Tod im Krankenhaus: Unsanft entschlafen

1. Oktober 2014
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Wer in Deutschland in einem Krankenhaus einem Krebsleiden erliegt, stirbt in der Regel keinen würdevollen Tod. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die im Fachmagazin Cancer veröffentlicht wurde. Ärzte und Pflegepersonal fordern bessere Trainingsmaßnahmen.

Umfragen zufolge möchten die meisten Menschen in Deutschland zu Hause sterben, wenn sie sich den Ort ihres Ablebens aussuchen können. Wie in anderen westlichen Ländern auch, sterben in Deutschland mehr als die Hälfte der Menschen in einem Krankenhaus. „In den letzten 20 Jahren haben Hospize und andere palliative Einrichtungen zwar immer mehr Menschen einen Tod in den eigenen vier Wänden oder zumindest in heimischer Atmosphäre ermöglicht”, schreiben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg in ihrer Studie. In vielen Ländern gehöre der Tod im Krankenhaus allerdings nach wie vor zur Norm.

Lebenserhaltend bis zum Schluss?

„Fortschritte in der modernen Medizin haben es möglich gemacht, den Zeitpunkt des Todes hinauszuzögern“, schreiben die Wissenschaftler. Und gewöhnlich werde der Tod als etwas wahrgenommen, das es zu vermeiden gilt oder sogar als ein Versagen der Ärzteschaft. Daher werden lebenserhaltende Maßnahmen oft bis zum Todeszeitpunkt eingesetzt. Der Fokus von Krankenhäusern und Ärzteschaft auf die Heilung von Kranken habe oft wenig erfreuliche Konsequenzen für sterbende Patienten. Das betreffe hauptsächlich Menschen mit Krebserkrankungen, die etwa ein Viertel aller Todesfälle bei Erwachsenen ausmachten, so die Forscher aus Freiburg.

Befragung an 16 Krankenhäusern

Um zu prüfen, ob Krebspatienten auch in Krankenhäusern würdevoll sterben dürfen, befragten die Wissenschaftler Ärzte und Pflegepersonal von 16 Krankenhäusern, die zu zehn Krebszentren in Baden-Württemberg gehörten. In den Fragebögen ging es sowohl um strukturelle Ausstattungsmerkmale der Einrichtungen wie Räumlichkeiten und Personal, als auch um Aus- und Weiterbildung der Angestellten, die allgemeine Arbeitsumgebung, Einbezug von Familie und Freunden, die medizinische Behandlung, die Kommunikation mit dem Patienten und letztendlich um den würdevollen Tod des Patienten.

In fast jedem zweiten Krankenhaus kein würdevoller Tod

„Von 1.131 Teilnehmern waren 57 Prozent der Ansicht, dass Patienten in ihrer Einrichtung würdevoll sterben könnten“, fassen die Forscher die Umfrageergebnisse zusammen. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, selten genügend Zeit für sterbende Patienten zu haben. 55 Prozent hielten die Räumlichkeiten für Sterbende für unbefriedigend. „Lediglich 19 Prozent aller Teilnehmer waren der Ansicht, ihre Einrichtung sei gut auf sterbende Menschen vorbereitet. Nur sechs Prozent der befragten Ärzte teilten diese Meinung“, so die Studienautoren. Auf den Palliativstationen scheinen Sterbende dagegen besser versorgt zu sein. Mitarbeiter der Einrichtungen berichteten insgesamt über vorteilhaftere Bedingungen für Menschen an ihrem Lebensende als Mitarbeiter anderer Stationen. So waren 95 Prozent der Ansicht, dass ein würdevolles Dahinscheiden in ihrer Einrichtung möglich sei.

Ärzte zu blauäugig?

Insgesamt bewerteten Ärzte die Umstände sterbender Patienten wesentlich positiver als das Pflegepersonal, hauptsächlich was die Punkte Kommunikation und lebensverlängernde Maßnahmen anging. Während 72 Prozent der Ärzte der Ansicht waren, dass Patienten auf ihrer Station ein würdevolles Sterben möglich sei, teilten nur 52 Prozent des Pflegepersonals diese Meinung.

Schulungen erwünscht

Nur 19 Prozent der Befragten fühlten sich durch ihre Ausbildung gut auf den Umgang mit Patienten an ihrem Lebensende vorbereitet – Ärzte signifikant schlechter als Pfleger. Da wundert es nicht, dass 90 Prozent der Teilnehmer Fortbildungen in der Palliativmedizin als wünschenswert erachteten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Altersentwicklung wird dieser Wunsch zur Notwendigkeit. „In unserer alternden Gesellschaft wird die Anzahl der Todesfälle in Krankenhäusern in den kommenden Jahren kontinuierlich zunehmen. Viele dieser Todesfälle werden Krebserkrankungen geschuldet sein. Daher ist es besonders wichtig, dass sich Krebszentren bemühen, sterbenden Patienten und deren Familien eine tröstliche und würdevolle Erfahrung zu ermöglichen“, so Studienleiterin Karin Jors, und weiter: „Außerdem muss das Personal mit adäquaten Mitteln ausgestattet werden, um für diese Patienten sorgen zu können.“

Als Konsequenz ihrer Befragung fordern die Wissenschaftler, die palliative Versorgung von Patienten in die onkologische Therapie einzubeziehen. Ärzte und Pflegepersonal sollten durch verbesserte Trainingsmaßnahmen auf die Bedürfnisse sterbender Menschen und deren Familien vorbereitet werden. In Baden-Württemberg wurde dazu eigens das Kompetenz-Zentrum Palliative Care Baden-Württemberg (KOMPACT) gegründet. Der standortübergreifende Zusammenschluss fünf medizinischer Fakultäten in Baden-Württemberg soll helfen, ein Bewusstsein für die Versorgung sterbender Menschen „als Zukunftsdisziplin im universitären Kontext von Forschung und Lehre, in den unterschiedlichen Strukturen des medizinischen Versorgungssystems und nicht zuletzt im gesellschaftlichen Bewusstsein zu schaffen“, heißt es auf der Webseite. Mit Fokus auf den Patienten, sein Umfeld und seine Bedürfnisse soll durch die nachhaltige Förderung palliativmedizinischer Forschung, Aus-, Fort- und Weiterbildung, Krankenversorgung sowie eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit dazu beigetragen werden, mehr Lebensqualität im und am Krankenbett zu ermöglichen.

125 Wertungen (4.18 ø)

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37 Kommentare:

Ärztin

Da kann ich Positives aus der Geriatrie berichten:
Wir hatten den sogenannten “Sterbe-Stuhl”. Nicht etwa für den Patienten,
wie manche Kollegen aus anderen Fachabteilungen glaubten, sondern für Angehörige
der Präfinal-Patienten. Es wurde ein Einzelzimmer organisiert, mit Kerzenlicht und leiser Musik hergerichtet, sowie eben dieser Sterbestuhl, ein bequemer, auch als Schlafstuhl einsetzbarer Ledersessel, in dem sich Angehörige platzieren konnten, um den Sterbenden in den letzten Stunden zu begleiten. Bei Bedarf wurde auch eine Seelsorge bestellt. Könnte man auch in anderen Fachabteilungen, insbesondere in der Onkologie, einführen…..

#37 |
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Gast
Gast

@Monika Maiwieden, Sie haben Recht, naht der Tod, dann ab ins Krankenhaus, ist keine besonders würdevolle Handlung, wenn ich Sie jetzt richtig verstanden habe.
Und bei den vielen Suizidversuchen fragt man sich auch,
warum nur, warum nur.

#36 |
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Monika Maiwieden
Monika Maiwieden

Nicht immer mehr Theorie!
Das adäquateste Mittel : Menschlichkeit!
Und dann sollte auch im Krankenhaus gelten:.
..” (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. …”

#35 |
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Arzt
Arzt

Vergleicht man die heutige Zeit aus ärztlicher Sicht mit der Zeit, sagen wir vor 50 Jahren, so ist bezüglich Einstellung zum Sterben eine deutliche Entwicklung unserer medial dressierende Gesellschaft nicht zu verkennen.
Ich habe als Medizinalassistent in einer inneren Intensivstation (Vergiftung) gearbeitet.
>90% der lebensbedrohenden Vergiftungen waren Suizidversuche. Wer dort lebend ankam, verließ die Abteilung praktisch zu 100% lebend in der Regel auch ohne dauerhafte org. Schäden.
Es gibt also das 100 oder 1000fache an geretteten Suiziden, gegenüber “Erfolgreichen”, immerhin ca. 10000/Jahr in Deutschland.
Heute wird der Ruf nach AKTIVER Sterbehilfe immer lauter, die nach Gesetzeslage (noch) strafbar ist, in Gerichtsurteilen wurde früher schon eine Unterlassung bestraft, die nach med. Gutachter maximal 2 Tage Lebensverlängerung gebracht hätte. Wenn nun Lebensverkürzung durch den Arzt erlaubt wird, womit ich rechne, wird es auch bald geboten sein
und dann kommt das unvermeidliche juristische Folgeproblem,
ob man den zig-Tausend Suizidversuchen überhaupt noch helfen DARF?
Es sind wirklich zig-Tausend!
Statistiken erfassen immer nur die “Erfolgreichen”.

Desweiteren rechne ich als Arzt mit einer “Legalisierung” von Drogen,
auch wenn ich dagegen bin,
ebenso GEGEN aktive Sterbehilfe
und gegen die Todesstrafe.

#34 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Dr. Bertram Staudenmaier in diesem Zusammenhang selbstverständlich eine berechtigte Frage.
Der Kostenträger (GKV) ist der Ansicht, dass das überhaupt keine Krankenhausleistung ist und daher auch nicht erstattungsfähig sei,
wie ja viele ERBRACHTE Leistungen je nach Urteil des prüfenden MDK
NICHT bezahlt werden.
Hier hat nun ein Gerichtsurteil von 2011 eingegriffen,
http://www.dkgev.de/dkg.php/cat/133/aid/8154
ich zitiere (Hervorhebung durch mich):
“Pointiert stellt es (das Gericht) heraus, dass es VERWERFLICH sei, die Krankenhausbehandlungsbedürftigkeit einer Patientin unter Hinwies auf deren nahenden Tod NACHTRÄGLICH abzulehnen. Diese Feststellung stärkt die Einschätzungsprärogative des behandelnden Krankenhausarztes, der – wie im vorliegenden Fall – bei der Einlieferung und der Anordnung der Krankenhausbehandlung zunächst von einer Stabilisierung der Gesundheit und der Rettung des Lebens des Patienten ausgeht. Jede andere Auslegung birgt die Gefahr in sich, dass die Krankenkassen in den Fällen, in denen ein Patient zeitnah nach Einlieferung an den Folgen seiner Erkrankung verstirbt, die Erforderlichkeit der Krankenhausbehandlung verneinen, diese als Sterbebegleitung ansehen und eine Vergütung verweigern.”
Trotzdem
bleibt die “Sterbebegleitung” keine abrechenbare Krankenhausleistung, sondern nur das, was an “medizinischen Leistungen” dabei abrechenbar ist. Das weite Feld der human erforderlichen Palliativmedizin, nichts neues und trotzdem nach kontinuierlicher Verbesserung der Schmerztherapie sicher eher besser geworden als schlechter.
Wer stirbt heute noch zuhause?
Weiterhin ist es ein Beispiel für die auch international ungewöhnliche FEINDSELIGKEIT der verschiedenen Partner im Gesundheitssystem.
Sündenbock Nr.1 natürlich immer der Arzt.
Hier soll er also gleichzeitig die Krankenhausaufnahme verweigern und nicht verweigern.

#33 |
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Medizinphysiker

Eine etwas heikle Frage (bitte nicht missverstehen!): wie wird das Sterben im Krankenhaus eigentlich abgerechnet, ist es in der Fallpauschale der Grunderkrankung eingeschlossen?

#32 |
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Gast
Gast

Facit: es stimmt etwas nicht in einer Gesellschaft,
in der humanes Sterben mehrheitlich ins anonyme Krankenhaus verlagert wird
und gleichzeitig
die Personalbesetzung dort gesellschaftlich so reduziert wird,
dass das “Gewünschte” nur eingeschränkt möglich ist.

Vielleicht sollten die vielen Kritiker einfach mal definieren,
wie Sie sich das denn genau vorstellen.
Soll eine Spezialschwester “Händchen halten”?

#31 |
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Heilpraktiker

Ich bin Gesundheits- und Krankenpfleger und habe in der ambulanten Pflege, Altenheimen, Belegkrankenhäusern, Unikliniken und Beatmungspflegediensten, von Wohnbereich über Notaufnahme, Onkologie bis zur Intensivstation gearbeitet.
Sterbebegleitung gehört zu den Berufsbildern im Gesundheitswesen mit dazu.
Meines Erachtens steht und fällt ein würdevoller Tod mit Ärzten und Pflegepersonal.
Emotionale Kompetenz und Empathie sind allerdings nicht immer Allen und zu allen Zeiten gegeben.
Der Mangelnde Personalschlüssel kann sicherlich als Ursache schlecht empfundener Sterbebegleitung empfunden werden.
Man darf aber auch nicht unterschlagen, welchem rechtlichen Druck das Krankenhauspersonal unterliegt wenn keine Patientenverfügung vorliegt.

Dennoch habe ich bis jetzt in meinen Diensten, den Umständen entsprechend, immer maximale Anteilnahme bei Ärzten und Pflege erlebt.

Schulungen hin oder her, wenn eine 30 jährige Frau Ihren Mann verliert und das gemeinsame Kind alleine durchbringen muss, ein älterer Mann seine Ehefrau verliert oder ein Kind seine Elternteile kenne ich keinen Kollegen der nicht versucht es würdevoll und im Rahmen der Gesetzte Deutschlands zum Ende kommen zu lassen.
Sei es die Fachkraft oder der zu Sozialstunden verdonnerte, solche Einschläge berühren.
Wenn man allerdings ethische Grundsätze und die Gesetze als unkongruent empfindet muss man sich die Mittel der Demokratie zu Nutze machen und entsprechende Gesetzte ändern.

#30 |
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Erich Baumann
Erich Baumann

Wen die “Pflegeroutine” stört, sollte das doch wirklich selbst zuhause machen können.
Bei der heute außerordentlich schwierigen Frage einer Frau fürs Leben,
sind Krankenschwester immer noch eine Empfehlung.

#29 |
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Ärztin

Hallo Gast,

ich weiß nicht, ob es sich bei den Kommentatoren, die sich nicht mit Namen zu Worte melden, stets um denselben Menschen dahinter handelt, die auffällige Häufung von Gästen legt dies allerdings nahe. Insbesondere wurden anscheinend die letzten beiden Kommentare mal schnell in die Welt geworfen und zeigen eine Herzlosigkeit bzw. Unwissenheit:
Hier werden die KrankenpflegeschülerInnen sehr genau ausgesucht, da es deutlich mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gibt, natürlich werden da ein paar KandidatInnen dabei sein, denen ein anderer Beruf besser zu Gesicht stünde. In der Altenpflege mag es einige geben, die vom Arbeitsamt oder wie auch immer da jetzt heißt dazu verdonnert werden, die meistens aber schnell wegen der harten Arbeit wieder aufgeben; jedenfalls die, die nicht mit dem Herzen dabei sind. Ich bin oft in Pflegeheimen und habe schon lange keine Lätschigkeit gegenüber den Pfleglingen mehr erlebt, allerdings oft Verzweiflung, wenn insbesondere nachts der Pflegenotstand besonders hoch ist.
Der Kommentar zu Gertrud Wagner zeigt, dass Sie entweder ein blutiger Laie sind, oder auch als Doc oder Pfleger mit Sterbenden nicht so wahnsinnig viel zu tun hatten (oder die Behandlung Sterbender dem Pflegepersonal überließen?). Bei vielen Krankheitsbildern ist ein symptomreduziertes Sterben zu Hause oft nur möglich, wenn zumindest kurzfristig eine Fachkraft bereit steht, was selbst der SAPV in Großstädten oft nicht möglich ist. Nicht umsonst gibt es Übergaben der SAPV ins Hospiz oder auf die Palliativstation (oder eine andere Station mit innerklinischen Palliativdienst).
Die plakative Frage an Frau Wagner lässt die Frage aufkommen, wieviel Sie persönlich mit der hier im Thread bemängelten Herzlichkeit am Hut am.

#28 |
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Gast
Gast

Alle, die woanders keine Lehrstelle erhalten, strömen in die Pflege. Irgendeine Ausbildung muss man ja machen. Wenn man sich ansieht, was da alles in die Pflege strömt bzw. geströmt ist, ist die Kälte und Ignoranz, die Gertraud Wagner erlebt hat, kein Wunder.

#27 |
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Gast
Gast

@Gertraud Wagner warum haben Sie sie nicht nach hause genommen?

#26 |
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Heilpraktikerin

Meine Mutter ist in einem Krankenhaus gestorben. An einer Lungenentzündung, die sie sich dort zugezogen hatte.
Würdeloser ging es nicht. In einem winzigen Zweibettzimmer, in dem sich kaum die Familie ums Bett versammeln konnte. Mit einer dementen Mitpatienten, die die Situation nicht mehr einschätzen konnte und ununterbrochen nörgelte und Pflegepersonal, dass sich um die ganze Situation nicht kümmerte und ziemlich herzlos im Abschiedsprozess die Familie aus dem Zimmer bat um seine Pflegeroutine absolvieren zu können. Bei soviel Kälte und Ignoranz hilft weder genug Personal, noch Schulung.

#25 |
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Yvonne Böttcher
Yvonne Böttcher

Die Tatsachen,die Robin Engert benennt sind bei uns zu Lande Fakt-alles andere Einzelfälle die durch aus wünschenswert sind-Problem ist Zeit,Personal,Motivation-da nützt die beste Zusatzfortbildung nichts,wenn sie nicht angewendet werden kann…(zumindest nicht überall)-ich hoffe sehr,dass sich etwas ändert-und der Staat seine Verantwortung wieder aufnimmt und nicht alle Einrichtungen verscherbelt…aber das wird auch ein frommer Wunsch bleiben fürchte ich,wie der Wunsch nach würdevollen Sterben im KH(wobei schon das würdevolle Genesen überspitzt gesagt eines alten Menschens erschwert ist unter aktuellen Umständen….)Geben wir die Hoffnung nicht auf und die Motivation unser aller Bestes zu tun!

#24 |
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Ärztin

Meine Antwort bezog sich auch eher auf das von Gast mehrfach angesprochene Miserere, was beim paralytischen und opioidinduzierten Ileus eher selten ist und dem mit konservativen Mitteln meiner Erfahrung nach relativ gut zu begegnen ist (wenn oft auch oft wiederholt) sondern eher beim obstruktiven.

#23 |
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Ärztin

@Dr. Bayerl: Wird wie Relistor (Methylnaltrexon), wird kaum preiswerter sein (um die €45,-). Unterschreibt der gemeine deutsche Oberarzt auf Sonderrezept nur gelegentlich.

#22 |
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Heilpraktiker für Psychotherapie -systemische Verfahren-
Heilpraktiker für Psychotherapie -systemische Verfahren-

Im November 2013 verstarb mein geschätzter Schwiegervater intensivmedizinisch an den Folgen einer Herzklappen-OP in einer kardiologischen Fachklinik.
Ich war vom Engagenment und der Empathie von Ärztinnen und Pflegepersonal dort tief beeindruckt. Die Aufbahrung fand sehr würdevoll im Behandlungsraum statt, die Betroffenheit der Ärzte und des Pflegepersonal war kongruent. Es fiel mir schwer, mich fachlich nicht um das Personal kümmern zu können, sondern meiner Schwiegermutter und meiner Frau zur Seite zu stehen. Ich wünsche mir, dass das gebeutete Klinikpersonal regelmäßig auch psychologische Supervisionen erhält, um optimal mit sich selbst und den Angehörigen umgehen zu können.

#21 |
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Ich möchte aus der Sicht des im Akutkrankenhaus tätigen Arztes noch einmal auf den häufigen Vorwurf der unnötigen Lebens- und Leidensverlängerung und derartigen Unsinn zurückkommen: Ich kann Gast #1 hier nur zustimmen, dass eher das Gegenteil der Fall ist, ständige Bettennot, regelmäßige Katatstrophen-Bereitschaftsdienste mit übervollen Intensivstationen, fehlende Beatmungsmöglichkeiten, fehlende Überwachungsmöglichkeiten: Glaubt denn ernsthaft jemand daran, dass vor diesem Hintergrund, der unser Alltag ist, Patienten gequält werden indem sie gegen ihren erklärten Willen am Leben gehalten werden? Die wirklichen Probleme in solchen Situationen sind u.a. : unerfahrene Assistenzärzte, die ihrer beratenden Aufgabe nicht nachkommen. Es ist keine Lösung, überforderte Angehörige zu fragen: was sollen wir denn jetzt mit ihrem Angehörigen machen und wie weit sollen wir gehen? Mit dieser Frage, ohne leitende Hand durch den medizinischen Profi, sind Angehörige überfordert! Die ärztliche Aufgabe besteht auch darin, Angehörige in solchen Entscheidungen zu leiten. D.h. wenn ein alter, aber bis dato fiter Patient mit einer Urosepsis kommt, besteht eine gute Chance dieses Krankheitsbild nach kurzer intensivmedizinischer Behandlung in den Griff zu bekommen. Da sollte man den Angehörigen aktiv ZU einer intensivmedizinischen Behandlung raten. Bei Patienten mit infauster Prognose muss man dann aber genau so überzeugt den Angehörigen raten: aus medizinischer Sicht macht eine weitergehende Behandlung keinen Sinn, ich rate Ihnen, einer intensivmedizinischen Behandlung nicht zuzustimmen! Die Chancen die Erkrankung in den Griff zu bekommen sind nicht null, aber sehr schlecht. Es ist sehr viel wahrscheinlicher dass wir mit der Intensivtherapie einen bereits jetzt einsetzenden Sterbeprozess verlängern und Ihren Angehörigen damit um einen raschen und würdevollen Tod bringen.

Ein weiteres Problem sind auch die unsäglichen Patientenverfügung von Notaren und Rechtsanwälten. Sinngemäß: “wenn ich mich in einem unabwendbaren Sterbeprozess befinde und nach medizinischem Ermessen keine Aussicht auf Besserung besteht, dann möchte ich keine “Apparatemedizin”. Was für ein Blödsinn!! Wenn ich mitten in der Nacht zu einem sich akut verschlechternden Patienten gerufen werde, habe ich meist keine Möglichkeit unmittelbar herauszufinden ob es sich um einen unabwendbaren Sterbeprozess handelt. Ich muss JETZT wissen ob der Patient wiederbelebt werden möchte, und kann nicht vorher irgendwelche Voraussetzungen erfüllen. Alle diese Patientenverfügungen, die von dieser Voraussetzung ausgehen sind einfach sinnlos. Der Patient muss sich konkret äußern, je konkreter um so besser. Z.B. “wenn ich überraschend versterbe, möchte ich keinesfalls wiederbelebt werden, ganz egal ob die Aussichten für eine erfolgreiche Wiederbelebung gut oder schlecht sind.” Oder: Ich möchte im Falle eines plötzlichen Kreislaufstillstandes primär wiederbelebt und auf Intensivstation verbracht werden. Wenn sich in der anschließenden Diagnostik eine Erkrankung mit mäßiger oder schlechter Prognose (hier müssen zahlreiche Beispiele hin, was der Patient darunter versteht) findet, sollen Beatmungsgeräte etc. sofort abgestellt werden und ich dem Tode überlassen werden. Wenn dies nicht der Fall ist, schließe ich Therapien mit vermutlichem Dauercharakter, z.B .Implantationen von Defibrillatoren, Dialysebehandlungen (usw.) aus.”
Ausschließlich solche Patientenverfügungen würden in der Akutsituation wirklich weiterhelfen. Aber eine solche Verfügung habe ich noch niemals gesehen.

#20 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Barbara Lebert, für die opiat-bedingte Opstipation kann man sich Naloxegol (Moventig®) merken, einen nur peripher wirkenden μ-Opioid-Rezeptor-Antagonist,
Er hat nach mehreren Studien (KODIAC) die EU-Zulassungsempfehlung erhalten, die FDA – Zulassung (USA) ist schon da.

#19 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Weder in Krankenhäusern noch in Pflegeheimen ist es heutzutage noch möglich, würdevoll zu sterben. Kein Wunder, wenn man sich die tatsächlichen Personalschlüssel vor Augen hält. 1:10 bis 1:15 ist da keine Seltenheit. Gestern habe ich noch eine alte Dame in einem Pflegeheim besucht. 35 Bewohner, davon 19 Bewohner voll pflegebedürftig, es waren drei Pflegekräfte und eine Küchenfrau auf der Station! Der Rest der Schicht krank.

Auch sind Pflegepersonal und Ärzte m. E. nur unzureichend mit dem Thema Tod trainiert bzw. geschult. So wurde mir vor nicht allzu langer Zeit bei einem 89 Jahre alten Familienangehörigen meine Frage nach Morphin gegen die Schmerzen zur Antwort gegeben, dass Morphin doch süchtig macht und man es erst mit anderen Mitteln versuchen wolle.

Räumlichkeiten wie ein adäquat eingerichtetes Sterbezimmer, wo sich auch Familienangehörige aufhalten können, gibt es schon lange nicht mehr.

Traurig, aber wahr….

#18 |
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Man kann den Pflegekräften und Ärzten keinen Vorwurf machen.
Die Krankenhausstationen sind personell chronisch unterbesetzt.
Es bleibt kaum Zeit für die Kranken und noch weniger Zeit für die
Sterbenden. Aber unsere Verantwortlichen im Gesundheitssystem
ist das egal.
Man braucht kein Training ,sondern einen besseren Personalschlüssel.
Aber bei der miserablen Bezahlung im Gesundheitswesen ist auch jeder
demotiviert.

#17 |
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#Gast9
#Gast9

Mir ging es auch darum, dass man auch bei Schwerkranken die Ursache von Schmerzen nicht ganz aus den Augen verlieren darf.
Ich will ein Beispiel nennen:
Eine schwerkranke, aber nicht moribunde Frau mit metastasiertem Mamma-Ca wurde mir wegen einer Spontanfraktur (Metastase) im Oberarmschaft (humerus) vom Geriater, wo sie stationär lag, vorgestellt, es war ihm wohl peinlich, denn er hielt es für eine Zumutung, hier noch etwas zu operieren, die Angehörigen hätten wohl darum gebeten.
Nun schmerzmäßig und auch pflegerisch ist das wegen den beiden benachbarten Gelenken – Schulter und Ellenbogengelenken sehr misslich (“Dreschflegel”) und die Patientin bat mich selbst um Hilfe.
Hier konnte man nicht nur palliativ mit einem Minimaleingriff, zwei kleine Inzisionen in LA vom Ellenbogengelenk aus, unter Rö-Bildwandlerkontrolle, geschlossen mit zwei gekreuzten K-Drähten über die Fraktur bis in den Oberarmkopf die Fraktur stabilisieren und schmerzfrei machen. Der Geriater war erst entsetzt und dann Gott sei Dank doch dankbar für die wesentliche Verbesserung der Pflegesituation.
Insofern ist Palliativmedizin für den Fachmann in der Realität immer auch ein Stück Verlängerung,
das, was man uns Ärzten ständig vorwirft.

#16 |
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#Gast9
#Gast9

@ Verehrte Dr. Barbara Lebert, freut mich sehr zu hören, ich schätze jeden engagierten Dr. und es ist tatsächlich möglich, aber kein Kinderspiel, JEDEN Sterbenden schmerzfrei und damit auch angstfrei zu bekommen. Das sehe ich pers. als ärztliche Pflicht.
Ich wollte mit meinen Einwand nur auf die Probleme hinweisen, die gar nicht so selten damit verbunden sind. Einen allgemeinverbindlichen “Trainingskurs” dafür kann es gar nicht geben. Das scheint mir eher eine Hybris von Aktivisten. Und ich habe bei Entlassung eines infausten Patienten aus dem Krankenhaus, diesem und den (einem) nahen Angehörigen immer versichert, dass sie bei echten Problemen immer mit Priorität wieder aufgenommen würden.

#15 |
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Ärztin

#Gast 9: Doch habe ich verstanden. Im Rahmen einer adäquaten palliativmedizinischen Behandlung gehört zur Symptomkontrolle natürlich auch die Linderung von Übelkeit und Erbrechen durch Medikamente oder wie ich geschildert hatte, auch einer Sonde dazu, die bei Miserere (das meist bei mechanischem Ileus entstehen kann) regelhaft gelegt wird. Die Behandlung kann aber keinesfalls im Absetzen indizierter Opioide bestehen, wodurch der Patient nicht nur in ein Schmerzloch fallen würde sondern auch unter den massiven Entzugserscheinungen leiden würde.

Ich habe viele Patienten sterben sehen, “gut” und “nicht gut”. Ich kann mich an keinen erinnern, der bei uns schmerzgeplagt gestorben ist, und auch an keinen, der bis zu seinem Tod erbrochen hat. Ich habe den Eindruck, dass die Angst das Symptom ist, das den Patienten (und dessen Angehörige!) am meisten belastet, bei eingetrübten Sterbenden evt. nur durch Unruhe äußerbar. Dann ist evt. auch eine palliative Sedierung notwendig. Patienten, die sich noch äußern können, stimmen auch sehr oft der Frage “möchten Sie schlafen” zu.

#14 |
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Leben zu erhalten ist oft Sterben verlängern, meine Mutter hatte das aber vorher ausgeschlossen und wurde in einer palliativen Station hervorragend betreut, auch ich konnte jederzeit kommen, anrufen, dabei sein. Danke Klinik Hancken Stade Britta Wilke

#13 |
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volker zobiack
volker zobiack

Gast,
in dieser Studie lese ich nichts über Altenpflegeheime. Sterben im Krankenhaus ist in einer Vielzahl der Fälle in meinem DUmfeld bei AltenheimbewohnerInnen unüblich, vielmehr ist bei absehbarem Lebensende eine Rückverlegung ins Altenpflegeheim die Regel. Hier sind die räumlichen und personellen Voeaussetzngen deutlich günstiger d.h. ein würdevolles Sterben ist in der Regel im Altenpflegeheim (konkret in meiner Einrichtung) sichergestellt.

#12 |
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Dipl.-Med. Bernd Weinert
Dipl.-Med. Bernd Weinert

Mehr Personal, bessere Schulung und Trainingseinheiten, effizientere Therapien – das sind Notwendigkeiten, doch sie sind nur die äußeren Aspekte des Prozesses. Die innere Seite der Medaille ist der Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit, dem eigenen Sterben. Nur wer sich damit auseinandersetzt und zu einer (vorläufigen) Lösung kommt, kann sterbende Menschen emotional begleiten. Das ist dann keine Frage vorhandener Zeit mehr, sondern einer Sache der inneren Einstellung.

#11 |
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ich habe während meiner Arbeitszeit im Krankenhaus die Verstorbenen immer im Arztzimmer aufgebahrt – anstatt im Putzraum oder in einer todtraurigen Ecke

#10 |
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Gast
Gast

@Barbara Lebert, das mit dem Ileus (Erbrechen) haben Sie wohl nicht verstanden,
es ist der schäbichste Tod den man sich vorstellen kann.
Nicht um sonst heißt das MISERERE.

#9 |
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Ärztin

Beim derart hochpalliativen Patienten steht die Symptomkontrolle im Vordergrund. Die häufigsten Symptome sind Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Dyspnoe, Unruhe und Angst. Wie Schmerzen ohne Opioide in den Griff zu bekommen wären ist mir nicht bekannt. Ein Subileus oder gar vollständiger Darmverschluss mit Miserere ist kein Grund, die Opioiddosis herabzusetzen, wenn sie ein wirksames Mittel gegen die Schmerzen oder Dyspnoe darstellt. Hier stehen konservative Maßnahmen zur Verfügung, ggf. auch eine nasale Ablaufsonde (wir reden hier doch von Sterbenden!).
Für viele Patienten ist die Angst und Dyspnoe in der Präterminalphase eines der belastendsten Symptome. Auch hier ist Morphin via Perfusor ggf. in Kombination mit Midazolam das Mittel der Wahl. Die evt. daraus folgende CO2-Sedierung wird nicht nur in Kauf genommen, sondern erleichtert dem Patienten den Sterbeprozess.
Zum Artikel im eigentlichen. Das Stichwort ist fehlende Zuwendung durch Personalmangel: Ärztlicherseits (hier fehlt auch die Zeit für viele Nicht-Palliativmediziner sich weiterzubilden) und natürlich Pflegepersonal. Und mit Menschenmangel kann man im weiteren Sinne auch die Rolle der Angehörigen umschreiben, so es denn überhaupt welche gibt: Partner alt und krank, keine Kinder oder die weit weg, zerrüttete Familien, von evt. langer Krankheit ausgelaugte Angehörige.
Und meine Erfahrung mit pallliativen Patienten zeigt, dass leider nicht jeder zu Hause sterben kann, weil die Möglichkeiten, die die palliativen Einrichtungen haben (woher kommt bei gast#1 die Annahme, dass Palliativeinrichtungen mit der Symptomkontrolle überfordert seien?), zu Hause oft nicht durchführbar sind, z.B. häufiger Wechsel der Perfusorspritzen oder die Notwendigkeit rasch zu handeln, wenn ein anderes Symptom in der Vordergrund tritt. Der SAPV muss hier einen riesigen Landkreis betreuen.
Und dass die letzten Tage für viele Patienten im Hospiz oder auf einer Palliativstation doch besser sind als die Wochen zuvor zu Hause. Leider versterben viele Patienten bereits auf der Warteliste, weil es zu wenige Plätze (mit kostspieligem Personal).

#8 |
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Sonja Weiss
Sonja Weiss

ich möchte mich hier mal als angehörige melden. meine geliebte schwester verstarb am 27.07.14 auf der onkologischen station einer großen klinik an brustkrebs. wir als familie, und natürlich auch meine schwester, haben dort die besten erfahrungen gemacht. auch wenn das personal knapp war, jede krankenschwester – ausnahmslos jede! – hat sich immer im rahmen ihrer zeitlichen möglichkeiten (!) rührend um alle patienten der station gekümmert. sie waren alle mit herz und seele dabei und genau das ist das wichtigste – die persönliche einstellung zum job und zu den zu betreuuenden menschen. wenn das nicht stimmt, kann man auch mit fortbildungen nicht allzu viel erreichen.

auch wir als familie wurden quasi mit betreut. es wurden uns seelsorger (ehrenamtliche mitarbeiter) an die seite gestellt, die wir jederzeit kontaktieren konnten. selbst die station durften wir zu jeder tages- und nachtzeit anrufen. auch dies ist möglich, wenn die krankenhäuser es erlauben bzw. die räumlichkeiten für z.b. ehrenamtliche mitarbeiter da sind. ich weiss, das ist nicht immer gegeben. es gab auch ein palliativ-team, welches jederzeit ansprechbar war. zudem wurden immer zwei einzelzimmer frei gehalten, die für die sterbenden zur verfügung stehen.

natürlich ist die atmosphäre sicherlich nicht die beste, halt krankenhaus. natürlich wünscht sich jeder, das er zu hause sterben kann. und natürlich gibt es genug negativbeispiele dafür, das es unwürdig abläuft. aber genau deswegen schreibe ich das hier, denn es ist nicht immer so. wir durften tag und nacht (!) bei meiner schwester sein, was wir auch rund um die uhr geleistet haben. uns wurde ein liegestuhl für die nacht zur verfügung gestellt, dazu decken und kopfkissen. wir durften dort duschen usw. und es wurde nichts (!) dafür verlangt, d.h. wir mussten nichts dafür bezahlen. gegessen haben wir allerdings nicht dort, was aber – dann gegen bezahlung – jederzeit möglich gewesen wäre.

ich möchte hier auch einmal betonen, das es für die angehörigen auch zu hause nicht immer zu leisten ist, was für eine sterbenden person geleistet werden muss. sei es das um- oder ausräumen eines zimmers, damit ein krankenbett dort hinein gestellt werden kann. oder die stetige ärztliche betreuung. gleiches gilt für die 24-std-medikamentenversorgung, die halt auch nur im krankenhaus, oder in hospizen, geleistet werden kann.

alles hat immer zwei seiten und es ist unmöglich, es immer jeder seite recht zu machen. fakt ist für mich, das jede institution ihre berechtigung und ihre notwendigkeit hat – seien es nun neben den krankenhäusern hospize oder palliativ teams. letztlich gilt es, dem sterbenden die letzte zeit so angenehm, wie möglich zu machen. und aus meiner erfahrung heraus weiss ich, das das wichtigste im augenblick des ablebens die tatsache ist, das dieser mensch nicht allein gehen muss. das jemand dabei ist, der die hand hält und eventuelle ängste nehmen kann. und dies hat uns das krankenhaus ermöglicht. sie war nicht allein…

#7 |
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Gast
Gast

Meine Eltern sind beide innerhalb von wenigen Wochen im Hospiz verstorben, beide haben die wertschätzende ” Behandlung” sehr dankbar angenommen. Es standen Ihnen sehr kompetente Palliativmediziner und liebevolle Pflegekräfte bei. Beide haben Morphium erhalten, es hat Beiden sehr geholfen.

#6 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Würde-voll? Es würde schon mal eine halbe Minute reichen, um eine Hand zu halten oder Zeit zu haben für ein paar beruhigende Worte, egal ob bei pflegendem oder ärztlichem Personal. Trainingsmaßnahmen bräuchten diejenigen, die immer weniger Personal immer mehr Arbeit zumuten. Einfach mal 3 Tage hospitieren statt theoretisieren….

#5 |
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Ärztin

Und welches in nicht vorhandene Personal, weil weggespart, kümmert sich?! Diese Diskussion ist zwar wünschenswert, geht aber irgendwie an der Realität vorbei

#4 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Richtig verehrte @Petra,
man kann “verordneten” Personalmangel nicht durch “bessere Schulung” ersetzen.
Klar ausgedrückt, man nimmt mir Arbeitszeit,
verlangt aber gleichzeitig, ich solle mir mehr Zeit nehmen.

Richtig ist auch, dass der MEDIZINISCHE Einsatz von Opiaten immer noch zu wünschen übrig lässt, warum auch immer. Beim “Ileus” ist er allerdings kontraindiziert, siehe #1

#3 |
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Petra
Petra

Ich weiß gar nicht, worüber ich als erstes den Kopf schütteln soll.
Ich beschränke mich einfach zum Einen auf die Aussage, dass das Personal mit adäquaten Mitteln ausgestattet werden muss, um für die Patienten sorgen zu müssen. Vielleicht sollten sich die Krankenhäuser erstmal mit adäquatem Personal – soll heißen, AUSREICHEND!! Personal – ausstatten, um ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen. “Sanftes Einschlafen” bedeutet nicht nur schmerzfrei sein .. sondern möglicherweise auch einfach nur, jemanden an seiner Seite zu haben, der die Zeit hat, bei einem zu bleiben, um einem ggf. einfach nur die Angst zu nehmen. Und die Zeit habe ich als Krankenschwester nicht, wenn ich “nebenbei” noch 20 andere Patienten betreuen muss.
Zum Anderen sind Schulungen generell unerlässlich. Nicht nur für das Krankenhauspersonal, sondern auch für die Ärzte “draussen”. Es kann nicht sein, dass eine sterbende Patientin (die sterben wollte, sterben durfte und durch die Angehörigen plus Pflegedienst bestens versorgt war bis zu einem gewissen Zeitpunk) in’s Krankenhaus verfrachtet wird, weil der Hausarzt der Meinung ist, dass er zuhause kein Morphin gegen die Schmerzen verabreichen könne – dies könne man nur im Krankenhaus machen. Die Folge? Anstatt zuhause “in Ruhe” im Beisein ihrer Kinder einzuschlafen, verstarb die Frau äußerst unruhig (!), alleine (!), in einer fremden (!) Umgebung. Was man daran noch positiv sehen kann, bleibt mir wohl auf ewig verschlossen.

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Gast
Gast

Sehr viel Heuchelei mit dem nimmermüden (falschen!) Seitenhieb auf Ärzte,
die offensichtlich ALLE Probleme lösen sollen, die andere machen.
Palliative Medizin auch und gerade in der Chirurgie (anus praeter) ist weit über 100 Jahre alt.
Die Lebensverlängerung “um jeden Preis” ist ein uralter Hut, der als Vorwurf schon mindestens 30-40 Jahre FALSCH ist (“Apparatemedizin”), schon aus Kostengründen!
Was sich gravierend geändert hat, kann man an der Verkürzung der Liegezeit und dem wirklich massiven Abbau von Krankenhausbetten wunderbar numerisch ablesen; also GENAU DAS GEGENTEIL, die Kranken MÜSSEN so schnell wie möglich raus aus den “Akutkrankenhäusern”, wie sie heute verdächtigerweise heißen.
“Stirb schneller Genosse!”
Dass dann gelegentlich nur noch das “Badezimmer” als Einzelzimmer übrig bleibt, ist dann das Ergebnis. Man kann einen Sterbenden nicht im Mehrbettzimmer liegen lassen.
Was sich noch verändert hat, ist die Auflösung familiärer Bindung und gegenseitiger Verantwortlichkeit von Angehörigen. “Würdevolles Sterben” ist nur möglich “in den Armen” (Anwesenheit) der nächsten Verwandten.
Und in dem Vorwurf der “Lebensverlängerung” steckt nicht selten der unausgesprochene Wunsch von Angehörigen, die das eben NICHT leisten wollen, wie lange das denn noch dauern soll.
Palliativeinrichtungen sind hier kein vollwertiger Ersatz, gerade weil die bei Krebs so häufigen abdominellen Probleme (Ileus) die Pflegekräfte oft überfordert, “wirksame” Schmerzmittel (Opiate) verschlimmern das oft noch, ohne dass man sich darüber im Klaren ist, weil die infauste Krankheitsdiagnose alles überdeckt, zu Unrecht.
Die “Befragung” von Pflegekräften als Kriterium ist schlicht falsch.
Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Einziges Kriterium kann nur der sterbende Mensch selbst sein,
na klar, sehr schwierig, aber der elementaren Bedeutung des Problems einzig angemessen.
Es gibt auch Länder in Europa, da wird ein Mensch in “aussichtsloser Situation” GEGEN SEINEN WILLEN aktiv getötet.
Das wollen wir hier eigentlich nicht.
Ich jedenfalls nicht. Ich könnte dem Patient nicht in die Augen sehen.

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