Marine Ringelwürmer: Toxine mit Potenzial

9. September 2014
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Das Gift in den Drüsen mariner Ringelwürmer ähnelt Toxinen, die Spinnen, Schlangen und Wespen produzieren, wie Wissenschaftler kürzlich herausfanden. Die gewonnenen Ergebnisse könnten die Tür für mögliche medizinische Anwendungen aufstoßen.

Während Spinnentiere und Schlangen bereits umfangreich auf ihre Gifte hin untersucht wurden, sind die Toxine mariner Ringelwürmer noch relativ unbekannt. Weltweit gibt es gegenwärtig etwa 17.000 beschriebene Ringelwurm-Arten. Eine Gruppe giftiger Ringelwürmer sind die Glyceridae, sogenannte Blutwürmer, die 50 beschriebene Arten umfassen.

Drei dieser Arten wurden nun von Wissenschaftlern aus Leipzig und London untersucht und charakterisiert. Dabei stellte sich heraus, dass der in den Drüsen enthaltene Giftcocktail aus verschiedenen Enzymen, Proteasen und Neurotoxinen besteht. „Auffällig ist, dass in verschiedenen Linien giftiger Tiere immer wieder unabhängig voneinander die gleichen Proteinfamilien als Bestandteil der Gifte auftauchen“, erläutert Mitautor Christoph Bleidorn. „So sind einige der gefundenen Nervengifte denen giftiger Nesseltiere oder Fische ähnlich.“ Die gewonnenen Ergebnisse könnten in Zukunft für medizinische Anwendungen bedeutsam sein, da tierische Gifte die Grundlage vieler Pharmazeutika und medizinischer Werkzeuge bilden. Zwei der untersuchten Ringelwurm-Vertreter stammen von der französischen, die dritte Art von der nordamerikanischen Atlantikküste. Die Proben wurden am Max-Planck-Institut in Leipzig und Laboren in London und Edinburgh analysiert und sequenziert.

Tierische Gifte von großem Wert

Für die medizinische und pharmazeutische Forschung sind tierische Gifte von großem Wert. So werden beispielsweise Schlangengifte dazu verwendet, Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung oder Blutdrucksenkung herzustellen. Dadurch kann Herzinfarkten und Schlaganfällen vorgebeugt werden. Die Gewinnung dieser Toxine in ausreichenden Mengen ist allerdings meist aufwendig und kostenintensiv. Ringelwürmer könnten in Zukunft vielleicht als neue Quelle für pharmazeutisch nutzbare Gifte dienen.

Originalpublikation:

A polychaete’s powerful punch: venom gland transcriptomics of Glycera reveals a complex toxin cocktail
Björn M. von Reumont et al.; Genome Biology and Evolution, doi: 10.1093/gbe/evu190; 2014

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