Kontrastmittel: In Trinkwasser sichtbar gemacht

8. September 2014
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Immer häufiger ist Wasser in Deutschland mit Arzneimittelrückständen verunreinigt. In vielen Flüssen und Seen ist das Kontrastmittel Gadolinium inzwischen in überhöhten Konzentrationen zu finden, so die Jacobs University Bremen.

Bei Gadolinium handelt es sich um ein Hochtechnologie-Metall und Element aus der Gruppe der Seltenen Erden. Es wird als Kontrastmittel bei der Magnetresonanztomographie (MRT) verwendet und gelangt über den Urin der Patienten ins Abwasser.  Da es in Klärwerken nicht entfernt oder abgebaut werden kann, wird es mit dem gereinigten Abwasser in Flüsse und Seen eingeleitet und erreicht nach einiger Zeit das Grundwasser. Natürlicherweise kommt Gadolinium nur in sehr geringen Konzentrationen in Gewässern vor. Durch den Vergleich seiner Konzentrationen mit der anderer Seltener Erden wird es möglich, den Anteil des anthropogenen Gadoliniums, also des Kontrastmittel-Gadoliniums im Wasser zu berechnen.

Hohe Konzentration im Trinkwasser

Nachdem Pilotstudien des Geochemikers Michael Bau, Professor für Geowissenschaften an der Jacobs University Bremen, und seiner Forschungsgruppe gezeigt haben, dass das Kontrastmittel-Gadolinium in den westlichen Bezirken von Berlin und entlang von Rhein und Ruhr auch im Trinkwasser in anomal hohen Konzentrationen auftritt, berichtet die Zeitschrift Öko-Test nun von anthropogenem Gadolinium im Trinkwasser zahlreicher anderer deutschen Städte und Gemeinden. Dies sei laut der Jacobs University bemerkenswert, weil Gadolinium aus MRT-Kontrastmitteln ein Indikator dafür ist, dass auch andere aus dem Abwasser stammende, sogenannte abwasserbürtige Stoffe im Wasser vorhanden sein können.

Für Michael Bau, der diese Entwicklung mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit Jahren verfolgt, sei dies wenig überraschend. „Unsere Untersuchungen zeigen seit längerem, dass überall dort, wo Oberflächenwasser aus Seen und Flüssen eine wichtige Rolle für die Trinkwasserversorgung spielt, relativ hohe Gehalte an Gadolinium aus Kontrastmitteln im Leitungswasser gefunden werden.“ Als Beispiele sind Städte im Einzugsgebiet des Rheins (etwa Düsseldorf und Köln, aber auch Rüsselsheim, Koblenz, Bonn, Leverkusen und Kleve) und der Ruhr (etwa Beispiel Essen und Duisburg) oder der Westen Berlins zu nennen. Dort haben die gemessenen Konzentrationen in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Es gebe aber auch unerwartete Funde, wie beispielsweise in München, wo noch zu klären sei, wo und wie das anthropogene Gadolinium ins Leitungswasser gelange. Als Ergänzung der Öko-Test Studie konnte im Geochemie-Labor der Jacobs University das Kontrastmittel-Gadolinium auch im Trinkwasser von Städten nachgewiesen werden, die in der Studie von Öko-Test nicht untersucht wurden, beziehungsweise für die kein Kontrastmittel-Gadolinium bestimmt werden konnte. Michael Bau führt letzteres auf die empfindliche Analysemethode zurück, die er und seine Kollegen angewandt haben.

Keine Gefahr für den Verbraucher

Es stellt sich nun die Frage nach einer Gefahr für den Verbraucher: „Nein, das Gadolinium ist in den bisher im Trinkwasser gemessenen Konzentrationen gesundheitlich völlig unbedenklich“, betont Michael Bau, fügt aber hinzu, dass, wenn auch das Gadolinium selbst kein Problem sei, es aber anzeige, dass Stoffe, die in Kläranlagen nicht aus dem Abwasser entfernt werden können, ins Leitungswasser gelangt seien. Zu solchen abwasserbürtigen Stoffen gehören zum Beispiel Rückstände von Medikamenten und Körperpflegeprodukten, die ihrerseits schon in geringsten Konzentrationen wirken. Diese könnten vor allem bei der Zubereitung von Säuglingsnahrung bedenklich sein, so die Jacobs University Bremen

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9 Kommentare:

Pole Hullen
Pole Hullen

Grundwasser (nicht Trinkwasser) sollte es im letzten Satz heißen.
Das erhält laufend Nachschub durch Regen und wandert langsam “bergab” Richtung Meer. Grundwasser ist und bleibt unsere wichtigste menschliche Trinkwasserquelle.
Eine tickende Zeitbombe.
Hier ist in erster Linie der Staat (Kommunen) gefragt!

#9 |
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Pole Hullen
Pole Hullen

@Gadolinist das einzig korrekte wäre eine vernünftige Kläranlage.
Man kann die Regeneration des im Kanalnetz schwimmenden Wassermüll nicht den Flüssen und Seen überlassen, das verbietet auch das Wasserrecht, nicht nur das Deutsche, sondern auch das der EU.
Hier wird am falschen Ende von den Kommunen gespart.
Es geht nicht nur um Chemie sondern auch um ansteckende Mikroorganismen, Parasiten, Bakterien, Viren.
“Sedimentation” funktioniert übrigens auch überwiegend durch Mikroorganismen und zwar in einer rel. oberflächlichen Schicht, in der noch eine Belüftung (Sauerstoff) stattfindet.
Genau das soll aber die Kläranlage machen, nicht “die Natur” in der die lebenswichtigen Trinkwasserquellen sind.
Ab einer gewissen Tiefe, ohne Belüftung, Sauerstoff und “Nahrung” im Grundwasser gibt es nur noch Anreicherung. Bakterien (und Viren) leben hier noch im Einzelfall bis 400 Tage, können dabei recht weit verteilt werden.
Auch Trinkwasser steht nicht ganz still.

#8 |
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Christina Hank
Christina Hank

Hormone und Medikamentenrückstände werden durch Sedimentation definitiv nicht entfernt. Sedimentation ist eine Filtration ( je nach Bodenbeschaffenheit des Wassereinzuggebietes mit kleinerer oder größerer Porengröße-), gelöste Stoffe werden hierbei definitiv nicht entfernt.
Daher gelangen diese Stoffe eben doch in unser Trinkwasser- leider.

#7 |
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Gadolinist
Gadolinist

Frau Hofheinz,
die Fische leben ja nun nicht in Trinkwasser sondern im Flusswasser.
Ins Flusswasser gelangen Hormone (da hatte ich ja Frau Gotter recht gegeben), aber eben nicht ins Trinkwasser.

#6 |
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Doris Hofheinz
Doris Hofheinz

Gadolinist
… Hormone … werden durch Sedimente abgebaut …
weshalb kommt es seit Jahrzehnten zu Verweiblichung männlicher Fische?
auch Frauen, die keine Pille nehmen können an hormonabhängigem Mamma-Ca. erkranken
die Spermienzahl der Männer sinkt seit vielen Jahren
unerfüllter Kinderwunsch liegt inzwischen bei 20%
Schwermetalle, Medikamentenrückstände, Hormone machen Wasser zu keinem empfehlenswerten “Lebensmittel”.
Fragen Sie doch einmal bei Ihrem Wasserwerk nach den Grenzwerten der o. g. Beimengungen. Am besten schriftlich geben lassen, dass Ihr Wasser keine Belastungen dieser Art vorweist.

#5 |
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Gadolinist
Gadolinist

Liebe Frau Gotter,

die Hormone gelangen zwar in Flüsse und Seen (da haben Sie völlig recht), aber nicht ins Trinkwasser… die werden nämlich bei der Passage durch Sedimente abgebaut.
Also definitiv warnen, aber bitte nicht übertreiben!

#4 |
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marina geyer
marina geyer

Man stelle sich vor, dass auch noch nach anderen Stoffen gesucht wird, denn nur dann kann man sagen, wieviel im Trinkwasser landet… Und dann wird dieses “Lebensmittel” einen anderen Namen bekommen müssen. Damit das nicht passiert…. Ein Schelm, der Böses denkt.

#3 |
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Heilpraktiker Steffen Jurisch
Heilpraktiker Steffen Jurisch

Tja, da kann man der Kollegin nur beipflichten – eine einfache Erklärung gibt es allerdings und die gilt immer, wenn etwas richtig schief läuft, folge der Spur des Geldes! (Achtung Satire)
Manche Apparate funktionieren nur mit Kontrastmittel und müssen nach der Anschaffung bezahlt werden, sprich ausgelastet. Rückstände im Trinkwasser, nun ja, klar ähm, naja aber die Volksgesundheit steht auf dem Spiel! Kaufen sie doch einfach Wasser in Flaschen, die Anlagen bei Nestle müssen schließlich auch bezahlt werden, ausserdem sichert das Arbeitsplätze, das wollen sie doch auch, oder nicht?
Zu den Rückstände der Pille im Trinkwasser (und anderer Medikamente, wie Antibiotika), typisch Heilpraktiker (keine Ahnung, nicht wirklich ausgebildet), damit ist doch die Freiheit der Frau, die Emanzipation so richtig in Gang gekommen. Ganz nebenbei regelt es auch die Überbevölkerung in den Griff zu bekommen. Warum verstehen das die ewigen Nörgler nicht?

#2 |
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Heilpraktikerin Brigitte Gotter
Heilpraktikerin Brigitte Gotter

Ja, wenn ich da etwas zu sagen hätte, dürfte kein Präparat, Medikament oder Pflegemittel auf den Markt gebracht werden, das sich nicht durch Mikroorganismen oder Bakterien abbauen läßt.
Siehe hierzu die oralen Kontrazeptiva! Östrogene werden in der Umwelt ständig angereichert und lassen sich durch nichts abbauen. Dies verändert den Hormonhaushalt der Menschen einfach übers Trinkwasser! – also Xenohormon. Weitere Xenohormone – Kunststoffe aus Verpackungen usw. usw.
Wir haben doch wirklich schon genug Probleme und es wird immer wieder das “Haus angefangen am Dach zu bauen”. Erst wenn das Kind im Brunnen liegt, wird überlegt – was haben wir falsch gemacht und wie können wir es wieder reparieren? Anstatt einmal umzudenken – leider.

#1 |
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