AMD: Vorbeugung mit Ergänzungsmitteln

17. April 2013
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Die Altersbezogene Makula-Degeneration (AMD) ist eine Augenkrankheit, die in Deutschland etwa jeden Dritten über 60 Jahren betrifft. Wissenschaftler belegen nun, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel dieser Augenkrankheit vorbeugen können.

AMD führt zu einem erheblichen Verlust der Sehkraft. Bei fortgeschrittener AMD erscheint das Zentrum des Sehfeldes als blinder Fleck. Ursache dafür sind absterbende Netzhautzellen. Doch bereits im Frühstadium von AMD werden Ablagerungen extrazellulären Materials auf der Makula gefunden – jenem Teil der Netzhaut, der für die Detailerkennung in der Mitte des Sehfeldes sorgt.

Die Ernährungswissenschaftlerin Christin Arnold von der Universität Jena hat gemeinsam mit Kollegen untersucht, wie sich die regelmäßige Gabe von Lutein und Zeaxanthin auf den Organismus auswirkt. Lutein und Zeaxanthin sind Carotinoide, natürliche Pigmente pflanzlicher Herkunft. In der Netzhaut des Menschen wirken sie als eine natürliche Sonnenbrille, die schädliches UV-Licht von der Netzhaut fernhält. “Der Mensch kann diese Carotinoide nicht selbst synthetisieren, wir müssen sie über die Nahrung aufnehmen”, sagt Christin Arnold. Geeignete Lebensmittel sind Gemüse wie Grünkohl, Spinat oder Brokkoli. Verwendbar sind zudem sogenannte Nahrungsergänzungsmittel, die Carotinoide enthalten.

Deutlicher Anstieg

Die Ernährungswissenschaftlerin von der Friedrich-Schiller-Universität kooperierte für ihre aktuelle Studie mit der Jenaer Augenklinik. Die Augenärzte wählten insgesamt 145 Männer und Frauen aus. Die Patienten waren im Durchschnitt 68 Jahre alt. Eine Gruppe erhielt eine tägliche Dosis von 10 Milligramm des Carotinoids Lutein, eine zweite Gruppe die doppelte Dosis und die Kontrollgruppe ein Placebo. Jeder Patient nahm die Ergänzungsmittel für die Dauer eines Jahres ein. Gereicht wurde ein Präparat auf der Basis von Studentenblumen.

“Schon nach einem Monat konnten wir einen deutlichen Anstieg der Lutein-Konzentration im Blutplasma feststellen”, sagt Christin Arnold. Damit sollte die für die Netzhaut wichtige Zufuhr von Carotinoiden sichergestellt sein. Offenbar genügt zudem die tägliche Dosis von 10 Milligramm: Bei der Patientengruppe mit der doppelten Dosis ergaben sich nur geringfügig höhere Werte. Bei der Placebo-Gruppe sei die Lutein-Konzentration im Blut hingegen auf Ausgangsniveau geblieben, stellte Arnold fest.

Nahrungsergänzungsmittel als Alternative

Die gerade veröffentlichte Studie von Christin Arnold und ihren Kollegen belegt, dass die Gabe von Carotinoiden als Nahrungsergänzungsmittel eine Alternative zum Verzehr von Luteinhaltigen Gemüsesorten sein kann. “Die ausreichende Versorgung mit Lutein und Zeaxanthin kann durch die Gabe von Präparaten sichergestellt werden”, resümiert Christin Arnold.

Das Ergebnis der Studie sei für AMD-Patienten durchaus interessant, die Rolle der Ernährung im Zusammenhang mit dieser Augenerkrankung muss jedoch weiter erforscht werden.

Originalpublikation:
Macular Xanthophylls and ?-3-Long-Chain Polyunsaturated Fatty Acids in Age-Related Macular Degeneration.
C. Arnold et al.; JAMA Ophthalmol.; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2013.2851.; 2013

78 Wertungen (3.53 ø)

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13 Kommentare:

Dr. med. Eckhard Rosch
Dr. med. Eckhard Rosch

Diese wichtige Studie, publ. in renommierter Zeitschrift, hätte eine korrekte Zusammenfassung in DocCheck verdient.Die Rezensenten/in haben weder die Interverntions-Substanzen richtig wiedergegeben, noch die Endpunkte der Studie verstanden.Dass die orale Gabe von Lutein u. Zeaxanthin die Konzentr. des Mac-pigments erhöhen können ist nicht neu. Hier wurde aber die 3-er-Kombination mit poly-unges. Fettsäuren gegeben.Gemessen wurden keine Sehfunktionen, sondern Blutparameter u. Pigmentkonz. in der Macula. Wichtige Feststellung ! Aber die gesicherten Haupt – Risikofaktoren für die AMD sind Alter, genet. Disposition und Raucheranamnese. Ob die o.g. Substanzen den Verlauf der beg.AMD verlangsamen, mildern können , wollen und können die Autoren so nicht beweisen. Dazu müssten noch die Sehfunktione über einen längeren Zeitraum bestimmt werden.
Dr. Eckhard Rosch
Augenarzt

#13 |
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Rettungsassistent

Es gibt für die Inhaltsstoffe Astaxanthin, Lutein und Zeaxanthin noch keine offizielle Empfehlung der EU. Die für die in dem von mir erwähnten Produkt verwendete ausgewogene Zusammensetzung ist praxisorientiert und basiert auf augenmedizinischer Empfehlung.

#12 |
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macula-tur

#11 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Schade, eine höhere Aussagequalität dieser Studie wäre einfach machbar gewesen: eine Kontrollgruppe, die Carotinoide bewusst über eine gemüsereichere Ernährung aufnimmt. Es gibt mittlerweile mehr als genug seriöse Studien, die eine besser Bioverfügbarkeit aufzeigen, wenn Sekundäre Pflanzenstoffe über Nahrungsmittel aufgenommen werden, nicht über Vitaminpillen.
Ein Schelm, wer Böses denkt bei der Finanzierung dieser Studie…

#10 |
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Dr. rer. nat. Stephanie Seifert
Dr. rer. nat. Stephanie Seifert

Schade, dass genau zwei Aspekte in diesem Artikel fehlen: 1. Es konnte tatsächlich nachgewiesen werden, dass nicht nur die Plasmaspiegel steigen, sondern auch die optische Dichte des Makulapigments zunimmt. 2. Es wurden Lutein und Zeaxanthin nicht alleine verabreicht, sondern nur gemeinsam mit Omega-3-Fettsäuren. Damit bleibt also offen, ob eine Intervention mit Lutein und Zeaxanthin alleine wirksam gewesen wäre, also ob es die Kombination mit den Fettsäuren wirklich braucht.

#9 |
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Augenoptiker / Optometrist

Ja, schön wäre es jetzt zu wissen, ob denn tatsächlich das Erkrankungsrisiko sinkt und ob es denn tatsächlich eine zulässige Aussage zulässt, wenn die Probanden schon über 60 sind, und also zu 1/3 bereits betroffen. Ausserdem müsste doch wohl zwischen trockener Form (Bericht) und feuchter AMD unterschieden werden.

#8 |
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Klaus-Dieter Neander
Klaus-Dieter Neander

Macula

#7 |
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Oh Wunder, Verabreichung von Karotinoiden bewirkt, dass sie im Blut nachweisbar sind. Und wo ist der Zusammenhang mit der Maculadegeneration? Nicht untersucht? Spekulativ? Macht nichts, wenn man das Zeug nur verkaufen kann…

#6 |
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Dr. med. Erich Hahner
Dr. med. Erich Hahner

Daß eine Luteinanreicherung im Blut durch Nahrungsergänzungsmittelgabe erfolgt, ist noch lange kein Beweis für eine prophylaktische oder gar erfolgreiche AMD-Therapie!!!

#5 |
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Korrektur zu #3: 10 mg Lutein, 20 mg Lutein und Placebo…

#4 |
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Erst lese ich von regelmäßiger Gabe von Lutein und Zeaxanthin. Dann lese ich von 10 mg, 20 mg und Placebo. Wann und wieviel Zeaxanthin wurde denn verabreicht? Zusammen oder im 2. Teil der Studie oder wie?

#3 |
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Rettungsassistent

Eine natürliche Lebensmittelzubereitung, die oben erwähntes Lutein, Zeaxanthin und außerdem Astaxanthin enthält und ausdrücklich für Nerven und Augen konzipiert wurde, ist das Cellagon vitale plus, welches ich, mit besten Erfahrungen, nebenberuflich im privaten Bereich vertreibe. [Kommentar von der Redaktion gekürzt]

#2 |
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Ärztin

Das Zentralskotom bei fortgeschrittener AMD ist mitnichten mit dem (physiologischen!) “blinden Fleck” identisch!

#1 |
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