Suizidversuch: Später Probleme im Berufsleben?

11. September 2014
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Menschen mit Suizidversuchen in jungen Jahren drohe später eine Langzeitarbeitslosigkeit. Viel größer sei ihr Anteil aber noch bei der Zahl der Langzeitkrankenstände und Invaliditätspensionen. Diese starken Auswirkungen auf das Berufsleben zeigt nun eine neue Studie auf.

Studien belegen die Zusammenhänge von Suizidversuchen junger Menschen mit späterer Arbeitslosigkeit. Doch die Auswirkungen auf den beruflichen Werdegang sind stärker als bisher angenommen. In dieser Arbeit wurden erstmals neben Langzeitarbeitslosigkeit (länger als 180 Tage im Jahr) auch Langzeitkrankenstände (mehr als 90 Tage im Jahr) und Invaliditätspensionen unter die Lupe genommen. Wissenschaftler der MedUni Wien und des Karolinska Instituts in Stockholm werteten dazu Daten mehrerer schwedischer Register aus. Seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts werden in Schweden detaillierte statistische Daten über das Gesundheitssystem gesammelt. Diese erlauben einen guten Blick auf die Gesamtbevölkerung. Für die Studie wurden die beruflichen Werdegänge aller 16 bis 30-Jährigen (Stichjahr 1994) mit Suizidversuchen untersucht.

Auswirkungen von Suizidversuchen aufs Berufsleben

Die Studie, die im Top-Journal „International Journal of Epidemiology“ veröffentlicht wurde, zeigt einen eklatanten Zusammenhang zwischen Suizidversuchen und späteren Problemen, sich am Arbeitsmarkt zu etablieren. Menschen, die im Alter zwischen 16 und 30 Jahren einen oder mehrere Suizidversuche verübten, hatten später ein 1,6-fach gesteigertes Risiko auf Langzeitarbeitslosigkeit. Noch größer – und durch diese Studie erstmals aufgezeigt – ist das Risiko auf Langzeitkrankenstände (2,2 fach gesteigert) und auf Invaliditätspension (4,6-fach gesteigert). „Diese Risiken gelten für die schwedische Bevölkerung, auf Basis derer wir die Analyse durchführten, es ist aber davon auszugehen, dass die identifizierten Risikomuster im Wesentlichen auch für Österreich und andere Länder mit hochentwickelten Sozialsystemen Gültigkeit haben, erklärt Erstautor Thomas Niederkrotenthaler vom Institut für Sozialmedizin der MedUni Wien anlässlich des Weltsuizidpräventionstages am 10. September.

Reintegration in den Arbeitsmarkt sind wichtig

„Die Auswirkungen von Suizidversuchen auf die Arbeitsmarktpartizipation wurde bisher beträchtlich unterschätzt, weil man sich meist nur die Fälle der Langzeitarbeitslosigkeit angesehen hatte. Dabei zeigt sich, dass Suizidversuche auch einen starken Effekt auf Krankenstände und Invaliditätspensionen haben“, so Niederkrotenthaler.
„In Anbetracht dieser Ergebnisse ist es sehr wichtig, die Hintergründe, die zur Marginalisierung am Arbeitsmarkt führen, besser zu verstehen“, hebt Studienleiterin Ellenor Mittendorfer-Rutz vom Department of Clinical Neuroscience, Division of Insurance Medicine  am Karolinska Institut hervor. „Dieses Wissen ist unumgänglich, um maßgeschneiderte Programme zur Arbeitsmarktintegration zu entwickeln.“

Invaliditätspensionen stellten bisher oft ein endgültiges Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt dar. Doch das selbst kann langfristig gesundheitsschädlich sein. Mangelnde Perspektiven sowie ein fehlendes soziales Netzwerk mit Kollegen können negative psychosoziale Auswirkungen haben. Eine spätere Reintegration in den Arbeitsmarkt entsprechend der eigenen Fähigkeiten kann hier wünschenswert sein, auch aus sozialökonomischen Gründen, sagen die Wissenschaftler. Eine verbesserte Möglichkeit zur Rückkehr ins Berufsleben besteht in Österreich seit 2014. Ob sich diese Möglichkeit bewährt, müssen zukünftige Studien untersuchen.

Originalpublikation:

Future risk of labour market marginalization in young suicide attempters – a population-based prospective cohort study
Thomas Niederkrotenthaler et al.; International Journal of Epidemiology, doi: 10.1093/ije/dyu155, 2014

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Forschung, Medizin

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2 Kommentare:

Heilpraktikerin

Na das macht den Betroffenen ja wirklich Mut für ihren weiteren Lebensweg, wenn jetzt wissenschaftliche Studien besagen, dass sie in ihrer Zukunft Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten haben!
Für mich sind die “sozialökonomischen” Gründe von geringerem Interesse, als die (Wieder)Herstellung der Lebenszufriedenheit der ehemaligen Suizidanten.
Ich hätte gerne eine Unterscheidung gelesen, zwischen Betroffenen mit psychologischer Nachsorge und solchen ohne. Meine Vermutung geht in die Richtung der erhöhten Vulnerabilität gegenüber den Anforderungen/Zumutungen des Lebens und ob sich dies unter psychotherapeutischer Begleitung verändert hätte…

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Gast
Gast

Logisch richtig muss es natürlich heißen,
Patienten, die einen Suizidversuch unternommen haben,
haben auch andere Probleme.
Aus dem gleichen (gemeinsamen) Grund,
weshalb sie den Suizidversuch unternommen haben.

#1 |
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