therapie oder Impfung gegen das Virus gibt es nicht. Vor allem Kinder in tropischen Ländern sind in Gefahr, schwer an Dengue zu erkranken oder sogar daran zu sterben. Reisende, die sich angesteckt haben, bringen die Infektionskrankheit auch nach Europa. Im Jahr 2010 wurden erste Fälle einer direkten Dengue-Übertragung durch die so genannte Asiatische Tiger-Mücke aus Südfrankreich und Kroatien gemeldet. Im Herbst 2012 gab es einen Dengue-Ausbruch auf der Ferieninsel Madeira, Portugal. Der Überträger war in diesem Fall Aedes aegypti (die “Gelbfiebermücke”).

Für die neue Risiko-Weltkarte haben die Forscher mehr als 8.000 Berichte von Dengue-Infektionen aus den Jahren 1960 bis 2012 analysiert. Faktoren wie Klima, Armut, Bevölkerungsdichte und Infrastruktur flossen in die Hochrechnungen ein. Demnach entfallen auf Asien mit rund 270 Millionen Fällen rund 70 Prozent der Erkrankungen. Es folgen Afrika mit rund 64 Millionen und Amerika mit 54 Millionen Neuinfektionen pro Jahr. “Die neuen Daten zeigen, dass auch Afrika viel stärker betroffen ist, als bislang angenommen”, erklärt Dr. Thomas Jänisch. Gerade für Afrika gab es bisher keine soliden Schätzungen.

Fokus auf multizentrische Studie

Insgesamt gebe es wesentlich mehr Infizierte als registrierte Fälle, erklärt Dr. Jänisch. Dies liegt unter anderem daran, dass sich nicht jede Infektion bemerkbar macht bzw. dass die Symptome denen anderer fieberhafter Erkrankungen, z.B. der Malaria, ähneln können. Die Wissenschaftler von IDAMS sammeln in den nächsten Jahren weitere Daten zu Dengue-Infektionen, werten diese aus und überprüfen so die aktuellen Forschungsergebnisse. Schwerpunkt der Heidelberger Tropenmediziner ist dabei eine multizentrische Studie mit insgesamt rund 10.000 Patienten in Gesundheitseinrichtungen in Asien und Lateinamerika, z.B. in Vietnam und Brasilien. Ärzte und medizinisches Personal geben vor Ort Patientendaten wie Symptome und Laborwerte in eine spezielle Eingabemaske ein.

Um die richtige Anwendung und die Qualität der Daten zu sichern, werden alle teilnehmenden Partner vor Ort geschult. Die Daten werden nach Heidelberg übermittelt und von Epidemiologen ausgewertet. “Eine Dengue-Infektion kann sehr unterschiedlich verlaufen”, erklärt Dr. Jänisch. “Wir möchten z.B. herausfinden, wie Ärzte in einem frühen Fieberstadium der Erkrankung einen schweren Verlauf erkennen oder sogar voraussagen können.” Die Patienten mit schwerem Verlauf müssen im Krankenhaus aufgenommen und engmaschig beobachtet bzw. mit Flüssigkeitsinfusionen behandelt werden.

Originalpublikation:
The global distribution and burden of dengue
Thomas Jaenisch et al.; Nature, doi:10.1038/nature12060; 2013

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Forschung, Medizin

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