ADHS: Verhaltenstherapie für Mami & Papi

10. Oktober 2014
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Zur Behandlung von ADHS eignet sich ein multimodales Vorgehen, doch die medikamentöse Therapie gerät zunehmend in die Kritik. Dafür rücken verhaltenstherapeutische Maßnahmen und Elterntrainings zunehmend in den Fokus. Doch was bewirken sie wirklich?

David Daley und Kollegen der Europäischen ADHS-Leitliniengruppe haben in einer Metaanalyse untersucht, was verhaltenstherapeutische Maßnahmen bewirken können. Dabei fokussierten sie sich auf randomisiert-kontrollierte Studien. Von 2.057 Studien blieben 32 Studien übrig, die sich zur Analyse eigneten. Bei den in der Regel unverblindeten Studien zeigten verhaltenstherapeutische Maßnahmen deutliche Verbesserungen in Bezug auf das Elternsein und die ADHS-Symptome. Die Standardized Mean Differences (SMD) betrugen:

  • 0,68 für positives Elternverhalten
  • 0,57 für negatives Elternverhalten
  • 0,37 für das Selbstkonzept der Eltern
  • 0,35 in Bezug auf die ADHS-Symptomatik des Kindes
  • 0,26 in Bezug auf die Verhaltensprobleme
  • 0,47 für die sozialen Fähigkeiten
  • 0,28 für das Erreichen von Bildungszielen

Anderes Bild bei verblindeten Studien

Schauten sich die Autoren jedoch nur die Studien an, in denen die Bewertung verblindet durchgeführt wurde, so entfielen die positiven Effekte der Verhaltensinterventionen auf die ADHS-Symptome. Was weiterhin nachzuweisen war, waren die positiven Effekte auf die Elternschaft (SMD = 0,63 für positives Elternverhalten, SMD = 0,43 für negatives Elternverhalten) und die Verhaltensprobleme (SMD = 0,31).

Negative Verhaltensweisen abschwächen

Verhaltenstherapeutische Maßnahmen, die auf ADHS zugeschnitten sind, bewirken also, dass Kinder und Eltern wieder besser im Alltag leben können, also besser „funktionieren“. Daley und Kollegen konnten in dieser Metaanalyse zeigen, dass die verhaltenstherapeutischen Interventionen negative Verhaltensweisen der Eltern abschwächen und positive Verhaltensweisen stärken konnten. Dadurch verringerten sich auch die komorbiden Verhaltensauffälligkeiten der Kinder.

Obwohl die Eltern eigentlich nicht im Mittelpunkt der Interventionen standen, enthielten nahezu alle Interventionen auch ein Elterntraining. Allerdings zeigt sich im Allgemeinen, dass ein Elterntraining allein nicht ausreicht, um positive Veränderungen beim Kind zu bewirken.

Selbstkonzept der Eltern verbessert

Die Autoren konnten jedoch feststellen, dass sich das Selbstkonzept der Eltern verbesserte. Infolge der Psychoedukation erhalten Eltern das Gefühl, dass sie selbst etwas bewirken und Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder nehmen können. Negative Eltern-Kind-Kreisläufe konnten teilweise unterbrochen werden. Allerdings fanden sich in dieser Metaanalyse keine Hinweise darauf, dass sich die psychische Gesundheit der Eltern allgemein verbessert hätte. Eltern von ADHS-Kindern sind relativ häufig psychisch stark belastet, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass die betroffenen Familien ein erhöhtes genetisches Risiko für psychische Störungen in sich tragen, erklären die Autoren.

Die Studie zeigte außerdem, dass verhaltenstherapeutische Interventionen die Verhaltensauffälligkeiten von ADHS-Kindern reduzieren konnten. Die Interventionen, die bei verhaltensauffälligen Kindern wirksam sind, unterstützen auch die Kinder, die eine gesicherte ADHS-Diagnose haben.

Der psychoanalytische Blickwinkel

Vertreter der psychoanalytischen Therapie betonen, dass die ADHS-Symptome und andere Verhaltensauffälligkeiten ein Symptom von emotionalen Störungen sind. Studien zur psychoanalytischen Therapie von ADHS sind relativ rar gesät, weil die Psychoanalyse hier eine andere Sprache spricht.

Für psychoanalytische Therapeuten sind die ADHS-Symptome sozusagen das Beiwerk zugrundeliegender neurotischer oder traumatisch bedingter Störungen. Insbesondere der „fehlende Vater“ spielt eine große Rolle bei der Entwicklung von ADHS-Symptomen. Auch die unsichere Bindung zu Mutter und Vater hat hier einen möglicherweise weitreichenden Einfluss. Insbesondere die Mutter reguliert in der frühen Kindesentwicklung die Affekte ihres Kindes. Ist die Mutter selbst belastet, beispielsweise durch eine Depression, kann sich das Leeregefühl des Kindes in gesteigerter Unruhe zeigen.

Des Weiteren hat das Sigmund-Freud-Institut unter der Leitung von Frau Professor Leuzinger-Bohleber ab dem Jahr 2003 mit der „Frankfurter Präventionsstudie“ gezeigt, dass die Rate der Grundschulkinder mit ADHS gesenkt werden kann, wenn in der Kindergartenzeit die Erzieher und Eltern psychoanalytisch geschult werden.

97 Wertungen (4 ø)

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30 Kommentare:

Heilpraktiker

@23, Frau Dr. Ruchalla, Danke für die Info.

#30 |
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Rettungsassistent

Melchior Adam Weickard schrieb in seinem Buch “Der Philosophische Arzt” folgendes

“1. Beschreibung der Krankheit. Jene, bei welchen ein Mangel der Aufmerksamkeit ist, werden gemeiniglich unachtsam, leichtsinnig, flüchtig und ausschweifend genannt(…) Man ist alsdenn, wie die Kinder, welche auf hundert Nebendinge springen, wenn man sie von einer ernsthaften Sache ausforschen oder unterhalten will. Der junge Geistliche soll z.B. über das Leiden des Erlösers meditieren. Jede vorübersumsende Fliege, jeder Schatten, jeder Laut, die Erinnerung alter Geschichten, wird ihn von seinem Gegestande auf andere Vorstellungen bringen(…) Dergleichen Leute hören alles nur halb; sie merken oder hinterbringen es auch nur zu Hälfte, oder unordentlich. Sie wissen gemeiniglich, wie das Sprichwort heißt, von allem etwas und vom Ganzen nichts. Ein solcher Springer mag sich gegen einen anderen aufmerksamen und bedachtsamen Menschen verhalten, wie ein junger Franzos gegen einen gesetzten Engländer(…)”

Diese Beschreibung von Symptomen stammt aus dem Jahre 1775

Welches Störungsbild ist hier wohl angesprochen?

#29 |
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Gast
Gast

Wenn ich mir meinen Mann ansehe, brauche ich keine Traumata als Erklärung, warum meine Kinder zappeln. Elterntraining hat mich bestärkt und mir gezeigt, dass ich mit solchen Problemen nicht alleine bin, aber für den Schulerfolg waren und sind bei meinen Kindern Tabletten maßgeblich. Meine große Tochter stellt sich mittlerweile auf den Standpunkt “Ich habe ADH ohne S”, denn sie hat gelernt, ihre besonderen Fähigkeiten (breit gefächerte Aufmerksamkeit und schnelle Auffassungsgabe) zu nutzen und bei bestimmten Arbeiten, die Konzentration auf Langweiliges erfordern, eben doch gezielt eine Tablette zu nehmen. Was diätetische Maßnahmen betrifft: zu viel Zucker macht zusätzlich zappelig, die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren haben wir nicht bemerkt. Und ein Zeitungsartikel, der postulierte, 600mg Koffein hätten eine vergleichbare Wirkung wie 20mg Methylphenidat, kam mir sehr plausibel vor -mein Mann trank, als ich ihn kennenlernte, jeden Morgen einen halben Liter Espresso.

#28 |
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Yvonne Böttcher
Yvonne Böttcher

diese biologische Stoffwechselstörung ist auch genetisch bedingt “vererbar”
….was das “Kind” hat,hätte ggf.auch…finde den Fehler…
Ach ja-es wächst sich nicht aus….

#27 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

Wir brauchen überall mehr Freiräume, in der Enge und den Überforderungen denen wir ausgesetzt sind würden wir mehr Räumlichkeit mehr Personal , das aber nicht nur etwas kontrolliert oder beaufsichtigt, sondern klärt und möglich macht.. haben.Die Personalshlüssel… zu große Gruppen, zuwenig Zeit .. Verschiebung auf zuhause oder Freizeit , Nachhilfe, wenig Geld, unzureichende Ernährung…Über-und Unterforderung .. machen sich bemerkbar in verschiedener Art –

#26 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Lieber Dr. med. Ulrich Mauser, ich sehe ADHS nicht als “Symptom der westlichen Gesellschaft am Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert”, denn das Buch “Struwwelpeter” ist meines Wissens älter. Die dort beschriebenen Symptome des Zappelphillips entsprechen ADHS.
ADHS-Symptome traten auch schon zu meiner Kinderzeit auf – verglichen mit meinem Sohn hatte mein Cousin auch ADHS, wurde aber immer nur als aufmüpfig und unerzogen tituliert. Gleiches gilt für einen ehemaligen Klassenkameraden, der sich mit 18 das Leben nahm, weil er diese Stigmatisierung nicht mehr aushielt.
Ich selbst bin Mutter eines ADHS-Kindes, das mittlerweile 25 Jahre alt ist. Auch mein Sohn bekam Ritalin und es tat ihm gut – und nur darum ging es mir, als ich ihm die Pillen gab! Im Kindergarten galt mein Sohn als Störenfried, weil ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden hatte. In der ersten Klasse wollte man ihn in eine Sonderschule schicken, weil er angeblich zu dumm für den normalen Unterricht war und aus diesem Grunde immer störte. Ich ließ meinen Sohn testen, das Resultat war eindeutig: sein IQ lag nach dem Test beim Kinderpsychologen bei 108, allerdings konnten auch nur 2/3 gewertet werden, weil er für den 3.Teil keine ausreichende Konzentration mehr aufwies. Nach einer kurzen Spielpause (er war damals 6 Jahre alt) wurde der dritte Teil “nachgeholt”, den er dann fehlerfrei abschloss. (bei durchgehaltenem Test wäre der IQ mit 132 bewertet worden laut des Psychologen)) Quintessenz des Testes: mein Sohn war unterfordert und störte, weil er sich im Unterricht langweilte. Diese ärztliche Stellungnahme wurde von der Schule nicht anerkannt, ich musste mit Hilfe des Schulamtes meinen Sohn in eine andere Schule versetzt. Die Verhaltensauffälligkeiten blieben (nicht zuletzt der Umschulung innerhalb der 1.Klasse geschuldet), daher suchten wir erneut den Kinderpsychologen erneut auf und ein Blindversuch mit Ritalin wurde mir angeboten. Sowohl wir als Eltern, als auch die Lehrer, die mit einbezogen wurden UND mein Sohn selbst merkten den Unterschied unter Ritalingabe. Mein Sohn, 7 Jahre alt, entschied selbst, dass er das Medikament nehmen möchte. Selbstverständlich wurde auch bei der Ernährung unsererseits nachgearbeitet. Mit 12 Jahren entschied er selbst, dass er es ohne versuchen möchte und wir entsprachen seinem Wunsch – Lehrer, Kinderpsychologe und ich. In der Zwischenzeit hatte er bereits gelernt, sein Verhalten selbst zu reflektieren. Ein großer Dank gilt hier auch den Lehrern, die sich immer sehr aufgeschlossen und interessiert zeigten und zu einer guten Zusammenarbeit mit dem Elternhaus und dem Kinderpsychologen bereit waren!
Aus diesem Grunde bin ich eben auch der Meinung, dass die betroffenen Kinder in die ihnen zukommende Behandlung (welcher Art auch immer) mit einbezogen werden sollten.
Außerdem sollten wir als Gesellschaft meiner Meinung nach aufhören, unsere Kinder in Schubladen zwängen zu wollen. Individualität und Unangepasstheit unserer Kinder sollten wir nicht als Makel sehen sondern diese unterstützen, auch wenn das für uns Eltern/Lehrer/Ärzte/Therapeuten vielleicht unbequem ist.

#25 |
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Wenn nachhaltig etwas am ADHS geändert werden soll, muss sich an der Ernährung etwas nachhaltig ändern. Kratofiel
Matthias-Georg
Dr med dent
D- 4 5525 Hattingen
Kleine Weilstraße 27
Zahnarzt, Ernährungsmediziner
Fon/Fax: +49(0)2324-52872
Kratofiel@web.de
http://www.Altstadtpraxis.de

#24 |
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@Herr Lachenmaier: „Was ich nicht verstehe, ist die ‘verblindete Bewertung’“: In diesem Fall wissen die Personen, die (in diesem Fall) die Eltern untersuchen, nicht, ob (wenn es um die Wirksamkeit einer Therapie vs. keine Therapie geht) und wenn ja welche Art von Therapie (wenn 2 Therapieformen verglichen werden sollen) durchgeführt wurde. Wird häufig dann eingesetzt, wenn die eigentliche Therapiegruppen-Zuweisung nicht verblindet werden kann.

#23 |
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Carola Schaffrin
Carola Schaffrin

Ich muss Cordula Gehlert – Wohlfahrt Recht geben…. was nützen einen tolle Therapien und Schulungen, wenn in der Schule nix läuft…. Ich selbst als betroffenen Mutter einer ADHS Tochter spreche da aus Erfahrung! In der 1. Klasse lief nix, ausser 1000 Telefonate mit der Lehrerin… es hiess immer Erziehungsfehler! Ich gab der Leherin Bücher ( nach Absprache ! ), hatten mit der Schulpsychologin der Landesschulbehörde Gespräche, auch mit einem Förderschullehrer. Es gab Tipps für den Schulbereich ohne Ende, das Problem ist nur, es wurde entweder wissentlich NICHT umgesetzt oder es fehlte einfach die Zeit ( und vielleicht auch der Willen…).
Es muss zugeben, das der Schule auch nicht viele Stunden gegeben werden für solche Kinder, und es werden, dank der Inklusion ja immer mehr…..
Mein Kind ist schlau, aber es steht sich leider immer im Weg….
Wir haben alles durch, Ergo, Reittherapie, Elterncoaching, Verhaltenstherapie, usw…
Zuhause klappt es eigentlich ganz gut, es gibt immer mal Ausreisser…. aber was bringt einem das, wenn der ganze Vormittag chaotisch läuft…… und man es Kind abholt, eas völlig durch den Wind ist…..

Wir haben ab der 2. Klasse nun einen Schulbegleiter ( Integrationshelfer ), damit klappt es nun sehr gut! Auch das Verhältnis Kind – Lehrer ist besser geworden… auch aus dem Grund, da die Lehrerin schon sehr entlastet wird…..
Leider bekommt nicht jeder einen Schulbegleiter, aber das ist auch gut so…..

#22 |
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Zitat: “Eltern von ADHS-Kindern sind relativ häufig psychisch stark belastet, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass die betroffenen Familien ein erhöhtes genetisches Risiko für psychische Störungen in sich tragen, erklären die Autoren.”
Das ist eine reine Spekulation: Mindestens genauso wahrscheinlich ist, dass die Eltern bereits ein ungeordnetes Leben führen (und z.B. aus zerrütten Familien kommen), und deshalb den Kindern keine Führung und Sicherheit vermitteln können.
Warum sonst ist das ADHS – in der Form, in der es eine Massenerscheinung ist – ein Symptom der westlichen Gesellschaft am Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert?!

#21 |
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Was nützt die ganze Schulung der Eltern, wenn die Schule nicht mitzieht? Eine ordentliche Fortbildung der Lehrkräfte mit praktischen Tipps, kleinere Klassen und mehr Bewegung, wäre eine Wohltat für die betroffenen Familien. Denn das Problemfeld Schule macht den Familien das Leben oft ganz schwer.

#20 |
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Dipl.-biol. Ulrike Schütt-Berg
Dipl.-biol. Ulrike Schütt-Berg

In meiner jahrelangen Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern wurde anamnestisch immer die gesamte Entwicklung abgefragt, also von Zeugung (erwünscht, unerwünscht etc), STress in der SS, Geburt etc, auffällig war bei den hyperaktiven Kindern, dass sie wie im Artikel erwähnt Unsicherheit verursachende Erlebnisse hatten, wie auch die Trennung von der Mutter kurz nach der Geburt zb durch Kaiserschnitt o. Erkrankung. Insofern ist es immens wichtig die u.a. durch die Verhaltensauffälligkeiten starkbelastete Eltern-Kind-Beziehung wieder auf sichere Füße zu stellen und den Teufelskreis von unruhigem Kind und genervt reagierenden Eltern zu durchbrechen. Zu dem ist das Problem immer im System und nicht nur beim Kind zu suchen. Aber es st ja viel einfacher Ritalin zu verordnen und alle haben ihre Ruhe, die Folgen für die Kinder (Appetitlosigkeit, Wachstumsdefizit, Depressionen etc) werden dabei eher verharmlost und es findet dann häufig keine weitere Therapie statt. Interessieren würde mich was denn eine psychoanalytische Schulung von Eltern und Erziehern in der Praxis sein soll?!

#19 |
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@auchArzt: “Wie will ein solcher Psychologe denn auch Dinge aus der frühen Jugend erkennen, die der (die) Betroffene(n) selbst nicht kennt?”
Das funktioniert über das bewusste Denken oft nicht so gut. Aber vieles wird deutlich in der Beziehung zwischen Jugendlichem und Therapeuten: Der Jugendliche geht auf eine bestimmte Art die Beziehung zum Therapeuten ein. Diese Art der Beziehung sagt viel darüber aus, was der Jugendliche bereits erlebt hat. So können über die Art der Beziehung Rückschlüsse auf das Erlebte gezogen werden.
Mich würde interessieren, welche systematischen Studien der Harvard-Universität Sie meinen.
Hier habe ich einmal einige Wirksamkeitsstudien zur Psychoanalyse/Psychoanalytischen Therapie im Allgemeinen zusammengefasst:
http://www.medizin-im-text.de/blog/2013/28/psychoanalyse-wirkt/
Viele Grüße
Dunja Voos

#18 |
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auch Arzt
auch Arzt

@Heiko Junghaertchen, die Psychoanalyse wurde ausreichend über Jahrzehnte überprüft, am systematischsten in Harvard Boston (USA) und als unwirksam beurteilt. Wie will ein solcher Psychologe denn auch Dinge aus der frühen Jugend erkennen, die der (die) Betroffene(n) selbst nicht kennt? Es geht also hier um den prinzipiellen Kern dieses Therapieansatzes.
Dagegen liegt der Schwerpunkt der kognitiven Verhaltenstherapie im Wort “kognitiv”, der Betroffene soll dabei die “Einsicht” seines Fehlverhaltens erleben, das klappt z.B. auch bei Magersucht, bzw. ist wesentliche VORAUSSETZUNG für einen Therapieerfolg.
Wer sich allgemein ausdrücken möchte sagt schlicht Psychotherapie,
das ist auch Teil richtiger Erziehung (durch Eltern, aber auch Lehrer und andere “Authoritätspersonen” wie Pfarrer etc.)
Heute wird allerdings durch Medien aller Art so viel “mittherapiert” , dass der Aufwand effektiver Wirkungsnahme wohl erheblich gestiegen ist.
Die “Jugend” ist beim Menschen ein unverhältnismäßig langer Zeitraum,
man kann selbstverständlich schon beim Säugling einiges falsch machen,
der irgendwann lernen muss, dass bei lautem Schreien nicht immer sofort das ganze Universum sofort seine augenblicklichen (bescheidenen) Bedürfnisse stillen kann.
Andererseits hat sich auch die Kenntnis durchgesetzt, dass der Mensch bis ins hohe Alter nicht nur lernfähig bleibt sondern sich auch ändern kann.
Die Hilfe dazu kann vielfältig sein, oft ist das individuelle Bemühen des Therapeuten wichtiger als die dahinter stehende Lehrbuchstrategie.

#17 |
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Gisela Satzinger
Gisela Satzinger

Ich habe mit den individuell einsetzbaren, substantiell wirkenden körpertherapeutischen Methoden der Teschler Lernförderung einige erstaunliche Verbesserungen bei Kindern – mit begleitendem Elterncoaching – und ebenso bei Erwachsenen erreichen können. Eine ganzheitliche Verhaltens- ich nenne es lieber Lebenstherapie und z.T. Änderungen im Alltag der Familien gehören selbstverständlich dazu. In manchen Fällen – dann wenn alle mit arbeiten – kann die Medikation erst gar nicht begonnen oder geringer dosiert oder sogar ganz eingestellt werden.

#16 |
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Ob ein undifferenziertes Psychoanalyse-Bashing in der Behandlung der Erkrankung weiterhilft, ist für mich fraglich. Denn, Frau Stern, meinem Erleben nach, hat die Psychoanalyse in all den Jahren durchaus dazugelernt und befindet sich weiterhin in einem intensiven Entwicklungsprozess. Eine klassische Psychoanalyse wäre bei Symptomen, die mit “ADHS” zusammengefasst werden, zweifelsohne kontraindiziert.

Fraglich bleibt für mich aber (ganz unabhängig von den Therapieverfahren): glaubt man, schwerwiegende Symptomatiken in den Bereichen “Gefühl”, “Bindung”, “Struktur” tatsächlich mit einer Modifikation des Verhaltens beeinflussen zu können? Es ist möglicherweise auch ein Symptom von Zeit und Gesellschaft, die Dinge über das Verhalten verändern zu wollen. Lässt man aber zu, dass in Behandlungen neue Bindungs- und Gefühlserfahrungen entstehen, kommt man einer stabilen Symptomlinderung deutlich näher, das ist jedenfalls meine Erfahrung. Wollen wir uns die Zeit dafür geben und nehmen?

#15 |
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Heilpraktikerin Marion Wolf
Heilpraktikerin Marion Wolf

Um ADHS wirklich in den Griff zu bekommen, müsste grundsätzlich auf die Ernährung geguckt werden. Und zwar schon bevor eine Frau schwanger wird, d.h. in den Schulen und Uni’s müsste Prävention erster Güte betrieben werden. Unsere heutige Ernährung, ist ja schon so viele Jahre praktisch enzymfrei und arm an Phytostoffen, welcher kindliche Stoffwechsel soll das auffangen können. Aber jede große Änderung erfordert mutiges Handeln der Politik, das wird durch die Industrielobby weitreichend verhindert. Und so plagen wir uns weiter mit Fertigfrass der das Wort Nahrung nicht verdient hat und wundern uns über kranke Kinder.

#14 |
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Nichtmedizinische Berufe

Die Verherrlichung der Psychoanalyse ist ist nicht zu begreifen. In all den Jahren nichts gelernt? Eine solche Behandlung ist bei vielen Erkrankungen geradezu kontraindiziert, in vielen Fällen verschlechtern sich Ängste und andere Symptome treten überhaupt erstmals auf, wie bspw. Albträume, Schlafwandeln, etc.

#13 |
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Nichtmedizinische Berufe

@ Jörg Dreher – Aus pädagogischer Sicht absolute Zustimmung!

#12 |
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Zahnarzt Frank Kaser
Zahnarzt Frank Kaser

Hier ist eine Behandlung mit transcranieler Gleichstromtherapie deutlich bessere Resultate bringen

#11 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Könnte man sich wenigstens darauf einigen,
dass man “Psychotherapie” sagt und nicht immer nur von der (unwirksamen) Psychoanalyse=”Tiefenpsychologie” spricht. siehe #3
Da gibt es z.B. die wirklich nachweisbar wirksame “kognitive Verhaltenstherapie”

#10 |
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Ärztin

Wenn ich viele Kommentare hier so lese, habe ich den Eindruck, dass es hier eher darum geht, welches Lager recht hat.
Ich denke, man muss sich wirklich jeden Patienten individuell anschauen.
ADHS fällt ja nicht einfach so vom Himmel – oft ist mindestens ein Elternteil betroffen (genetische Komponente) das bringt meistens auch eine ungünstige Umgebung mit sich (zum Teil auch mit deutlichen psychischen Störungen des/der betroffenen Elternteile z.B. Persönlichkeitsstörungen). Dies kann zu psychischen Schädigungen beim Kind (ob mit oder ohne ADHS) führen.
Insofern kann es aus meiner Sicht durchaus im Einzelfall sinnvoll sein eine medikamentöse Therapie und eine tiefenpsychologische Therapie zu kombinieren, insbesondere bei Versagen der Verhaltenstherapie (kommt ja doch recht häufig vor).
Mein Fazit: Es kann hier kein absolutes “Richtig” oder “Falsch”- eine maßgeschneiderte Therapie für den Einzelnen (+Eltern) muss her.

#9 |
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Stefan Kaa
Stefan Kaa

Ja sehr schön, endlich eine positive Entwicklung! War echt überfällig, aber bis das mal “akzeptiert” wird. puhhh…

#8 |
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Dipl.-Med. Thomas Schwerdtfeger
Dipl.-Med. Thomas Schwerdtfeger

Eine Behandlung der Eltern die, bei einer genetischen Erkrankung (besser unliebsame Variante des Gesunden) mit hoher Pentranz ist natürlich sinnvoll! Machen wir in unserer Gemeinschaftspraxis kjpp und Nervenheilkunde regelhaft! Im Vordergrund einer wirksamen Therapie steht praktisch immer eine Individualisierte stimulanzientherapie der Kinder und der Eltern! Die Patienten, die auf Grund Selbsterkenntnis oder Psychotherapie die Kernsymptome des ADHS kompensieren können bedürfen dafür Kraft, Energie und “cerebrale Ressourcen”, die wieder zu komorbiditäten (Angst , Depression etc. ) im Sinne eines Überlastungssyndromes führen! Diese ganze Gequatsche in der Psychiatrie über die Vergangenheit und selbsstrukturierung macht die Patienten nur Irre und funktioniert nur bei Gesunden! Die brauchen aber keine Therapie!

#7 |
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DP Jörg Dreher
DP Jörg Dreher

Primär in der Therapie sind bei mittleren und schweren ADHS-Problemen eine Einstellung auf Ritalin oder andere Medikamente. Psycholanalytische Ansätze sind gefährlich und halten Eltern und Betroffene jahrelang davon ab, eine weltweit überprüfte und sichere Behandlung des ADHS zu veranlassen. Die Kinder werden dann jahrelang gemobbt, verachtet, ausgegrenzt und ausgelacht. Wir leben in eine rigiden Leistungsgesellschaft, wer dauernd vergisst, verliert, versäumt und durch den Tag träumt, hat bei uns gewaltige Probleme. Wer dazu noch emotional hochgeht und ein HB-männchen ist, der wird häufig ausgeschlossen und ist nicht selten ohne Freunde in der Kindheit und Jugend. DP Jörg Dreher (Schwerpunktpraxis ADHS bei Erwachsenen)
http://www.bbpp.de/ADHS/ADHS-Joerg-Dreher-2.pdf

#6 |
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Heilpraktiker

Interessanter Artikel. Was ich nicht verstehe ist die ‘verblindete Bewertung’
(Zitat: ‘Schauten sich die Autoren jedoch nur die Studien an, in denen die Bewertung verblindet durchgeführt wurde.’)!?

#5 |
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Pascal Rudin
Pascal Rudin

Guter und erfrischender Artikel, der dem hegemonialen, simplifizierenden «medizinisch-pharmakologischen» Diskurs entgegenhält. Immer wieder inspirierend, die psychoanalytische Sichtweise.

#4 |
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Arzt
Arzt

Leider ist “Psychoanalyse” auch nicht nebenwirkungsfrei.
Sie kann zu Komplexen führen, die vorher nicht da waren.

#3 |
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Arzt
Arzt

Fernsehen verblödet eher,
man kann Märchenwelt und Realität nicht mehr auseinander halten.
Ist das auch heute ADHS?

#2 |
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Ernst Pawlowsky
Ernst Pawlowsky

Als AD(H)S-Betroffener, der das aber erst in höherem Alter ( 61 ) realisiert und sich dann entspr. kundig gemacht hat, habe ich den Eindruck, daß in diesem Artikel die genetische Komponenete nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Und genetische Komponeente heißt: wenn ein Kind betroffen ist, dann ist meist auch ein oder beide Elternteile betroffen => das Kind lebt in einer Umgebung, die schwierig ist, insbesonders unkontrollierte, heftige Spontanreaktionen eines ADHS-Elternteiles sind an der Tagesordnung.
Eine andere Sicht, weg von der Störung und hin zu einer Sicht auf eine “Minderheit” bieten die Bücher von Thom Hartmann, die ich allen Betroffenen und ihren Eltern nur empfehlen kann.
Und wenn es nur um ADHS-Symptome ( im psychoanalytischen Blickwinkel ) ohne genetisches ADHS geht: da sollte neben der familiären Situation gerade auch der Fernseh- und Computerkonsum und die Ernährung unter die Lupe genommen werden

#1 |
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