Cortisol: Weichmacher für Kinderknochen

2. Oktober 2014
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Schon eine geringe Cortisol-Überproduktion beeinträchtigt die Knochenstabilität von Kindern signifikant. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. In einem Anschlussprojekt wird nun untersucht, ob sich der Cortisol-Spiegel durch eine gezielte Ernährung senken lässt.

An der Knochenstudie nahmen 175 gesunde Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren teil. Sie gaben im Abstand eines Jahres zwei Urinproben ab. Zum Zeitpunkt der zweiten Probe führten die Forscher zusätzlich bei jedem Teilnehmer eine computertomographische Untersuchung des Unterarms durch.

Dabei stießen sie auf einen signifikanten Zusammenhang: Je mehr Cortisol und Cortisol-Umbauprodukte sie im Urin fanden, desto fragiler war – bei vergleichbarer Zufuhr wichtiger knochenaufbauender Nährstoffe – im Schnitt der Unterarm-Knochen. „Die Mädchen und Jungen waren völlig gesund und weder zu dünn noch zu dick“, betont der Studienleiter Prof. Dr. Thomas Remer. „Die im Urin gemessenen Cortisol-Mengen waren zwar bei manchen Teilnehmern höher als bei anderen, sie waren aber immer im normalen physiologischen Rahmen. Dennoch fanden wir bereits bei diesen natürlichen Schwankungen einen deutlichen Effekt.“

Medikament senkt Knochendichte

Cortisol wird in der Nebennierenrinde synthetitisiert. Das lebenswichtige Hormon wirkt unter anderem entzündungshemmend. Daher wird es auch als Medikament (Cortison) eingesetzt. Schon seit Jahrzehnten ist bekannt, dass eine langfristige Gabe hoher Cortisol-Dosen die Knochendichte senken kann. Neu ist aber, dass bereits die vom Körper natürlicherweise produzierten Cortisol-Mengen einen negativen Effekt haben können.

Wichtig ist diese Erkenntnis vor allem, weil Knochenerkrankungen des Erwachsenenalters oft in der Jugend ihren Ursprung haben. Denn wenn in jungen Jahren zu wenige Mineralien in die Knochen eingebaut wurden, leidet deren Stabilität langfristig. Eine mögliche Folge kann Jahrzehnte später etwa eine Osteoporose sein.

Obst ist gut für die Knochen

Daher wollen die Forscher nun auch herausfinden, welche Rolle die Ernährung für das Stresshormon Cortisol und seine Wirkungen auf das Knochensystem und den Stoffwechsel spielt. So weisen Studien mit Erwachsenen darauf hin, dass eine obst- und gemüsereiche Kost vermutlich den Cortisolspiegel senken kann. Äpfel, Orangen, Kartoffeln oder Spinat wirken sich also möglicherweise positiv auf die Knochengesundheit aus.

„Wir wollen wissen, ob sich eine derartige Cortisolsenkung auch für Kinder und Jugendliche nachweisen lässt“, sagt Remer. „Das wäre ein weiteres Argument für die schon heute gültige Empfehlung, fünfmal täglich Obst oder Gemüse zu sich zu nehmen.“

Originalpublikation:

Higher glucocorticoid secretion in the physiological range is associated with lower bone strength at the proximal radius in healthy children: importance of protein intake adjustment
Thomas Remer et al.; Journal of Bone and Mineral Research; doi: 10.1002/jbmr.2347; 2014

1 Wertungen (5 ø)
Medizin, Orthopädie

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9 Kommentare:

Gast
Gast

Schön,mal wieder was von der Kinderklinik Bonn zu hören.
Nur der Schluss mit dem 5x Obst war etwas daneben

#9 |
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Gast
Gast

wer will schon einem in die Hände fallen,
der Natrium nicht von Stickstoff unterscheiden kann.

#8 |
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Gast
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@Azt

Dankeschön, aber schweigen tue ich jedenfalls nicht, denn wie beschämend ist es denn, wenn Ärzte Blutwerte bewerten und trotzdem noch weiterfahren mit Therapien die längst abgesetzt hätten werden müssen?

Egal, den Schaden hat man nun und dafür aufkommen brauchen Ärzte ja mal nicht, nein, Patient darf ausharren und zusehen wie er zurecht kommt.

#7 |
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Azt
Azt

Wer Natrium von Stickstoff (Nitrit) trotz Wink mit dem Zaunpfahl nicht unterscheiden kann, sollte beschämt schweigen.

#6 |
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Gast
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@Gast,Kommentar 4

Ihr Argument würde ich all zu gerne unterzeichnen, jedoch was ja noch nicht einmal erforscht ist und nun mal an einem einzelnen Patienten labordiagnostisch nachweisbar war “Nitritit”(ansonsten hätte man gleich vermieden Natrium nach zu dosieren) heisst nicht dass alles was schon erforscht ist genau so bei jedem Patienten anzusehen ist.
Ich lang nicht umsonst in einer privaten Uniklinik und die hat sich sehr wohl bemüht und der bin ich heute sehr dankbar dafürzumal dem ehemaligen behandelnden Professor :)

#5 |
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Gast
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@ Gast, Kommentar 1

‘Natrium wenn es dann negativ polt kann ja zu Nitritit umgewandelt werden,heisst es mal.’

Ich habe selten einen solchen Mist gelesen…

#4 |
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Gast
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@Dr. Bayerl

So wie Sie erklären, gewinne ich den Eindruck des Nachvollziehens, dennoch man verrechne sich ja nicht mit Fehlern des Vitamin D in Punkto Methyltransferase und S-Phase und des Versagens der Nieren, weil die ATP hat chromosomal eine Menge drauf und kattapuff macht es.
Daher die nicht Erkennungsmöglichkeit der Polyendokrine Autoimmunerkrankungen bei Neugeborenen.
Sehr selten?
Eigendlich nicht,bleibt nur sehr selten weil ja so niemand Neugeborene untersucht werden und deshalb eher im älter werden erst erkannt wird, was eine Odysee an Untersuchungen abverlangt bis dann sogar genetisch “Greisengenenaktivation” nachgewiesen werden kann. (die man so vererbt bekommt)
Trotzdem Dankeschön für die Aufklärung, die mir persönlich sehr von Nutzen war :)

#3 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Das ist schlicht zu “pathologisch” formuliert! Physiologisches Cortisol “weicht” nicht die Knochen auf! Und es ist nur eines von mehreren Faktoren.
Trotzdem hoch interessant, weil das “physiologisch” vielleicht doch noch etwas besser definiert werden kann. Grundsätzlich ist Cortisol lebenswichtig für “Stressbewältigung” aller Art. Aber es ist nicht anabol, sondern katabol. Bei Säuglingen, die uns noch nichts sagen können, ist anabol, also Wachstum besonders wichtig und ein erhöhter Cortisolspiegel sicher nicht nur für die Knochen schädlich (Gehirn). Dabei heist katabol noch nicht Knochenabbau. Natürlich ist auch die Nahrung für den Knochen wichtig und wichtiger als Cortisol ist hier zweifellos Vit. D, bekommt ja auch (hoffentlich!!!) jedes Baby als Tablette. Dazu Kalzium in der Nahrung. Deshalb ist auch Spinat schädlich uns nicht nützlich da er bekanntlich Oxalsäure enthält uns das nicht zu knapp.
Ebensowichtig ist Eiweiß und nicht Obst, denn damit beginnt bekanntlich die Knochenbildung, übrigens auch bei alten Menschen (Framingham-Kohorte).
Davon abgesehen benötigen Knochen physiologische Belastungen wie der Muskel, das ist sicher noch wichtiger als Cortisol (in “normaler” Dosierung). Das geht so weit, dass ein Schwimmer eine geringere Knochendichte hat als ein Jogger.
Auch Sportler haben sicher keine erniedrigten Kortisolspiegel und trotzdem festere Knochen als Nichtsportler. Daran besteht kein Zweifel.

MfG

#2 |
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Gast
Gast

Hmm, Natrium senkt den Calziumwert, jedoch kann Natrium genau so gut negativ dimern,primern,bromen oder wie auch immer das in Fachsprache ausgedrückt wird.
Natrium wenn es dann negativ polt kann ja zu Nitritit umgewandelt werden,heisst es mal.
Deshalb die Schwankung auch wenn “aber immer im normalen physiologischen Rahmen”

Durch Cortison weichen die Knochen auf und man schrumpft sogar (geschah jedoch durch Fehlbehandlung und der daraus erfolgten Vergiftung und man wurde wieder entgiftet)
Naja,ging ja noch zum Teil gut aus.

#1 |
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