Brustkrebs: Nur kein Veggie Day

26. September 2014
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Viele Menschen entscheiden sich für eine vegetarische oder vegane Lebensweise. US-Forscher berichten nun, dass Patientinnen mit positivem Östrogen-Rezeptor-Status auf Soja und Co. besser verzichten sollten. Für eine generelle Empfehlung ist es aber zu früh.

Sojamilch oder Tofu stehen auf so manchem Speisezettel. Allerdings enthält Glycine max, die Sojabohne, Phytoöstrogene wie Genistein und Daidzein. Wissenschaftler fragen sich schon lange, ob Patientinnen mit hormonabhängigem Brustkrebs negative Folgen befürchten müssen – und kommen zu verschiedenen Bewertungen. Ein Überblick:

In Maßen – nicht in Massen

Forscher des American Institute for Cancer Research (AICR) nahmen 40 Studien unter die Lupe, ohne signifikante Hinweise auf Gefahren zu finden. Ihr Fazit: Konsumieren Brustkrebspatientinnen bis zu zwei Portionen sojahaltiger Speisen oder Getränke, haben sie nichts zu befürchten. Eine Portion entspricht 250 Millilitern Sojamilch oder 85 Gramm Tofu. Die epidemiologische Arbeit stieß bei anderen Wissenschaftlern auf Zweifel.

Tiefer gebohrt

Jetzt hat Moshe Shike, New York, ein Experiment gewagt. Für seine Studie rekrutierte er 140 Patientinnen, bei denen Ärzte Brustkrebs in frühen Stadien diagnostiziert hatten. Je 70 Frauen erhielten bis zur OP Sojaprodukte mit 26 Gramm Sojaprotein pro Tag oder Milchprodukte als Placebo. Zwischen der Diagnose und der chirurgischen Therapie vergingen im Schnitt 30 Tage. Shike untersuchte sowohl Blutproben als auch das Tumorgewebe selbst. Unter Verum stiegen Daidzein und Genistein um den Faktor vier bis sieben im Serum an, was niemanden groß überrascht.

Gene werden aktiv

Anschließend untersuchte Shike die Expression von mehr als 200 Genen im Tumorgewebe. Bei Patientinnen der Soja-Gruppe verstärkte sich die Expression von zehn Genen. Dazu gehörte unter anderem FANCC, also ein Bereich, der für DNA-Reparaturproteine kodiert. Auch UGT2A1 ist betroffen. Dieser Abschnitt entspricht Enzymen mit Bedeutung für den Östrogenstoffwechsel, scheint aber auch bei manchen Lungenkrebsarten eine Rolle zu spielen. Nicht zuletzt berichtet Shike, der Wachstumsfaktor FGF2 sei nach Sojakonsum stark exprimiert worden.

Komplexes Geschehen

Grund genug für Moshe Shike, Frauen mit Brusttumoren vor Soja zu warnen. Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Craig Jordan, Washington, beschreibt in einem Kommentar die komplexe Wirkung. Er vermutet, bei Frauen vor der Menopause könnten Hormone eher zellproliferierende Effekte haben. Nach der Menopause hält er apoptotische Effekte für möglich – und ältere Patientinnen hätten von Phytoöstrogenen sogar Vorteile. Um diese Fragestellung abschließend zu klären, fordert Shike weitere Studien.

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1 Kommentar:

Gast
Gast

“ganz so leicht” ist es wirklich nicht, gerade weil Asiatinnen, die eher traditionell mehr Sojaprodukte essen, weniger Brustkrebs haben.
Besonders widersprüchlich ist doch der bekannte epidemiologische Befund,
dass Frauen mit Kindern + Stillen, also sozus. eine Maxi-Hormondusche, oder mehrere,
ein eindeutig geringeres Brustkrebsrisiko haben.
Trotzdem, WER diesen Brustkrebs bekommt, für den sind “Östrogene” ein bekanntes Risiko.

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