Aut-idem-Liste: Aus der Tausch

30. September 2014
Teilen

Ein schmerzhaftes Kapitel geht zu Ende: Nachdem sich Kassenvertreter und Apotheker nicht einigen konnten, veröffentlichte der Gemeinsame Bundesausschuss jetzt eine Liste zum Substitutionsausschluss. Es geht voran – viel Arbeit bleibt aber noch zu erledigen.

Erfolglose Verhandlungen zwischen dem Deutschen Apothekerverband (DAV) und dem GKV-Spitzenverband riefen Gesundheitspolitiker auf den Plan. Im April beauftragten sie den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), bis Ende September eine Aut-Idem-Liste zu erstellen. Entsprechende Präparate sind von jeglicher Substitutionen ausgenommen.

Wenig Überraschendes

Jetzt liegt das Dokument vor. Wie nicht anders zu erwarten war, nahm der G-BA folgende Wirkstoffe in die Anlage VII seiner Arzneimittel-Richtlinie auf:

  • Kardiologie: Betaacetyldigoxin, Digitoxin und Digoxin (Tabletten)
  • Immunsuppression: Tacrolimus (Hartkapseln) und Ciclosporin (Weichkapseln, Lösung zum Einnehmen)
  • Schilddrüsenhormone: Levothyroxin-Natrium und die Fixkombi Levothyroxin Natrium plus Kaliumiodid (jeweils Tabletten)
  • Antiepileptika: Phenytoin (Tabletten)

Bei Ciclosporin und Phenytoin greifen seit April vertragliche Regelungen, um Substitutionen zu vermeiden.

Fortsetzung folgt

Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA, spricht von einer „Verbesserung der Therapiesicherheit der Patientinnen und Patienten“. Der G-BA werde sich zeitnah Therapiefeldern widmen, zu denen „aufgrund weiterer zu klärender Sachverhalte keine abschließende Prüfung der Kriterien für die Aufnahme in die Wirkstoffliste möglich war“. Hierzu zählen Antikonvulsiva, retardierte Opioidanalgetika, Inhalativa zur Behandlung von Asthma bronchiale/COPD und Dermatika zur Behandlung von Psoriasis.

Einwände abgeschmettert

In einer umfassenden Dokumentation führt der G-BA zahlreiche Einwände auf. Besonders bemerkenswert: „Es muss sichergestellt werden, dass der Apotheker auch bei der Verordnung eines in der Substitutionsausschlussliste enthaltenen Wirkstoffs pharmazeutische Bedenken geltend machen kann“, lautet eine Forderung der ABDA. „Liegen diese im Einzelfall vor, muss es ihm möglich sein, von der Abgabe des verordneten Präparates abzusehen und ein unter dem Aspekt der Arzneimitteltherapiesicherheit Geeignetes abzugeben.“ Diese Argumentation wird vom G-BA umgehend abgeschmettert. Im Dokument heißt es, die Aufnahme eines Wirkstoffes bewirke allein, dass „ein anderes als das verordnete Arzneimittel nicht – auch nicht über die Austauschregelung (…) ohne vorherige Rücksprache mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt abgegeben werden darf“. Mediziner wiederum könnten Präparate entweder nach Handelsnamen oder nach Wirkstoffen verordnen.

7 Wertungen (4 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Gast
Gast

@doreen schulz:
wer bei marcumar KEINE pharmazeutischen bedenken anführt, sollte seine approbationsurkunde schnellstens zurückgeben. das ist ja da “schöne” an diesem listchen: “pharm. bedenken” werden damit ausgeschlossen – im zweifelsfall ist dann der patient mal wieder der depp – man denke nur an die täglichen defektlisten, was ist überhaupt lieferbar…

#3 |
  0
Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Wann werden die Gerinnungshemmer wie Marcumar aufgenommen. Ich bin selbst betroffen und mein INR ist bei den Generika-Präparaten mehr als instabil.

#2 |
  0
Gast
Gast

“Joseph Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA…” – liebe Redaktion: der ist echt gut!
Diese Liste ist leider in dieser Form vollkommen weltfremd

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: