Stipendien: Der gepamperte Doktor

18. April 2012
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Das Medizinstudium kann für junge Menschen und deren Eltern eine finanzielle Herausforderung darstellen. Doch mittlerweile gibt es Stipendien jeglicher Art für Medizinstudenten, um damit einen Teil des Studiums zu finanzieren.

Viele Studenten finanzieren sich mitunter ihr Studium durch ein Stipendium. Hierbei ist es wichtig, sich genau über das Stipendium zu informieren und auch über die Bedingungen, an die das Stipendium geknüpft ist, genau Bescheid zu wissen.

Unterstützung vom Fachbereich

Mittlerweile bieten sehr viele Kliniken verschiedene Arten von Stipendien an. Zum einen ist es möglich, allein aufgrund der Facharztausbildung ein Stipendium zu bekommen. Viele Kliniken bieten zum Beispiel eine Stelle in der Neurologie verbunden mit einem Stipendium an. Der Student wird entweder schon zu Beginn des Studiums oder frühestens ab dem ersten Staatsexamen unterstützt, muss sich aber im Gegensatz dazu verpflichten, nach dem Studium in der Klinik als Neurologe zu arbeiten. Die Rheinhessen-Klinik in Alzey bietet genau dieses Stipendium an. Gegen Ende des Studiums kann sich jeder interessierte Student dort bewerben und erhält bis zum Ende des Studiums etwa 600 Euro monatlich. Wenn man danach dort die Facharztausbildung zum Psychiater oder Neurologen absolviert, so entfällt die Rückzahlung des Stipendiums.

Viele Kliniken möchten aber einfach nur, dass der Nachwuchs für die nächsten Jahre gesichert ist. Sie bieten daher an, den Studenten während dem Studium finanziell zu unterstützen, dieser muss dann nach dem Studium dort als Arzt arbeiten. Die Facharztrichtung wird in dem Falle nicht festgelegt, sie muss aber in dem Klinikum angeboten werden. Das Klinikum Pirmasens bietet beispielsweise solch ein Stipendium an. Der Student kann sich nach dem Physikum dort um ein Stipendium bewerben und erhält eine finanzielle Unterstützung von 500 Euro im Monat. Das Stipendium ist an eine Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis nach dem Studienabschluss geknüpft.

Aber nicht nur Kliniken bieten Stipendien an. Auch viele Verbände wie zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin setzen auf Nachwuchsförderung durch Stipendien. Bedingung ist natürlich eine Facharztausbildung der inneren Medizin nach dem Studium. Des Weiteren werden von dem Verband während und nach dem Studium auch Seminare und Workshops angeboten.

Exzellent!

Der Finanz- und Vermögensberater MLP bietet mittlerweile auch Stipendien für Medizinstudenten an. Es werden Stipendien in drei Kategorien vergeben und zwar “Studies excellence” für ausgezeichnete Studienerfolge, “Social excellence” für außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement und “Science excellence” für herausragende medizinisch-wissenschaftliche Leistungen. Die Stipendien laufen immer bis Studienende und maximal jedoch drei Jahre. Beendet der Stipendiat sein Studium vorher, erhält er die Restförderung als Einmalzahlung.

Neben der finanziellen Unterstützung stellen regelmäßige Netzwerkveranstaltungen einen weiteren Baustein des Programms dar: Einmal pro Semester können die Stipendiaten im Rahmen des “Medical Excellence Curriculums” an Vorträgen und Workshops teilnehmen, die sie neben ihrer medizinischen Ausbildung mit Schlüsselkompetenzen für einen erfolgreichen Berufsstart im Gesundheitswesen ausstatten sollen. Diese Angebote macht MLP Medizinstudenten im Rahmen der “Carreer Center” schon länger. Fähigkeiten wie Rhetorik oder Gesprächsführung stehen dabei genauso auf dem Programm wie Unternehmensführung.

Vorteile – aber auch Nachteile

Allgemein bringt ein Stipendium dem Studenten viele Vorteile. Der Student erhält als Stipendiat regelmäßig über einen bestimmten Zeitraum Geld von der Stiftung, mit dem er seinen Lebensunterhalt bewältigen und Bücher und sonstige Materialien anschaffen kann. Das Geld muss der Stipendiat meistens nicht zurückzahlen.

Doch Stipendien bedeuten für den Studenten nicht nur finanzielle Unterstützung. Den geförderten Studenten werden außerdem Weiterbildungsveranstaltungen geboten, sie knüpfen Netzwerke und werden auch über den Zeitpunkt der Förderung hinaus persönlich begleitet.

Die Nachteile der Stipendien können sein, dass dem Studenten vielleicht doch die geforderte Facharztausbildung nicht gefällt oder das ausgewählte Klinikum ihm nicht zusagt. Wenn man dann die Facharztausbildung abbricht oder das Klinikum verlässt, so wird meist die finanzielle Unterstützung, die der Student während des Studiums erhalten hat, wieder zurückgefordert, da man die Voraussetzungen, die an das Stipendium geknüpft waren, nicht erfüllt hat.

Alles in allem ist ein Stipendium eine gute Möglichkeit, finanzielle Unterstützung zu bekommen und sich nebenher optimal auf das Studium vorbereiten zu können. Außerdem stellt es in manchen Fällen eine gute Möglichkeit dar, schon frühzeitig in dem Bereich oder in der Klinik Erfahrungen zu sammeln, in dem oder in der man später gerne arbeiten möchte. Ein Stipendium kann daher sehr förderlich für die spätere Karriere sein.

Hier könnt Ihr Euch informieren:
Rheinhessen Fachklinik Alzey
Klinikum Pirmasens
Stipendium der DGIM
MLP
Hartmannbund

21 Wertungen (2.48 ø)
Studium

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4 Kommentare:

Studentin der Humanmedizin

@ Valerie Smith: Ich denke, den meisten Medizinstudierenden ist klar, wie teuer ihr Studium ist, dass es wahrscheinlich sogar das teuerste ist. Wenn gemotzt wird, dann, weil man mit allen Unterstützungen nur knapp über die Runden kommt (gerade wenn man Familie hat.
Und selbst wenn: Es gibt dir noch lange nicht das Recht, sie zu beleidigen.

#4 |
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Student der Humanmedizin

Mir scheint, als sei hier etwas übersehen worden: diese Stipendien zu erhalten ist in aller Regel extrem schwer, da meist drei Dinge gefordert werden, die der Durchschnittsstudent schlicht nicht erfüllt:
– herausragende Studienleistungen
– besonderes Engagement im Studienbereich
– besonderes soziales Engagement

Kaum jemand hätte sowieso Zeit, neben dem Studium noch all den Aktivitäten nachzugehen, die dort gefordert werden.

KEINES der Stipendien zielt auf den Durchschnittsstudenten ab.
Alle haben sehr spezielle Anforderungen, die in der Regel nur etwa 5% aller Studenten überhaupt erfüllen.

Die Stidenpienlandschaft in Deutschland ist extrem dünn gesäht und nur die wenigsten profitieren davon.

In aller Regel erhalten diejenigen Stipendien, die sie sowieso nicht mehr bräuchten.

Einzige Ausnahme sind die Stipendien, die einen nach dem Studium verpflichten an einer bestimmten Klinik tätig zu sein.

Im Übrigen verlangen auch die Stipendien der Fachgesellschaften exzellente Studienleistungen und noch andere extra Sahnehäubchen.

Leider erweckt der Artikel den Eindruck, an diese Stipendien wäre einfach heranzukommen.

Hinzu kommt noch, dass man mit diesen Stipendien auch nicht leben kann.
Leider sind 500 Euro heutzutage schlicht nicht ausreichend, um die monatlichen Kosten zu decken.
Hier ist man dann also auf ein Stipendium PLUS zusätzliche Leistungen angewiesen.

Alles in allem ist das Konzept Stipendium in Deutschland eine zu vernachlässigende Komponente, da sie nur einer geringen Anzahl an Personen überhaupt zur Verfügung steht und als solches eben auch nicht zur Deckung des Lebensbedarfes ausreicht, sodass noch zusätzliche Einnahmen durch Arbeit, weitere Stipendien (noch schwerer!) oder doch letztlich Bafoeg / Studienkredit erzielt werden müssen.

#3 |
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Toxikologin

P.S. Das heisst ueber 200.000 Euro insgesamt.

#2 |
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Toxikologin

You got to be sh**ting me! In den USA kann ein Medizinstudium ueber 200.000 kosten. Die deutschen Medistudenten sollen Gott danken dass das Medizinstudium in Deutschland so billig ist. Grin and bear it you little spoiled brats!!!

#1 |
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