HCMV: Langzeitschäden durch Signalweg-Blockade

22. September 2014
Teilen

Das humane Cytomegalievirus (HCMV) galt bisher häufig als „harmlos“. Wissenschaftler konnten nun in einer Studie zeigen, dass das Virus einen wichtigen Signalweg blockiert, was schlussendlich zu Langzeitschädigungen führen könnte.

Verbreitet, aber nicht harmlos: Etwa die Hälfte der Deutschen hatte mindestens einmal Kontakt mit dem Humanen Cytomegalievirus (HCMV); die Infektion bleibt meist unbemerkt. Nur selten führt das Virus zu schweren Infektionen. Langfristig kann das vermeintlich harmlose Virus allerdings Herz- und Kreislauferkrankungen verursachen, was Forscher des Exzellenzclusters Cells in Motion (CiM) an der Universität Münster – mit Kollegen aus Ulm und Maastricht – näher untersuchten.

HCMV unterbricht Zell-Kommunikation

„Das gesamte Herz-Kreislauf-System des Menschen ist mit Endothelzellen ausgekleidet“, erläutert Prof. Johannes Waltenberger, einer der Hauptautoren des Artikels: „Diese Zellschicht hat viele wichtige Funktionen, unter anderem für den Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe, die Blutdruckregulation und das Immunsystem. Wir haben herausgefunden, dass HCMV einen wichtigen Signalweg blockiert.“ Der sogenannte Vaskuläre Endotheliale Wachstumsfaktor (VEGF), der die Vitalität und Regenerationsfähigkeit des Endothels erhält, wird so funktionell außer Kraft gesetzt. Die Folge: Das Endothel kann nicht mehr ausreichend regenerieren, die Kommunikation der Zellen untereinander wird unterbrochen.

1439_HCMV_schmuck

HCMV-infizierte Endothelzellen. © Johannes Waltenberger

Infektion fördert Arteriosklerose-Entstehung

HCMV begünstigt dadurch das Entstehen der Arteriosklerose (Arterienverkalkung), die langfristig zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führen kann. „Die neuen Erkenntnisse erklären auf molekularer Basis, wie schleichende Virusinfektionen zum Zellschaden und somit letztlich zu chronischen Erkrankungen des Gefäßsystems beitragen“, fasst Waltenberger zusammen.

Originalpublikation:

Human cytomegalovirus infection impairs endothelial cell chemotaxis by disturbing VEGF signaling and actin-polymerization
Barbara Reinhardt et al.; Cardiovascular Research, doi: 10.1093/cvr/cvu204; 2014

29 Wertungen (4.17 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

1 Kommentar:

dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

was ist denn daran neu ?
aber schön , dass es wieder bemerkt wird .

Gut zu beeinflussen über die MIKROIMMUNTHERAPIE – Steuerung der Zytokine – homöopathisch – s. Artikel vorher .

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: