Herzinsuffizienz: Therapie mit Doppeleffekt?

23. September 2014
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Wissenschaftler haben in einer Studie die therapeutische Doppelwirkung eines Medikaments gegen Herzinsuffizienz nachgewiesen und die Ergebnisse im NEJM veröffentlicht. Das Medikament wurde dabei mit einer Standardtherapie verglichen.

Die Ergebnisse der Studie zur Herzinsuffizienz weisen auf mögliche neue Behandlungsansätze hin. Im Gegensatz zu bisherigen Medikamenten greift die Wirkstoffkombination aus Valsartan und Sacubitril an zwei Stellen in das Hormonsystem ein. In der Studie konnte die Kombinationstherapie die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle und der Klinikeinweisungen wegen Herzschwäche senken. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) sieht in den Studienergebnissen ein gutes Beispiel für die wichtige Rolle von Hormonen, die nicht nur in den endokrinen Drüsen, sondern wie bei diesem Beispiel direkt im Herzen und auch in anderen Organen wie etwa der Leber gebildet werden. Bei der Beurteilung der Studienergebnisse gilt es zu beachten, dass diese unter anderem mit Unterstützung des Pharmaunternehmens Novartis durchgeführt wurde. Potentielle Interessen des Unternehmens sind hier mit einiger Sicherheit intendiert.

Vergleich von Hemmern

Das soll die potentielle Bedeutung neuer, hoffnungsvoller Therapie-Ansätze gegen Herzinsuffizienz jedoch nicht schmälern: Denn allein in Deutschland leiden rund 1,8 Millionen Menschen unter einer Herzschwäche. Pro Jahr erkranken etwa 320 von 100.000 Menschen neu an Herzinsuffizienz. Atemnot, Müdigkeit und Flüssigkeitseinlagerungen beeinträchtigen zudem stark die Lebensqualität. „Patienten mit Herzinsuffizienz werden in der Regel mit Wirkstoffen aus der Gruppe der sogenannten ACE-Hemmer und mit Betablockern behandelt“, erklärt Professor Dr. med. Dr. h.c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE aus Bochum. ACE-Hemmer weiten die Blutgefäße und entlasten das Herz, indem sie ein Protein blockieren, das im Körper Blutgefäße verengt. Betablocker verlangsamen den Herzschlag und beugen lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen vor.

Die Standardtherapie mit einem ACE-Hemmer (Enalapril) wurde nun in einer multizentrischen, randomisierten Studie (PARADIGM-HF) mit 8.442 Patienten mit einem neuen Medikament verglichen, das an zwei Punkten im endokrinen System ansetzt. Das Kombinationspräparat besteht aus dem AT-1-Rezeptorblocker Valsartan gekoppelt an den Neprilysin-Hemmstoff Sacubitril. Valsartan blockiert ein bestimmtes Enzym-Hormon-System mit zentraler Bedeutung für die Blutdruckregulation, das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS). Sacubitril hemmt das eiweißspaltende Enzym Neprilysin. Neprilysin baut bei Herzgesunden das Hormon ANP (Atriales Natriuretisches Peptid) sowie weitere Wirkstoffe ab, welche einen wichtigen Effekt in der Regulation der Gefäße und des Pumpvermögens des Herzens haben.

Wirksamkeit der Wirkstoffkombination belegt

Schatz erklärt: „Das Hormon ANP wird direkt in den Herzmuskelzellen des Vorhofs gebildet. Es reguliert den Salz- und Wasserhaushalt und damit auch den Blutdruck.“ Beim Gesunden wird bei einsetzender verstärkter Dehnung des Herzvorhofs durch Belastungen das ANP vermehrt ausgeschüttet und dieses bewirkt, wie sein Name sagt, eine Steigerung der Ausscheidung von Natrium und damit von Flüssigkeit. Dadurch wird das Herz wieder entlastet. Blockt man bei Herzinsuffizienz das Enzym Neprilysin, so bewirkt man dadurch, dass ANP nicht abgebaut werden kann. Die ANP-Spiegel steigen an und das Herz wird durch die dann vermehrte Natrium- und Flüssigkeitsausscheidung entlastet. Die Ergebnisse der PARADIGM-HF-Studie zeigen: Das Kombinationspräparat verringerte die Krankenhauseinweisungen und die Sterblichkeit gegenüber der Vergleichsgruppe mit Enalapril signifikant (21,8 Prozent versus 26,5 Prozent).

Positiver Effekt durch Eingriff in das endokrine System

Schatz fasst zusammen: „Diese Studie mit ihrem doppelten endokrinologischen Therapieansatz zeigt die wichtige Rolle von Hormonen und Wirkstoffen im Organismus auf. Nicht nur die klassischen Hormone aus den endokrinen Drüsen spielen eine Rolle, sondern auch die aus Organen und Geweben.“ Das Gewebshormon Angiotensin und das Atriale Natriuretische Peptid, das in der Herzvorhofwand gebildet wird, sind dafür gute Beispiele. „Störungen in diesen Systemen können zu schwerwiegenden Symptomen bei Erkrankungen beitragen. Therapeutische Eingriffe in das endokrine System, etwa durch eine Hemmung der aus dem Ruder gelaufenen Wirkstoffe, können, wie die PARADIGM-HF-Studie für das Herz gezeigt hat, die Beschwerden und den Gesamtzustand der Patienten günstig beeinflussen.“

Originalpublikation:

Angiotensin-Neprilysin Inhibition versus Enalapril in Heart Failure
John J.V. McMurray et al.; The New England Journal of Medicine, doi: 10.1056/NEJMoa1409077; 2014

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